Dass wir Angkor besucht haben, als wir in Siam Reap waren, darüber haben wir schon geschrieben. Doch viele verstehen unter Angkor vor allem Angkor Wat. Hinter Angkor selbst steckt aber noch viel mehr. Auf über 200 km² wurden inzwischen über 1000 Tempel und andere Bauwerke entdeckt, die deutlich machen, dass Angkor mehr als nur ein Tempel ist. Mehrere Hauptstädte bildeten hier vom 9. bis zum 15. Jahrhundert das Zentrum des Khmer-Reiches.

Angkor heisst nichts anderes als Stadt. Die historische Entwicklung und die Reibereien der Khmer mit den Sukhothai, Ayutthaya, China, den Mongolen und anderen können in der Wikipedia nachgelesen werden. Es macht keinen Sinn das noch mal alles hier zu wiederholen. Wer heute nach Angkor fährt, der sieht nur noch die Überreste der damaligen Auseinandersetzungen in unterschiedlichen Erhaltungszuständen.

Fahren ist sowieso ein gutes Thema. Auf der Karte sieht Angkor, vor allem Angkor Wat, recht nah an Siam Reap aus. Viele versuchen deswegen die Tempelanlagen mit dem Fahrrad zu erkunden. Das geht, so man denn fit ist und die hohen Temperaturen und die hohe Luftfeuchtigkeit gewohnt ist. Wenn nicht, macht es nicht wirklich Spaß. Günstig und bequem ist es, sich einen Fahrer zu suchen. Die Tuk Tuks, Mopeds mit Anhänger für zwei bis vier Personen, bekommt man je nach Verhandlungsgeschick für maximal 15 Dollar pro Tag für den Hauptbereich Angkors nahe Siam Reap. Für Fahrten weiter weg zahlten wir 25 Dollar pro Tag. Dabei sollte man den Fahrer aber gleich klar machen, dass man Angkor besuchen möchte und nicht die Verkaufsstände. Dann klappt das schon. Ein Tour-Guide kostet extra, entsprechende Dienste werden an jedem Eingang angeboten. Wir hatten auf den Guide verzichtet, das würden wir auch jedem anderen empfehlen, der die Anlagen in seinem eigenen Tempo entdecken möchte. Insgesamt lohnt es sich auch, früh los zu fahren oder spät zu kommen. Dann sind die Anlagen nicht so überlaufen.

Wer die Hauptattraktionen besucht, der benötigt ein Ticket. An der Zufahrtsstrasse von Siam Reap kommend liegt die Verwaltung mit dem Ticketverkauf. Die sind nicht ganz günstig, doch es lohnt sich. Ein Tagesticket kostet zwanzig Dollar. Ein Tag reicht in der Regel nur, um ein sehr begrenztes Programm abzuspulen. Wer sich genauer umsehen möchte und nicht hetzen will, der sollte das Drei-Tages-Ticket nehmen. Es kostet vierzig Dollar, bietet drei Tage Eintritt an sieben aufeinanderfolgenden Tagen. Sprich, ich habe eine Woche Zeit und kann davon drei Tage in die Anlagen. Für den Langzeitaufenthalt bietet sich dann noch das 7-Tage-Ticket an. Sechzig Dollar sind fällig, dafür kann ich sieben von dreissig Tagen hinein. Die Tickets werden an der Kasse personalisiert. Es wird ein Bild des Käufers aufgedruckt. Wichtig ist also, dass alle, die ein Ticket möchten, sich anstellen. Einer kann nicht einfach Tickets für alle holen.

Doch kommen wir zu Angkor und den Ruinen selbst. Was lohnt sich anzusehen? Diese Frage muss sich jeder für sich selbst beantworten. Auf der Touristenkarte sind zwei Tourvorschläge, die wir auch für gut halten. Somit ist schon mal sichergestellt, dass nichts über dem eigenen Kopf zusammenbricht, Wege vorgegeben sind und keine Bauwerke beschädigt werden. Mit Fahrer ist es allerdings kein Problem, überall hin zu kommen. Hat man einen guten Fahrer, kann auch der noch Tipps geben. Und selbst die Verkäuferinnen, die an den Eingängen zu den großen Attraktionen zu finden sind, haben da ihre Meinung zu, was bei uns zu einer kurzen Diskussion zwischen unserem Fahrer und einem Mädchen, dass Getränke verkaufte, führte, was denn ihrer Meinung der beste Platz zum Ansehen des Sonnenaufgangs sei. Das muss sowieso noch erwähnt werden: Kambodschaner sind allgemein nett, freundlich und hilfsbereit. Wir haben auf unserer gesamten Asien-Tour kein Volk getroffen, auf das diese drei Attribute besser passen.

