Von Hamburg bis Hawaii

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Asien2013 – Tag 11-12 – Ayutthaya

Statt nach Chiang Rai zu fahren, was wir ursprünglich vor hatten um uns den weissen Tempel anzusehen, sind wir nach Ayutthaya aufgebrochen. Chiang Rai hätte bedeutet, drei Stunden mit dem Bus nach Norden, dort bis zum Tempel und wieder drei Stunden zurück. Alternativ hätten wir noch eine Übernachtung einplanen können.

Der nächste Plan war dann, mit dem Nachtzug von Chiang Mai nach Ayutthaya zu fahren. Sicher wäre das ein Abenteuer gewesen und hätte auch nur so um die 15 Euro gekostet, doch auch hier siegte wieder die Entspannung mit der weniger stressigen Möglichkeiten. Von heute auf Morgen bot Air Asia den Flug von Chiang Mai nach Bangkok für 50 Euro an. Das ganze haben wir dann auch schnell im Kaldi Coffee bei freiem WLAN gebucht. Somit wurde aus einer zehnstündigen Bahnfahrt ein nicht mal einstündiger Flug.

In Don Muang, Bangkoks altem Flughafen, steigen wir in die Bahn um. Der Bahnhof ist direkt vor der Tür. Am Ticket-Schalter erfahre ich, dass der nächste Zug in Richtung Ayutthaya, alles was hier hält, hält auch in Ayutthaya, in fünf Minuten kommen soll. Für 40 Baht, gut einen Euro, erstehe ich ein Ticket für zwei Personen und nach fünfzehn Minuten erscheint dann auch ein Zug. Dritter Klasse schaukeln wir auf den Schienen nach Norden. Während wir so in der Dritten Klasse stehen, alle Sitzplätze sind belegt, wollen immer wieder Thais auf unser Ticket schauen. Sie können wohl nicht glauben, dass die beiden Bleichgesichter hier Dritte Klasse fahren. Andauernd kommen Verkäufer mit Essen und Getränken durch den Wagen. Ich stelle mich an eine der Türen, von denen keine verschlossen ist. Einige sitzen auch auf den Tritten und beobachten die Landschaft, die draussen vorbei zieht.

Armselige Wellblechhütten sind auf Stelzen halb über Kanäle gebaut. Man sieht deutlich die Armut. Müll und Unrat schwimmt unter den Hütten, keinen scheint das zu interessieren. Dann wieder Felder mit vielen Vögeln, auch Störche. Wände, die vor Fluten schützen sollen machen den Eindruck sie würden Industrie und nicht die Bevölkerung schützen. Doch am eindringlichsten ist die Armut, die hier auf dem Land herrscht. Nach gut 45 Minuten kommen wir in Ayutthaya an. Schneller und stressfreier.

Nur wenige hundert Meter vom Bahnhof in Ayutthaya, direkt am Fluss, beziehen wir unser Zimmer im Guesthouse Baan Are Gong. Es ist ein wieder aufgebautes Haus in thailändischen Baustil mit viel Holz. Aus dem Fenster unseres Zimmers sehen wir, warum es erst vor kurzem wieder aufgebaut wurde. Die Ruine eines abgebrannten Hauses lächelt uns zu. Das Zimmer im Erdgeschoss hat eine Nasszelle, wie man das so schön nennt. Ganz im Gegensatz zu denen eine Etage drüber. Die müssen sich Bad und Toilette teilen. Unsere „Nasszelle“ ist auch nicht besonders schlau konstruiert und nachträglich in den Raum eingezogen. Beim Duschen wird die Toilette nass, Papier lagern wir vorsichtshalber draussen. So schön alter Thai-Baustil mit viel Holz ist, die Holzböden haben den Nachteil, dass man jeden Schritt von oben hört. Uns geht es genau so, doch irgendwie schlafen wir trotzdem.

Direkt am Fluss vor der Eingangstür zum Guesthouse gibt es ein dazugehöriges Restaurant. Auf alten Holzbrettern, die hier den Boden und damit eine Terrasse etwas über das Wasser bilden, sitzt man hier ganz bequem. Das Essen ist gut, der Preis ist auch ok, ist er nicht viel höher, als an den Essensständen an der Strasse gegenüber. Doch der Blick ist spannend.

Der nächste Tag bricht an und wir wagen es ohne Frühstück mit der „Fähre“ über den Fluss. Nach dem wir den Obolus von zehn Cent, also vier Baht, entrichtet haben, dürfen wir das Boot betreten. Es ist flach, alt und leck. Die Lenzpumpe pumpt das einlaufende Wasser über drei Schläuche nach aussen. Trotzdem scheint es ein Vehikel zu sein, dem man vertrauen kann. Viele Einheimische, also so etwa zehn bis fünfzehn, strömen auch auf das Boot. Ein alter Isuzu-Automotor tuckert unter einer der Sitzbänke und schiebt uns gegen die Strömung auf die andere Seite.

Ein kurzes Stück geht es die Strasse hinauf, und wir sind auf etwas wie einer Hauptstrasse. Auf der anderen Seite tobt ein thailändischer Frischemarkt, auf dem so ziemlich alles von Obst über Gemüse, Fisch und Fleisch verkauft wird. Auch zubereitetes Essen gibt es. Wir nehmen kleine Küchlein mit, die wir unterwegs essen.

