Wer an die großen Nationalparks des Südwestens der USA denkt, dem wir wohl zuerst der Grand Canyon einfallen. Und spätestens nach Yellowstone und Yosemite wird wohl jeder Bryce Canyon nennen. Danach folgt meist noch der etwas unbekanntere Zion Canyon. Doch Bryce Canyon soll unser Thema hier sein.

Wir alle haben sicher schon mal ein Bild von den vielen Felsspitzen, die hier Hoodoos genannt werden, gesehen. Diese gibt es hier en masse an der Abbruchkante des Paunsaugunt-Plateaus. Die Abbruchkante verläuft in Bryce in einem weiten Halbkreis, was uns einen unglaublichen Blick auf Unmengen von Hoodoos gewährt. Es ist also kein Wunder, dass der Großteil des Bryce Canyon auch Amphitheater genannt wird.

Im Gegensatz zu den anderen Canyons der Gegend wurde der Bryce Canyon nicht durch einen Fluß gebildet. Wind, Wasser und Eis haben die Felsspitzen, die bis zu 60 Meter hoch sind, aus dem Plateau heraus erodiert. Über 30 Kilometer Länge hat sich die Erosion so in das Plateau gefressen. Bryce Canyon nimmt davon 19 Kilometer ein, ist bis zu 5 Kilometer breit und fällt bis zu 240 Meter ab.

Auf nicht mal 200 Kilometern lässt sich in dieser Gegend Welt-Geologie-Geschichte erleben. Der Bryce Canyon bzw. dessen Gesteinsschichten sind gut 100 Millionen Jahre jünger als die des Zion Canyon und die selbst sind auch etwa 100 Millionen Jahre jünger als die des Grand Canyon. 200 Millionen Jahre Unterschied auf so kurzer Distanz. Bis vor 60 Millionen Jahre lag hier eine Seenplatte, die selbst 20 Millionen Jahre Bestand hatte. Vor etwa 16 Millionen Jahre erhobt sich dann das Plateau und die Natur hatte die Chance mit Erosion diese wunderbare Landschaft zu bilden.

Der National Park Service hat sich diese wunderbare Landschaft zu nutze gemacht und aus unserer Sicht einen der schönsten Nationalparks geschaffen. Auf 29 Kilometer führt eine Strasse im Park zu 13 Aussichtspunkten. Darunter der viel genannte Inspiration Point und der noch viel schönere Bryce Point. An den meisten Aussichtspunkten starten auch Wanderwege, die es in verschiedenen Schwierigkeitsgraden gibt.

Wir hatten für den Besucht des Parks einen vollen Tag eingeplant und wer keine großen Trails laufen möchte, der ist damit genau richtig. Wer nur gucken will, dem genügt ein halber Tag. Im Sommer muss man mehr Zeit einplanen, denn da fahren Shuttle-Busse, die wie wir in Zion lernten, eine gute Wahl sind. Wir haben uns nicht alles Aussichtspunkte angesehen und sind auch der Meinung, dass dies nicht nötig ist.

Nur mit dem Auto sind die letzen 2/3 des Parks erreichbar. Auf jeden Fall sollte man mit dem Rainbow Point am Ende der Parkstrasse beginnen wenn man früh unterwegs ist. Hier ist dann noch nicht viel los und wie wir merkten wird es hier schnell überlaufen. Der Ausblick hier ist richtig schön, wir hatten sogar noch kleine Schneespitzen auf den Felsen, doch es war bitterkalt. Nach einigen Bilder und ein paar Panoramaaufnahmen verzogen wir uns wieder zum warmen Kaffee ins Auto. Auf der Fahrt zurück sollte man auf jeden Fall an der Natural Bridge und am Farview Point halten. Die anderen Haltepunkte bieten auch schöne Ausblicke, doch die beiden gefielen uns auf der Strecke am Besten.

Im Sommer ist das vordere Drittel mit einem Shuttle-Bus versorgt. Wir, im Oktober, hatten keinen mehr, der letzte fährt Ende September. Hier sollte man jetzt keinen Fehler machen. Sehr viele empfehlen Inspiration Point als den schönsten, deswegen würde ich ihn als letztes ansehen. Doch nein, wir stoppten als nächstes am Inspiration Point. Und genau das würde ich auch jedem empfehlen. Haltet erst hier an und seht Euch das (kleine) Amphitheater an. Dann fahrt weiter zum Bryce Point, geht ein Stück zum Aussichtspunkt und bleibt oben auf dem Hügel stehen. Jetzt guckt Euch um. Wenn Ihr dann eine halbe Stunde später mit dem Staunen fertig seid, dann versteht Ihr warum.

Teure Unterkunft, 25 Dollar Parkeintritt. Harte Fakten. Doch sie werden durch atemberaubende Ausblicke belohnt. Der Ausflug nach Bryce Canyon lohnt sich auf jeden Fall. Doch auch für die, die nur auf der Durchreise sind, habe ich noch einen Tipp. Sozusagen Bryce Light. Vor der Parkeinfahrt, also ohne Eintrittskosten, biegt ein Weg zum Fairyland Point ab. Ab diesem Aussichtspunkt kann man einen kleinen Ausschnitt des Canyons mit Hoodoos und allem drum und dran sehen. Es bei weitem nicht so beeindruckend wie der gesamte Park, aber der Ort bietet einen guten Einblick.

Mehr Bilder gibt es hier bei Flickr zu sehen. Und Benny von nothing frequent war auch da.