Viele Erfahrungen haben wir mit Bahnen in Thailand ja nicht gemacht. Gerade mal zwei Fahrten in der dritten Klasse von Don Muang nach Ayutthaya und zurück haben wir absolviert. Trotzdem wollen wir berichten, was uns erfahren ist.

Alles begann schon damit, dass wir versuchten, uns über die Fahrpläne zu informieren. Tagelang war die Website der thailändischen Eisenbahn nicht richtig funktional. Nach Tagen bekamen wir dann raus, wo welche Züge fahren und welche wir nehmen könnten. Bei dieser Recherche entschieden wir uns dann auch dagegen, mit dem Nachtzug von Chiang Mai nach Ayutthaya zu fahren. Sicher wäre es günstiger gewesen, als mit der Flugzeug nach Don Muang, doch es hätte auch bedeutend länger gedauert. Vorausgesetzt, der Zug wäre auch pünktlich gewesen.

Die Pünktlichkeit scheint abgesehen vom allgemeinen Zustand der Strecke und der Züge das größte Problem der thailändischen Bahn zu sein. Ein Zug fährt in der Theorie nach einem Fahrplan, praktisch aber dann, wenn er kommt. In Don Muang kam uns das gerade recht. Nachdem wir das Flugzeug verlassen und den winzigen zweigleisigen Bahnhof vor dem Flughafen gefunden hatten, mussten wir erst ein mal Fahrkarten besorgen. Der unscheinbare Ticketschalter war bald ausgemacht und ein Ticket für den nächsten Zug nach Ayutthaya sollte 20 Baht kosten. Gerade mal 50 Cent für eine Fahrt von 45 Minuten. Fünf Minuten später sollte auch schon der Zug kommen. Man erklärte uns noch mehrmals, wir müssten uns an den Bahnsteig nach Bangkok stellen, was eigentlich die Gegenrichtung sein sollte. Natürlich durfte hier kein Verkäufer mit Getränken und Snacks fehlen. Und auch ein großes Bild des Königs gab es.

Nach zehn Minuten war dann immer noch kein Zug da, doch es kam Leben in die Bahnhofsangestellten. Sie gingen den Bahnsteig auf der anderen Seite ab, einige stellten sich mit Fähnchen auf. Dann wurde der Zaun an den Gleisübergängen zu geschoben. Wir, auf der Seite in Richtung Bangkok, hatten schon bedenken, dass der Zug dann doch auf der anderen Seite fahren würde.

Und da kam er dann auch. Genauer, er tuckerte in einiger Entfernung sichtbar das Gleis entlang. Natürlich das Gleis auf der anderen Seite. Fünf weitere Minute vergingen, bis die Lok am Bahnsteig sichtbar wurde. Natürlich auf der anderen Seite. Doch dann wurde sie mit einem Ruck auf unsere Seite gezogen. Eine enge Weiche und der Zug rollte auf dem Gegengleis an unseren Bahnsteig.

An jeder Tür stand ein Angestellter mit Fähnchen. Wir versicherten uns noch ein mal, dass es der richtige Zug war und stiegen ein. In der dritten Klasse war alles besetzt, so blieben wir im Zwischengang stehen. Wir standen nur wenige Meter vom nächsten Wagen weg. Der Zug setzte sich in Bewegung und zuckelte los. Nachdem sich unzählige Einheimische im Zug mit einem Blick auf unserer Fahrkarte versichert hatten, dass wir, als Westler, hier, in der dritten Klasse nach Ayutthaya richtig waren, ging ich zurück bis an die Tür, die offen Stand und blickte nach draussen.

Ein mal hielt der Zug unterwegs. Die Fahrt selbst verlief relativ ereignislos. Hin und wieder liefen Verkäufer mit Essen und Getränken durch den Zug, gelegentlich stellte sich einer der Einheimischen auf eine Zigarette an die Tür. Über den Zustand der Wagen lässt sich nicht viel sagen. Klimatisiert war hier nichts, lediglich ein paar Ventilatoren an der Decke versuchten etwas Abkühlung zu schaffen. Besser war es aber, etwas Fahrtwind abzubekommen. Die Roststellen der Wagen waren unzählbar doch so wie der Zug ruckelte, mussten sie noch eine gewissen Stabilität haben, um die Fahrt auszuhalten.

Die Rückfahrt stellte sich dann als schwieriger heraus. Wir hatten aus dem Fahrplan erfahren, dass um 7:45 ein Zug nach Don Muang fahren sollten. Um sieben gingen wir los. Mit nur wenigen Minuten zu Fuß von Guesthouse zu Bahnhof sollte das nicht das Problem darstellen. Am Bahnhof von Ayutthaya, der im Vergleich zu Don Muang ein richtiges Bahnhofsgebäude hatte, waren alle Ticketschalter geschlossen. Auf der Suche nach einem Angestellten, was nicht schwer war, da genug herumstanden, war es schwierig einen zu finden, der sich zuständig fühlte. Einer zeigte mir wo es zu den Ticketschaltern ging. In der Hoffnung, diese seien jetzt besetzt, ging ich zurück und wieder zurück zu den Angestellten. Dort erfuhr ich, der nächste Zug würde um 8:15 fahren, doch die Angabe wurde handschriftlich auf einer Tafel hinter ihm gerade auf 8:30 korrigiert. Warum ich keine Tickets kaufen konnte, das erklärte mir niemand.

So setzten wir uns auf eine Bank am Bahnsteig, den Ticketschalter im Blick, und warteten. Aus den bisher leisen Lautsprechern erklang plötzlich eine Melodie. Erst als alle aufstanden und ruhig stehen blieben, verstanden wir, dass es sich um die Hymne handelte, die abgespielt wurde. Es kam kurz das Gefühl eines Flashmobs auf. Musik läuft, alle stellen sich in Pose bis die Musik zu Ende ist und alle machen da weiter, wo sie aufgehört hatten.

Zehn nach acht stellten sich dann die ersten an einem der Schalter an. Als fünf Leute standen, entschloss ich mich, ebenfalls einen Versuch zu wagen und reihte mich ein. Schnell ging es voran und als ich meinen Wunsch vortrug, Fahrkarten nach Don Muang zu erstehen, wechselten 20 Baht pro Person und das Ticket die Besitzer. Dabei erfuhr ich, dass Tickets ohne Reservierung, was in der dritten Klasse auch nicht möglich gewesen wäre, erst 30 Minuten vor Abfahrt eines Zuges verkauft werden. Auf dem Ticket konnte ich dann auch sehen, was es mit der berühmten Unpünktlichkeit auf sich hat. Der Zug, der hier dann um 8:45 eintraf war der Nachtzug aus Chiang Mai, geplant um 6:45 Uhr. Das abgebildete Ticket ist allerdings das der Hinfahrt.

Die Rückfahrt, auch mit 45 Minuten angesetzt, dauerte dann noch ein mal eineinhalb Stunden. Unterwegs hielt der Zug öfters und er blieb dann hier und da auch noch mal einfach länger an einem Bahnhof stehen. Doch wir kamen genau da in Don Muang an, wo wir hin wollten. Am Flughafen.

Deswegen: wer in Thailand Bahn fahren möchte, der sollte viel Zeit und Geduld mitbringen. Ausserdem sollte er nicht unbedingt zu knapp planen, falls er zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort sein möchte.