Ich war schon einige Male in Meran, aber irgendwie kam es nie dazu, dass ich dort auch übernachtet habe – meistens führten uns Tagesausflüge hierher, wenn wir beim Wandern in den Alpen einen Tag dem schlechten Wetter entfliehen und ein wenig mediterranes Lebensgefühl genießen wollten; oder aber wir waren auf dem Durchflug aus südlicheren Gefilden. Das ist sicherlich auch ein bisschen auf die wirklich ideale Lage Merans zurückzuführen, und sein angenehmes Mittelmeerklima – perfekt, wenn einem zum Beispiel in Nauders auf 1500 Metern die Regenwolken beständig in die Nase hängen – oder wenn man, aus Kroatien oder Süditalien kommend, eigentlich nur einen kurzen Verschnaufer vor dem Sprung über den Brenner oder eben den Reschenpaß braucht.

Dieses Mal allerdings verweilte ich ein wenig länger, und hatte dank einer Bloggerkonferenz unter dem Titel #meetmerano auch reichlich Gelegenheit, die Gegend für mich neu zu entdecken.

Freundlicherweise hatte uns die Ferienregion Meraner Land im brandneuen City Hotel Merano untergebracht, das just an diesem Tag eröffnete.

Die Location

Das City Hotel Merano liegt an der Ecke der Via Mainardo und Via degli Alpini (oder Mainardstraße und Alpinistraße, alle Straßenbeschilderungen hier sind zweisprachig).

Es sind nur wenige Gehminuten zur Innenstadt und Fußgängerzone mit all ihren kleinen feinen Geschäften rund um die Laubengasse, auch die Therme Meran, die neu entstandene Bäder- und Thermenlandschaft des Kurstädtchens, ist nur einen Steinwurf über die Passer entfernt. Mit einem gemütlichen Spaziergang findet man sich an den Passeierterrassen, und kann entlang des Wassers schattige Kühle unter alten Bäumen an den Promenaden genießen, oder mit Kaiserin Sissi ein Päuschen im Elisabethpark einlegen.

Vom Konzept her ist das City Hotel Merano ein Business-Hotel, mit Konferenzräumen und modernsten technischen Einrichtungen. Kostenloses WLAN ist eine Selbstverständlichkeit, und im Zimmerpreis ist auch ein umfangreiches Frühstück vom Buffet enthalten – der ideale Start in den Tag.

Die Zimmer

Als wir ankamen, herrschte reges Treiben im Hotel – allerdings nicht durch Gäste, denn wir waren die ersten, sondern Bauarbeiten und Bauarbeiter hielten das Ganze am Brummen, und es gab noch eine ganze Menge zu tun. So eine Neueröffnung geht wohl nie ganz glatt – das kennt man ja. Einiges war noch nicht fertig, wozu zu meinem großen Bedauern auch die Klimaanlage gehörte, denn ich hatte ein straßenseitiges Zimmer auf der Sonnenseite, so dass ich auch des Nachts nicht einfach das Fenster aufmachen konnte (ein Faktor, den man beim Check-In gleich mal überprüfen sollte und versuchen, evtl. ein Zimmer nach hinten zu bekommen). Immerhin kann man die Fenster öffnen, was ja nicht immer eine Selbstverständlichkeit ist, und somit auch die Aussicht vom Balkon genießen, die wirklich schön ist. Ich denke mal, beim Erscheinen dieses Artikels sollte auch die Klimaanlage funktionieren.

Die Räume sind angenehm unprätentiös, modern und schlicht gestaltet – hauptsächlich weiß, ein wenig dunkles Holz, und je ein Farbakzent – bei mir war das Rot, in anderen Zimmern ein Frühlingsgrün. Zur Ausstattung gehören elektrisch verstellbare Jalousien vor allen Fenstern, Genau genommen sind es „Apartments“, denn alle Zimmer haben einen Wohnraum mit Küchenecke, einem Sofa, einer Art Esstisch mit drei Stühlen, sowie ein Arbeitsplatzecke.

In dem fünfstöckigen Gebäude gibt es Einzel- und Doppelzimmer; einige der schönsten im obersten Stockwerk besitzen eine Dachterrasse mit atemberaubendem Alpenpanoramablick, ein schönes Plätzchen um abends noch draußen zu sitzen.

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Blick vom Balkon meines Zimmers (4. OG)


Die Betten (ein aus zwei Einzelbetten zusammen gestelltes Doppelbett) waren bequem, allerdings mit relativ harten Matratzen versehen, Ich schlafe gern auf harten Matratzen, das tut aber nicht jeder. Im Schlafzimmer gab es auch einen Einbauschrank, einen recht dunklen Holzkasten, dessen auffallendstes Merkmal ein Safe in Laptopgröße war – jedoch ohne Steckdose. An so ein Detail hätte man in einem Hotel, das 2013 gebaut wurde, schon denken können. Irritierend auch das Fehlen von Steckdosen an beiden Kopfenden des Bettes, die dafür recht gute LED-Leselampen fest integriert hatten. In einem Zeitalter, in dem so ziemlich jeder Smartphone und/oder Tablet über Nacht lädt, und als Wecker benutzt, finde ich das etwas kurzsichtig.

