Wie kommt man in eine aktive amerikanische Luftwaffenbasis? Nun, man kauft ein Ticket und legt einen deutschen Führerschein vor. So haben wir es gemacht. In Tucson ist das auch nicht all zu schwer, denn hier sitzt die 309th Aerospace Maintenance and Regeneration Group direkt an der Davis-Monthan Air Force Base. Das Ticket gibt es am Eingang des Museums und hier startet auch der Bus, der uns durch die Basis fuhr. Mit etwas Glück stimmt auch die Hintergrundkulisse. Im Tiefflug fliegende Hubschrauber bei Kampfübungen, startende und landende C130-Herkules Transportflugzeuge und vorbeidonnernde F16-Kampfjets.

Sieben Dollar kostet das Ganze, es dauert ungefähr eineinhalb Stunden und es gibt einige Regeln. Keine Rucksäcke, keine großen Kameras. Beim Einsteigen in den Bus wird alles mitgenommene kontrolliert. So behaupten sie jedenfalls. Bei uns war das eine mehr als leidliche Sichtprüfung von allen, die ihre Kameras freiwillig vorzeigten. An unserer Canon 350D mit Normalobjektiv hatten sie nichts zu bemeckern, an der kleinen Powershot ohnehin nicht.

Doch erst mal zu der zentralen Frage: Was ist das AMARG eigentlich? Im Prinzip kann man es als die weltweit größte Lagerfläche für Flugzeuge bezeichnen. Genutzt wird es von der US-Streitkräften und einigen anderen US-Bundesbehörden. Bei unserer Tour konnten wir aber auch Transportmaschinen der Norwegian Air Force sehen. Die Ursprünge des AMARG gehen auf den zweiten Weltkrieg zurück.

Nach dem Zweiten Weltkrieg suchte die US-Luftwaffe einen Abstellplatz für überflüssig gewordene Flugzeuge, hauptsächlich B-29-Bomber und C-47-Transportflugzeuge. Sie wählte dafür das Gelände der Davis-Monthan Air Force Base in der Wüste Arizonas, weil das trockene, warme Klima und der von Natur aus harte Boden gute Voraussetzungen boten. Das Material altert unter diesen Bedingungen nur langsam und die Flugzeuge können bewegt werden, ohne erst große Flächen künstlich befestigen zu müssen.

1964 wurde die Einrichtung zum einzigen Depot für einzulagernde Luftfahrzeuge der US-Streitkräfte und erhielt den Namen Military Aircraft Storage and Disposition Center (MASDC). Als auch Raketen ins Lager aufgenommen wurden und die Wiederaufarbeitung eingemotteter Flugzeuge eine zunehmende Rolle spielte, änderte die Luftwaffe die Bezeichnung 1985 in Aerospace Maintenance and Regeneration Center (AMARC). Durch eine organisatorische Neuordnung wurde die Einrichtung am 2. Mai 2007 umbenannt in 309th Aerospace Maintenance and Regeneration Group (AMARG) und gehört nun zur 309th Maintenance Wing des AFMC auf der Hill Air Force Base in Utah. (Quelle: Wikipedia)

Die Fläche des AMARG erstreckt sich auf 10,5 km². Während unserem Besuch lagerten hier etwa 3.500 Flugzeuge. Sie sind nach vier Kategorien eingestuft, wie wir auf der kurzen Fahrt zum Boneyard lernten: kurzfristige Lagerung, langfristige Lagerung, Ersatzteillager, zum Verschrotten. Und genau das machen die hier auch. Wird irgendwo auf der Welt ein US-Flugzeug nicht mehr benötigt, wird es hier in Tucson abgestellt. Dabei wird bestimmt, ob es noch gebraucht wird oder nicht. Benötigt jetzt eine Einheit irgendwo auf der Welt ein Ersatzteil, dann geht die Bestellung hier her. Es wird nachgesehen, ob es vorhanden ist und wenn ja, dann wird es ausgebaut und verschickt. Das AMARG ist also auch eine große Logistikeinheit. Sogar ein FedEx-Büro gab es auf dem Gelände.

Wir wurden also mit dem Bus auf das Gelände gekarrt. Aussteigen ist hier nicht, fotografiert muss durch die Busscheiben hindurch. Am Wegesrand wurden so einige Flugzeugtypen mit Schildern aufgestellt, doch viel interessanter waren die endlosen Reihen immer gleicher Flugzeuge, wie C130-Herkules-Transporter oder F16 Kampfflugzeuge.

Mit unserem Tourguide hatten wir Glück, denn er war ein ehemaliger Air Force Pilot, der in Vietnam die F4, später die F14 und, ich glaube, 14 Jahre lang die F16 flog. Er hatte viel zu erzählen, auch einige schöne Anekdoten aus seiner Berufserfahrung. So erfuhren wir z.B. dass es heute nur noch vier von den knapp 800 hergestellten F14 gibt. Zwei im Museum gegenüber und zwei hier auf der Basis. Der Rest, Flugzeuge in gutem Zustand, die man gegen gutes Geld hätte verkaufen können, wurde verschrottet. Schuld ist der Iran. Als der noch gut mit den Amerikanern stand, hatte man dem Iran F14-Kampfflugzeuge verkauft. Dann wendete sich der Iran von den USA ab. Um zu verhindern, dass der Iran Ersatzteile für seine Maschinen bekam, wurden sie alle verschrottet. Man möge sich dabei an den Kopf fassen.

Diese Tour ist ein echtes Erlebnis. Wir erfuhren viel, lachten oft und konnten doch auch einige Bilder machen. Jeder, der nach Tucson kommt und auch nur einen Funken Interesse an Flugzeugen hat, sollte diese Tour machen. Der Anblick der Massen an Metall, das hier herum steht, ist einfach unglaublich.