Dank der Firma Magellan durfte ich ein eXplorist 710 testen. Gehen wir gleich, ohne groß drum rum zu reden ans Eingemachte. Hier ein paar technische Daten:

  • robust, wasserfest (IPX-7)
  • 2D/3D Ansicht
  • Sonnen- & Mondkalender; Angel- & Jagdkalender
  • Kompass: 3-Achsen mit Neigungskorrektur
  • Altimeter / Höhenmesser: GPS-Höhe
  • 3,2 MegaPixel Kamera
  • 3″-Touchscreen
  • Paperless Geocaching
  • Größe 6,5 x 12,8 x 3,7 cm, Gewicht 195 g (ohne Akkus)
  • interner Speicher 8 GB – davon verfügbar 3 GB

Das Gerät macht einen robusten Eindruck, fühlt sich aber deutlich schwerer an, als z.B. mein altes Garmin GPSmap 60CSx. Dennoch liegt es durch seine abgerundete Form gut in der Hand.

Auf der Rückseite befindet sich die Kamera in einer Vertiefung. Das schützt die Linse. Ist mal Dreck drin, kann die Abdeckung hinten einfach abgenommen und gereinigt werden. Einen Schlitz für eine Halterung gibt es auch. Hier kann man sich gegenüber der Clip-Lösung von Garmin durchaus auch mal selbst was basteln.

Der Start, also das Booten des Systems, welches beim eXplorist 710 Windows CE ist, dauert eine ganze Weile. Über eine Minute ist nicht gerade wenig – das dämpft doch etwas die Vorfreude. Da ich einen GPS-Empfänger hauptsächlich für das Geocaching benutzen würde, kommen wir auch gleich zum Hauptanwendungszweck.

Geocaching

Dafür müssen die Caches erst einmal auf das Gerät. Den freien Speicher dafür liefert es gleich mit, eine zusätzliche Speicherkarte ist zunächst nicht nötig. Das Gerät akzeptiert normale GPX-Dateien, die von Geocaching.com herunter geladen werden können. Zur Übertragung muss ich das Gerät mit dem PC, hier auch problemlos mit Mac OS, verbinden. Das Kabel wird mitgeliefert. Stecke ich das Gerät an, fragt es, ob es mit dem PC verbinden soll. Erlaube ich ihm dies, kann ich mit dem internen Speicher wie mit einem USB-Stick oder einer externen Festplatte arbeiten. Daten lassen sich einfach hin und her kopieren. Die GPX-Datei mit dem Geocaches kommt logischerweise in den Ordner „Geocaches“, für die Waypoints, falls es welche gibt, existiert ein Ordner „Waypoints“. Hier sollte man auch darauf achten, dies zu trennen, denn beim ersten Versuch tat ich das nicht und die Waypoints waren nicht zu finden. Nach der Datenübertragung kann das Kabel abgezogen werden. Das Gerät startet dann komplett neu, um seine interne Datenbank neu zu indexieren. Das kann dann je nach Menge der Caches auch mal zwei oder drei Minuten dauern. Verwalten kann es bis zu 10.000 Geocaches.

Nach dem Neustart kann ich also loslegen. Nach dem Start erscheint zunächst die Karte ohne einen Hinweis, wie es weiter geht. Einige wären hier ohne Anleitung überfordert. Erst ein Druck auf das Display verändert etwas. In den vier Ecken des Displays erscheinen vier Symbole. Das links unten mit den vier Punkten führt auf das Hauptmenü und dort prangt mitten im Display der Punkt „Geocaching“. Nach Entfernung sortiert finde ich hier dann alle Caches der Umgebung. Über ein Extra-Menü kann ich nach Status, Typ, Größe, Gelände und Niveau (D-Wertung) filtern. Auch kann ich mir nur Favoriten zeigen lassen oder die Sortierreihenfolge ändern.

Außerdem gibt es in dem Extra-Menü die Möglichkeit, alle Caches auf der Karte anzeigen zu lassen oder eine Übersicht nach Status aufzurufen. Hier kann ich auch Im- und Exportieren. Jetzt will ich aber los. Wähle ich einen Cache aus, werden mir erst ein mal alle Informationen dazu angezeigt. Durch Paperless Geocaching habe ich die komplette Beschreibung, aber ohne Bilder, dabei. Um Bilder zu importieren hilft eine Google-Suche, einige Bastler haben sich daran schon versucht.

