Royal Hotel *****L, Sanremo, Italien

Den Disclaimer gibt es bei diesem Artikel ausnahmsweise vorweg: wir waren auf Einladung des Hotel Royal Sanremo dort zu Besuch, die Kosten für den Hotelbesuch hat also das Hotel getragen (die Anreise dagegen haben wir selbst übernommen). Ich müsste an dieser Stelle jetzt sowas schreiben wie, dass meine Bewertung des Hotels davon ungetrübt bleibt, aber das wäre gelogen – schlicht deswegen, weil ich selbst mir dieses Hotel nie als Ziel ausgesucht hätte; und weil allein schon die freundliche, herzliche Begrüßung durch das Management des Hotels, vertreten durch Frau Wild, und ihre wahnsinnig nette Kollegin Simona Ilarie, die uns durch das Hotel geführt hat, noch bis heute positiv nachwirkt.

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Allerdings gab und gibt es keine Auflagen von Seiten des Hotels, was und wie wir darüber berichten sollten – im Gegenteil, wie die meisten Touristikunternehmen, die mit Bloggern zusammenarbeiten, freuen sie sich über ungewöhnliche Blickwinkel und emotionale Geschichten, die ihre Destinationen oder Services in einem neuen Licht zeigen, oder ihre Produkte neuen möglichen Kunden vorstellen, die nicht in ihrem bisherigen Fokus liegen.

Aus der Fahrt nach Sanremo haben wir dann gleich einen ausgedehnteren Roadtrip gemacht, von dem Torsten hier ja schon erzählt hat, mit Stopps in technischen Museen und einigen landschaftlich sehr reizvollen Straßen, von denen wir die eine oder andere nochmal bei etwas fotogenerem Wetter fahren möchten…

Ausschlaggebend war vor allem für uns:

Die Location

Sanremo liegt an der Küste Liguriens, Monaco ist – bildlich gesprochen – nur einen Steinwurf entfernt. Die Riviera del Fiori, die Blumenriviera, ist eine Gegend, in die es mich in 44 Jahren nicht verschlagen hat. (Ich stelle fest dass ich mehr von Malaysia gesehen habe als von Italien, jedenfalls gefühlt).

Das Royal Hotel liegt in Sanremo etwas von der Hauptstraße zurück gesetzt auf einem Hügel, der von einer riesigen Gartenlandschaft umgeben ist, und schaut – natürlich – direkt aufs Mittelmeer; die Innenstadt von Sanremo mit Restaurants, Fußgängerzonen, Markt, Shopping, beginnt direkt vor der Haustür, zum Casino sind es nur wenige Meter. Besser kann ein Hotel nicht liegen – und das ist auch kein Wunder, denn das Hotel wurde bereits 1872 eröffnet, als man sich die prime location noch aussuchen konnte.

Klar machen muss man sich, dass die Anreise bis Sanremo, so man denn aus Richtung D / A / CH per Auto kommt, sich zieht. Wir kamen aus Turin, unserem vorherigen Stopp, und sind bewusst „über’s Land“ gefahren statt Autobahn. Wer es schneller und komfortabler mag, kann auch bis Nizza fliegen, das Hotel arrangiert gern einen Flughafentransfer, so gewünscht.

Das Hotel

Ich könnte mich jetzt in umfangreichen Beschreibungen ergehen, statt dessen ein paar Impressionen:

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Was mir gefallen hat, war (u.a. auch im Vergleich zu einigen recht luxuriösen Hotels in und um St. Moritz), dass das gesamte Interieur eine gewisse Leichtigkeit hat, helle, freundliche Farben, man wird nicht von dem Drang zu Antikem erschlagen, wenn auch viele Möbel hier wohl gepflegte Antiquitäten sind. Es kommt selten vor, dass ich mich in einer Hotel-Lobby wohl fühle und mir vorstellen kann, dort länger zu verweilen – hier ist das der Fall. Dazu tragen natürlich auch die meerzugewandten riesigen Panoramafensterscheiben im Erdgeschoß bei, die sehr viel Licht hineinlassen, und den Blick in die Parkanlage öffnen.

Man merkt, dass hier über die Jahre behutsam immer wieder modernisiert wurde, und man sich bemüht, zwar den alten Stil zu erhalten, aber doch insgesamt frischer und moderner zu werden.

