Schillig

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Nun ist es ja keineswegs so, dass wir nur an der Nordsee urlauben würden, auch wenn man hier gerade auf die Idee kommen könnte. Aber was könnte besser geeignet sein, um sich mal zwei Tage den Kopf freipusten zu lassen, als ein Kurztrip an die Nordsee? Und so wählten wir, als der Liebste bei einem Preisausschreiben „zwei Hotelübernachtungen mit Halbpension in einem Hotel nach Wahl“ gewonnen hatte, unter den vier zur Auswahl stehenden das uns nächstliegende aus, das Hotel Upstalsboom in Schillig.

Schillig? Wo ist das denn? fragten wir uns. Genau genommen gehört Schillig zu Horumersiel und ist, wenn man so will, das Strand- und Campingplatzende des Ortes, auf der äußersten Ecke des Jadebusens, mit Blicken auf den dahinsiechenden Jade-Weser-Port und die beiden Inselchen Mellum und Minsener Dog, und im weiteren auch Wangerooge und die anderen ostfriesischen Inseln. Ein hübsches Leuchtfeuer hat es auch.

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Der Ort, so man das so nennen will, besteht aus ein paar Hotels, zwei Kirchen, einem Minigolfplatz und riesigen Campingplätzen – man muss sich das in der Tat mal auf einer Karte ansehen:

In den Campingplätzen verborgen liegt dann auch folgerichtig das Infozentrum des Nationalparks Wattenmeer.

Architektonisch ist der Ort eher kein Genuss. Optisches Highlight ist die katholische Kirche direkt achtern Diek.

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Von Hamburg sind es rund 240 km bis Schillig, und seit die A1 aus ihrer Dauerbaustellenphase heraus ist, kommt man dort ganz gut hin. Wir machten erst noch einen kurzen Stopp am Südstrand in Wilhelmshaven – dort, wo die Helgolandfähre anlegt. Da pustete es schon ganz kräftig, mit Böen, die uns fast das Handy beim Fotografieren aus der Hand wehten.

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Aber schließlich machten wir uns dann doch auf den weiteren Weg, und checkten in unserem Hotel ein. Eine architektonische Katastrophe, insbesondere das Layout der drei verschiedenen Fahrstühle, die allesamt verschiedene Ziele hatten und einen nie dahin brachten wo man hin wollte, war schwer verwirrend. Ein elendig langer Außentreppenaufgang mit wackelnden Steinstufen und riesigen Stolperkanten machte keinen besonders guten Eindruck, zumal es – dank der Fahrstuhlgeschichte – effektiv der Hauptaufgang zum Hotel war. Von der Seeseite aus ist der Kasten erheblich ansehnlicher.

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Unser Zimmer – leider nicht zur Seeseite gelegen wie bei den Buddenbohms – war modern eingerichtet, behaglich, hatte aber kein WLAN (die Existenz von Repeatern hat sich noch nicht bis ins Wangerland herumgesprochen), und so stellten wir nur unser Gepäck ab und gingen uns erst mal einen Kaffee jagen.

In Horumersiel – dessen Ortskern ein buntes Sammelsurium von Gastronomie und Souvenirshops ist – landeten wir in der Porträt Galerie, einem Café, das vor allem mit hausgebackenem Apfelkuchen lockte.

Das Ambiente war recht gemütlich, vor der Tür konnte man auch draussen halbwegs windgeschützt sitzen, wir verzogen uns dann aber doch in die warme gute Stube.

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Der Kaffee war verzichtbar – vielleicht sollte man in Friesland dann doch Tee bestellen. Die Friesentorte (die ich aus Nordfriesland anders kenne) entpuppte sich als Schichten (sichtlich) hausgebackenen Biskuits mit einer Füllung aus Schlagsahne und Rumrosinen, dazu Haselnusskrokant, leider enthielt die Sahne (wie mir mein Körper bald mitteilte) Carrageen, was ich natürlich verdrängt hatte. Das nächste mal dann also doch Apfelkuchen… ohne Sahne.

