2012-10-07-planefoodZuerst waren wir erstaunt, dass Gordon Ramsay ein Restaurant an einem Flughafen eröffnete, und dann noch im Sicherheitsbereich des Terminal 5 in London-Heathrow. Auch wenn wir uns einmal geschworen hatten, nie durch Heathrow zu wollen, hatten wir uns bei unseren USA-Trip darauf eingelassen. Als Entschädigung für den Aufwand, der besonders durch die Sicherheitskontrollen auf uns zu kam, wollten wir uns ein Essen im Plane Food gönnen. Die Preise haben hier nicht das „Ich bin Gordon Ramsay, der Sternekoch“-Niveau. Für einen Flughafen sind sie sogar günstig, wenn auch etwas höher als bei den anderen Fast Food-Läden aussenrum.

Für den höheren Preis bekommt man dann aber auch eine stilechte Restaurant-Atmosphäre. So richtig mit Tischen und modernem Design, perfekt angeordnet für den Blick aufs Vorfeld, Kellnern und allem drum und dran. Nach dem wir an einem Tisch platziert wurden und auch schnell unsere Bestellung aufgenommen wurde, dachten wir schon, alles wird gut. Doch dann begannen die Hiccups, bei denen wir nicht nachvollziehen konnten, ob die Küche trotz wenig Kundschaft überfordert war, oder es wo auch immer Kommunikationsprobleme gab.

2012-10-07-planefood-2Ich bestellte explizit zwei Gänge vom Lateinamerika-Special, und hatte eigentlich Vorspeise und Dessert (veal matambre & chimichurri sauce / flan con delce de leche) haben wollen, plus passenden Wein. Der Wein war auch schnell da, nach einiger Zeit kam dann auch das veal matambre.

Als zum ‘veal matambre’ die extra bestellten hausgemachten Pommes frites nicht kamen, und auch Foodfreaks Chicken and Cashew Curry weit und breit noch nicht zu sehen war, stellte sich heraus, dass zwei Gänge zwangsweise bedeutete, Vor- und Hauptspeise, und das Matambre nun ‘nur’ als Vorspeise kam. Zu verschmerzen ist, dass das Kalb durch Rind ersetzt wurde, was der Service vorher angekündigt hatte. Das Fleisch schmeckte gut, war allerdings sehr zäh. Die Chimichurri war auch sehr gut. Für eine Vorspeise war die Portion allerdings sehr groß.

Das Hauptgericht, milanesas de cerdo a la napolitana, war ein relativ (erneut) zähes trockenes Schnitzel mit guter Tomatensauce und Mozzarella überbacken, wobei die Auflage erheblich besser war als das Schwein; sogar ich, als Käseverachtender mochte die Tomaten-Mozzarella-Kombo. Okay war es, aber alles andere als top. Köstlich waren dagegen die Oliven dabei, die Foodfreak abbekam, da ich den Geschmack von Oliven nicht mag.

2012-10-07-planefood-7Foodfreaks “Chicken and Cashew Curry” entpuppte sich als ein sehr generisch-langweiliges Hühnercurry, das vor allem scharf war, und dem eine recht dumpfe Curry-(Pulver-) Mischung in dick gebunder Sauce zugrunde lag; die Cashews fanden sich nebst Rosinen im dazu gereichten Reis, die Hühnerstücke waren zu groß und zu trocken – nicht ganz das erwartete. Das kann jedes britische Curry House an einer Strassenecke in Yorkshire besser, es fehlte Pep, Zing, Frische, Aroma. Daneben lag ein frisch ausgebackenes Papadum, das zum Auflöffeln der Sauce und Neutralisieren geeignet war. Als Fan der indischen Küche hatte Foodfreak ein leises “Das ist jetzt nicht Euer Ernst?” im Kopf.

Die ausgewählten Weine – der zum Menu empfohlene Cabernet von Concha y Toro, sowie ein brauchbarer Chardonnay für das Curry, waren okay, rissen aber nicht vom Hocker. Auf ein Dessert, das uns eigentlich gereizt hätte, verzichteten wir, statt dessen orderten wir noch einen Espresso. Der kam aus einem Vollautomaten und hatte quasi keine Crema, der Kaffee schmeckte brauchbar, aber auch das hat man schon sehr viel besser gehabt.

Zu allem gab es stumpfes Metallbesteck, was wohl den Sicherheitsvorkehrungen des Flughafens geschuldet ist. Hilfreich ist das aber bei zähem Fleisch kein bisschen.

Das Fazit enttäuscht. Wir hätten von dem Namen Gordon Ramsay besseres erwartet. Vor allem auffällig war das durchweg zähe Fleisch und der aufmerksame aber unkoordinierte Service. Aber es steht nun mal Gordon Ramsay aussen dran, und die Qualität des Gebotenen verdient den Namen Gordon Ramsay nicht – ebensowenig wie der Service, dem Gäste im Restaurant u.a. noch erklären mussten, dass sie es bevorzugen, wenn man die zum Hauptgericht bestellte Beilage auch nochmal mit in die Küche nimmt, wenn sie den halbrohen Fisch zum Nachgaren zurück gehen lassen. (Der Fairness halber: Das Gericht wurde komplett neu gemacht).

Sicher kann man an einem Flughafen schlechter essen als bei Plane Food. Doch wenn ein Restaurant mit einer Marke wirbt, dann erwarte ich auch das dazugehörige Markenerlebnis. – Ach ja: die handgemachten Pommes Frites, die in stylischen Stahlbechern gesondert serviert werden, sind wirklich gut. Das kann man für 3,25 £ plus Service Charge aber auch erwarten… Foodfreak, aus deren Bericht Teile dieses hier entstammen, ist da gleicher Meinung.