Von Ayutthaya weg zu kommen ist wohl eben so umständlich, wie hin zu kommen. Wer nicht mit dem Reisebus unterwegs ist, der kann teuer Taxi fahren. Eben so kann man sich für noch teurer mit einem Minivan kutschieren lassen. Oder er fährt zurück, wie er hin gekommen ist. Wie wir, mit der Bahn.

Wir haben erst Schwierigkeiten, herauszufinden, wann der nächste Zug nach Don Muang fährt. Der nächste Zug, das muss man dazu sagen, das ist nicht der nächste planmäßige Zug, sondern der nächste, der kommt. Laut dem Plan der Thailändischen Eisenbahn sollte ein Zug um 7:45 fahren. Wir gehen also um sieben aus dem Guesthouse los. Der Bahnhof ist ja praktisch nebenan.

Am Bahnhof angekommen finden wir heraus, dass der nächste Zug in unsere Richtung um 8:30 kommen soll. Tickets können wir aber noch keine erwerben. Der Ticketschalter soll erst eine halbe Stunde vor Abfahrt öffnen. Um acht ist dann immer noch kein Schalter geöffnet. Zehn nach stellen sich die ersten an, ich reihe mich ein. Kurz darauf habe ich zwei Tickets zu je 20 Baht in der Hand. Fünfzig Cent für 45 Minuten Fahrt. Ach, die Tickets, die sind für den Nachtzug aus Chiang Mai, den wir ursprünglich ins Auge gefasst hatten und der hier um 6:45 fahren sollte. Fahrpläne sind hier eben nicht mehr wert als das Papier, auf dem sie gedruckt sind. Der Zug kommt, wenn er kommt. Dann allerdings mit Absingen der Hymne und allem Trara.

Inzwischen sind wir schon Stammgast bei Air Asia. In Don Muang fragen wir wieder freundlich und erhalten kostenlos Sitzplätze mit mehr Beinfreiheit. Alles unproblematisch. Die A320 bringt uns nach Penang.

Vor fast fünf Jahren waren wir schon ein mal auf Penang, der viertgrößten malayischen Insel. Mit gut drei Millionen Einwohnern in der Metropolregion ist die Inselhauptstadt Georgetown nicht gerade klein. Doch zu erst staunen wir über das Terminal am Flughafen. Das sieht ganz anders aus als früher. Es wurde komplett renoviert, und fertig ist es auch noch nicht. Ein Fahrer unseres Hotels holt uns ab. Es ist viel Verkehr, und für die Strecke, die uns beim letzten mal ein Taxi in 20 Minuten fuhr, brauchen wir eine Stunde. Wir erfahren in einer Unterhaltung mit dem Fahrer so einiges, was sich geändert hat.

Der Kern von Georgetown selbst hat sich gar nicht verändert. Er ist UNESCO Weltkulturerbe und muss damit so bleiben wie er ist. Die Mischung aus alten zweistöckigen Häusern mit Läden unten, chinesischen und indischen Tempeln und den Durchgängen an den Häusern neben der Strasse ist noch so, wie wir sie kennen.

Zuerst wollen wir uns noch eine SIM-Karte von DiGi besorgen. Die haben wir uns ausgeguckt, weil sie für unsere Zwecke, einen Monat mobiles Internet in Malaysia, am besten erschien. Zu Fuß gehen wir zum KOMTAR, dem einzigen hohen Gebäude in diesem Teil von Georgetown. Hier hat sich dann einiges verändert. Unter anderem sehen wir hier die Auswirkungen des neuen Bussystems. Vor gut fünf Jahren standen wir schon mal hier und wussten nicht, von wo welcher Bus wohin fuhr. Heute steht es deutlich dran. Direkt daneben ist die 1st Avenue Mall neu entstanden, und hier erstehen wir unsere SIM-Karte.

Zum Abendessen zieht es uns nach Little India, nur wenige hundert Meter von unserem Hotel, dem Banana Boutique, entfernt. Wir wollen in das Restoran Kapitan. Das ist ein Inder mit typisch indischem Essen, Tandoori, Briyani, Roti, Naan und so weiter. Das Kapitan ist 24 h am Tag geöffnet, und das Essen ist ebenso gut wie preisgünstig. Hier haben wir uns schon vor Jahren mit dem leckeren Naan aus dem Original-Tandoor überfressen. Der mit Kalamansi hergestellte Eistee ist superlecker, und das Essen noch so gut wie in der Erinnerung.

Am nächsten Tag unternehmen wir einen Rundgang durch die Strassen, die wir vor Jahren schon mal durchschritten sind. Vorbei geht es an der Cheong Fat Tze Mansion, einem alten chinesischen Herrenhaus, in dem wir letztes mal übernachtet hatten, bis zum Eastern & Oriental Hotel. An der Küste entlang spazieren wir vom War Memorial über die Esplanade und Fort Cornwallis bis zum alten Clock Tower.

Rund um das Rathaus und den davor gelegenen Platz hängen ind en Bäumen silbrig flirrende lange Gegenstände – am Abend sehen wir, dass es sich um eine LED-Lichtinstallation in blau und weiß handelt, die dem Platz ein unwirkliches aber schönes Flair verleiht.

Hier um die Ecke besteigen wir den kostenlosen Shuttle-Bus. Es gibt einen in Georgetown, der im Bereich des Weltkulturerbes die wichtigsten Punkte, insgesamt 19 Stationen, anfährt. Wenn man Glück hat, kommt der Bus auch alle fünfzehn bis dreißig Minuten, wie versprochen. Da der Bus kostenlos ist, wird er auch gerne von Einheimischen genutzt. Kurz darauf ist der Bus bereits voll. Alle wollen zum KOMTAR, wie wir auch.

In der nahen 1st Avenue Mall suchen wir uns bei Gloria Jean’s, einem australischen Starbuck-Nachbau, ein Plätzchen am Fenster, und können mit unserem Eis-irgendwas-Aroma-Drink, der übrigens lecker ist, den Umzug von Thaipusam ansehen. Das hinduistische Fest, das vom Vollmond des tamilischen Monats Thai (Januar/Februar) gefeiert wird, fällt zufällig auf unser Reisedatum. Zu unserer Übeeraschung findet der große Festumzug mitten im laufenden Verkehr statt.

Abends essen wir im Restoran Kasim Mustafa noch ein mal Tandoori. Im Prinzip ist es ähnlich wie das Restoran Kapitan, doch es gibt keine Speisekarte. Man läuft an Ständen, die der Strasse zugewandt sind, vorbei, sucht sich aus, was man möchte und bestellt. Zum Essen kann man sich dann aber doch hinsetzen. Wir finden es nicht ganz so gut wie beim Kapitan gegenüber.

Auf dem Rückweg zum Hotel machen wir einen Umweg über den Hafen. Der Abendspaziergang wird vom Sonnenuntergang und von Mondschein begleitet.