Garten Sanremo

Neben runden 18.000 qm Parkanlagen, zu denen ein großer, beheizter Meerwasserpool gehört, und der „sehr gern gebuchte“ Pavillon für das romantische Dinner for two, gibt es natürlich einen Spa-Bereich mit „Wellness“ und einem eigenen Friseursalon, große Konferenzräume, sowie im Sommer ein al-Fresco-Restaurant draussen.

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Hinter dem Hotel finden sich Parkplätze in ausreichender Anzahl, die – das ist keineswegs selbstverständlich – im Preis inbegriffen sind. Auf Wunsch kann das teure Gefährt auch überdacht geparkt werden.

Die Zimmer

Die konsequente, regelmäßige behutsame Modernisierung merkt man auch den Zimmern an. Gerade bei einem Hotel dieser Klasse ist es schwer, Zimmer einfach mal komplett neu zu gestalten, da die Stammgäste „ihre Zimmer“ so erwarten wie immer – auch hier ist der Spagat zwischen dem traditonellen Look und einem moderneren, leichtfüßig-mediterranen Stil für meine Begriffe sehr gut gelungen.

Zimmer Royal Hotel Sanremo

Features wie ein großer Flachbildfernseher sind selbstverständlich, wenn auch in der Programmauswahl Spielraum nach oben ist (zum Vergleich: Das NH Lingotto in Turin offeriert ein Sky-Paket im Zimmerpreis inklusive, mit Sport- wie Spielfilmkanälen). Die Zimmer auf der Rückseite des Hotels haben keinen Meerblick, sondern schauen auf die Küste hinaus, und haben Fensterläden. Aufgefallen ist uns, dass die Safes nicht laptoptauglich waren – gerade bei Gästen die mit 2-3 oder mehr Devices pro Kopf reisen, vielleicht auch noch Kameras und Schmuck dabei haben, fand ich das ein wenig unglücklich.

Die Bäder sind modern und funktional und kommen ohne Kitsch aus; die Ausstattung mit Kosmetika, Bademänteln etc. entspricht dem, was man in einem Hotel gehobenen Standards erwartet.

Unser Bett war ausgesprochen komfortabel, wir haben lange nicht so gut geschlafen – Matratze, Kissen, Bezüge, alles stimmte. 1 mit Sternchen!

Wifi

Anscheinend ist es in Italien in Hotels der gehobenen Klasse üblich, astronomische Summen für 24 h WLAN (Wifi) zu verlangen, so auch hier. In der Lobby gibt es ein kostenloses (und gut funktionierendes) WLAN-Netz; Wi-Fi in den Zimmern dagegen ist kostenpflichtig, und zwar je Device. In Anbetracht der nicht eben günstigen Zimmerpreise kann ich so eine Policy als Gast nur schwer nachvollziehen; üblicherweise wäre das ein Ausschlußkriterium bei der Hotelauswahl für mich. In diesem Fall hat das Hotel uns den Zugang kostenfrei zur Verfügung gestellt. Leider ist aber auch das kostenpflichtige Netz zu den Stoßzeiten völlig überlastet bis unbrauchbar gewesen – wenn bereits um 7 Uhr früh die Verbindung in die Knie geht, ist da noch reichlich Optimierungsspielraum. Ebenso war am Nachmittag – wenn die Gäste von den Tagesaktivitäten langsam zurückkehrten – das Netz superlangsam, mit häufigen Verbindungsabbrüchen.

Schlüssel, Keycard

Einige der Zimmer sind mit modernen Keycards ausgestattet; unser Junior Suite hatte noch „altmodische“ Schlüssel am Schlüsselanhänger, wird aber wohl in der Winterrenovierung auch modernisiert. Deswegen kann ich zur Funktionalität der Keycards hier nichts sagen.

Pool & Spa

Was heutzutage 4 oder mehr Sterne trägt, hat selbstredend einen Wellness-Bereich, der sich ebenso selbstverständlich „Spa“ nennt – hier auch „Royal Wellness“ ;). Die königliche Wellness bedeutet hier im konkreten Fall neben Saunabereich, dem üblichen Fitness-Geräte-Raum, einem großen Whirlpool mit Ruhezone und dem Friserursalon eine Vielzahl verschiedener Massagen und kosmetischer Behandlungen von Anti-Aging Treatment bis Aroma-Schönheits-Wellness-Ritualen. Wir waren eingeladen, eine schwebende Wolken-Massage zu besuchen, eine um Farbtherapie und sanfte Musik ergänzte „automatisierte“ Massage, bei der man in einer Art Wasserbettwanne „schwebte“ um die Rückenmuskulatur komplett zu lockern. Eine ausgesprochen spannende, mir völlig neue Art der Behandlung – eine traditionelle Massage würde ich aber weiterhin vorziehen.

