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Unterwegs in aller Welt

BMW Z4 sDrive 20i

Eigentlich sollte ich jetzt hier einen Testbericht zu einem VW Golf Cabrio schreiben. Doch eine nette blonde Frau machte mir ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte, und ich fuhr für das Cabriowochenende mit einem BMW Z4 sDrive 20i aus dem Parkhaus. Wer sagt schon „Ich nehm den Golf“, wenn er die Wahl zwischen einem Golf Cabrio, einem Mini Cabrio oder einem Z4 hat. So begab es sich, dass wir, wenn auch nur für zwei Tage, zu Z4-Fahrern wurden. Doch was ist dran an der „Freude am Fahren?“

BMW Z4 sDrive 20i

Zu erst muss ich mich etwas umgewöhnen. Es ist die ungewohnte Sitzposition. Nicht einmal die Tiefe im Fahrzeug, sondern die Länge nach vorne weg. Im Passat, den ich sonst fahre, ist der Rest des Fahrzeugs hinter mir. Hier geht das meiste nach vorne. Die bullige Motorhaube fällt sofort auf, hinter dem Fahrer kommt dann nur noch ein kurzes Stück, das Cabrio-Verdeck-Raum als Bezeichnung bestens vertragen kann. In den engen Kurven des Parkhauses konnte ich gleich üben. Wo das Fahrzeug endet, das sieht der Fahrer von seiner Position aus nicht. Doch im normalen Strassenverkehr erwies sich dieses Detail als unwichtig.

Also raus aus dem Parkhaus und auf die Strasse. An der ersten grün werdenden Ampel denke ich beim Druck auf das Gaspedal noch, wann kommt denn da was. Die 8-Gang-Automatik schaltet früh und fährt in niedrigen Drehzahlen. „Comfort“ nennt sich diese Einstellung. An der nächsten Ampel entdecke ich den Knopf mit der Aufschrift „Sport“. Ein Druck und die Front des Fahrzeugs senkt sich merkbar ab, obwohl es nur 10 mm sind. Die Stossdämpfer reagieren etwas härter, und die Drehzahl steigt deutlich. Jetzt reagiert der Z4 auch beim Antippen des Gaspedals. Es gibt noch eine weitere Stufe, die sich „Sport+“ nennt. Dann ist auch noch die Traktionskontrolle abgeschaltet.

Z4 Gepaeck

Nach einer Runde durch die Stadt wollen wir endlich mal das mit dem Dach ausprobieren. Geschlossen ist der Z4 ein Coupé mit Metalldach. Der erste Versuch, das Dach zu öffnen, scheitert. Eine Warnmeldung taucht im Display auf, die sich nur „Gepäckraumabdeckung“ schimpft. Erst nach dem Studium der Anleitung finden wir im Gepäckraum eine Klappe, die ausgezogen und eingerastet werden muss. Der so schon kleine „Kofferraum“ reicht jetzt gerade mal noch für zwei Rucksäcke oder auch 180 Liter. Geschlossen sind es immerhin 310 Liter. Dafür geht das Dach auf Knopfdruck auf. Die Falttechnik ist ausgeklügelt und kann bis 30 km/h aktiviert werden. In 20 Sekunden öffnet oder schliesst das Dach. Zu bemängeln hätte ich die Bedienung: das Dach bewegt sich nur so lange ich die dazu passende Taste gedrückt halte. Lasse ich sie los, bewegt sich das Dach auch nicht mehr. Hier sollte ein kurzer Knopfdruck zum Öffnen oder Schliessen reichen.

Z4, Leder

Jetzt steht der Z4 als Roadster auf der Strasse. „Freude am Fahren“ nennt BMW das in seiner Werbung. Und es passt. Es macht Spass, mit dem Cabrio über Land zu cruisen, auch wenn es eigentlich furchtbar unvernünftig ist. Doch wir machen erst mal wieder das Dach zu. Auf der Autobahn wird es drinnen doch zu windig, und da gibt es ja noch etwas zum Testen. Auch im Sport-Modus lässt sich der Z4 beim Anfahren noch eine Gedenksekunde Zeit bevor es los geht. Doch während der Fahrt zeigt sich eine gewisse Agilität. Er ist schnell auf 60 km/h, die Automatik schaltet unmerklich. Erst dann beginnt der wirkliche Spass. Von 60 auf 80 ist es nur ein Antippen des Gaspedals. Von 0 auf 100 km/h sind es theoretisch 6,9 Sekunden. Fast unmerklich nähert sich die Tachonadel der 170 km/h, es fühlt sich nicht so an. Eben so agil beschleunigt der Z4 weiter. Er liegt so gut auf der Strasse, dass sich 220 km/h noch bequem anfühlen. Bei 236 km/h ist dann in unserem 20i Schluss. Nur die Bodenwellen machen sich im älter werdenden Rücken bemerkbar. Wer möchte, der kann die Gänge auch an den Wippen am Lenkrad manuell schalten.

