art’otel Berlin Mitte

Ein Wochenende in Berlin, ein kleines Gin-Tasting und noch ein Markt standen auf dem Programm. Es fehlte nur das richtige Hotel dazu. Zentral sollte es sein und gute Bewertungen haben. Wir entschieden uns für das art’otel in der Wallstrasse. Mit einer U-Bahn-Haltestelle vor der Tür und Blick auf den Alex. Somit ist die Lage auch gut beschrieben, und sie war ideal für unseren Zweck.

Das einzige Manko an der Sache: das Parken. Man kommt zwar mit dem Auto gut hin, so keine größeren Staus sind, doch wo die Karre lassen, während man im Hotel weilt? Vor der Tür ist absolutes Halteverbot, Be- und Entladen frei, doch das war es dann auch. Das Hotel selbst hat eine kleine Tiefgarage. Klein, nun, es gibt zehn Stellplätze für zwölf Fahrzeuge. Reservierungen sind nicht möglich, first come first serve. Die Zufahrt führt durch einen Lift, in den unser Passat gerade so hinein passte. Als der Lift „Stop“ zeigte, passierte nichts, denn wir mussten zusätzlich noch vorne auf Anschlag hinein fahren, damit die Tür hinten zu ging. Vor den zehn Stellplätzen wurde eine Plattform eingerichtet, die sich verschieben lässt. Darauf gibt es noch zwei zusätzliche Stellplätze. Günstig sind diese dann nicht. Zwanzig Euro pro Nacht sind fällig. Sieht man sich in der Nachbarschaft um, ist das allerdings erklärbar. Hier kann man versuchen, sich in den Wohngebieten einen Parkplatz zu suchen. Anwohner haben Parkausweise, alle anderen bedienen die Parkautomaten und zahlen pro Stunde…

An der Rezeption wurden wir nett begrüßt. Wie wir hörten, ist dies keineswegs alltäglich in Berlin. Schnell war alles erklärt, wir hatten unsere Keycards, nein, den Berlin-Führer brauchen wir nicht. WLAN? Aber klar, wir bekommen gleich mehrere Drei-Tage-Codes, weil die sind ja meistens nach einem Tag weg. Warum entdeckten wir dann auf dem Zimmer: 256 kb/s mit 500 MB Volumen. Aber für 15 Euro kann man ja auch mehr Volumen kaufen…

Wir hatten eine Art Suite gebucht. Die war bei Booking.com nicht viel teurer als das normale Zimmer, bot aber mehr Platz, eine Wanne statt Dusche, Bademantel, Kaffeebereiter und eine Flasche Wasser gratis auf dem Zimmer. Uns reizte die Wanne und der Platz. Vor Ort fanden wir dann heraus, dass die Suites in der sechsten und damit obersten Etage liegen. Das hat Vorteile, es kann einem keiner aufs Dach steigen. Hier hat es aber auch einen Nachteil: von den beiden Lifts fährt nur einer in die sechste Etage. Getrennt rufen kann man ihn nicht. Ein Druck auf den Knopf ist ein Glücksspiel, und wer Glück hat, der bekommt auch den richtigen Lift zuerst. Wenn nicht, kann man natürlich auch warten.

Wir hatten Zimmer 607, das hinterste in der letzten Ecke. Das klingt negativ, ist aber positiv. Abgesehen vom Laufweg ist es weit genug vom Aufzug weg, und es kann auch nicht dauernd jemand vor der Tür vorbei laufen. Ruhig ist es hier. So einfach ist das. Das Zimmer ist geräumig. Schrank, laptoptauglicher Safe, Gepäckablage, Schreibtisch (ohne Stuhl), Sitzgruppe, Fernseher, Bett, und natürlich das Bad mit der Wanne. Über den Platz kann man hier nicht meckern – leider aber über die Nutzung desselben. Die Sitzgruppe ist unbequem und in den davor liegenden Platz packen andere einen Ballsaal. Mit einem Sofa, einer anderen Anordnung der Möbelstücke und einem vernünftigen Stuhl am Schreibtisch hätte man hier viel mehr draus machen können. Platz ist schön. Noch besser ist er, wenn man ihn nutzen kann.

Das Bett dagegen, oder besser, die zwei Betten, waren allerdings bequem. Statt einem großen Doppelbett wurden hier zwei einfache zusammengestellt. Die unvermeidliche Ritze in der Mitte störte nicht so sehr, liess sich aber auch nicht leugnen. Das ginge für ein Zimmer dieser Kategorie besser. Das zweite Kissen im Schrank entpuppte sich als Bademantel. Wir finden, bei einem Zimmer in dieser Kategorie gehört ein zweites Kissen auf das Zimmer, ganz besonders wenn das Erstkissen sich als ziemlich klein und dünn entpuppt. Ein Gast soll nicht erst noch fragen müssen. Immerhin schliefen wir gut. Das hätte aber auch am Gin gelegen haben können, und an der Ruhe, die wir hier oben genossen haben. Begrüßt wurden wir morgens mit einem Blick auf den leuchtenden Fernsehturm und das Rote Rathaus.

