Durch meinen Job in einem großen Elektromarkt hatte ich das Glück, ein Navigationssystem ausleihen zu dürfen. Mit der Meinung bzw. dem Vorurteil, jeder könne TomTom bedienen, habe ich mich für den kleinen Navman entschieden.

Verpackung / Inhalt

Eine handliche Verpackung verbirgt in ihrem Inneren den Navman. Sie ist an einer Seite quadratisch, dann aber lang. Nicht so wuchtig wie die großen Würfel von TomTom.

Der Inhalt hält sich in Grenzen. Neben dem Navigationsgerät ist noch eine Speicherkarte mit dem Kartenmaterial für Deutschland dabei.
Des weiteren eine Saugnapf-Halterung für die Windschutzscheibe und ein Zigarettenanzünder-Ladekabel.

Erster Eindruck

Nach dem Auspacken des spärlichen Inhalts stellte ich fest, dass es eigentlich gar nicht so spärlich war. Was braucht man mehr, als Strom, Karten und das Gerät. Das Gerät selbst macht einen sehr wertigen Eindruck, das Gehäuse ist mit einem leicht samtigen Material
beschichtet, was das Gerät sehr angenehm anfühlen lässt. Die Größe ist gerade ok, es könnte etwas schmaler sein.

Einziges Manko ist die ausklappbare GPS-Antenne, die übrigens auch einen Anschluß für eine externe Antenne hat. Am Gerät sitzt sie noch fest, ausgeklappt ist sie etwas klapprig.

Entgegen meiner Erwartung liess sich das Gerät sogar einschalten. Demnach muss es einen Akku enthalten, der im Lieferumfang schon leicht vorgeladen ist.

Alles in allem war der erste Eindruck sehr positiv.

Installation

Die Installation ist einfach und von jedem zu bewerkstelligen. Saugnapf an die Scheibe, Ladekabel an den Zigarettenanzünder und an das Gerät, Gerät an der Halterung eingehakt. Das wars.

Bedienung

Die Bedienung ist einfach, und dürfte sich den meisten ohne Lesen der Anleitung erschliessen. Alles ist logisch aufgebaut, zwei
Multifunktionstasten sind auf dem – auch bei direkter Sonneneinstrahlung – gut ablesbaren Display beschriftet. Bei einem
Bedienungsfehler gibt es immer die Möglichkeit einen gut beschrifteten Zurück-Knopf zu drücken.

Einziges Manko an der Bedienung ist das Display. Es ist kein Touchscreen, die Bedienung läuft komplett über vier Pfeil- und eine Bestätigungstaste. Unter dem Display sind zusätzlich eine Menü- und zwei Multifunktionstasten angebracht.

Die Zieleingabe erfolgt komplett über die Pfeiltasten. Buchstabe im Alphabet auswählen, nächster Buchstabe, nächster und so weiter. Das für Stadt, Straße und Hausnummer. Ein Touchscreen wäre hilfreicher.

Die Anweisungen werden deutlich von einer Damen- oder Herrenstimme gesprochen. Sprachansagen kommen deutlich und rechtzeitig.

Erste Fahrt

Die erste Fahrt fand zum Test am Sonntag-Nachmittag zur Tankstelle statt. Das Gerät fand sofort die Satelliten und berechnete vom aktuellen Ort eine Route zum Ziel. Abweichungen vom den Routenführung berechnete es nach weniger als hundert Metern neu. Nur unter dem Tankstellendach verlor es den Kontakt zum Satelliten. Diesen hatte es aber an der nächsten Kreuzung wieder. Es fuhr immer so, wie wir es auch getan hätten.

Die erste große Fahrt

Das System fand wieder gleich seine Satelliten, verlor aber nach der ersten gesprochenen Anweisung wieder das Signal. Das war dann auch leider weg, bis wir aus Hamburg heraus waren. Wir mussten uns also auf unsere Ortskenntnisse verlassen.

Auf halbem Weg nach Hannover zeigte das System kurzzeitig unsere Position im Ort neben der Autobahn an, schaltete aber schnell wieder zurück.

In Hannover war dann das Wetter schlechter und das Signal wieder weg. Anscheinend kommt es mit starker Bewölkung nicht klar. Erst hinter Hannover war es wieder da.

Nach dem Verlassen der Autobahn hatten wir ein paar Probleme, nach den Anweisungen zu fahren, weil die Straßen umgebaut waren, was in den Datenbank des Systems noch nicht verzeichnet war. Der Umbau war aber noch nicht länger als fünf Monate her, die Datenbank von Mai, der Fehler sei verziehen.

Kurz vor Erreichen des Ziels wollte uns das System noch mal in eine Sackgasse auf eine nichtöffentliche Straße führen. Wir fuhren diese Anweisung nicht nach und als wir vor der Tür standen, ertönte plötzlich die Ansage „Ziel erreicht“.

Alles in allen war dieser Abschnitt durch die beiden großen Signalausfälle nicht wirklich überzeugend, auch wenn die Zielführung sehr gut und von einem Patzer abgesehen präzise ist. Mal sehen, ob unsere Weiterfahrt es rausreißen kann.