Als Navigation zum Cache habe ich die Möglichkeit, mir einen Kompass mit Richtungspfeil auf die Karte blenden zu lassen. Dann sehe ich aber nicht mehr viel von der Karte. Das ist nicht so praktisch. In der Standardeinstellung habe ich nur einen Richtungspfeil. Die Navigation per Luftlinie auf der Karte nennt Magellan „Wandern (im Gelände)“. Es lässt sich auf eine Strassennavigation für Fußgänger, Fahrräder und Autos umstellen. Entsprechend kann ich einstellen, wie ich mich dem Cache nähern will. Leider taugt die Fußgängernavigation mit den vorinstallierten Karten nicht viel. Viele Wege, die ich auf meiner Tour mit dem Gerät gegangen bin, sind auf der Karte nicht zu finden, da sie nicht befahren werden können. Über die Genauigkeit des Empfangs lässt sich allerdings auch nicht meckern.

Habe ich dann den Cache gefunden, kann ich ihn über das Menü unten rechts auf dem Display als gefunden markieren. Auch kann ich ein Needs Maintenance und eine Note schreiben. Auch den Logtext kann ich direkt auf dem Gerät schreiben. Gespeichert wird das alles per Field Note, was ich später auf geocaching.com hochladen kann. Damit ist das online-Loggen später auch schnell erledigt.

So richtig hat mich die Geocaching-Funktion nicht begeistern können. Sicher ist sie gut, doch ich bin die Tastenbedienung meines Garmin gewöhnt und müsste mich doch etwas umstellen. Die Funktionen, die das Gerät bietet, überzeugen. Lediglich die Wegpunkt-Funktion muss ich bemängeln. Ich muss mehrfach im Menü hin und her, um einen Wegpunkt anzulegen oder eine Projektion zu machen. Der Druck auf die Taste über der Kamera-Taste legt zwar einen neuen Wegpunkt an, doch immer nur mit den aktuellen Koordinaten. Um ihn zu ändern, muss ich mich wieder durch das Menü wühlen. Auch fehlt die Möglichkeit, Whereigo-Caches direkt auf dem Gerät abzuspielen.

Navigation

Das eXplorist 710 enthält mit den vorinstallierten Karten ein vollwertiges Navigationssystem. Sogar Sprachansagen gibt es. Wir haben es ausprobiert, und mit den Möglichkeiten, die Route zu konfigurieren, kommen auch sinnvolle Routenvorschläge heraus. Die Sprachansagen sind deutlich, Strassennamen werden mit angesagt, lediglich die Stimme könnte etwas natürlicher sein.

Eine Routenübersicht lässt sich auf der Karte anzeigen und auch eine Liste der Abbiegepunkte gibt es. Die Ansagen sind rechtzeitig. Was allerdings stört, ist der Energiesparmodus. Der sollte über Werkzeuge (Hauptmenü am unteren Displayrand) – Einstellungen – Energie ausgeschaltet werden. Steht der z.B. auf fünf Minuten, schaltet das Gerät fünf Minuten nach der letzten Navigationsansage in eben diesen Energiesparmodus. Damit ist auch die Navigation aus, denn für den nächsten Abbiegepunkt reaktiviert es sich nicht wieder. Damit ist es als Navigationsgerät unbrauchbar. Ohne Energiesparmodus biete das eXplorist eine gute Navigation, für längere Strecken sollte es aber an eine externe Stromversorgung angeschlossen werden.

Karten

Das eXplorist 710 wird mit einer einfachen Weltkarte und einer detaillierten Europakarte ausgeliefert. Getrennte Karten können über Magellan erworben werden. Allerdings scheint es nur eine große Auswahl für UK zu geben. Andere Ländern in Europa gehen da leer aus. Auch die Preise, die um die 100 Euro, teilweise für nur kleine Regionen liegen, sind ganz schön happig.

Es gibt aber Alternativen. Auf http://maps4me.net lassen sich lizenzfreie Open-Street-Map Karten herunterladen. Dafür muss man sich nur registrieren und einen jährlichen Beitrag von 8,90 Euro zahlen. Die Karten sind ca. einen Monat alt, also auf einem aktuellen Stand. Details wie POIs und reine Fußgängerwege sind hier bedeutend besser. Getestet habe ich das Gerät mit den Karten nicht, da ich mir für den Test keinen Account anlegen wollte. So weit ich heraus gefunden habe, sind die OSM-Karten nicht routingfähig.