Schnell fahren ist aber nicht alles. Der Z4 kann es, doch es gibt bessere Anwendungsmöglichkeiten. Dach auf und raus auf die kurvigen Strassen an der Ostsee lang. Es ist eine wahre Freude, ihn an einem frühen Morgen durch die leeren Strassen zu schlängeln. Die Lenkung ist direkt und präzise. Das Fahrzeug fährt da hin, wo ich es hin haben will. Beim starken Einlenken gibt es mit dem Heckantrieb ein leichtes aber gut zu kontrollierendes Übersteuern. Immer noch, es macht Spass, den Z4 zu fahren.

Etwas stört ein singendes jaulendes Geräusch, das bei niedrigen Geschwindigkeiten und beim Stehen von rechts hinten zu kommen scheint. Es klingt wie ein Elektromotor, der nicht so läuft wie er soll. Wer bei Google danach sucht, wird feststellen, dass dies nichts ungewöhnliches ist. BMW reagiert darauf mit einem Spektrum von „ist normal“ bis „Hinterachse muss gewechselt werden“. Von einem Fahrzeug, das so teuer ist, unser Modell hätte knapp 50.000 € gekostet, erwarte ich so etwas nicht.

Die Sportsitze bieten einen guten Seitenhalt, sind aber nichts für breite Hintern. Die Einstellung ist etwas ungewöhnlich. Ich habe nun mal lange Beine, da muss der Sitz nach hinten. Doch das geht beim Z4 nicht so einfach, nach hinten ist nicht viel Platz. Also schiebt sich der Sitz bei der Verstellung nicht nur nach hinten sondern auch nach unten. Ich bekomme ihn richtig für meine Beine eingestellt, doch BMW scheint davon auszugehen, dass jeder, der lange Beine hat, auch einen dazu passenden langen Oberkörper hat. Bei mir passt es, andere dürften Probleme haben, über das Lenkrad hinweg zu sehen. Ich habe keine Möglichkeit gefunden, das Lenkrad zu verstellen. Mit seinen drei Speichen und leichten Wölbungen an den Griffstellen liegt das Lenkrad dann trotzdem gut in der Hand.

Mit der ganzen Technik im Auto muss man sich erst mal vertraut machen. Scheibenwischer und Blinker, das kennen wir ja alle. Da gibt es nur leichte Unterschiede von Fahrzeug zu Fahrzeug. Der Tempomat-Hebel ist ebenso wie in meinem Passat angebracht und funktioniert sogar ähnlich. Auffällig ist das 8,8 Zoll große Display, das beim Anlassen über den Start-Knopf ausfährt. Gesteuert wird es über einen Multifunktions-Dreh-Knopf oder wie auch immer man den nennt. Für Funktionen wie Navigation, Radio, Telefon und Menü gibt es direkte Knöpfe, alles weitere geht durch Drehen und Drücken des großen runden Knopfes. Zuerst erscheint es unübersichtlich, doch nach ein paar Versuchen ist das System intuitiv bedienbar.

Es scheint nichts zu geben, was nicht über das System bedien- oder einstellbar ist. Der Bordcomputer zeigt nicht nur Reichweite und Verbrauch an – auch Motorölstand, Reifendruck und ein Funktionstest der Bordsysteme ist abrufbar. Connected Drive ist eine schöne Spielerei. Die Wetteranzeige macht Sinn, eben so die POI-Umgebungssuche. Ob ich aber unterwegs im Internet auf dem Display surfen will, sei mal dahin gestellt.

Z4, Navi

Die Navigation macht einen sehr guten Eindruck. Die Kartenanzeige ist deutlich, die Ansagen sind präzise.

Das Audio-System kann vom Klang überzeugen. zumindest in dem kurzen Test, den wir es mit Radiomusik unterzogen haben. Wir hatten auf einem USB-Stick Musik mit dabei. Unter der Abdeckung, die in der Mittelkonsole als Armauflage dient, befindet sich ein USB-Anschluss. Leider konnte das System nichts mit Unterordnern anfangen und so konnten wir von dem USB-Stick nichts abspielen. Für den daneben gelegenen AUX-Anschluss hatten wir kein Kabel mit Klinkensteckern dabei. Per Bluetooth konnte ich mein LG Nexus 4 koppeln. Es liess sowohl Telefon, als auch Audio-Streaming zu. Das Telefonbuch konnte das System wohl auch auslesen, denn es fragte danach.

Z4, geschlossen

Drei Tage hatten wir den Z4, und es machte wirklich Spass, ihn zu fahren. Doch ein Auto für den Alltag ist es sicher nicht. Der Stauraum ist klein. Der Innenraum ist zwar nicht beengt und trotz der schmalen Sportsitze bequem, aber er ist auch nichts für lange Fahrten. Für den Wochenendausflug mit leichtem Gepäck an die See ist er aber ideal. Es ist ein Fun-Car. Das meiste ist durchdacht, ich muss mir keine großen Gedanken machen, ich setzte mich hinein, fahre los und habe Spass. Nicht mehr, nicht weniger. Selbst der Verbrauch hielt sich für einen Sportwagen in Grenzen. 8,1 Liter Super Plus auf 100 km zeigte der Bordcomputer an. Ich hätte mit deutlich mehr gerechnet.

Unser Bericht zum großen Bruder, dem 4er Coupe ist hier zu finden.

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2 Comments

  1. Hm? Und wer hat den Golf? Und das Mini-Cabrio? Und der Z4 ist ein Mietwagen? So ganz versteh ich es auch noch nicht… 😀

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