Unsere Nacht im Marina Bay Sands endet. Doch wir lassen uns Zeit, denn wir werden kein so schönes Zimmer mehr bekommen. Nach einem letzten Blick über die Gardens by the Bay fahren wir runter in die Lobby. Wie am Vortag gibt es auch hier wieder Schlangen an der Rezeption. Für 2.500 Zimmer sind sie hier ganz schön unterbesetzt. Unsere Rucksäcke lassen wir das Hotel lagern und wir gehen in die angrenzenden Mall, Dim Sum frühstücken.

Hinter der Mall ist auch schon die Helix-Bridge und wir werfen einen Blick darauf. Schick sieht sie ja schon aus, aber es ist auch nur eine Brücke. Beeindrucken kann sie uns nach der vielfältigen Architektur in Marina Bay nicht mehr. Wir wollen allerdings in das Art&Science Museum, dessen blütenähnliches Gebäude hier steht. Alleine schon das Gebäude ist spannend. Noch viel spannender ist die Sonderausstellung „The Art of the Brick“ mit Kunstwerken aus Legosteinen. Was Nathan Sawaya hier gestaltet hat, ist beeindruckend. Dazu sind die Kunstwerke noch mit Licht schön in Szene gesetzt. Mit den Key Cards des Marina Bay Sands gibt es Rabatt auf den Eintritt, da lohnt sich der Ausflug alle mal. Für die Fotoausstellung „Outside In: A Magnum Photos Showcase“ und die kleine Ausstellung zum Gebäude selbst lohnt es nicht.

Dann ist auch schon Nachmittag. Wir holen unsere Rucksäcke und fahren mit der MRT zum Flughafen. Es hätte auch einen kostenlosen Shuttle-Bus des Marina Bay Sands gegeben, doch als wir die kleine Wartehalle mit den dazugehörigen Menschen- und Koffermengen für den Bus gesehen haben, war uns klar, dass wir da nicht mit müssen. Weil AirAsia eine Woche zuvor die Strecke gestrichen hat, bringt uns Tiger Airways mit einem A320 in gut 3,5 Stunden nach Colombo.

Nach einem Problem mit dem Visum bei der Einreise – mein Pass ist seit Penang nicht mehr maschinenlesbar, und die Passnummer ist ja so schwer abzutippen, wenn eine 9- und eine 10-stellige drauf steht — besorgen wir uns wieder die übliche lokale SIM-Karte. Etisalat will 300 Rupien für 1 GB Datenmenge, Dialog 1.300 für das Touristenpaket. Aus Netzabdeckungsgründen wollen wir eigentlich zwei verschiedene, aber die 1.000 Aufpreis ist uns das nicht wert, und wir fahren unterwegs gut mit Etisalat.

Wir werden von einem Fahrer abgeholt und stellen erst, als wir am Guesthouse ankommen, fest, dass es der Besitzer ist. Er zeigt uns schnell das Zimmer und verschwindet. Es ist nach 23 Uhr und er wollte wohl ins Bett. Am nächsten Morgen packen wir wieder unsere Sachen, zahlen und weiter geht es. Auch hier auf Sri Lanka ist Taxi ein privates Fahrzeug, das gerne auch für Transporte aller Art genutzt wird. In diesem Fall ein tiefergelegter Van mit unbequemen Sitzen. Wir fahren bis zum Bahnhof in Colombo. Wir wollen uns am Ticket-Schalter anstellen, doch ein älterer Mann erklärt uns, das sei die Schlange für die 3. Klasse. Wir sollen uns besser an den leeren Schalter der 1. und 2. Klasse begeben. Dort werden wir abgewiesen, weil wir kein Ticket für den nächsten Zug, sondern eine Reservierung für einen späteren möchten. Der ältere Mann bringt uns dann zum Reservation Office und stellt uns am richtigen Schalter ab. Mit dem Ticket in der Hand und 220 Rupien (1,50 Euro) weniger in der Tasche wollen wir die Umgebung des Bahnhofs erkunden. Die Hoffnung, hier gäbe es ein klimatisiertes oder zumindest mit Ventilatoren versehenes Cafe bestätigt sich leider nicht. Nur unzählige Verkaufsbutzen und ein Markt reihen sich um den Bahnhof. Zudem ist es laut, voll und stickig. Genau das, was wir jetzt nicht brauchen.

Ein Rundumblick zeigt den Turm eines Hilton. Die Strecke ist weiter als gedacht, doch wir hoffen auf einen Kaffee in gekühlter Atmosphäre. In der Eingangshalle ist es wirklich klimatisiert. Der Türboy zeigt uns auf die Frage nach einem Cafe das Buffetrestaurant. Doch davor gibt es die Tee-Lounge. Wir nehmen in bequemen Sesseln Platz und bestellen erst mal Eistee. Der kommt ungesüsst mit einem Extra-Glas Zuckersirup und ist ausgesprochen lecker. Mit der Zeit summiert sich die Rechnung dann noch um ein leckeres und umfangreiches hauseigenes Club-Sandwich und eine Kanne leckeren „Luxus-„Tees. Alles in allem umgerechnet 15 Euro in schöner Atmosphäre. Eine Stunde bevor unser Zug fährt, ziehen wir wieder los.

