Steht man am North Rim und schaut bei gutem Wetter genau gegenüber auf den South Rim erscheint der gar nicht so weit weg. Doch mit dem Auto dauert es dann für die Luftlinie mit knapp über 13 Meilen noch mal gut fünf Stunden. Schuld sind die wenigen Brücken, die es nur an den schmalen Stellen gibt.

Am South Rim kann man auf den ersten Blick viel mehr entdecken. Alles ist touristischer erschlossen. Es gibt Hotels und Lodges, Restaurants, Souvenir Shops und mehr. Das Grand Canyon Village is weitläufig und sogar mit der alten Grand Canyon Bahn per Zug an Williams angeschlossen.

Wir kamen von der östlichen Parkeinfahrt und können diese Anfahrt nur empfehlen. Es empfiehlt sich möglichst früh da zu sein, um ein wenig die Menschenarme Zeit zu geniessen. So richtig Menschenleer scheint es allerdings zu keiner Uhrzeit zu sein. Am Parkzugang am Highway 64 ist erst ein mal der Eintritt zu lösen. 25 Dollar waren es bei unserem Besuch Ende 2012 pro PKW. Von hier geht es den Desert View Drive entlang, der auch als Highway 64 durch den Park führt.

Direkt nach der Osteinfahrt kommt auch schon der ersten Interessante Aussichtspunkt. Der Desert View Viewpoint. Neben dem Visitor Center und dem obligatorischen Shop steht hier der Watchtower. Das 21 Meter hohe Steingebäude wurde 1932 von der amerikanischen Architektin Mary Colter fertiggestellt. In der obersten Ebene findet sich eine Aussichtsplattform. Der Blick von dieser Stelle ist schon sehr schick.

Auf dem Weg zum Grand Canyon Village finden sich dann noch einige Aussichtspunkte. Immer wieder erhält man Einblicke in die gewaltige Schlucht, die an ihrer tiefsten Stelle 1,6 Kilometer nach unten geht. Und steht man an der richtigen Stelle kann man auch den Colorado unten sehen.  Nach etwas über der Hälfte der Streck von der Einfahrt zum Grand Canyon Village erreicht man den Grandview Point. Hier ist der Einstieg zum Abstieg, denn schon am Parkplatz weist ein Schild auf die alten Kupferminen, die es hier unter dem Rim gab, hin.

Etwas weiter, am Yaki Point, beginnt der South Kaibab Trail. Er führt bis ganz nach unten in den Canyon. Eben so der Bright Angel Trail, der im Grand Canyon Village startet. Unten führt dann eine Brücke über den Colorado und gewagte, die wissen, wie sie zurück kommen und das auch gut geplant haben, können von da an den Aufstieg zum North Rim wagen.

Das Grand Canyon Village ist der touristischste Teil des Grand Canyon. Neben dem Visitor Center hält hier die Bahn und hier stehen auch die Hotels und Restaurants. Wer zur Übernachtung her kommt, der sollte sicherheitshalber ein Zimmer reserviert haben, denn als wir in der Nachsaison da waren, war alles ausgebucht. Entsprechende überlaufen ist es im Grand Canyon Village und es erinnert mehr an einen Vergnügungspark.

Hier, im Grand Canyon Village, endet auch die Möglichkeit, den Nationalpark mit dem Auto zu erkunden. Der westliche Teil, die Hermit Road, kann nur mit dem Shuttle Bus befahren werden. Ausnahmen gibt es nur für Behinderte, die den Shuttle Bus nicht nutzen können. Der Shuttle Bus ist es auch, über den ich am meisten meckern muss. Obwohl Nachsaison war, war das System den Menschenmassen nicht gewachsen. Es wurde klar nach Fahrplan gefahren. Im Gegensatz zu Zion, wo die Busse doppelt so lang waren und nach Bedarf eingesetzt wurden, gab es im Grand Canyon lange Schlange und überfüllte Busse. Das ist nun so gar nicht meine Vorstellung davon, mir Natur anzusehen.

Eben so überfüllt waren dann auch die weiteren Viewpoints, von denen es neun gibt. Der komplette Rim entlang der Strecke bis Hermits Rest kann auch bewandert werden, was aber auch einer Massenwanderung gleich gekommen wäre. Von Hermits Rest aus, wo es ein überteuertes Kiosk gibt, können Wanderer dann wieder in die Natur starten. Ab hier hat man wieder etwas Ruhe, denn die meisten Touristen, die hier her kommen, fahren auch gleich wieder mit dem Bus zurück.

Natürlich sollte man den Grand Canyon gesehen haben. Die Schlucht mit bis zu 1,6 Kilometern Tiefe ist schon beeindruckend. Allerdings sollte man sich genau überlegen, wann man wo ist. Da der South Rim das ganze Jahr geöffnet ist, der North Rim aber nur im Sommer, sollte man im Sommer auch den North Rim wählen. Hier ist es bedeutend ruhiger und den Ausblick fanden wir auch schöner.