Wieder einmal war der Passat in der Werkstatt schuld daran, dass wir uns einen Ersatzwagen suchen mussten. Der Zufall wollte, dass bei Sixt ein VW Touareg und ein BMW X1 zur Verfügung standen. Der Touareg war uns für die Gelegenheit zu teuer, also fiel die Wahl auf den X1.

Vorweg gleich eins: Die „Freude am Fahren“ stellte sich nicht ein. Das liegt nicht nur am Motor. Der 18d entwickelt mit seinen 143 PS nicht wirklich Forttrieb. Behäbig könnte man das Fahrverhalten nennen. Die Spitze, die mit 195 km/h angegeben ist, haben wir nicht erreicht. Nicht mal versucht haben wir es, denn die Beschleunigung von 130 aufwärts bliebt schon fast unbemerkt. Dazu kommt die schlechte Dämmung, die das Fahr- und Motorgeräusch auf der Frontsitzen unangenehm macht. Einen weiteren Negativ-Punkt packte die Automatik-Schaltung noch dazu. Immer wieder schaltete sie unmotiviert, ein anderes Mal schaltete sie erst bei 1000 Umdrehungen herunter, was der Motor schon mit ruckeligem Lauf quittierte. Warum das Fahrzeug so unausgewogen fuhr, und ob das bei allen X1 so ist, lässt sich natürlich nicht sagen. Doch der 18d wäre keine Wahl für uns. Der 2.0 TDI in unserem Passat, der 140 PS liefert, läuft um einiges runder und zügiger.

Auch BWM-untypisch fanden wir die Verarbeitung. Ein hochwertiges Inneres mit einer gut verarbeiteten Mittelkonsole und sehr schönen bequemen Leder-Sportsitzen wurde von dem Äußeren entwertet. An der Verbindung von der Frontscheibe zur Konsole knarzte es, was allerdings auch an den sehr kalten Aussentemperaturen gelegen haben könnte. Die schon angesprochene schlechte Dämmung des Motorraums liess zu viel vom Motorgeräusch durch. Sowohl die Heckklappe als auch die Seitentüren, welche sich „dünn“ anfühlten, hinterliessen bei uns einen „billigen“ Eindruck. Vor allem beim Schliessen klangen sie billig und klapperig, ein Geräusch, welches wir bei einem Fahrzeug dieser Klasse nicht erwartet hatten.

Um so erstaunter waren wir, als wir uns das Fahrzeug mit der Ausstattung im BMW-Konfigurator zusammenklickten – etwas über 50.000 Euro kamen zusammen. Gut, es war einiges an teurer Ausstattung drin, doch alleine der Eindruck, den das Fahrzeug auf uns machte, sagte uns schon, dass diese Summe zu viel dafür ist.

Die Ausstattung im Inneren gefiel uns. Die Sitze boten einen schönen Seitenhalt, und nachdem wir die elektrischen Einstellungen kapiert hatten, boten sie so viele Einstellmöglichkeiten, dass theoretisch jeder Fahrer in jeder Größe seine Sitzstellung finden sollte. Bequem sind sie zudem auch noch.

Das Navigationssystem mit ConnectedDrive, USB- und AUX-Anschluss macht einen sehr guten Eindruck und konnte uns, wie schon im Z4, überzeugen. Mit etwas Übung brachte sogar die Spracheingabe vernünftige Ergebnisse. Vor allem spart das bei Adresseingaben in der Navigation deutlich Zeit im Vergleich zur manuellen Auswahl jedes einzelnen Buchstabens. Im Vergleich zum Z4 konnte das Media-System auch die Unterordner meines Nexus 4 öffnen, auch wenn es recht behäbig bei den Ladezeiten war.

Die Klimaanlage verrichtete bei minus 12 Grad Aussentemperaturen auch als Heizung einen guten Dienst. Sie erwärmte den Innenraum schnell und zuverlässig. Die Sitzheizung, von uns früher noch als „braucht man sowieso nicht“ abgetan, tat ihr übriges dazu. Die vielen Einstelloptionen der Klimaanlage, natürlich links und rechts getrennt, sind intuitiv und bieten so einiges an Bequemlichkeit.

Der Platz im Innenraum ist reichlich. Zumindest für die beiden vorderen Sitze. Mit langen Beinen sollte man sich nicht auf einen der hinteren Sitze trauen. Der Laderaum ist mit 420 Liter ohne umgeklappte Sitze jetzt nicht überragend, doch wir empfanden ihn als ausreichend. Für einen Umzug oder einen Großeinkauf in Frankreich wäre es allerdings dann doch etwas zu wenig.

Eigentlich ist der X1 ein Geländewagen. Doch so richtig konnten wir dies mangels Strecke nicht testen. Auf den unebenen Strecken, auf denen wir ihn fuhren, konnte er überzeugen. Etwas mehr Bodenfreiheit wäre aber doch angebracht. Auf der normalen Strasse fuhr er sich souverän und präzise. Auch auf schneebedeckter Fahrbahn lief er wie auf Schienen. Lediglich die harte Federung machte sich bei hoppeligen Autobahnstrecken im Rücken bemerkbar, und gerade wenn man ihn im Gelände fahren würde, wäre diese harte Abstimmung wohl wenig komfortabel.

Den Verbrauch des X1 xDrive 18d gibt BMW mit 5,5 l auf 100 km an. Unser Testwagen begnügte sich mit 7,7 Litern. Das ist nun weit weg von der Werksangabe. Bei unserem Passat sind die beiden Werte deutlich näher zusammen.

Es ist schwer, ein Fazit zu finden. Der X1 xDrive 18d konnte mit seinem Platzangebot im Innenraum, den bequemen Sitzen und der guten Entertainment-Ausstattung punkten. Doch die Verarbeitung, die Lautstärke, der zähe Motor und der hohe Preis heben die Vorteile bei weitem auf. Wir würden uns nach dieser Erfahrung keinen X1 zulegen.