USA2012 – Tag 14 – Flagstaff -> Grand Canyon Village

Es ist Samstag, die Sonne scheint, und heute steht der Grand Canyon auf dem Plan. Nachdem wir schon am North Rim waren, muss natürlich auch die Südseite betrachtet werden. Dass es hier viel touristischer zugeht ist uns klar, unsere nächste Übernachtung ist sogar passend dazu direkt am South Rim in der Bright Angel Lodge geplant.

Spontan entschliessen wir uns, nicht direkt in das Grand Canyon Village, wie der Touri-Ort dort genannt wird, zu fahren. Wir folgen der Beschilderung Grand Canyon East und verlassen Flagstaff auf der gleichen Strasse, dem Highway 89, wie schon am Tag zuvor. Den Sunset Crater lassen wir rechts liegen und wir fahren bis kurz vor Cameron. Während wir brav mit Tempomat unsere erlaubten 65 Meilen pro Stunde fahren überholt uns ein Prius. Einige Meilen später, wie wir es aus dem Fernsehen kennen, hat ihn die Highway Patrol geschnappt.

Links geht es auf die Arizona State Route 64 West, den Bushmaster Memorial Highway. 27 Meilen sind es von hier noch bis zum Grand Canyon. Auf der Strecke wartet dann auch noch das Kassenhäuschen vom National Park Service. 25 Dollar kostet der Eintritt pro Fahrzeug. Auch hier gilt der National Park Pass.

Schon am ersten Aussichtspunkt wartet die bekannte Wasserflaschenauffüllstation. Der Blick von hier in den Canyon ist schon mal sehr schick und weit sehen kann man auch. Unten ist sogar der Colorado erkennbar. Doch die wirklich Attraktion dieses Punktes ist der Aussichtsturm, der innen mit schönen indianischen Wandmalereien verziert wurde. Der Aussichtsturm, der Desert View Watchtower, sieht zwar aus wie ein altes indianisches Bauwerk, ist er aber nicht. 1932 wurde er von Mary E. Jane Colter um ein Metallgerüst errichtet. Das Mauerwerk und die Wandmalereien wurden den Hopi-Bautechniken nachempfunden. 21 Meter ist der Turm hoch und von oben hat man einen noch besseren Blick auf den Grand Canyon, jedoch mindern die dreckigen Scheiben das Vergnügen etwas.

Der Parkplatz des Desert View Points ist riesig, als wir da sind nur spärlich gefüllt, aber trotzdem kommt es uns hier viel voller vor. Schuld könnten unter anderem zwei Busse mit deutschen Reisegruppen sein. Als dann noch eine der Reisegruppenteilnehmerinen mit lautem Gebrüll ihren Mitreisenden zuruft, sie müssen sich unbedingt den Turm von Innen ansehen und das sei ja „sooooooo toooooooll“, haben wir genug gesehen.

Unser nächster Stop ist der Lipan Point. Von hier hat man einen noch besseren Blick in die Schlucht und auch der Colorado River ist noch besser zu sehen. Lipan Point ist eigentlich ein bequemer Ort zum halten. Die Strecke zum Aussichtspunkt ist kurz und einfach. Ganz im Gegensatz zum Grandview Point, den wir als nächstes ansteuern. Wobei dieser von zwei Seiten betrachtet werden sollte. Der Aussichtspunkt selbst ist, abgesehen von ein paar Stufen, gut zu erreichen und bietet auch hier einen grandiosen Blick. Mit dem Trailhead ist dagegen nicht zu spassen. Es hängen auch genug Warnschilder herum. Ein Trail führt von hier bis hinunter in den Canyon. Dabei geht es an alten Kupferminen vorbei. Der Trail ist nicht einfach und man sollte genügend Zeit und noch mehr Wasser mitnehmen. In der Regel ist er auch an einem Tag nicht zu schaffen.