Den Nachmittag verbrachten wir dann noch mit einem kleinen Spaziergang über den Deich, ehe wir uns zum gebuchten Abendessen niederließen.

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Das Essen beider Tage:

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Tag 1: Ein Salat mit irgendwas aus Tomate / Huhn / Paprika, eine Süßkartoffelcremesuppe (die schmeckte, wie in den Brühwürfel gebissen, weswegen ich von weiterem Verzehr absah), Scholle Müllerin Art mit Buttermandeln, Zitronenmousse mit Kiwi und Orange.

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Tag 2: Bruschetta (mit wässrigen Tomaten und einer kräftigen Dosis gelartiger Crema di Balsamico), Kraftbrühe mit Flädle (eher: Instantbouillon mit dicken, weichen, pappigen Pfannkuchenstreifen und rehydrierten Gemüsewürfelchen – wie die Suppe am Tag zuvor quasi nicht genießbar); für den Herrn Rotbarsch unter der Tomatenkruste auf Bärlauchrisotto (außenrum eine seltsame Sauce), für mich etwas das sich Tafelspitz nannte, aber sich als Rinderschmorbraten entpuppte, durchaus lecker, aber mit desintegrierter Sauce (das Kartoffelpüree war allerdings gut); „Friesen“-Pannacotta mit roten Beeren und einem verzichtbaren Schokoröllchen.

Summa summarum: man kann das essen (bis auf die Suppen), und es schmeckt ganz okay, die Scholle war gut, aber insgesamt nicht das, was ich mir unter Essen in einem 4-Sterne-Hotel vorstelle. Selbst hätte ich mir so ein Arrangement aber auch nicht gebucht.

Das „Restaurant“ ist wohl eher ein Speisesaal, und bei dünner Belegung findet das Abendessen dann auch im hauseigenen Bistro Windrose statt, das eine große Terrasse und auch innen einen guten Blick auf den Strand bietet.

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Das Frühstücksbuffet war sehr ordentlich, alles was man sich so wünscht, gut müllreduziert (lose Butter, Waffelschälchen für Marmeladen und Honig aus großen Gläsern), es gab Wurst, Käse, Eier, Fisch, Obst, Müsli, Brot, Brötchen, Kaffee und eine große Teeauswahl.

Den vollen Tag Schillig haben wir vor allem mit Strandspaziergängen, einer Ingress-Mission und einem Wherigo-Cache verbracht, der uns auch ein ganzes Stück in die Pampa an den Strand führte.

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Nur wir, der Wind, das Meer und ein paar Möwen waren dort unterwegs. Befreites Aufatmen, Weite, Sonne. Durch den Sand stapfen. Abschalten. Dazu Wetter wie aus dem Bilderbuch, nach einer sturmböenumjaulten Nacht. Was will man mehr?

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Eingeschoben hatten wir noch ein Mittagessen im Alten Zollhaus in Horumersiel, dieses Mal draußen sitzend (hinter einem Windschutz und mit Schaffell im Sessel).

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Das Essen war solide – für mich „Salzwiesenlamm“, für Torsten ein Fischteller – aber nicht wirklich überragend. Dafür war die Getränkeauswahl recht beeindruckend.

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Ein kleiner Trip in den lokalen Edeka-Markt auf der Suche nach einem regionalen Gin machte den Tag dann komplett.

Ich bin nicht sicher, ob ich Schillig für einen Trip empfehlen würde. Im Sommer dürfte hier die Campingplatzhölle toben. In der Vor-/Nachsaison und mit Sonne kann man allerdings das wesentliche Verkaufsargument für diese Ecke – einen langen, schönen Sandstrand – sehr genießen. Und so rollten wir nach zwei Nächten doch merklich entspannter wieder gen Heimat.

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