Die Ausstattung des Bades war ok, die Wanne groß genug, doch alles zeigte gewisse Alterserscheinungen. Die Stange des Duschvorhangs war mit einem Metallwinkel notdürftig repariert, und die Armaturen wackelten. Der Wasserauslauf in die Wanne war nicht duschkompatibel. Er stand so weit nach vorne heraus, dass er beim Duschen, aber auch beim Ein- und Aussteigen in die oder aus der Wanne im Weg war. Dafür fehlte ein Handgriff oder eine Ausstiegshilfe aus der doch sehr hohen Wanne. Durchdacht geht anders.

An Pflegeprodukten war fast alles vorhanden, was man sich denken konnte, sogar Mundspülung (aber erstaunlicherweise keine Zahnpasta oder Zahnbürste). Etwas Pflege hätte aber auch der Rest des Bades gebrauchen können. Dunkle Flecken zierten die bröckelnden Fugen an den Wanne. Ebenfalls dunkle Flecken zierten die Decke über der Toilette und über der Badewanne, und liessen eine Wasserschaden vermuten – da keine Zimmer mehr über uns sein konnten, wohl ein Dachschaden. Eine Runde frische Farbe hätte dem Ambiente gut getan. Klebereste an den Fliesen zeugten von nicht mehr vorhandenen Handtuchhaltern neben dem Waschbecken. Und auch die Armaturen am Waschbecken zeigten deutliche Gebrauchsspuren. Die offenbar (auch) mit doppelseitigem Klebeband fixierte stählerne Kleenexbox auf der Ablage hinter der Toilette (was soll sie da?) passte in gewisser Weise dazu.

Sind wir hier zu kritisch? Ich denke nicht, denn einen gewissen Erhaltungs-Standard kann man schon von einem Hotel erwarten, das sich Art-Hotel nennt. Ein Hotel sollte nicht nur mit einem nett gestalteten Flur mit Kunst an der Wand und Licht im Boden glänzen.

Wer jetzt denkt, nur das Bad würde gegenüber dem Rest abfallen, der irrt. Das Zimmer war weniger abgewohnt, doch auch hier und da wäre mal ein neuer Anstrich fällig. Zudem fällt noch der Kaffeebereiter auf. Eine Tassimo-Maschine. Für den guten Geschmack des daraus hergestellten Gebräus ist sie ja nicht sonderlich berühmt. Zur Auswahl gab es zwei (nicht besonders gute) Tee-Sorten von Twinings, Kakao, Kaffee und Espresso. Mal ehrlich, die Kosten von Nespresso sind im Vergleich nicht wirklich höher, der Geschmack allerdings um einiges besser. Und ob der Müll nun aus Plastik oder Alu ist, darüber wollen wir hier nicht streiten. Eine der Tassen hatte ausserdem eine abgeschlagene Ecke.

Ach ja, da wir schon mal im Meckermodus sind. Heizung haben wir im Zimmer keine entdeckt. Nur eine Klimaanlage, die bis 30° einstellbar ist. Warm machte die so richtig aber auch nicht. Das Zimmer war recht kühl, die Lautstärke der Klimaanlage für die lauwarme Luft recht laut. Dazu kommt dann noch der Fernseher mit bescheidener Kanalauswahl in ebenso bescheidener Qualität.

Da fällt eine Schmutzkante über den Steckdosen im „Vorraum“ des Zimmers fast ebensowenig ins Gewicht wie die Staubablagerungen auf der Designerwaschbecken-Ablage oder hinter dem Bett.

Der Schrank war geräumig, die linke Hälfte bot ausreichend Bügel (und den Safe), in der rechten Hälfte gab es Schrankfächer im Regalstil, in denen man wohl seine Einkäufe oder Schuhe oder stapelweise Kleidung hätte ablegen können.

Irritierend fanden wir das Fehlen eines richtigen Stuhls an der „Schreibtisch“-Zone, die direkt an die Gepäckablage anschloss. Am Laptop arbeiten geht hier nur im Bett. Die Sitzgruppe, zwei eiförmige Designobjekte mit ausziehbarer Beinstütze, war ebenso unbequem wie ungeschickt positioniert und diente uns eigentlich nur als Rucksack- und Jackenablage.

Jetzt könnte man natürlich froh sein, in der Hauptstadt so zentral ein Zimmer für unter hundert Euro die Nacht gefunden zu haben, dazu noch am Wochenende. Allerdings täuscht das nicht darüber hinweg, dass die Erwartungen, die die Website und auch Rezensionen von anderen wecken, nicht erfüllt werden. Es ist schade, dass das Art-Hotel art’otel dann doch nur eines unter vielen ist.

Was wir nicht getestet haben sind das Restaurant, die Cocktailbar und das Frühstück. Für die Gastronomie hatten wir keinen Bedarf, das Frühstück war nicht im Zimmerpreis inklusive, und wir wollten ohnehin woanders frühstücken.

Adresse: Wallstraße 70-73, 10179 Berlin

Wer es trotzdem mit dem Hotel versuchen möchte, der findet es z.B. bei hotel.de oder bei booking.com.

Mehr Reiseinspiration

3 Kommentare zu “art’otel Berlin Mitte

  1. Pingback: China Restaurant Peking Ente, Berlin | Von Hamburg bis Hawaii

  2. Pingback: Ein Gin-Tasting in Berlin | Foodfreak

  3. Pingback: Destille 2013 - Ein Rückblick - Gin Nerds

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Protected with IP Blacklist CloudIP Blacklist Cloud