Wir erreichen das Grand Canyon Village. War es bisher einfach nur etwas voller, sind wir jetzt im Verkehrschaos. Alles ist zwar groß und weitläufig angelegt, aber auch unübersichtlich. Wir fahren eine ganze Weile durch das Village und sehen meistens nur grüne Wiesen oder Bäume. Die Parkplätze sind alle überfüllt und nur durch Zufall bekommen wir einen gerade frei werdenden direkt vor der Bright Angel Lodge, wo wir auch übernachten wollen. Wir versuchen einzuchecken, was auch gelingt, allerdings ist noch kein Zimmer frei. Die Zimmernummer können wir uns später abholen. Wir bekommen einen Ausdruck für das Auto, der uns als Übernachtungsgast ausweist und wir somit Langzeitparker sind. Aufgrund der Parkplatzsituation beschliessen wir, uns einen Shuttle-Bus zu suchen.

Die Idee ist eigentlich nicht schlecht: kostenlose Shuttle-Busse um den Verkehr im Nationalpark möglichst niedrig zu halten. In Zion hat es ja auch funktioniert. Hier verkehren drei Linien. Eine umrundet das Grand Canyon Village, die anderen beiden fahren in östlicher und in westlicher Richtung. Da wir aus dem Osten kommen nehmen wir natürlich die nach Westen. Am Wartepunkt dann die erste Überraschung: Hier gibt es Warteschlangen. Dazu kommt dann die zweite Überraschung, als der Bus endlich ankommt. Er ist nur halb so groß wie das Doppelgespann in Zion. Entsprechend eng und voll geht es zu. Wir sind jetzt schon von den Menschenmassen genervt. Da der Bus in westlicher Richtung hin an jedem Haltepunkt hält, zurück aber nur an drei, müssen wir gut planen.

Wir steigen am Hopi Point aus. Von hier kann man noch ein mal gut den Colorado River sehen. Nach ein paar Fotos gehen wir zurück zum Stop und warten auf den nächsten Bus, der allerdings noch voller ist. An der übernächsten Station, the Abyss, steigen wir wegen einem Geocache aus und atmen erst ein mal durch. Wieder warten wir auf den nächsten Bus. Wir fahren bis zum Endpunkt, Hermit’s Rest, durch. Hier gibt es noch mal einen Trail, vom Haltepunkt allerdings nicht so viel zu sehen. Als wir die Schlange vor und die Preise des dortigen Kiosks sehen, fahren wir wieder zurück. Die Überlegung, dass zurück die Busse leerer sind bestätigt sich teilweise und wir können zumindest unterwegs noch etwas sehen.

Auf der Rückfahrt steigen wir am Powell Point aus. Von hier bieten sich noch einmal grandiose Blicke über die Weiten des Grand Canyon – bis der nächste Bus kommt, und der Aussichtspunkt mit Menschenmassen geflutet wird. Zurück an der Bright Angel Lodge machen wir das aus unserer Sicht einzig vernünftige: wir setzen uns in die Bar. Mit zwei Bieren einer lokalen Kleinbrauerei sieht das Ganze doch schon wieder besser aus. Vielleicht haben wir einen schlechten Tag erwischt, vielleicht war es auch blöde an einem Samstag im Grand Canyon aufzuschlagen, aber die Menschenmassen hier nerven einfach nur. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es hier in der Hochsaison aussehen mag.

Zum Abendessen wollen wir nicht mehr weit, und beschliessen im lokalen Hotelrestaurant zu essen. Am Empfang bekommen wir einen Beeper, weil alle Tische belegt sind. Gut eine Stunde später ist dann einer frei. Der Service ist schnell und zuvorkommend, das Essen, abgesehen von meinem Steak, eher unbrauchbar. Damit endet für uns der nervigste Tag der Reise in der Hoffnung, dass es am nächsten Tag besser weiter geht. Und noch ein mal. Der nördliche Teil hat uns deutlich besser gefallen.

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4 Kommentare zu “USA2012 – Tag 14 – Flagstaff -> Grand Canyon Village

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