Einen Autotest schreibt man doch mit links. Das geht ganz einfach. Bei uns hier in Deutschland muss man nur ein paar Spezifikationen auflisten, den Verbrauch loben (oder auch nicht) – und im Vergleichstest den VW gewinnen lassen. Fertig. In England braucht es das alles nicht. Ein paar schöne Kameraeinstellungen, ein paar lustige Sprüche und ein Fettnäpfchen, am besten beim Testerkollegen, und auch hier: Fertig.

Jeep Compass - USA 2014

Ganz so leicht klappt das hier aber nicht. Wir hatten dreieinhalb Wochen einen Jeep Compass. In USA. Als Mietwagen. Um die 4.000 Meilen sind wir damit gefahren. Und wir wissen noch nicht mal, was für ein Motor drin steckte. Zumindest wissen wir es nicht genau, denn wir können natürlich einfach den Wikipedia-Artikel nehmen und es uns herleiten.

Unser Modell schluckte Benzin und kein Diesel, was allerdings in den USA nicht ungewöhnlich ist. Damit bleibt die Auswahl auf zwei Motoren begrenzt. Ein 2.0l und ein 2.4l. Da es den 2.0l anscheinend nicht mit Allrad-Antrieb gibt und wir einen mit hatten, bleibt nur noch der 2.4l mit 172 PS und Sechs-Gang-Automatik über.

Jeep Compass - USA 2014

Damit haben wir auch schon die Geschichte, wie wir an den Compass kamen. Wir mieteten in LA. Die SUV-Reihe war schon recht leer und übersichtlich. Um so erstaunlicher war es, dass kein einziges der Fahrzeuge einen Vier-Rad-Antrieb hatte. Wer braucht das auch schon in der Stadt? Wir allerdings hatten eine weite Tour vor uns, und wir fuhren ja bis in die Rocky Mountains, wo wir durchaus auch mit Schnee und schlechten Pisten rechnen mussten.

Jeep Compass - USA 2014

Wir waren schon kurz davor, dann doch einfach einen der Jeep Patriots zu nehmen, die inzwischen den alten Jeep Liberty abgelöst hatten. Mit dem waren wir ja zwei Jahre zuvor recht zufrieden. Eine nette Angestellte von Alamo besorgte uns dann aber doch noch den einzigen verfügbaren Allrad-Fahrer der Vermieterstation. Er sollte gerade aus der Waschanlage kommen. Nach ein paar Minuten fuhr dann unser roter Jeep Compass vor. Wir grübelten, ob wir den denn wegen der nicht gerade großen – wir reden hier von den USA – Größe nehmen sollten. Doch im Endeffekt siegte die Vernunft, und wir nahmen ihn.

Unser Gepäck passte hinein, für mehr als zwei Personen würden wir den Compass aber nicht empfehlen – wir hatten eine große und eine kleine Duffelbag geladen, dazu einen 24-er-Pack Wasserflaschen, und dann wurde es auch langsam voll im Gepäckabteil; Rucksäcke und Fototasche nahmen deswegen auf dem Rücksitz Platz.

Jeep Compass - USA 2014

Im Nachhinein war es eine gute Wahl. Natürlich musste ich mich als Handschalter erst mal wieder an eine Automatik gewöhnen, doch die schaltete recht gut, und ich hatte nur selten das Gefühl, an den Schalthebel greifen zu wollen. Die wenigen Punkte, die ich bei dem Liberty bemängelt hatte, waren hier nicht zu finden. Souverän nahm der Compass Unebenheiten auf der Straße. Er war auch nicht gerade behäbig. Die Beschleunigung war gut, geradezu unerwartet fix. Und präzise lenken liess er sich auch.

Gefallen haben uns auch die Getränkehalter (sehr amerikanisch) – vorn wie hinten. Nicht selten ging  der (bequeme) Griff zur zweiten oder dritten Wasserflasche hinten, während vorne die Klean Kanteen mit heißem Kaffee genau unter den Wahlhebel der Automatik passte.

Egal ob auf asphaltierter Straße, ob glatt wie ein nagelneuer Interstate oder schlaglochübersät wie in der Mojave Desert: der Compass fuhr sich gut. Schotterpisten nahm er ebenso mit Leichtigkeit. Hier kam uns noch der kurze Radstand im Vergleich zu anderen amerikanischen Trucks, wie die Fahrer in den USA ihre SUVs und PickUps nennen, zugute, denn die Pisten werden gerne mal mit so etwas wie einem Schneeschieber geebnet. Das hat unangenehme Querrillen zur Folge, die sich auf das ganze Fahrzeug übertragen. Der Compass schaukelte dabei nicht wirklich auf und bliebt noch recht ruhig.

Jeep Compass - USA 2014

Abseits der „normalen Straßen“ leistete er auch gute Dienste. Auch hier half uns der kurze Radstand, denn wir hatten damit weniger Probleme, wenn es mal etwas unebener wurde. Die Chance, mit der Mitte aufzusetzen, ist so recht gering, denn wenn der Wagen vorne nach unten fährt, dann geht es hinten schon wieder aufwärts. Mit dem Liberty hatten wir da etwas zu kämpfen. Egal ob Schotter, Sand oder einfach nur blanker Stein, kein einziges Mal hatten wir das Gefühl, der Compass schafft das nicht. Einmal sind wir umgedreht. Nicht wegen des Fahrzeugs, sondern wegen der langweiligen Strecke. Und auch als wir wegen einer weggespülten Straße vor einem neu geschaffenen Flussbett standen, kamen wir mit dem „kleinen“ Jeep sehr gut durch.

Jeep Compass - USA 2014

Auf langen Strecken werden Sitze öfter mal unbequem. Aber nicht hier. Sicher gibt es bessere, doch wir hatten das Gefühl, im Compass gut aufgehoben zu sein. Was uns fehlte, war ein Satelliten-Radio, doch wirklich brauchen brauchten wir es auch nicht. Wir hatten das Radio nicht ein einziges Mal an.

Jeep Compass - USA 2014

Das klingt ja jetzt nach einem Loblied? So ganz stimmt das nicht. Die Ausstattung war recht mager. Kaufen würden wir uns den Compass so nicht. Das einzige, was allerdings in USA Standard sein dürfte, war der Tempomat, der als sinnvolles Extra eingebaut war. Uns fehlte ein Navigationssystem, ein Multifunktionslenkrad, und vor allem eine vernünftige Klimaanlage. Zum Glück war es nicht so warm, denn dann hätte die eingebaute Klimaanlage Probleme gehabt.

Reduzieren wir den Compass rein auf die Fahreigenschaften und das äussere Design, dann würden wir ihn sofort nehmen. Doch die inneren Werte, da könnte Jeep durchaus nachbessern. Wenn die Materialien, die verbaut wurden, nicht sofort nach Plastik schrieen, wäre schon viel geholfen.

Ein komischer Autotest? Das stimmt. Doch nehmen wir ihn einfach als Er-Fahr-ungsbericht. Dann passt das schon.

Ach, für die Leser deutscher Automagazine: Etwa 8 Liter Super auf 100 Kilometer.