Die Empfehlung, um sich in Ayutthaya zu bewegen, ist ein Fahrrad zu nehmen, so man denn nicht auf einen der Tuk-Tuk-Fahrer trifft, der einem „spottbillig“ eine Tour durch die Stadt anbietet. Passenderweise hat er gleich eine Reihe Postkarten dabei, auf denen man ihm zeigen kann, wo man überall hin will. Wir wollen nicht in den Abgasen des Tuk Tuks sitzen, und das Fahrrad muss auch nicht sein. Wir gehen zu Fuß, um etwas zu sehen. So zum Beispiel den Stand, der ausgebackene Teigstücke verkauft, von denen wir uns gleich mal einige für unser zweites Frühstück mitnehmen.

Wir haben die Strecke etwas unterschätzt, sie wirkt doch etwas weiter. Auf der Karte sehen wir später, dass es etwas über einem Kilometer bis zur ersten Tempelanlage ist – nicht so weit, aber bei der Wärme zieht es sich. Am Eingang steht ein Stand, 50 Baht Eintritt kostet es hier, um sich die alten, nicht mehr aktiven Tempel anzusehen. 50 Baht für alle Tempelanlagen, so denken wir anhand der Eintrittskarte, die wir nach Zahlung nur auf Nachfrage erhalten, steht hier doch „Ayutthaya Historical Park“ drauf. Doch so ist es nicht. Jeder Stand macht seinen Stempel auf die Karte und sie gilt dann auch nur hier. An der nächsten Anlage muss neu bezahlt werden. Warum wir nach dem Ticket fragen mussten? Wir hatten schon vorab gelesen, dass die Verkäuferinnen gerne das Ticket nicht herausgeben und das Geld in die eigene Tasche stecken. So war es wohl auch hier. Doch wir wollten, dass das Geld in den Erhalt der Anlagen geht. Wer das auch möchte, der bestehe bitte auf sein Ticket, denn nur dann geht das Geld auch von der Verkäuferin weiter.

Ist die erste Anlage schon beeindruckend, ist es die zweite noch mehr. Hier sind Schilder aufgestellt, die zeigen, wie die Anlage im vollen Ausbau aussah. Und hier gibt es den steinernen Kopf, der in einen Baum eingewachsen ist.

Wir stromern weiter durch den Historical Park und wundern uns. Hier und da wird zwar gebaut, doch alles sieht ungepflegt aus. Ayutthaya, bzw. der Historical Park ist UNESCO Weltkulturerbe, doch ausser als Schrift auf den Schildern ist das nicht zu erkennen. Müll liegt herum, auf den Wiesen, im den Wassergräben, keiner scheint sich zuständig zu fühlen, und sonst scheint auch keinen zu interessieren, was hier passiert.

Der Rest der Stadt, abgesehen von etwas, das nach Hauptstrasse aussieht und mit Geschäften und dem Markt am Wasser lang bestückt ist, scheint ein verschlafenes Nest zu sein. Wir wundern uns, doch nach und nach wird uns so einiges klar. Natürlich gibt es hier Tourismus, doch der fällt morgens mit dem Reisebusen ein, der konzentriert sich nur auf die Tempelanlagen, und der ist abends wieder weg.

Wir waren schon oft in Thailand und wir haben Thailand immer mit einem Gefühl verlassen, dass es uns hier gefällt. Doch dieses mal ist es anders. Bisher waren wir auf den Inseln, Koh Samui und Koh Chang. Dort steht auch nicht alles zum Besten, doch dort macht der Tourismus so einiges, was den Anschein eines freundlichen, auch gastfreundlichen, und schönen Landes vorgibt. Doch dieses mal waren wir im Norden. Wir sind durch Ecken gekommen, wenn auch nur in zwei Städten, in denen Leute wohnen, die nicht vom Tourismus leben. Und wir haben den Eindruck, den Thai kümmert seine Umgebung kein bisschen.

Sicher klingt das verallgemeinernd und wir haben auch schon viele nette Thais kennen gelernt, zu denen das alles nicht passt. Doch vieles wirkt dreckig. Viele hausen in Wellblechhütten über schmutzigem Wasser und geben sich nicht mal die Mühe, ihr Grundstück nicht nach Schrottplatz aussehen zu lassen. Das lässt sich jetzt im Nachhinein einfach schreiben. Von Malaysia aus, wo wir mit dem Bus über Land gefahren sind und noch die wackeligste Hütte auf einem gepflegten Grundstück stand. Selbst Kambodscha, wo wir es noch weniger erwartet hatten, wirkt dagegen wie aus dem Ei gepellt. Sowohl in Malaysia, als auch in Kambodscha haben wir Menschen gesehen, die in ärmlichsten Verhältnissen leben. Doch die alle haben sich trotzdem für ihre Umgebung interessiert und getan, was sie konnten, um sie wohnlich erscheinen zu lassen.

Hat sich Thailand so verändert oder haben wir es immer falsch wahrgenommen? Wir wissen es nicht, genau so wenig, wie wir wissen, ob wir wieder kommen werden.

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1 Comment

  1. Als wir letztes Jahr in Thailand waren haben wir da auch einiges weniger schönes gesehen. Z.B. bei einer Schifffahrt über den Chao Phraya ging plötzlich unten im Schiff eine Luke auf, alle Essensreste des Buffets wurden rausgeworfen, ein paar kaputte Teller und sonstiger Unrat flogen einfach hinterher ins Wasser. Kein wunder das das nur so eine braune Brühe ist. Will gar nicht wissen was da noch so in den Fluss gekippt wird. Müll liegt eigentlich überall herum, wenn man mal genauer drauf achtet. Zwar wird dieser teilweise gesammelt, dann aber doch wieder irgendwo verbuddelt oder einfach direkt abgefackelt.

    Klar sind die Umstände dort anders, und nicht alle denken so, aber es fällt halt schon auf.

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