Für viele ist der Grand Canyon einfach nur der Grand Canyon. Hinfahren, Foto machen und weiter. Wer sich etwas mehr mit beschäftigt und sich etwas umhört, der wird recht schnell merken, dass es hier zwei Orte gibt, die es sich anzusehen lohnt. Der touristische südliche Rand, auch South Rim genannt und der nördliche, der North Rim. Letzterer ist nicht nur umständlicher zu erreichen, er ist auch weniger besucht.Grand Canyon North Rim

Infrastruktur gibt es hier auch praktisch nicht. Eine Strasse führt von dem kleinen Ort Jacob Lake etliche Meilen nach Süden auf einer Strasse, die dann genau am Parkplatz endet. Die nächstgrößere Stadt ist Page, und von da sind es 110 Meilen. Von Kanab, nicht ganz so groß, nur noch 37 Meilen, aber auch da muss man erst mal sein. Von Flagstaff, das der ideale Ausgangspunkt für einen Grand Canyon Besuch ist, sind es rund 165 Meilen. Verständlich, dass hier viele lieber die kurze Strecke an den südlichen Rand fahren.

Schon alleine die Fahrt an den North Rim fanden wir schöner. Von Jacob Lake windet sich die Strasse durch die Hochebene. Hier ist die Landschaft bereits phänomenal. Dabei ist es einfach nur hügelig mit Bäumen. Aber hier und da kann man, auf knapp 2.500 Meter Höhe, an den Bäumen vorbeisehen und sieht einfach nur Weite. An anderen Stellen stehen Espenwälder, weisse Stämme, wie bei uns Birken mit (im Herbst) knallgelben Blättern, die in der Sonne leuchten. Ab und zu erblickt man aber auch vertikale Kohlefelder von den letzten Waldbränden, und selbst die haben optisch ihre Reize.

Auf halber Strecke kommt dann das Kassenhäuschen. Der Grand Canyon ist National Park. Wer keine Dauerkarte hat, der kann sie hier erwerben und spart bei vielen Parkbesuchen so einiges. Ansonsten sind für einen PKW mit bis zu 4 Personen 25 Dollar fällig. Wir wurden von einem netten alten Herrn begrüßt, der auch gleich noch auf Gefahrenstellen auf der weiteren Strecke hinwies. Just an jenem Tag hatte es einen Unfall gegeben, und Feuerwehr und Rettungsdienste waren einige Meilen weiter noch dabei, die Verletzen aus dem am Baum klebenden Fahrzeug zu holen. Dies soll gleich als Ermahnung herhalten, doch die Landschaft zu genießen anstatt von Punkt zu Punkt zu rasen.

Am Ende der Strasse finden sich neben dem Parkplatz noch eine Lodge, die praktisch immer ausgebucht ist, öffentliche Toiletten, und eine Wasserauffüllstation für Flaschen. Keiner soll hier in der trockenen Höhenluft an Durst leiden. Viel trinken sollte man sowieso, denn obwohl es hier 2.500 Meter über dem Meeresboden ist, herrscht trockene Wüstenluft.

An der Lodge findet sich auch das Visitor Center. In den Sommermonaten gibt es hier täglich Vorträge und geführte Spaziergänge. Wann was genau statt findet, wird in der jährlichen Ausgabe der Parks-Zeitung (hier die 2013er) abgedruckt.

Auch ein erster Eindruck findet sich hier. An einigen Stellen, die meisten sind allerdings von Bäumen verdeckt, kann man schon mal in die Schlucht und zur anderen Seite sehen. Doch so richtig ist das noch nichts. An der Lodge startet dann ein kurzer Trail. Der ist nur 1,2 Kilometer lang, betoniert bzw. asphaltiert und damit praktisch von jedem zu bewältigen.

Der Bright Angel Point Trail ist auch der Grund hier her zu kommen. Am Schluchtrand geht es entlang und jeden Meter weiter erschliessen sich neue Ausblicke. Die Sicht ist phänomenal, wenn man dann vorne am Bright Angel Point angekommen ist, hat man den Panorama-Blick über den Canyon. Alleine für diesen Punkt lohnt es sich, den Weg zum Grand Canyon North Rim auf sich zu nehmen.

Vom Visitor Center geht es dann auf einem Trail  bis in den Canyon zum Colorado River. Gut 23 Kilometer muss man hier auf einer Strecke laufen. Einige andere Trails führen an der Kante entlang und ins Hinterland und die Wälder. Wer mag, der kann auch den Trail nach unten nehmen und zur anderen Seite wandern.

Ein gutes Stück nördlich des Visitor Centers und der Parkplätze gibt es noch einen Abzweig von dem eine Strasse zu fünf weiteren Aussichtspunkten und weiteren Trails führt.

Uns gefiel der North Rim um einiges besser als der South Rim. Zum einen war die Aussicht auf die Landschaft bedeutend schöner. Zum anderen war dieser Teil des Grand Canyon bei unserem Besuch weniger überlaufen und damit auch bedeutend entspannter.