Schon bei unserer Ankunft wurden wir vom Guesthouse über die verschiedenen Möglichkeiten, Touren durch Angkor zu machen, beraten. Auffällig war dabei, das es hier keinen Druck gab, wie wir es von anderen Orten kennen, wo man unbedingt verkaufen wollte. Wenn nicht, dann eben nicht. Unterwegs erklärte uns auch unser Fahrer „I am Guesthouse driver. I say how it is. Other say and later you pay more.“ Sein Englisch möge entschuldigt sein. Wir entschieden uns für die kurze Tour und einen Tag später für die lange Tour, dann aber auch mit Sonnenaufgang in Angkor Wat.

Nach dem Frühstück, das im Preis des Guesthouse (15 Dollar die Nacht für Zimmer mit Bad und Klimaanlage) mit drin ist, steht unser Fahrer zur vereinbarten Zeit bereit. Es ist der gleiche, der uns auch am Flughafen abgeholt hat. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen und erst später realisieren ist die Tatsache der persönlichen Dienstleistung: Er ist unser Fahrer und er bleibt das auch während unseres kompletten Aufenthalts.

Wir sprechen kurz durch, welche Tempel wir uns ansehen wollen. Es gibt zwar eine vorgefertigte Route, doch die ist komplett variabel. Wir entscheiden uns bei der Route zu bleiben. Auch kann ein Tourguide dazu gebucht werden. Darauf verzichten wir. Wir besichtigen lieber in unserem Tempo.

Mit dem Tuk Tuk, also dem Moped mit Anhänger, geht es los. Erst müssen wir Eintrittskarten kaufen. Diese werden mit einem vor Ort aufgenommenen und aufgedruckten Bild personalisiert. Ein Tag Eintritt kostet 20 Dollar, drei Tage 40 Dollar, wobei die drei Tage auf die nächsten sieben Tage beliebig verteilt werden können. Wir nehmen einfach aus Bequemlichkeit eine Drei-Tages-Karte, auch wenn wir nur zwei Tage davon nutzen werden. Der Preis ist ja eh der selbe.

Unser erstes Ziel ist Angkor Wat. Angkor, das bedeutet Stadt, und Wat bedeutet Tempel. Dieser ist von Wasser umgeben und nur über einen Damm aus Stein erreichbar. Alleine diese Anlage ist schon großartig und wir brauchen lange, um auch nur einen Teil zu erfassen.

Zurück bei unserem Fahrer, der gewartet hat, fahren wir weiter nach Angkor Thom, der großen Stadt. Nach einem Stop am Südtor geht es zum Bayon und zur Elephant Terracce. Dann halten wir noch bei Ta Keo bevor wir die eingeplante Mittagspause in einem Restaurant neben Ta Prohm machen.

Wir fahren ein kleines Stück zurück nach Ta Prohm, der Tempel mit den darüber wachsenden Bäumen, der aus dem Film Tomb Raider bekannt ist. Wir machen einen weiteren Stop bei Banteay Kdei und schon geht es wieder zurück nach Siem Reap.

Am nächsten Tag fahren wir um fünf Uhr morgens los. Unser Guesthouse hat uns sogar schon ein Frühstück vorbereitet, das wir mitnehmen können. Wieder stoppen wir bei Angkor Wat. Während alle in dem Tempel strömen bleiben wir am Eingang stehen und warten auf den Sonnenaufgang. Wir haben Pech und es wird nicht so rot, wie es auf vielen Bildern zu sehen ist. Doch all zu böse sind wir nicht. Praktisch wäre es aber gewesen, hätten wir eine Taschenlampe mitgebracht.

Der nächste Stop ist Preah Khan. Es ist eine sehr schöne Tempelanlage in der, wie in Ta Prohm, auch Bäume über die Mauerreste wachsen. Wie geniessen es, weil wir hier so früh am Morgen noch fast alleine sind. Plötzlich hören wir in der Anlage ein „See you again“ auf uns zukommen. Eine Asiatin, für die wir schon am Vortag ein Bild gemacht haben, treffen wir hier wieder. Am Tor, durch das wir herein gekommen sind und durch das wir die Anlage wieder verlassen sind große Restaurierungsarbeiten im Gange. Wir wollen einem Bauarbeiter nicht im Weg stehen, der gerade einen Steinblock, alle sauber nummeriert, auf einem Karren wegfährt. Doch er lässt uns durch. Wir bedanken uns und er antwortet „No, you money, you earn.“ Erst überlegen wir, wie er es meint, doch dann sehen wir das Schild, welches erklärt, dass die Restaurierungen mit deutscher Hilfe geschehen. Da weder Neid noch Missgunst in seinem Tonfall lag, denken wir uns, dass er es einfach so meint: „Ihr bringt uns das Geld hier her, wegen Euch haben wir einen Job“. Wie auch immer.

Der nächste Halt, Neak Pean, ist nicht so spannend. Es ist eine künstlich aufgeschüttete Insel mit Tempelresten. Sie kann nur von einer Seite betrachtet werden, der Rest ist abgesperrt. Wir stoppen noch in Ta Som und dann führt es uns etwas weiter über Land.

Banteay Srei ist unser nächstes Ziel. Es liegt laut Karte 37 km nördlich und wird fälschlicherweise Lady’s Temple genannt. Ein Deutungsfehler der alten Wörter ist Schuld. Wir fahren eine gute Stunde über Land. Erst eine Seitenstrasse, nur aus Sand, über Dörfer und dann eine asphaltierte Strasse mit etwas mehr Verkehr, auch über Dörfer. Jeder zweite an der Strasse hat einen kleinen Verkaufsstand um sich so über Wasser zu halten. Immer wieder brodelt ein großer Wok und wir können nur raten, was hier gebraut wird.

Nach der Tempelbesichtigung, auf der Rückfahrt, hält der Fahrer an einem Strassenstand und fragt uns, ob er uns etwas erklären soll. Wir fragen, ob hier Palmzucker hergestellt wird. Er bejaht erstaunt.

Wir halten noch ein mal an einem Tempel, East Mebon. Doch hier werfen wir nur einen kleinen Blick drauf. Die Hitze ist an diesem Tag, der schön bewölkt begonnen hatte, inzwischen unerträglich. Auf der Rückfahrt nach Siem Reap hält der Fahrer noch ein mal um sich seine Uniform anzuziehen. Er fragt uns, ob wir schon ein mal in Angkor waren. Er ist beeindruckt, dass wir schon so viel wissen. Wir waren noch nicht da und als wir ihm sagen, dass wir viel über die Gegenden recherchieren, in die wir fahren, freut er sich, dass es Leute gibt, die sich auch mit der Gegend beschäftigen.

Den dritten und letzten vollen Tag nutzen wir, um uns in der Stadt zu entspannen. Klimatisierte Cafes und das Zimmer im Guesthouse helfen da sehr. Morgens war unser Fahrer noch ein mal da und fragt, ob wir wo hin wollen, doch wir verneinen. Er ist nicht enttäuscht und er wird uns positiv in Erinnerung bleiben. Genau so wie das Land, das bei uns Eindruck hinterlassen hat. Auch wenn es hier einen Analphabetenquote von 32% gibt sind gerade mal 3,5% ohne Arbeit. Überall wird getan und gemacht und es gefiel uns ausgesprochen gut. Wir glauben sogar, dass wir wieder kommen werden.

(Bild – Angkor Sonnenaufgang: Chi King, Lizenz: CC BY 2.0)