Wir setzen uns an den Bahnsteig und warten auf unseren Zug. Da ist plötzlich der ältere Mann wieder und beginnt uns Bilder eines zerstörten Guest Houses zu zeigen. Wir wissen nicht genau, ob er uns eine Wiederaufbauhilfe oder Zimmer im wieder aufgebauten verkaufen will, und werden ihn mit dem Hinweis auf eine schon vorgeplante Reise wieder los. Der Zug rattert an den Bahnsteig, wir suchen unsere Plätze in der 2. Klasse. Die Sitze sind einigermassen unbequem, aber bieten genug Platz. Am Fenster hat man auch etwas Aussicht. Die Zufahrt selbst ist, obwohl sie überall als so toll beschrieben wird, nicht wirklich so spannend. Der Ausblick auf der anderen Seite ist zwar etwas besser, doch von der tollen Landschaft sieht man nicht viel. Grüne Hügel, in der Regel von Bäumen neben dem Bahngleis zugewachsen. Nach drei Stunden kommen wir mit leichter Verspätung in Kandy an.

Vor dem Bahnhof warten schon unzählige Tuk-Tuk-Fahrer. Hier scheitere ich das erste mal beim Verhandeln des Preises. Sie scheinen sich abgesprochen zu haben. Unter 200 Rupien, also 1,20 Euro, ist nichts zu machen. Wir lassen uns zum Madugalle Guesthouse fahren. Weit ist es nicht und im Vergleich zum Preis der Bahnfahrt ist die Tuk-Tuk-Fahrt eigentlich schon Wucher. Reviews hatten uns schon gewarnt, dass wir uns von der Fassade des Guest Houses nicht abschrecken lassen sollen. Es ist so unscheinbar, wie überall geschrieben wurde. Eine Eingangstür, ein Garagentor, ein Flachdach oben drauf. Mehr sehen wir von der Strassenfront nicht. Doch wir klingeln trotzdem. Ein älterer Herr in traditioneller Kleidung öffnet uns und lässt uns eintreten.

Die Besitzerin, Kumari, begrüßt uns und führt uns nach hinten durch. Hier sehen wir dann, dass sich hinter der Fassade viel mehr verbirgt. Gut acht Zimmer gibt es, davon ein Teil der Familie gehörend, ein Teil vermietet als Guesthouse. Sie führt uns nach oben in unser Zimmer, sagt uns, wir sollen uns erst mal ausruhen, die Formalitäten können wir später erledigen, und fragt, ob wir am Abend Dinner möchten. Gerne möchten wir das. Wir sehen uns im Zimmer um, ruhen uns aus und duschen. Dann gehen wir wieder nach unten und werden schon mit der Frage, ob wir ein kaltes Bier möchten, erwartet. Gerne möchten wir das.

Wir können uns jetzt erst mal richtig umsehen. Ein großes Zimmer, bei uns als Wohnzimmer mit Esszimmer bezeichnet, ist hier direkt hinter dem Eingang. Die Wände hängen voll mit Familienbildern und Dekorationen aus der Vergangenheit der Familie samt antiken Möbelstücken. Doch es fühlt sich eher nach Wohnzimmer statt nach Museum an. Hier wird auch das Dinner serviert. Im Haus wird es frisch gekocht und kommt als ein sehr leckeres Sri Lanka Curry auf den Tisch. Neben Reis gibt es drei Sorten: Fleisch, Kartoffel und Gemüse. Alle drei als Curry, alle drei richtig lecker. Und Nachschlag wird uns trotz Sättigung auch aufgedrängt.

Am nächsten morgen beschliessen wir, uns das so gelobte Kandy anzusehen. Doch erst gibt es im Guest House ein ausgiebiges Frühstück. Tee, Kaffee, Toast mit Eiern, hausgemachter Marmelade der Cousine. So viel wir wollen. Es gibt Tuk-Tuks und einige empfehlen, zu laufen. Kandy ist ja nicht groß. Letzteres versuchen wir und raten schon alleine wegen den Temperaturen, der Luftfeuchtigkeit und dem Verkehr ab. Was oft als zweitgrößte Stadt Sri Lankas und als klein bezeichnet wird, ist nicht so fußgängertauglich, wie es auf den ersten Moment scheint. Sicher gibt es Fußwege, eng neben der Strasse, doch der Verkehr… Tempel, Tee und Tanzshows bietet Kandy. Wir sehen nicht viel. Schon nach dem kurzen Weg vom Guesthouse an den See sind wir durchgeschwitzt. Da wir sowieso noch genug zu tun haben, wollen wir zurück zum Guesthouse fahren. Doch vorher kaufen wir uns noch etwas Wasser und einen Snack für Zwischendurch. Der Versuch, ein richtiges Cafe zu finden scheitert. Dabei stellen wir fest, dass es praktisch keine Restaurants gibt. In Sri Lanka isst man zu Hause?

