Etwas über zwei Wochen hatten wir Zeit, um einen Jeep Liberty quer durch den Südwesten der USA zu fahren. Was dabei herausgekommen ist und was wir von dem Fahrzeug halten, ist hier zu lesen. Für die Zukunft planen wir, wenn wir mal wieder ein Fahrzeug zum Testen in die Finger bekommen, das ganze etwas strukturierter aufzubauen.

Der Liberty kann, was  den Namen angeht, auf keine lange Geschichte zurück blicken. 2002 wurde der Jeep Cherokee in USA in Liberty umbenannt. Bei uns blieb es bei dem Namen Cherokee. Positioniert wurde er damit von Chrysler, denen die Marke gehört, unter dem Grand Cherokee und über dem Wrangler. 2007 kamen dann noch der Compass und der Patriot dazu, um die Modellpalette nach unten abzurunden. Neuere Fahrzeuge tragen heute wieder den Namen Cherokee.

Wir fuhren ein 2012er Modell. Vor Ort hatten wir gar nicht darauf geachtet, wie er motorisiert war. Doch jetzt, im Nachhinein, ist das ganz einfach festzustellen. Es gab einen 2.8l Turbodiesel und einen 3.7l Benziner. Wir hatten dann letzteres mit einem Automatikgetriebe. Angeblich soll der Motor 210 PS entwickeln. Dafür fuhr der Liberty recht behäbig.

Die Ausstattung war, wie bei Vermieterfahrzeugen so üblich, nicht die oberste. Neben der Klimaanlage und dem Tempomaten, der in USA aber sicher serienmäßig ist, gab es noch ein Satelliten-Radio. Erstaunt haben mich auf Anhieb die Sitze. Nicht zu weich, nicht zu fest, bequem. Das hatte ich nun nicht erwartet. Mit einem Sofa hätte ich gerechnet, auch mit einem Notsitz. Doch der Liberty hatte wirklich einen bequemen Sitz, sowohl für Fahrer als auch für Beifahrer.

Die erste Fahrt, vom Vermieter zum Hotel, war noch etwas holprig. Doch schon am nächsten Tag hatte ich mich an das Fahrzeug gewöhnt. Der Liberty fuhr sich gut. Wie gesagt, etwas behäbig – er wirkte untermotorisiert. Dennoch glitt er bequem über die Highways. Die Strassenlage war gut, nicht so schwammig wie der Wrangler, den wir vor 10 Jahren mal auf Fuerteventura fuhren. Auf der Strasse machte er eine gute Figur. Die Lenkung reagierte recht gut, der Wendekreis konnte sich sehen lassen, nur das Gaspedal, das brauchte einen Moment.

Im Gelände zeigte er dann sein wahres Können, auch wenn wir hier und da etwas durchgeschüttelt wurden. Die Federung passte sich gut dem Untergrund an. Auf Schotterpisten hatte er guten Grip, was aber auch durch die großen Reifen kam. Bodenwellen nahm er gelassen mit, soweit sie sich mit dem Radstand vereinigen konnten. Ein großes Aufschaukeln, wie es so hohe Fahrzeuge ganz gerne mal machen, zeigte der Liberty nicht.

Durch Pech und Zufall konnten wir sogar die Fahreigenschaften auf Schnee probieren. Der Vierradantrieb brachte uns präzise durch den Schneesturm und über die komplett bedeckte Strasse. Zuerst lies ich es noch zaghaft angehen, da ich nicht wusste, mit was für Reifen ein in der Wüste gemietetes Fahrzeug bestückt ist. Doch als mich die ersten Einheimischen mit ihren Pickups überholten, probierte ich mehr, und der Wagen blieb sicher in der Spur.

Dem extremsten Test unterzogen wir den Liberty im Monument Valley. Geradezu souverän fuhren wir hier über die Off-Road-Strecke, auf der andere mit ihren Limousinen den Unterboden ankratzten.

Nach den zwei Wochen hatten wir alles von der staubigsten Off-Road-Strecke über schneebedeckte Piste bis zum gut ausgebauten Interstate ausprobiert. Der Liberty konnte uns praktisch immer überzeugen. Die Ausstattung war nicht die beste, doch es reichte aus. Das Fahrzeug fuhr sich bequem und zeigte nur kleine Macken. Das behäbige Fahrverhalten wurde durch die unauffällige Automatik nicht groß ausgeglichen. Wir waren allerdings zufrieden und würden ihn zumindest als Mietwagen wieder nehmen.