Bedienung

Bei der Bedienung bin ich gespaltener Meinung. Ich mag eine Bedienung per Touchscreen. Doch der Screen sollte in Komfort und Schnelligkeit nicht mit aktuellen Smartphones verwechselt werden. Einen gewissen Druck muss man ausüben, um eine Reaktion auszulösen. Immer wieder habe ich mich dabei erwischt, wie ich nur leicht auf das Display getippt habe. Mal hat es funktioniert, mal nicht. Ein weiteres Problem ist das kleine Display. Habe ich den Daumen darüber, um etwas anzutippen, sehe ich einen Teil davon nicht mehr.

Die Übersichtlichkeit des Menüs könnte überarbeitet werden. Unter den Einstellungen habe ich z.B. keine Möglichkeit gefunden, das Koordinatenformat zu ändern. Das geht nur über die Eingabe der Koordinaten, da befindet sich am unteren Display-Rand ein Werkzeugsymbol und erst da lässt es sich ändern. Nicht unter Einstellungen – Einheiten, wo ich es erwartet hätte.

Insgesamt ist die Bedienung übersichtlich. Doch dann, wenn man es nicht erwartet, muss man sich immer mal wieder mehrere Punkte vor und zurück im Menü hangeln. Bei den Wegpunkten ist das z.B. so. Was die Bedienung vereinfachen würde, wäre eine Zuordnung von Wegpunkten zu Geocaches oder Routen.

Medien

Das eXplorist 710 enthält einen Menüpunkt Medien. Hier findet sich unter anderem die Kamera. Sie lässt sich aber auch über den seitlichen Knopf am Gerät aktivieren. Sie hat zwar nur eine Auflösung von 3,2 MegaPixel, doch die Bildqualität ist unerwartet gut. Ich denke, da zeigen drei Beispielbilder mehr. Alle drei sind gänzlich unbearbeitet.


Mit einer Auflösung vom 320×240 lassen sich Videos aufnehmen und eine Diktatfunktion hat es auch. Somit hat man alles mit dabei, was man brauchen könnte und man muss nicht mehrere Geräte mitschleppen.

Zusatzfunktionen

Ja, die gibt es auch. Neben dem fast schon üblichen „Sonne & Mond“-Kalender gibt es auch einen „Angel & Jagen“-Kalender. Im gleichen Werkzeugmenü kann ich eine Flächenberechnung anhand von Kartenpunkten machen. Ich kann aber auch eine Fläche umgehen und aus diesem Track die Fläche berechnen. Einen Wecker gibt es noch. Und eine Liste mit Sonderzielen.

Fazit

16 Stunden sollen zwei AA-Batterien maximal halten. Das sagt Magellan. Ich kann es nicht bestätigen, aber auch nicht bestreiten. Laut Herstellerangabe soll dabei der Ruhezustand benutzt werden, in dem das GPS-Tracking aber weiter läuft. Mehr macht das Gerät dann aber auch nicht. Es wird auf einen reinen Tracker reduziert. Das Display ist aus und Navigationsansagen gibt es auch nicht. Für diesen Zweck gibt es dann aber günstigere Geräte.

Ohne auf den Akkuverbrauch zu sehen, bekomme ich mit dem eXplorist 710 ein Gerät, das gut in der Hand liegt. Es macht das, was ich von ihm will, und es macht es recht gut. Trotzdem weiss ich nicht, ob ich mich dran gewöhnen würde. Ich hätte gerne ein größeres Display mit einer übersichtlicheren Navigation. Das ging vielleicht auf Kosten der Handlichkeit, doch es würde mir besser gefallen.

Am Display habe ich noch zu meckern. Ohne die Hintergrundbeleuchtung ist es zu dunkel, um es richtig ablesen zu können. Da müsste nachgearbeitet werden. Positiv ist der Datenaustausch am PC und am Mac zu erwähnen. Das geht wirklich einfach, da Dateien einfach hin und her kopiert werden können.

Bei Amazon werden derzeit ca. 450 Euro für das Gerät fällig. Das finde ich recht viel. Das vergleichbare Garmin-Gerät, das Oregon 550T, ist für ca. 400 Euro etwas günstiger. Wenn ich allerdings bedenke, dass ich alle Funktionen auch in einem Smartphone habe, weiss ich nicht, ob dieser Preis heute noch für ein Outdoor-Gerät gerechtfertigt ist. Dennoch, wer eine Alternative zu Garmin sucht, der ist mit dem Magellan gut bedient.

Disclaimer

Magellan hat mir das eXplorist 710 kostenfrei als Testgerät zur Verfügung gestellt. Dies beeinflusste jedoch in keiner Weise meinen Bericht. Vielen Dank dafür noch mal an Magellan.

Weitere Links

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