NASA's Hubble Shows Milky Way is Destined for Head-On Collision

Dank eines Hinweises von Cem im Sprechblase-Blog haben wir uns gestern im Planetarium Hamburg eine Literaturlesung aus der Reihe „Sternentheater“ angesehen. Gelesen wurde aus „Der futurologische Kongreß: Aus Ijon Tichys Erinnerungen“ von Stanislaw Lem, vorgetragen haben Meike Harten und Georg Münzel vom Ensemble des Altonaer Theaters.

Auch wenn ich mit erheblich eingeschränktem Gehör (Grippe und verstopfte Ohren) ziemlich gehandicappt war, haben wir die Lesereise in die kristallenen, oft bitterbösen Gedankengebäude des polnischen Philosophen sehr genossen, die Textauswahl war brilliant.

Der achte futurologische Kongress zu Nounas in Costricana, an dem auch der weltberühmte Weltraumfahrer Ijon Tichy teilnimmt, steht unter keinem guten Stern. In den Straßen kämpft eine rücksichtslose Militärregierung mit Insurgenten, wobei auch chemische Kampfstoffe eingesetzt werden, sogenannte „Gutstoffe“, Benignatoren.

Der Vortrag der beiden Mimen dagegen schwankte in der Leistung ziemlich. Natürlich merkte man dass sie Profis sind, nur einmal haben sie sich bei den doch oft mit komplizierten Wortschöpfungen angereicherten Sätzen des Autors verhaspelt. Was allerdings die Intonation angeht, liess die Lesung bisweilen zu wünschen übrig – von sich geradezu monoton wiederholenden Satzmelodien mit Einschläferungsfaktor bis hin zu fein abgestimmten Interpretationen von Stimmungen reichte das Dargebotene. Ich bin nunmal gerade beim gelesenen Wort sehr audiophil und kritisch…

Die Stimmung unter der Sternenkuppel war sehr angenehm und entspannt, dazu trugen auch kurze „Sternenfahrten“ mit der Technik der Planetariumsprojektoren zwischen den einzelnen Abschnitten bei.

Summa summarum hat die Lesung vor allem Lust drauf gemacht, mal wieder Lem aus dem Regal zu holen. Ich hätte mir allerdings Sprecher mit einem Tick mehr Begeisterung für das Vorgelesene gewünscht, dennoch: ein schöner Abend.

(Bild: NASA Goddard Space Flight Center, Lizenz: CC BY 2.0)