Unser letzter Tag in Hongkong soll uns in das Nachbarland Macau führen. Per Fähre ist das ganz einfach. Die Hongkong-Macau-Ferry startet auf Hongkong Island, nicht weit von der Central Station weg.

Für 152 HK$ gibt es ein Ticket mit einer festen Abfahrtszeit. Wer genau weiss, wann er zurück fährt, der kann auch gleich das Rückfahrtticket kaufen. Wer nicht, der sollte das erst in Macau tun. Bis kurz vor der Abfahrt ist das möglich. Etwas über eine Stunde dauert die Überfahrt mit der Boeing-Fähre. Wir fühlten uns bei dem Hersteller auch sofort an ein Flugzeug erinnert. Die Sitzplätze waren entsprechend angeordnet, die Sitzreihen wie im Flugzeug auf Schienen befestigt. Die Sitze hatten auch entsprechende Nummernzuweisungen und entsprechen ungefähr dem, was vor 30 bis 40 Jahren in Flugzeugen in der Economy-Class verbaut wurde. Boeing, uns bisher als Hersteller von Schiffen gänzlich unbekannt, hat sich hier also aus der Flugzeug-Warenkiste bedient.

Nach anfänglichem starken Schaukeln im Hafen von Hongkong war die Überfahrt dann recht ruhig. Nachdem wir in Macau die Passkontrollen absolviert hatten, wie gesagt, es ist ein eigenes Land, man muss in Hongkong aus- und in Macau einreisen, fanden wir direkt vor dem Fährterminal jede Menge kostenloser Shuttle-Busse zu den einzelnen Casinos. Das ist etwas, was man wissen muss, vor allem weil im Fährterminal schon eine Schar Taxifahrer und Rundtour-Verkäufer lauert und die ankommenden überfällt. Wer hier zu einem der Casinos will, der sollte sich da nicht beirren lassen und einfach zu den Bussen gehen.

Abgesehen von ein bisschen Altstadt hat Macau wohl auch nur die Casinos und ein mal im Jahr das Rennwochenende zu bieten. Es ist sozusagen Las Vegas als eigener Staat. Doch wir wollten uns Macau ansehen und gingen erst mal zu Fuß. Zu erst begann die Tour ganz gut. Direkt gegenüber vom Fährterminal liegt die Rennstrecke, auf der der Macau Grand Prix ausgetragen wird. Das Ganze wirkt gegenüber den Anlagen, die man zur Formel 1 im Fernsehen sieht, recht niedlich. Eine kleine Brücke führt über die Boxengasse, die Rennstrecke ist die Strasse. Am Rand der Strasse bilden Betonstufen die Tribüne. Alles wirkt recht heimelig und wir können uns vorstellen, noch ein mal zum Macau Grand Prix wieder zu kommen. So denn, und wir glauben das nicht wirklich, das auch bezahlbar ist.

Zu Fuß ging es weiter in Richtung Altstadt. Auf Anhieb fanden wir die nicht so recht. Ausgeschildert war praktisch gar nichts, an Fußgänger schien nicht gedacht worden zu sein. Jedenfalls war wohl nicht geplant, dass jemand vom Fährterminal zu Fuß ging. Wir kamen an alten heruntergekommenen Casinos vorbei und gingen noch durch eines durch, einfach um es uns anzusehen und den Effekt der Klimaanlage mitzunehmen. Dann landeten wir in der Ecke mit den neuen Casinos. Inzwischen waren wir so viel durch eine häßliche Stadt gelaufen, dass wir auch keine Lust mehr auf die Altstadt hatten. Es war noch ein ganzes Stück, wohl im Kilometer-Bereich, doch wir sehnten uns nach Ruhe von der Hektik, wollten uns nicht mit dem Bussystem auseinandersetzen – zumal wir noch keine Landeswährung eingetauscht hatten –  und auch nicht groß mit einem Taxifahrer verhandeln. Zudem sah Macau auf der Karte auch noch viel kleiner aus.

Also ging es ins Wynn. Das Wynn, eines der großen Casinos, bietet hier ungefähr so viel Stil wie in Las Vegas das Bellagio. Zu erst trauten wir uns in unserer Outdoor-Backpacker-Kleidung nicht so recht an den vier oder fünf geparkten Rolls Royce vorbei zum Eingang, doch wir gaben uns einen Ruck. Ein mal durch die Tür herrschte Stille um uns herum. Ein Teil des Erdgeschosses nimmt eine Mall ein. In Hamburg wäre es der Neue Wall mit all seinen Nobelläden. Bulgari, Armani, Ferrari und wie sie alle heissen, hatten sich hier versammelt. Dahinter dann das Casino mit ein paar Spieltischen, die der Allgemeinheit zur Verfügung standen. Der Rest konnte nur mit Red-, Silver- oder Gold-Card benutzt werden, die man sich erst mal erarbeiten musste.

Auch im Erdgeschoss, neben ein paar anderen Restaurants, gibt es das Wing Lei, wohl das einzige Zwei-Sterne-Dim-Sum-Restaurant. Für luxuriöse 30 Euro aßen wir acht verschieden Dim Sum und tranken den Haustee. Dabei wurden wir von so einigen Servicekräften unaufdringlich versorgt. Ein äusserst angenehmes Gefühl war es, mal völlig verhätschelt zu werden, ohne es zu merken. Vor allem wenn man bedenkt, dass man bei uns in Deutschland schon in schlechteren Restaurants mit schlechterem Service gut 100 Euro los wird.

Wir hatten genug gesehen. Mit dem kostenlosen Shuttle Bus des Wynn fuhren wir zurück zum Fähranleger. Für 140 Macau-Dollar ging die Fahrt zurück nach Hongkong.