Den Canyon De Chelly hatten wir so gar nicht auf der Rechnung. Wir entdeckten ihn erst unterwegs auf einer Karte. Zufällig lag er dann auch noch an der Strecke vom Monument Valley (hier mit Bildern) an die Route 66 bei Holbrook. Der erstmalige Gedanke „Nicht schon wieder ein Canyon“ verflog aber bald, bot er doch Ablenkung auf der längeren, langweiligen Fahrt auf immer schnurgeraden Strassen, die selten von Kurven und noch seltener von Abzweigungen unterbrochen wurde.

Canyon de Chelly ist seit 1931 ein National Monument. Der Eintritt ist frei, da es sich hier um Indianerland handelt. Das Land, das den Navajo gehört, wird vom National Park Service nur verwaltet. Eben so ist es auch im Navajo National Monument. Es gibt, wie in vielen anderen Parks auch, eine Strasse, die in den Park hineinführt und dann endet. Hier ist es der South Rim Drive mit sieben Aussichtspunkten. Dazu kommt noch der North Rim Drive mit Abzweigungen zu vier Aussichtspunkten, der aber eine normale Strasse ist, die dann weiter zu anderen Orten führt. Neben einem Besucherzentrum gibt es auch einen sehr schönen, malerisch unter Cottonwoods gelegenen Campingplatz an der Zufahrt zum Canyon.

Der Canyon selbst war wohl schon lange besiedelt. Nachweislich gab es schon vor 4.500 Jahren Siedler hier, wie weit davor lässt sich mangels Fundstücke nicht nachweisen. Dabei zogen die Siedler als Nomaden durch den Canyon. Etwa ab dem Jahr 750 wurden die ersten Pueblos in die Felswände gebaut. Steht man heute an den Aussichtspunkten am South Rim Drive und blickt an die Felswände nach Norden, lassen sich so einige Siedlungsreste entdecken, von denen man sich nicht mal ansatzweise vorstellen kann wie die Menschen damals dort hin kamen. Wir konnten nur vermuten, dass einzelne Felsstücke abgebrochen sein müssen.

1863 war dann das Ende der Siedlungszeit erreicht. Colonel Kit Carson startete einen Kriegszug gegen die Navajo. Carson zog mit seinen Truppen von Osten in den Canyon und trieb die Bewohner zum westlichen Ausgang. Dabei wurden viele getötet, von 9.000 Gefangenen starben 4.000. Zum Glück ist diese Episode der Geschichte vorbei. Heute siedeln wieder Navajo im Canyon und betreiben Landwirtschaft und Schafszucht. Deswegen darf der Canyon auch nur mit Genehmigung betreten werden.

Doch es gibt ja den Rim Drive. Wir haben uns, weil nur auf der Durchreise, nur den South Rim Drive angesehen. Dabei sind wir unserer bisherigen Taktik gefolgt und erst mal bis zum Ende gefahren. Hier ist der Spider Rock Overlook und eine der Hauptattraktionen des Canyons. Der Spider Rock ist eine 240 Meter hohe Felsnadel, die mitten im Canyon steht. In der Mythologie der Navajo ist die Spitze der Wohnort der Spinnenfrau (Spider Woman). Nach den Stammesmythen brachte sie den Menschen die Kunst des Webens bei und wird dafür noch heute verehrt, sie soll aber auch kleine ungehorsame Kinder verschlingen. (Die weißen Gipfel sind der Überlieferung nach die Gebeine der Kinder). Vom Aussichtspunkt kann man gerade so die Spitzen sehen. Wer von hier noch ein paar Meter weiter geht, hat noch einen Panoramablick über den Canyon, kann gegenüber Ruinen in den Felsen und unten ein paar Felder der Navajo sehen.

Der zweite Punkt, den man sich unbedingt ansehen sollte, ist White House Overlook. Am Boden des Canyons ist hier gut eine etwa 1.000 Jahre alte Siedlung zu sehen, die noch gut erhalten ist. Sie besteht aus zwei Teilen. Einer direkt am Fusse der Felswand, der zweite etwas darüber in einer Nische. Dies ist auch das einzige Ziel, das ohne Genehmigung auf einem Wanderweg erreicht werden kann. Vom Overlook startet der White House Ruin Trail. Dieser ist gut zwei Kilometer lang, was erst mal nicht viel klingt. Doch es gilt 300 Höhenmeter erst nach unten und später wieder nach oben zu bewältigen. Dafür ist man den Ruinen ganz nahe. Wir haben darauf verzichtet, wir mussten leider noch weiter.

Für einen längeren Aufenthalt würden wir den Canyon de Chelly nicht empfehlen. Doch auf der Durchreise z.B. von oder nach Holbrook zum mal gucken oder für einen Tagestrip mit dem White House Trail eignet er sich hervorragend. Wer ein bisschen Wildwestromantik genießen möchte, kann auch vom Canyoneingang eine geführte Reittour zu den Ruinen unternehmen.