Von Hamburg bis Hawaii

Unterwegs in aller Welt

Ein Besuch in der Pathologie

All zu lange ist es noch nicht her, dass mir geocaching.com einen neuen Cache in der Nähe meldete. Am 21.05.08 erschien er, der am nächsten erreichbare Lost Place von meinem Wohnort aus. Mitten in der Stadt, auf einem alten Krankenhausgelände. In der alten Pathologie des AK Barmbek.

Die ersten Besuche, also die Logs dazu, klangen vielversprechend und zum Teil auch gruselig. Diesen Cache hatte ich also als meinen ersten Lost Place ausgewählt. Doch alleine wollte ich mich nicht aufmachen. Zum einen traute ich mich nicht richtig, zum anderen würde eine Gruppe mehr zur Stimmung beitragen. Blöde nur, dass Ishtar nicht mit wollte. Ob wegen der Location, des Gruselfaktors oder der unsicheren Lage war mir da noch nicht klar. Jetzt im Nachhinein kann ich es verstehen.

Schon letzte Woche hatten wir dann einen Termin gefunden. Aber leider trafen wir uns dann doch nicht, sondern Deutschland auf Portugal. Ich denke, das geht als Entschuldigung durch.

Gestern dann der zweite Versuch. Knutsen42 hatte sich angekündigt und so trafen wir uns auch um 19 Uhr vor dem Objekt der Begierde bzw. vor dem Gelände in dem das Gebäude steht, in dem das Objekt der Begierde sich befinden sollte. Ich war etwas früher da und besah mir die Location schon mal genauer von aussen. Jetzt wusste ich zumindest, dass die Warnhinweise in der Beschreibung ihre Berechtigung hatten.

Von aussen sah das stolze Gebäude der Pathologie nicht mehr wirklich vorzeigbar aus. Kein einziges Fenster schien mehr intakt zu sein, einzelne Steinbrocken lagen auch schon auf dem Boden und der komplette Bereich war mit Bauzaun abgesperrt.

Als Knutsen42 dann ankam plauschten wir noch einen Moment, besahen uns das Gebäude, beobachteten andere Geocacher, die aus einer anderen Richtung kamen, wie sie das Gebäude fotografierten und dann doch weitergingen (hinterher beim Lesen der Logs stellte sich heraus, sie waren vor uns da) und warteten, bis die Gegend muggelfrei war. Das Gute an der Ecke war die Bushaltestelle. Der Bus kam alle fünf Minuten und so mussten wir nur warten, bis alle Muggels vom großen Gefährt verschluckt waren und wir konnten durch die großzügige Lücke im Bauzaun huschen. Fehlende „Betreten verboten“-Schilder machten es uns noch einfacher.

Hinter der Mauer, die das Gelände umgab, entfaltete sich dann die wahre Schönheit des alten AK Barmbek. Alte Backsteingebäude zwischen vielen großen Bäumen und Grünflächen. Der Neubau daneben erschien uns gegenüber der Pathologie wie ein futuristisches Gebäude. Wie ein Park aus vergangener Zeit wirkte die grüne Oase auf uns. Aber wir hielten uns nicht lange auf. Unser GPS führte uns zum Eingang des ersten Gebäudes. Bei Google Earth kann man sehr schön sehen, dass es quadratisch angelegt worden war, in der Mitte ein eben solcher Innenhof. Im Nachhinein bedacht und die Geschichte des Hauses mal außer Acht gelassen, wäre es ein schönes herrschaftliches Wohnhaus geworden.

An der Eingangstür waren wir kurz davor, uns den Wolf zu suchen, aber ich hatte den Hint aus der Cachebeschreibung im Hinterkopf. Und so hatten wir mit einem Dreh den ersten Hinweis und wussten, wohin es zur zweiten Station ging. Wer jetzt erwartet, dass ich hier weiter von Station zu Station führe, der ist leider auf dem Irrweg. Den Gang durch das Gebäude muss jeder selbst erfahren.

Insgesamt waren es zwölf Stationen, der zwölfte der Final. Jede Station führte uns zu einem anderen Bereich des Gebäudes. Durch ehemalige technische Einrichtungen, Büros, Zimmer, deren ursprünglich gedachter Zweck uns verborgen blieb, den Sezierraum, bis unter das Dach.

Zwischen den genial versteckten Hinweisen besahen wir uns die Räumlichkeiten und gruselten bzw. erschreckten uns immer wieder. Rascheln und knarzende Türen waren regelmäßig zu hören. Zwischendurch scharrte es und dann plötzlich Schritte. Wir verharrten, horchten. Doch es war weiter nichts zu hören. Wir dachten, es wären noch andere Cacher unterwegs, die sich entsprechend ruhig verhielten, und gingen weiter unseres Weges. Auf dem Rückweg vom Dachgeschoss dann wieder Schritte und Husten. Und wieder fielen wir in Schockstarre. Cacher müssten uns inzwischen begegnet sein. Doch dann war wieder Ruhe. Wir gingen weiter bis ins Erdgeschoss. Kurz bevor wir um eine Ecke bogen ein lautes Geräusch, als wäre etwas umgefallen. Schnell huschten wir zurück. Dank der großen Anzahl an Fenstern zum Innenhof sahen wir dann, was uns die ganze Zeit den Atem anhalten ließ. Ein Obdachloser mit Fahrrad.

Unsicher ob wir einfach weiter unseres Weges gehen sollten, zogen wir uns erst ein mal eine Etage nach oben zurück, um zu beratschlagen und beobachten. Wir beschlossen, es erst mal beim beobachten zu lassen. Zu unserem Glück verzog er sich nach fünf Minuten wieder nach draußen, und wir konnten weiter.

Am Ende konnten wir dann das Gebäude erfolgreich verlassen, denn wir hatten nicht nur alle Stationen in der richtigen Reihenfolge gefunden, wir hatten auch am Ende den Cachebehälter in den Händen gehalten. Natürlich tauschten wir noch ausgiebig Geocoins und Travel Bugs.

Erleichtert und mit Späßen über die im Laub raschelnden Vögel verließen wir das Gelände. Auf dem Weg zum Auto nahmen wir noch einen einfachen Cache als Belohnung mit.

Insgesamt bin ich von diesem Lost-Place-Cache begeistert. Schade, dass er wohl nicht mehr lange bestehen wird. Das Gebäude wird laut Hinweistafeln zu einem Ärztezentrum umgebaut und so wird dieser Schatz unter den Geocaches wohl bald verschwinden. Aber ein Erlebnis war es schon.

Viele Dank noch an Knutsen für die tollen Bilder.

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3 Comments

  1. Mein Herz klopft immer noch! Toller Bericht.

  2. pernglas

    schöner Bericht, freut mich, dass es euch gefallen hat!

    happy hunting

    pernglas

    PS: der inaktive Bonus ist wieder „aktiv“. Schau dir das Listing der Pathologie an

  3. Knutsen42

    Ein sehr schöner Bericht. 🙂 Das Gebäude war definitiv eine Reise wert. Es ist toll, an welch vielfältige Locations einen das Geocachen führt. In diesem Falle ein faszinierendes, beklemmendes und architektonisch interessantes altes Gebäude. Ein Lob von dieser Seite nochmal an den Owner! Toll gemachter Cache.

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