Staudämme waren nun nicht wirklich hoch in unserer Priorität für unseren USA-Urlaub. Gut, den Hoover Dam, den muss man gesehen haben, war es doch nur ein Katzensprung von Las Vegas. Doch den Glen Canyon Dam, den hatten wir gar nicht auf der Rechnung. Mit 220 Metern Höhe ist er genau so hoch wie der Hoover Dam, doch mit 440 Metern Breite noch mal gut 60 Meter größer. Zufällig tauchte er dann auch noch links von dem Highway auf, auf dem wir fuhren.

Also bogen wir ab. Der Parkplatz ist direkt neben dem Highway und war an diesem sonnigen Tag gut belegt. Zu unserem Glück wurde gerade ein Parkplatz im Schatten frei. Amerikaner packten ihre großen Cooler Boxen aus und setzten sich zum Picknick unter die Schattenbäume, Busgruppen wurden durch das Besucherzentrum geschleust. So viel Trubel hätten wir nicht erwartet. Doch die Staumauer, die hier den Lake Powell aufstaut, scheint ein beliebter Ausflugsort zu sein.

Gut 20 Jahre ist der Glen Canyon Dam jünger im Vergleich zum Hoover Dam. Doch die Bauform ist gleich. Auch hier ist unter der Staumauer ein Wasserkraftwerk untergebracht, welches 1300 MegaWatt Strom für die Region liefert. Der Bau der Betonkonstruktion dauerte gut zehn Jahre und erzeugte mit dem Lake Powell ein heute beliebtes Freizeitgebiet. Viele Amerikaner fahren mit ihrem Boot hier her. Überhaupt hätten wir nicht erwartet, dass so viel mit Booten auf dem Anhänger in der Wüste umher fahren.

Als sehr stabil geltend brachte massiver Schneefall die Staumauer 1983 trotzdem in Gefahr. Bei der Schmelze staute sich so viel Wasser an, dass zum ersten und einzigen mal in der Geschichte der Staumauer die Überläufe geöffnet werden mussten. Dabei stellte man fest, dass die Überläufe, die 280 m³ pro Sekunde Durchfluss haben, Vibrationen im Damm erzeugen. Sie mussten wieder geschlossen werden und die Wassermassen drückten weiter und stärker durch weitere Schneeschmelze gegen die Staumauer. Zusätzlich errichtete Überläufe brachten einen Abfluss von 2760 m³ pro Sekunde. Trotzdem erreichte der Lake Powell damals seinen höchsten Wasserstand aller Zeiten. Bei unserem Besuch konnten wir uns das nicht vorstellen. Der Wasserstand des Stausees schien deutlich unter dem Standard zu liegen. An den Felskanten war eindeutig zu sehen, wie hoch das Wasser schon stand – auch länger stand. Die Trockenheit der Wüste scheint Einzug gehalten zu haben.

Im Gegensatz zum Hoover Dam kann man hier nicht auf die Staumauer. Das Besucherzentrum liegt oben auf einem Felsen und bietet mit Panoramascheiben einen guten Überblick. Auf der nahen Highway-Brücke ist das Geländer zwar vergittert, aber man hat Aussparungen für Fotografen gelassen. Wir hatten hier eine unerwartet schöne Pause eingelegt. Und genau dafür ist der Glen Canyon Dam gut geeignet. Vom Highway fahren, kurz entspannen, gucken, weiter fahren.