Nicht ganz so königlich fand ich die Wellness-Zone an sich, die eher dunkel und sichtlich nachträglich in den Hotelbau gequetscht wirkte, und bei der am Ambiente noch einige Spielräume für Verbesserungen ins Auge fallen. Gerade in den kühleren Monaten des Jahres, oder nach einer ausgedehnten Tour ins Umland, ist ein gemütlicher Tagesausklang im Whirlpool sicher nett, es wird allerdings mehr Wert auf Ruhe als auf den Verwöhnfaktor gelegt.

Großartig fand ich den Meerwasserpool, der ganzjährig auf 27 Grad C beheizt wird – ich bade bzw. schwimme ohnehin lieber in Meerwasser als in hochgechlortem Süßwasser. Der von Star-Designer Giò Ponti 1948 entworfene Pool liegt etwas unterhalb des Hotels inmitten der Parklandschaft, gesäumt von duftenden Kräutern, Palmen und Olivenbäumen.

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Das einzige Problem: eigentlich mag man das Hotel gar nicht mehr verlassen um noch draußen etwas anzusehen, es lässt sich so wunderbar relaxen hier 🙂

Restaurant & Frühstück

Hotelfrühstück ist ja ein Thema für sich. Ich frühstücke im Alltag eher selten, und wenn, dann meist einen Kaffee oder einen Saft, und erst viel später richtige Nahrung. Auf Reisen suche ich mir nicht selten Hotels, in denen kein Frühstück im Zimmerpreis drin ist – weil ich zum Beispiel längst unterwegs bin, wenn das Hotelfrühstück serviert wird, oder ich andere Orte für’s Frühstücken schon im Auge habe. Wenn ich aber Zeit habe, genieße und zelebriere ich ein Frühstück gern, und dann fallen viele Hotels qualitativ einfach hinten runter. Ausnahmen von dieser Erfahrung merke ich mir sehr genau, und das Royal Sanremo gehört dazu.

Das Frühstück findet in einem kleinen Vorraum des Hauptspeisesaals statt, mit Blick auf die Terrasse in einem gemütlichen kleinen Zimmer, das sich zum Buffet hin öffnet.

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Auf dem Buffet findet sich eine Vielzahl an Broten und Brötchen in Top-Qualität, fabelhafte lokale Marmeladen in konventionell und Bio, die in kleinen Gläschen auf den Tisch kamen (und in die eine oder andere Handtasche wanderten, wie ich beobachtet habe); Beurre d’Isigny (!), frisch gepresste Zitrussäfte, eine Saftmaschine, natürlich Rührei, Würstchen und Speck – wobei das Rührei nicht ganz mit dem Rest mithalten konnte – frisches Obst, Müsli, und das pièce de résistance: frische Patisserie aus eigener Fertigung. OH MY GOD!

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An diesen wechselnden Köstlichkeiten konnten wir uns kaum sattsehen, und begleitet von frisch in der Espressomaschine zubereiteten Kaffeespezialitäten haben wir hier vermutlich die Kalorien des Tages schon allein mit den wunderbaren Gebäcken verdrückt.

Das Abendessen ist Bestandteil der Halbpension, so man diese gebucht hat – und angesichts der Lage des Hotels und auch des Preisniveaus gehe ich davon aus, dass so ziemlich jeder, der hier zu Abend speist, Halbpension gebucht hat. Während in den Sommermonaten auch draussen diniert werden kann, ist in der Nebensaison das Restaurant Fiori di Murano der Ort, an dem dieses Ereignis stattfindet.

Der Name kommt nicht von ungefähr – die an einen Ballsaal gemahnende Halle ist mit Blumen aus echtem Muranoglas geschmückt.

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Auch als Halbpensionsgast speist man natürlich a la carte. Das Essen ist – hat man sich vom Schock der Preise auf der Menukarte erholt – sehr fein, mit mediterranem / italienischem Akzent, und was wir probieren durften, war ausnahmslos köstlich und sehr gut zubereitet.