Steckdosen gab es allerdings genug, wenn auch nicht unbedingt an den Stellen, wo ich sie gebraucht hätte, aber nichts, was etwas beherztes Lampenumstöpseln und ein Verlängerungskabel am Macbook nicht fixen könnten. Im Schlafraum gab es auch einen kleinen Flatscreen-TV, der mich vor allem durch seine helle LED-Uhr irritierte, den ich aber ansonsten nicht gebraucht habe.

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Das durchaus geräumige Bad mit Bidet, großer Dusche, Bademantel bot alles, was man braucht.

(Bilder vom grün gestalteten Doppelzimmer, dem Bad und den Blick von der Dachterrasse kann man im Artikel bei Cucina Casalinga  sehen.)

Für ein paar Nächte, in denen ich hauptsächlich das Bett und die Dusche brauchte, plus ein bisschen Arbeiten am Laptop, war das Zimmer sehr in Ordnung. Business eben. Es wäre jedoch kein Raum, in dem ich mich einfach nur so würde aufhalten wollen, weil es so gemütlich ist, um rumzulungern und mich zu erholen, dafür fehlte es am Komfort und Ambiente. Ein Pluspunkt, der ins Auge fiel: die Keycard war RFID-basiert; und auf Wunsch gab es auch (für den zweiten Gast?) einen altmodischen Schlüssel dazu.

Der Service

Der Service war ausnahmslos freundlich und zuvorkommend. Eine ausgesprochen schöne Idee ist der Begrüßungscocktail, der den Gästen kurz nach der Ankunft direkt aufs Zimmer serviert wird – eine kleine Vorwarnung durch die Rezeption beim Check-In wäre allerdings wünschenswert gewesen, denn just in dem Moment, als es an der Tür klingelte, war ich bereit, unter die Dusche zu hüpfen. Das Problem ergibt sich wohl für die US-Gäste, die wir dabei beobachteten wie sie ihr Gepäck sang- und klanglos stehen liessen, nicht, da diese auf den Bell Boy mit dem Koffer warten…

Im Frühstücksraum erwies sich der Service als relativ planlos und trotz guter Besetzungsstärke sehr langsam, etwas das auch die auch hier vorhandene Freundlichkeit nicht wirklich wett machen konnte – da gibt es noch einigen Optimierungsspielraum.

Zum Hotel gehört eine Tiefgarage, so man denn eine benötigt. In der Lobby gibt es eine schöne und gut bestückte Bar, und außerdem noch ein Tapas-Restaurant, das zum Zeitpunkt unseres Besuches aber noch geschlossen war.

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An der nächsten Straßenecke findet man ein Café, eine Bäckerei, und einen Friseur, so der denn mal gebraucht wird, und das gesamte Angebot der Meraner Innenstadt liegt einem mit ein paar Minuten Spaziergang zu Füßen.

Würde ich nochmal hier übernachten?

Die Antwort ist ein entschiedenes Jein. Ein paar Dinge liefen noch unrund, das kann man aber bei einem niegelnagelneuen Hotel durchaus verschmerzen. Das City Hotel Meran ist wirklich gut gelegen und ein schönes, modernes Hotel, wenn man ein Bett und ein Frühstück für ein oder zwei Nächte braucht. Dass alles in Fußentfernung ist, selbst der Bahnhof, ist ein großer Pluspunkt, aber das gilt für weite Teile von Meran. Würde ich noch einmal hier nächtigen wollen, würde ich alles daran setzen, eines der Zimmer mit Dachterrasse zu bekommen, denn die ist wirklich fantastisch.

Obwohl 4 Sterne das City Hotel Merano krönen, habe ich schon erheblich besser ausgestattete, komfortablere 4-Sterne-Hotels gesehen, und 3-Sterne-Hotels, die es ganz locker damit aufnehmen.

Den Preis, den das City Hotel verlangt, finde ich daher auch recht hoch für das Gebotene. Für Mitte August werden zum Zeitpunkt, da ich diesen Artikel schreibe, 190 € die Nacht für ein Doppelzimmer von Samstag auf Sonntag fällig, und im Augenblick ist eher keine Hochsaison. Das ist eine Menge Geld, ganz besonders in Anbetracht der Tatsache, dass die Stadt und Region ein großes, vielfältiges Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten offerieren.

City Hotel Merano

Via Mainardo 41
39012 Merano

www.cityhotel-merano.it