Die Suche nach dem Tuk-Tuk scheitert nicht. Es fahren und stehen genug herum. Doch keiner kennt das Guest House. Nur am Bahnhof scheint man es zu kennen, doch das ist in der anderen Richtung. Irgendwann sind wird dann zu Fuß so weit, dass sich die Fahrt sowieso nicht mehr lohnt. Lesend und schreibend verbringen wir den Rest des Tages. Auch an diesem Tag essen wir Dinner im Guest House. Es ist wieder lecker und wir beschliessen, auch am nächsten Abend hier zu essen.

Der nächste Tag in Kandy bricht an. Hinter dem Haus tuckern ab und zu Züge vorbei. Dabei haben wir das Gefühl, es fällt gleich zusammen. Doch Nachts ist Ruhe. Wir werden von einem Fahrer abgeholt. Er bringt uns nach Sigiriya. Der Eintrittspreis ist unverschämt. Um die 30 Dollar, US natürlich, zu zahlen in lokaler Währung, sonst dürfen wir nicht auf den Steinbrocken. Der Steinbrocken steht hier 200 Meter hoch in der Landschaft und beherbergte auf seinem Plateau früher Tempelanlagen. Früher ist hier so ab 3000 vor Christus.

Etwa 1200 Stufen sind es die Treppen und Wege hoch. Zum Glück ist es bewölkt und die Sonne knallt nicht direkt auf uns drauf. Eine gute Stunde brauchen wir, mit Pausen, bis wir oben sind. Die Aussicht ist toll, die Tempelruinen oben hätten wir uns beeindruckender vorgestellt. Nur noch die Grundrisse sind da. Wir hätten die Aussicht gerne länger genossen, doch wir sehen eine Regenwand auf uns zu ziehen. Wir machen uns auf, um schnell runter zu kommen.

Am Ausgang zum Parkplatz gibt es noch mal Verkaufsbuden und wir gönnen uns etwas kaltes zu trinken. Dann fahren wir weiter. Wir biegen gerade auf die Strasse ein, da kommt der Regen runter. In Dambulla am Rock Temple angekommen hört es passenderweise wieder auf. Eintrittskarten bekommen wir keine, denn es ist „Lunchtime“. Erst eine viertel Stunde später gibt es Karten. Die sind mit 15 Dollar nicht ganz so teuer, für das Land allerdings schon. Wir dachten, die Tempel in der Höhle sind nicht weit, doch wieder steigen wir Stufe um Stufe nach oben. Drei mal überlegen wir es uns fast anders, doch dann sind wir da. Ein großer liegender Buddha, noch ein kleinerer in einer anderen Höhle erwarten uns. Dazu noch unzählige sitzende Buddhas in zwei anderen Höhlen. Trotz der Stufen lohnt sich der Ausflug nach hier oben.

Auf dem Weg nach unten beginnt es wieder zu regnen. Dank einiger Bäume mit vielen Blättern werden wir nicht all zu nass. Wir machen uns auf den Rückweg, nachdem wir den Fahrer mehrfach überredet haben, dass wir nicht an den diversen Spice- und Herbal-Gardens halten wollen. Auch wenn er gerne etwas Provision hätte, wir hätten sowieso nichts gekauft. Am Abend organisieren wir uns noch eine Fahrt nach Negombo am nächsten Morgen. Das Dinner bei Kumari ist eben so lecker wie am Vortag.

Mit nur wenigen Minuten Verspätung steht dann am nächsten Morgen unser Fahrer vor der Tür. Es ist nicht der gleiche wie am Vortag, und als ich das junge Bürschchen sehe, denke ich mir, dass es eine rasante Fahrt wird. Doch es geht. Auch hier müssen wir mehrfach seine Anhaltewünsche verneinen. Wieder wollen wir nichts kaufen, auch wenn wir ihm seine Provision gönnen würden.

Mit Negombo endet dann auch der Bericht. Die restlichen Tag verbringen wir im Paradise Beach Hotel. Den Strand sehen wir uns nur kurz an, wir bleiben am Pool, denn hier gibt es Schatten. Vor dem Rückflug wundern wir uns noch über den doch recht rückständig wirkenden Flughafen von Colombo und erfreuen uns an dem einen Monat zuvor eröffneten A380-Terminal in Dubai. Wir fühlen uns wie nach einer Zeitreise von hundert Jahren, wenn wir die beiden miteinander vergleichen.

Von über 30 Grad in Negombo sind es 13 Stunden später in Hamburg nur noch -2 Grad. Die Welt zu Hause hat uns wieder.