Trauttmansdorff Seidenakazie

Unterwegs in Meran auf Einladung der Ferienregion Meraner Land hatte ich kürzlich die Chance, an einer wunderbaren Veranstaltung teilzunehmen – sie nennt sich „Trauttmansdorff nach Feierabend“, und findet in den Sommermonaten am Freitagabend in den traumhaft schönen Gärten von Schloss Trauttmansdorff hoch über Meran statt. Die Parks haben dann, abweichend vom normalen Öffnungsrhythmus, bis 23 Uhr geöffnet, am mit Lotus und Seerosen bewachsenen See unter dem Schloss wird Live-Musik gespielt, und bei milden Sommernachtstemperaturen kann man – gestärkt nach feinem Essen – in den Gärten im Abendlicht lustwandeln.

Die Atmosphäre ist ganz besonders, der Duft nach Kräutern und Blüten erfüllt die Luft, und die laue Nachtluft legt einen samtenen Schleier über alles.. man möchte am liebsten die ganze Nacht verweilen, dabei gibt es doch so viel zu erkunden!

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Direkt unter dem Schloss, zu dem man über eine Fußgängerbrücke vom Parkplatz und Eingangsareal gelangt (man kann auch per Linienbus hierher kommen), und um das Schloss herum, erstreckt sich auf zwölf Hektar das Areal des Botanischen Gartens von Meran, der aber eigentlich nur noch als die Gärten von Schloss Trauttmansdorff bezeichnet wird. Vier verschiedene thematische Areale wurden hier angelegt, die Waldgärten, Sonnengärten, Landschaften Südtirols, und die Wasser- und Terrassengärten, und die Anlagen reichen über 100 Höhenmeter nach oben, bis hin zu zwei großen Aussichtsplattformen.

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Leider hatten wir an diesem Abend gar nicht so viel Zeit, dass wir die ganzen Gärten hätten erkunden können – das ist auf jeden Fall mindestens einen Tagesausflug wert. Eine besondere Attraktion ist die australische Wollemie (Wollemia nobilis), ein immergrüner Urzeitenbaum, der wie ein Juwel mit einem Stahlkäfig geschützt wird. In über 80 Gartenlandschaften blühen und gedeihen verschiedenste Pflanzen aus aller Welt – ein japanischer Garten mit Wasserfällchen und Meditationskämmerchen fehlt ebensowenig wie ein Tiroler Bauerngarten.

Frau Cucina Casalinga und ich hatten das große Glück, mit einer kundigen und vergnügten Führerin „nur eine kleine Abendrunde“ machen zu wollen, und witzelten, dass wir eigentlich eine kulinarische Führung bräuchten. „Aber sowas haben wir nicht.“ sagte unsere Begleiterin mit großen Augen. Am Ende der Tour – vorbei an Gemüsegärten, Lavendel, Wein, Artischocken, Aprikosen, essbaren Kakteen und zahllosen anderem kulinarischen Gewächsen (Kapern, Passionsfrüchten, Lottuswurzeln, alten Ölbäumen und vielem mehr) waren wir uns dann lachend einig, dass wir eine kulinarische Tour bekommen hatten. Es kommt eben immer nur auf den Blickwinkel an!

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Trauttmansdorff Artischocken

Trauttmansdorff Weinrebe

Trauttmansdorff Weinreben Weg

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Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff wurden im Jahr 2005 als Schönster Garten Italiens ausgezeichnet, und im Jahr 2013 feiern sie ihr zehntes Jubiläum. Egal ob man nun Blumenfan ist oder auf seltene Farne und Urzeitpflanzen abfährt, sich für Obst und Gemüse interessiert oder ein Rosenfan ist, hier ist für jeden etwas dabei. Für alt und jung gibt es Erlebnisstationen, an denen sich die Themengärten spielerisch erkunden lassen, und zu jeder Jahreszeit wird hier neues und interessantes angeboten.

Vor dem Schloss gibt es seit kurzem auch ein Bänkchen, auf dem der Gast neben Kaiserin Sissi Platz nehmen kann – Kaiserin Elisabeth hatte sich nämlich dieses hübsche Schloss einstmals als Wohnort für ihren Kuraufenthalt in Meran auserkoren. Ich glaube aber, schöner als heute können die neu erstandenen Gärten des Schlosses damals nicht gewesen sein Und wer Glück hat, sieht – wie wir – im Sommer noch eine Königin der Nacht blühen.

Im Schloss befindet sich noch ein Museum, das Touriseum, in dem man die Geschichte des Tourismus in Südtirol nacherleben kann.

Ein Abend in den Gärten ist auf jeden Fall zu wenig, um sie in all ihrer Schönheit zu erleben, und so hat mich dieser Park sicher nicht zum letzten Mal gesehen.

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Auf meine Frage, wann die Gärten denn am schönsten seien, antwortete unsere Führerin, eine der Gärtnerinnen: „Eigentlich immer.“ Im Frühjahr ist der Fokus stärker auf Blüten, im Herbst bezaubert buntes Laub, und im Sommer kann man nicht nur am „Feierabend“, sondern auch noch an den „Gartennächten in Trauttmansdorff“ teilnehmen, einer Konzertreihe, die derweil zu den wichtigsten World-Music-Festivals Italiens gehört.

Mein Tipp: eine persönliche Führung vereinbaren – es lohnt sich!

Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff
St.-Valentin-Straße 51a
39012 Meran

http://www.trauttmansdorff.it/

Öffnungszeiten:
29. März – 31. Oktober 9 – 19 Uhr
1. – 15. November 9 – 17 Uhr
Freitags im Juni, Juli und August 9 – 23 Uhr

Eintrittspreise:
z.B. Erwachsene 11 Euro, Familien (2 Erw. mit Kindern) 25 Euro


Bilder z.T. mit freundlicher Genehmigung von Cucina Casalinga