Tag 4 – Der Weg nach Kroatien

Der vierte Tag erwies sich als recht interessant, wenn wir auch den größten Teil davon nur im Auto verbrachten. Hatten wir am Tag vorher noch überlegt, bei der nächsten größeren VW-Werkstatt ein Ersatzteil zu bekommen, verschoben wir das auf unsere Rückkehr. Das geflickte Kabel hielt und wir waren guter Dinge. Wenn es 600 km gehalten hatte, würde es auch noch die nächsten 600 halten.

Nach einem wenig überzeugenden Hotelfrühstück, nur als Beispiel, auf dem Buffet gab es nur Diät-Marmelade, ging es los. Unser Weg führte uns die Tauernautobahn durch den Tauerntunnel (9,50 €) an Villach vorbei über die ehemalige Grenze zu Slowenien durch den Krawankentunnel (6,50 €). Natürlich gibt es die Grenze zwischen Österreich und Slowenien noch immer, doch dank EU und Schengen wirkt ein Großteil davon eher wie ein Lost Place.

Gleich an der ersten Raststätte hinter dem Tunnel fuhren wir ab und tankten. Diesel für 1,22 statt 1,48 in Österreich. Auf dieser Raststätte verbarg sich auch der Länderpunkt, also der Geocache, den wir brauchten, um das Land auf unserer Karte rot zu färben. Passender weise hiess er auch noch „Welcome to Slovenia„. Direkt davor steht noch ein großes Turbinenrad, welches als Industriedenkmal bestaunt werden kann.

Weiter ging es die Autobahn um Ljubljana herum. Erstaunt betrachteten wir Menschenschaaren auf Brücken und Parkplätzen, die zum größten Teil mit Kameras, den Verkehr bestaunten. Wir verstanden nicht, was genau sie da wollten. Vielleicht war auch ein großes Flugzeug angekündigt, der Flughafen lag nicht weit nördlich von hier. Oder sind Auto- und Truckspotting in Slowenien ein großes Hobby?

Bei Bic fuhren wir von der Autobahn ab auf die Straße Nr. 216, die uns zu einem alten Kriegerdenkmal führte, an welchem wir uns einen Cache als Waypoint herausgesucht hatten.

Weiter ging es auf einfachen Landstraßen zur Grenze nach Kroatien und dort erst ein mal wieder über ein Stück mautpflichtige Autobahn. Hier sieht man deutlich, dass eine mautfinanzierte Strecke funktionieren kann. Die gesamte Fahrdecke war in tadellosem Zustand. Allerdings sollte man auch dazu sagen, dass die Strecke mit etwas über 20 Kilometern für 3,50 € auch nicht ganz günstig war.

Nach nur 22 km wurden wir von unserem 60er wieder herunter gelotst. Durch das kroatische Inland mussten wir noch sechzig Kilometer zurücklegen, um nach Rakovica zu kommen. Dabei stellten wir mehr als ein mal erstaunt fest, dass viele Rohbauten einfach nicht fertig gestellt worden waren. Wann das passierte können wir nicht sagen, dem optischen Eindruck nach, muss der Baubeginn allerdings nach dem Krieg gelegen haben. Für Lost Place Fans muss diese Strecke, entlang der D42, ein wahres Paradies sein, verfallene Häuser in alles Stadien ihres Lebens, teils wohl hunderte von Jahre alt, teils wohl nicht mal Jahrzehnte und mit unzähligen Einschusslöchern. Für uns absolut beeindruckend. So etwas hatten wir noch nicht gesehen.

Auch die Straße hatte schon bessere Zeiten erlebt. Teils ist sie nur so breit das gerade mal ein entgegenkommendes Motorrad an uns vorbei kam. Zwei Waldstücke dürften uns länger in Erinnerung bleiben. Das eine, es war wohl gerade kurz vor uns ein größerer Hagelschauer herunter gekommen, war teilweise dick mit angeschwemmten Eisflecken bedeckt. Es sah aus, als wäre der Winter gerade vorbei und der Schnee noch nicht komplett geschmolzen. Das alles bei über zwanzig Grad. Flache Nebelschwaden zogen den Berg herunter ins Tal. Alles absolut sureal.

Der andere Abschnitt, der engste der Strecke, war komplett mit Schlaglöchern übersät. Aus Spaß vermuteten wir Granantenlöcher, doch warum sollte jemand im Krieg eine abgelegene Straße mitten im Nirgendwo mit Granaten traktiert haben. Mit jeder Kurve wurde es enger und holpriger, wir warteten nur darauf, dass uns ein Bus oder LKW entgegenkam. Es passierte nichts. Doch auch dann hätten wir sicher eine Lösung gefunden, denn alle einheimischen Autofahrer, die wir trafen, waren zwar gnadenlose Raser, doch zum anderen sehr freundlich, zuvorkommend und winkte einen durch oder bedanken sich mit umschwänglichen Gesten, wenn man sie durch lies. Ganz im Gegenteil zu den ausländischen Fahrern, die uns entgegen kamen.

Schliesslich kamen wir in Rakovica an, bezogen das Hotel Sedra und wollten noch den Cache suchen, zu dem wir uns hier her hatten navigieren lassen. Er lag direkt im Ort, doch wir zogen es vor, nicht zu loggen. Inmitten von kleineren Zimmervermietungen sollte die Dose an einem Lampenmast liegen, Muggelblicke von allen Seiten und wohl nur aus Marketing-Gründen der Zimmervermietung direkt hinter dem Lampenmast gelegt. Unter dem Namen „On the way to Winnetou“ hatten wir uns etwas anderes vorgestellt.

Doch trotzdem ist der Name hier Programm, denn hier wurden viele der Karl May Filme gedreht. Am nächsten Tag sollte es zum Silbersee, Entschuldigung, zu den Plitvicer Seen gehen.

Das Abendessen beschlossen wir im Restaurant des Hotels Sedra einzunehmen. Hier war das Essen nicht nur billiger, eine riesige Pizza für gerade mal 4,50 Euro, sondern auch besser als in Österreich. Schon lustig, aber wenn die Kroaten eins können, dass ist es günstige gute Pizza aus dem Holzofen.

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Ein Kommentar zu “Tag 4 – Der Weg nach Kroatien

  1. Thomas

    Das liest sich als ob Ihr eine turbolente Zeit hattet, aber die Hauptsache ist doch, dass Ihr einen trotzalledem einen schönen Aufenhalt hattet.

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