Angkor Wat – der Tempel der Stadt – ist die Hauptattraktion überhaupt. Hier hält jeder, und es ist die Hauptempfehlung, um den Sonnenaufgang zu beobachten. Die Anlage ist größer als gedacht. Man sollte ausreichend Zeit einplanen. Es ist die größte und die bekannteste Tempelanlage in Angkor. Dazu ist sie noch gut erhalten, wenn auch dauerhaft Restaurierungsarbeiten stattfinden. Nicht minder beeindruckend ist der umlaufende, große Wassergraben, der nur über einen breiten Damm aus Steinen überquert werden kann. Hat man ihn überquert und die Aussenmauern erreicht, denkt man erst, man ist da. Doch dahinter geht es dann noch mal ein ganzes Stück geradeaus, bis man am Haupttempel angekommen ist. Über das Alter von Angkor Wat sind sich die Wissenschaftler nicht einig. Irgendwann zwischen dem 10. und dem 13. Jahrhundert wurde es errichtet. Besonders viel Zeit nehmen sollte man sich für die vielen Dekorationen im Sandstein. Hier gibt es vieles zu entdecken. Wer keine Angst vor steilen Treppen hat, der kann in der Mitte der Anlage den höchsten Punkt besteigen und hat eine schöne Aussicht. Da Angkor Wat die Hauptattraktion ist, kann man auch schwer den Menschenmassen entgehen. Während und nach dem Sonnenaufgang sind es besonders viele. Die Mittagsstunden bringen die meiste Hitze. Vielleicht lohnt sich noch ein Stopp auf dem Rückweg, wenn gegen Abend alle zurück in die Stadt fahren. Das beste Licht hat man aber definitiv am Morgen.

Angkor Thom – die Große Hauptstadt – ist der größte Bereich. Eine Mauer umrandet sie, und es gibt hier mehrere Punkte zu sehen. Das beginnt schon an der Einfahrt durch das Tor. Vor dem Tor zieren mehr oder weniger gut erhaltene Dämonenköpfe auf der einen und Gottheiten auf der anderen Seite die Brücken, die über die Wassergräben zu den Dämmen führen. Die Dämme haben dann die Tordurchgänge. Damit hätten wir auch schon den ersten Stopp. Dann geht es weiter in die Mitte von Angkor Thom. Hier ist der Bayon, der Staatstempel zu finden. Er wird von vielen Türmen mit Gesichtern geziert und bietet zahlreiche Gänge zum Erkunden. Nördlich davon liegt die Elefantenterrasse. Schön anzuschauen ist sie schon, allerdings bietet sich praktisch keinen Schatten. Ein Schirm wäre da hilfreich. Beeindruckend sind Phimeanakas, die steile Tempelpyramide und Baphuon, der Tempelberg. Die Zugänge und die Bauten, die seit 2011 größtenteils restauriert sind, bieten so einige Eindrücke etwas abseits der Touristenströme, doch auch hier kann es voll werden.

Ta Keo wurde um das Jahr 1000 herum gebaut und ist ein Tempelberg. Alleine die Außenmaße der untersten Ebene von 106 mal 122 Meter vermitteln einen Eindruck, wie groß diese Anlage ist. Bis zu 50 Meter hoch war der gesamte Bau. 1007 wurde die als neuer Staatstempel gebaute Anlage dem Hindugott Shiva geweiht. Kurz vor der Fertigstellung gab man nach einem Blitzschlag, was als schlechtes Omen gedeutet wurde, die Anlage auf. Deswegen wurde die erst komplett aus Sandstein gefertigte Khmer-Tempelanlage nie fertiggestellt und zeigt sich uns heute recht unberührt.

