Der Priwall oder auch kurz nur Priwall ist nicht nur eine Halbinsel und ein Ort an der Ostseeküste, er/sie hat auch historisch und geologisch eine Bedeutung.

Zu allererst ist es natürlich ein schöner Ausflugsort. Ein breiter Sandstrand zur Lübecker Bucht hin lädt im Sommer zum Baden ein. Die Düne, Richtung Mecklenburg hin immer naturbelassener, steht unter Naturschutz. Doch der Rest des Strandes darf betreten werden. An heissen Sommertagen dürfte aber nur wenig Platz sein.

Nicht nur Badeausflügler kommen hier auf ihre Kosten. Auch zu sehen gibt es einiges. Eine alte Flughafen-Landebahn aus Betonplatten ist noch zum Teil erhalten. Die Lufthansa führte ab 1926 von hier Linienflüge zu innerdeutschen Zielen und nach Skandinavien durch. Das Museum Ostseestation Priwall am Hafen hat in mehreren Aquarien lebende Tiere. Von Schollen bis zu Quallen, unter anderem das giftige Petermännchen, kann hier das Tierleben der Ostsee begutachtet werden.

Die Viermastbark Passat kann an der Trave besichtigt werden. Das Schiff ist gleichen Typs wie ein 1920 gebautes und auf den Namen Priwall getauftes. Direkt daneben liegt der Passat-Hafen, ein ehemaliger U-Boot-Hafen mit Platz für bis zu 500 Segelbooten. Vor allem während der Travemünder Woche gibt es hier einiges zu bestaunen.

Zu guter Letzt wäre da noch der Priwall-Wanderweg. Er beginnt an der Autofähre, umrundet das Natur- und Vogelschutzgebiet Südlicher Priwall und führt entlang der Trave und dem Fliegerweg am alten Flugplatz wieder zurück zur Fähre.

Früher war der Priwall eine Insel. 1226 wurde er Teil Lübecks und kurz danach wurde ein Steinwall zwischen dem Priwall und dem mecklenburgischen Festland gebaut. Geologisch gesehen ist der Priwall allerdings eine Nehrung, ein schmaler, meistens sandiger Landstreifen, der einen flacheren Teil des Meeres vom offenen Wasser abtrennt. Schräg eintreffende Wellen spülen immer mehr Sand an, und so verlandet der Streifen immer weiter.

Seit 1847 wurde Priwall touristisch genutzt. Es gab eine Badeanstalt, danach Ferienunterkünfte, eine Pferderennbahn und wie schon geschrieben einen Flughafen. Doch dann kam der Krieg und die Nationalsozialisten nutzten die Einrichtungen für ihre Zwecke. Nach dem Krieg verlief bei Priwall die Grenze zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland. Heute erinnert ein Gedenkstein an dieser Stelle an diese Zeit.

In Pötenitz, dem nächsten Ort, sind noch heute verfallene Anlagen im Küstenwald zu finden. Sie stammen vom Luftzeugamt der Reichsluftwaffe. Hier kann munter über die Ruinen geklettert werden, doch man sollte sich immer vor Augen halten, welchem Zweck sie damals dienten.

Um nach Priwall zu kommen gibt es zwei Möglichkeiten. Vom gegenüberliegenden Travemünde verkehrt eine Autofähre. Die Fahrkarte kostet 1 Euro pro Erwachsenen, 0,70 Euro pro Kind und für das Auto sind 3,20 Euro für die nicht mal zehn Minuten dauernde Fahrt fällig. Wer lieber über Land fährt braucht für die gleiche Strecke etwas länger. Über Dassow in Mecklenburg sind es gut 35 Kilometer.

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Auch hier gibt es Buchtipps:

Lübeck, Priwall 1: 50 000: Wanderkarte mit Kurzführer und Rad- und Reitwegen. GPS-genau

Lübecker Luftfahrtgeschichte: Der Flugzeugbau auf dem Priwall und in Lübeck von 1914 bis 1934

Zum Priwall gibt es auch einen Earthcache: Der Priwall – eine Nehrung?