Die zweite große Fahrt

Die zweite Fahrt sollte uns nach Karlsruhe führen. Entgegen dem Tag vorher fand das System sofort ein Satellitensignal. Die Eingabe der Zieladresse gestaltete sich wieder kompliziert, weil dem Gerät noch immer der Touchscreen fehlte.

Bis nach Bad Hersfeld lief alles problemlos. Dort standen wir dann an einer Art Kreuzung mit zwei Abbiegerspuren links und einer Abbiegespur rechts. Das Gerät sagte aber an, wir sollen geradeaus fahren. Es gab keine Straße geradeaus. Dann sollten wir auf die A4 Richtung Osten abbiegen, also genau falsch herum. Mitdenken ist also immer angesagt. Das nächste Problem trat dann hinter Frankfurt auf, das System wollte uns von der A5 über die A67 und die A6 auf die A5 lotsen. Wir blieben auf der A5 und das System rechnete schon auf der Schleife von A5 auf A5 die neue Strecke um.

In Karlsruhe hingegen schaffte es das System die beste Strecke auszuwählen und lotste uns zuverlässig in die richtige Straße. Auch hier konnte das System nicht wirklich überzeugen, erzielte aber ein deutlich besseres Ergebnis als am Tag zuvor.

Bei einem kleinen Ausflug nach Frankreich zeigte das System auch schon mal interessante Interpretationen von Ortsnamen an. So z.B.
Landua. Hier bei Mela  zu sehen.

Die dritte große Fahrt

Jetzt sollte uns das System in den Odenwald lotsen. Direkt nach der Auffahrt auf die Autobahn, was das System genau so problemlos schaffte wie auf dem Hinweg, wartete ein Stau auf uns. Zum Glück hatten wir eine ortskundige Mitfahrerin. Das System bietet keine Stauumfahrung. Wir fuhren von der Autobahn gleich wieder ab. Eine längere Strecke bestand das System darauf, uns wieder zurück auf die Autobahn führen zu wollen. Dann kapierte es, dass wir das nicht wollten, und suchte immer den Weg zur nächstmöglichen Auffahrt. Im Prinzip ist das eine gute Sache, aber etwas hinderlich, da unsere Begleitung einen besseren Weg wusste. Für den Odenwald scheint der Navman dann aber nicht geeignet zu sein, wollte er uns doch zuerst weit nach Norden lotsen, um dann wieder nach Süden zu fahren. Nach unseren Ortskenntnissen schon alleine wegen der Entfernung ein Schwachsinn. Wir konnten es uns nur durch die lange Autobahnstrecke erklären, die er dafür auswählt.

Als wir dann von der Autobahn abfuhren, erkannte er dann aber, dass es wohl nicht die beste Lösung war. Schon bei der ersten Neuberechnung der Route führte er uns von der Autobahn weg näher an unser Ziel heran. Dabei sank die Kilometeranzeige zu unserem Ziel blitzartig um 40 Kilometer.

Abgesehen von dem kruden Gekurve, das er dann navigierte, garnicht so schlecht. Ich wäre auf jeden Fall anders gefahren und schneller angekommen. Da wir uns aber vorgenommen hatten, den Navman zu testen, fuhren wir nach Vorschlag.

Enttäuschend waren dann die letzten fünfzehn Kilometer. Fünf mal versuchte das Gerät, uns auf gesperrte nicht befestigte Privatwege durch den Wald zu navigieren. Wir wären auf diesen Wegen durchaus an unserem Ziel angekommen und abgesehen von dem Ärger mit der Forstverwaltung hätten wir einen Off-Roader gebraucht. Beim sechsten Versuch sollten wir dann sogar auf eine gesperrte, ebenfalls nicht befestigte Forststraße entgegen unserer Zielrichtung abbiegen. Für diese Region liegen eindeutig falsche Kartendaten vor. Das hätte nicht sein müssen und auch nicht dürfen.

Die Rückfahrt

Aus dem Odenwald nach Hamburg. Er hat uns problemlos herausgelotst und nach Hamburg rein war’s auch kein Problem. Nur unterwegs macht er Murks. So wurde als nächstes Ziel nach der A5 die A1 angezeigt. Die A7 dazwischen hat es glatt ignoriert. Erst als wir wegen einer Baustelle eine Umleitung fahren mussten, erkannte es beim Neuberechnen, dass da ja noch die A7 dazwischen ist.

Der zweite Fehler war dann bei einem Autohof nördlich von Hannover. Wir fuhren ab, das System bemerkte die Abweichung, aber anstatt uns wenden zu lassen und wieder die Auffahrt zu nehmen, wollte es uns erst mal acht Kilometer in die Gegenrichtung lotsen, um dort von der Autobahn abzufahren und in die richtige Richtung wieder aufzufahren.

Das Fazit

Macht es etwas schwer. Auf langen Strecken und in Städten überzeugt es. Auffem Dorf gibt’s eindeutlich Probleme. Die Navigationsleistung ist überwiegend gut, aber doch nicht empfehlenswert.

Die Bedienung ist durch den fehlenden Touchscreen etwas hakelig und die Zieleingabe etwas langwierig.

Vielleicht wäre ein TomTom dann doch besser geeignet.