Michelstädter Rathausbräu – Michelstadt, Odenwald

Da haben wir ihn, den ersten Artikel über ein Restaurant, ganz ohne Bilder. Wie es dazu kam? Wir wollten mit Mutti essen gehen, und nach einigen gut klingenden Empfehlungen waren wir der Meinung, in der Michelstädter Rathausbräu wären wir gut aufgehoben. Wir dachten, auch Mutti, die unter „Essen gehen“ auch „Schnitzel essen gehen“ versteht, würde hier etwas finden.

Doch leider war Mutti vor einiger Zeit gestürzt, somit war die parkplatzlose Rathausbräu schon mal nicht so gut gewählt. Aber ich könnte ja vor die Tür fahren, Mutti absetzen und zu einem nahe gelegenen Großparkplatz fahren. Es sollte nicht sein, denn Samstags von 15 bis 20 Uhr ist die Durchfahrt durch die Michelstädter Altstadt nicht erlaubt. Also suchte ich den nächstmöglichen Parkplatz, und Mutti musste dreihundert Meter auf ihren Krücken laufen. Das alles wäre noch nicht ganz so schlimm gewesen, doch als wir die Rathausbräu um 17:30 betraten, waren rund um die Theke im Erdgeschoss keine Tische zu finden. Es war schon dunkel und kalt, draussen sitzen war also auch keine Option.

Ich fragte die anwesende Bedienung nach einem Platz für drei, worauf sie nur sagte: „Heute ist Konzert, müsst Ihr mal oben schau’n“. In der Erwartung, oben Plätze zu finden, schleppte sich Mutti mühsam die Treppe hinauf. Auch hier war der Service eher barsch: „Hier ist alles reserviert, müsst ihr mal im Wintergarten gucken.“

Im Wintergarten fanden wir auch einen freien Tisch. Den hintersten, direkt neben der Destille, durch eng gestellte Tische schon ohne Krücken nur mühsam zu erreichen (weiter vorne gab es noch einen zugigen – genau im Durchgang). Jetzt könnte man fragen, warum wir nicht reserviert hatten. Nun, der Besuch war recht kurzfristig zu Stande gekommen.

Schnell hatten wir die Karten und suchten uns unser Essen aus. Mutti nahm die Schweinelende mit Spätzle, Petra entschied sich für die „Hausgemachte“ Sülze mit Bratkartoffeln, und ich wählte den Schweinebraten mit Semmelknödel und Bayrisch Kraut.

Das Essen kam recht zügig. Fangen wir wieder mit Mutti an: Sie hatte enorme Probleme, die Lendchen, drei Scheiben waren auf dem Teller, überhaupt zu schneiden. Sie waren so zäh, dass sie praktisch nicht zu kauen waren. Zumindest nicht für ältere Leute. Die Spätzle an sich waren wohl nicht schlecht, wurden aber aufgrund der Kaubemühungen schnell kalt. Somit blieb am Ende die Hälfte auf dem Teller. Petras Sülze könnte man auch als geschmacklos bezeichnen. Die Bratkartoffeln, zur Hälfte recht hell, zur Hälfte recht verbrannt, schwammen in Öl. Auch hier blieb die Hälfte auf dem Teller. Lediglich mein Teller war am Ende leer. Auch wenn ich das beste der drei Gerichte hatte, war es nicht makellos. Das Bayrisch Kraut war hauptsächlich sauer, die Semmelknödel nicht schlecht, die Soße naja, und das Fleisch, drei dünne Scheiben, so trocken, wie es auch durch Aufwärmen in der Mikrowelle trocken wird. Auch die Soße half nichts.

Immerhin war das Bier gut.

Zum Zahlen, ich wollte mit EC-Karte zahlen, musste ich der Bedienung dann erst mal nach vorne und am Ende nach unten folgen, weil es hier das das einzige EC-Karten Terminal gab.

Was besonders traurig ist, ist die völlige Uninteressiertheit des Personals. Muttis offensichtliche Gehbeschwerden wurden komplett ignoriert. Weder die reservierten Tische oben – runde 20 oder 30 Plätze – noch die Freifläche für das Konzert unten waren während unserer Anwesenheit in Benutzung. Hier hätte man schnell und flexibel einen Tisch vergeben und danach neu eindecken, oder auch einen aufstellen können. Die übliche Frage „War das Essen gut?“ wurde von uns mit obigen Kritikpunkten beantwortet. Die einzige Reaktion war ein „OK“. Das war alles. Immerhin wurden wir nett verabschiedet.

So zahlten wir am Ende für die drei Gerichte, ein Bier und zwei Apfelschorlen ca. 45 Euro. Trinkgeld gab es ausnahmsweise keines. Wir kommen jedenfalls nicht wieder in die Michelstädter Rathausbräu. Auch nicht wegen des guten Bieres.

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