Ta Prohm ist zwar vom Namen nicht so bekannt sein, aber wer Bilder sieht, dürfte recht bald merken, dass ihm das bekannt vorkommt. In den Ruinen wurden einige Teile von Tomb Raider gedreht. Die Anlage aus dem 12. und 13. Jahrhundert ist einen Hektar groß, das Gelände innerhalb der Umgrenzungsmauern umfasst allerdings 60 Hektar. Laut einer Tempelinschrift lebten hier über 12.000 Mönche. Auffällig sind vor allem die Türme mit den meterhohen Gesichtern und die Würgefeigen, deren Wurzeln über ganze Gebäude ragen. Die Tempel wurden bei der Restaurierung nur so weit wieder hergestellt, das es sicher ist, sie zu besuchen. Dadurch ergibt sich eine gewisse Naturbelassenheit und man kann alles besichtigen, wie die Natur es übernommen hat. Auch wenn es doch einige Meter von der Umgrenzungsmauer bis zum Tempel sind, die zu Fuß absolviert werden müssen, lohnt sich der Ausflug.

Banteay Kdei, der Klosterkomplex, ähnelt Ta Prohm, ist aber kleiner und nicht so reich verziert. Der Zustand ist eher schlecht. Pfusch am Bau und brüchiger Sandstein haben zusammen mit der Natur einiges zum Verfall beigetragen. Doch diese Anlage hat ihren eigenen Charme, den man schon entdeckt, wenn man auf dem Zugangsweg an einem kleinen Gebäude vorbeikommt, dass so gar nicht zu den großen Bauten passen mag. Auch hier gibt es Würgefeigen, doch sie haben sich nicht so wie in Ta Prohm über die Gebäude gelegt. Dafür war es noch bis in die 1960er von Mönchen bewohnt. Zur Zeit befindet sich die Anlage in der Restaurierung. Trotzdem lohnt sich ein Stopp.

Preah Khan – heiliges Schwert – ist vermutlich eine Hauptstadt gewesen. Im 12. Jahrhundert erbaut zählt es zu den bedeutendsten Flachtempeln der Khmer-Kultur. Wir hatten das große Glück, dass wir direkt nach Sonnenaufgang hier waren und die Anlage praktisch für uns alleine hatten. Auch hier winden sich wie in Ta Prohm Würgefeigen über die Gebäude der 750 mal 900 Meter großen Stadtanlage. Die lange weitläufige Anlage wird zwar immer noch restauriert, kann aber fast komplett erkundet werden. Praktisch alle Holzbauten sind im Laufe der Jahrhunderte verschwunden, doch hier stehen Steinbauten, die typische Khmer-Holzbauten nachahmen. Hier sollte man sich viel Zeit nehmen, denn hinter jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken.

Neak Pean ist auch auf jeder Tour mit eingeplant, doch hier lohnt sich aus unserer Sicht nur ein kurzer Stopp. Es ist eine künstliche Insel, die im 12. Jahrhundert erschaffen wurde. Der Tempel auf der Insel kann nur von einem Zaun an einer Seite besichtig werden. Das interessanteste ist noch der Weg, der über einen Holzsteg führt.

Ta Som wurde 1190 bis 1210 erbaut. Es ist eine kleine Version des Tempels vom Ta Prohm. Viele Teile der Anlage sind Ruinen und wurden der Natur überlassen. Dadurch herrscht eine Dschungelatmosphäre mit überwuchernden Würgefeigen. Da Ta Som etwas abseits liegt, wurde es vor allem in den 1990er oft Opfer von Kunstraub. Die Spuren sind deutlich an abgeschlagenen Köpfen und fehlen Reliefs zu sehen.

Der Östliche Mebon ist ein weiterer Tempel, der etwas abseits steht. 952 erbaut ist der dreistöckige Turm schon einen Stopp wert. Beeindruckender sind allerdings die Löwen und Elefanten aus Sandstein, die den Rand zieren.

Natürlich können wir hier nur eine kleine Auswahl bieten. In Angkor gibt es genug zu sehen, um damit Wochen oder sogar Monate zu verbringen. Die oben aufgeführten Anlagen liegen alle an den Tourvorschlägen. Um genug Zeit zu haben und sich nicht zu hetzen, sollte man mindestens zwei Tage einplanen. Wir empfehlen jedem, sich einen Fahrer zu suchen, der als zuverlässig gilt. Die Betreiber der Guesthouses kennen da die richtigen Leute zu. Diese Fahrer kennen die Anlagen und die Strassen darum recht gut. So ist es auch möglich, eine individuelle Route zu planen.