Ein wenig ungewohnt war für uns der Serviervorgang, bei dem z.B. Suppen in der Terrine gebracht und dann vom Kellner in die Teller ausgeschenkt wurden, Aufläufe die aus der Gratinform aufs „gute Geschirr“ vorgelegt wurden; am Nachbartisch wurde das Balsamessig-Olivenöl-Dressing frisch mit dem Löffel in einem Teller aufgeschlagen, etc. Der sehr personalintensive Service gab uns bisweilen das Gefühl, unter beständiger Beobachtung zu sein, ein Effekt, der von der hellhörigen Raumgestaltung noch verstärkt wurde. Ein Hauch Gemütlichkeit war das, was ich am meisten vermisste.

Unser Essen:

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Wir haben uns jeweils lokale Weine dazu empfehlen lassen, die hervorragend mundeten. Die Patisserie zum Kaffee gab es auf Wunsch für mich auch extra in haselnussfrei. Abgesehen von dem ein wenig steifen Ambiente in diesem „Ballsaal“ können wir das Essen hier nur empfehlen. Und wem davor oder danach der Sinn nach einem gepflegten Drink steht, der wird in der Bar bestens versorgt.

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Der Service

Service ist das, was ein Tophotel von einem mittelprächtigen unterscheidet – und hier glänzen die fünf Sterne des Royal Hotel. Höflich, freundlich, zuvorkommend, aufmerksam, stets da wenn man sie braucht, dann hilfreich, aber nie aufdringlich – genau so wünscht man sich das. Details wie der zweite Room Service, der dezent während des Abendessens seine Heinzelmännchendienste verrichtete, fallen da ebenso ins Auge wie der Oberkellner, der alle Wünsche und Besonderheiten seiner Gäste komplett im Kopf und Auge hatte, und z.B. am 2. Abend bei unserer Espressobestellung die Servierkraft losschickte, um die eigens für mich gefertigten Gebäckstücke ’senza gianduja‘ zu organisieren. Man fühlt sich auf überaus nette Art umhegt, und auch etwas schwierige Gäste handhabt der Service mit Freundlichkeit und gelassener Professionalität. Sonderwünsche werden sofort erledigt, Wunder dauern ein Momentchen länger.

Gesamturteil

Das Royal Hotel *****L (wobei das L für Luxusklasse steht) hält, was es verspricht. Entspannter, unkomplizierter Luxus, mit top-geschultem und überaus zuvorkommendem Personal, feinen Zimmern, und exzellentem Essen, einem wunderschönen Pool und Park, und einem Ambiente, das wirklich etwas her macht. Die fünf Sterne und der dauerhafte Eintrag in die Liste der Leading Hotels of the World sind hart erarbeitet und verdient. Dennoch gibt es einige Bereiche, in denen das Hotel besser werden kann – namentlich die Gestaltung des Spas, und eine behutsame Modernisierung des einen oder anderen Zeremoniells.

Würde ich nochmal hier übernachten?

Tatsächlich hätte ich gern ein paar Nächte mehr hier verbracht – zum Beispiel, um den Küstenradweg zu fahren, der hier beginnt. Da ich ein tendenzieller Off-Season-Besucher bin (die Hochsaison hier sind die Sommermonate und der Mai, da im Mai der Monaco Grand Prix stattfindet), würde mir besonders der beheizte Pool sehr gefallen, und die Zimmer und der Service wie auch das fantastische Frühstück sind durchaus gute Gründe, das Royal Sanremo zu wählen. Allerdings würde ich mir dann einen Safe wünschen, der bequem einen Laptop beherbergen und ggf. laden kann, so dass ich relaxt einen Tag radeln gehen könnte, ohne die komplette Hardware mitzunehmen. Unverzichtbar wäre vor allem ein zuverlässiges, schnelles und zumindest günstiges WLAN-Angebot, das mir sichere Transaktionen beruflicher Natur auch auf einem Ausflug in ein 5-Sterne-Hotel ohne Probleme ermöglicht.

Royal Hotel *****L, Sanremo

Corso Imperatrice 80
18038 Sanremo (IM), Italy

www.royalhotelsanremo.com


(geschlossen: November-März)

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5 Kommentare zu “Royal Hotel *****L, Sanremo, Italien

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