Es ist nun schon eine Weile her, dass wir meine Eltern zwecks Goldene Hochzeit besuchten und uns zu diesem Zweck ein Auto mieteten. Wir haben hier sozusagen einen Retro-Artikel zu einem Fahrzeug, welches gar nicht mehr hergestellt wird. Geschrieben aus der Sicht von damals, also bitte nicht wundern.

Nach längeren Preisvergleichen landeten wir bei Budget, dem günstigsten Anbieter für einen Mittelklassewagen. Bekommen haben wir schliesslich einen Opel Signum 1.8 – einen Meriva wollte man uns “nicht zumuten”, was ich durchaus verstehen kann. Mein Vater fährt einen, und ich durfte auch schon mal, und naja…

Obernburg, Parkplatz, Opel Signum

Nachdem wir das Fahrzeug übernommen hatten, wollten wir uns erst ein mal damit vertraut machen. Doch das war gar nicht so einfach. Viele Funktionen lernten wir erst während der Fahrt kennen. Die Ausstattung war recht großzügig, luxuriös wäre übertrieben. Aber mit Klimaautomatik, CD/MP3-Player, Navigationssystem und einigen anderen kleinen Spielereien liess sie nichts zu wünschen übrig.

Obernburg, Parkplatz, Opel Signum

Kommen wir aber erst mal zum Fahrzeug selber. Unser Signum war mit einem 1.8 Liter Ecotec Motor mit 140 PS ausgestattet. Das machte sich sofort beim Anfahren bemerkbar. Der Fronttriebler brachte die Kraft des Motors recht gut auf die Straße, Beschleunigen überhaupt kein Problem, und so merkte man fast gar nicht, wie schnell man schon war. Trotz der Größe und des Gewichts ist er so ein agiles Fahrzeug im Stadtverkehr. Auch auf der Autobahn gab es nichts zu meckern. Ob es ein gemütliches Dahingleiten mit 170 km/h oder ein schnelles Rausbeschleunigen von 120 km/h hoch war, die Zugkraft war tadellos. Dazu passt auch die gute, aber unserer Meinung nach etwas zu weich abgestimmte Federung des Fahrzeugs. Dies macht es zu einer gemütlichen und gut zu fahrenden Limousine für lange Strecken.

Obernburg, Parkplatz, Opel Signum

Die Abmessungen sind nicht ohne. Die im Fahrzeugschein angegebene Stufenhecklimousine ist nun gar nicht so stufenheckig, wie da steht. Der Signum erreicht die Ausmaße eines Kombis. Dazu passt auch die große Heckklappe am weit nach hinten hochgezogenen Dach. Die Länge mit 4,65 Metern, die Breite ohne Spiegel mit 1,80 Metern und die Höhe mit 1,46 Metern macht einiges her. Der Gepäckraum fasst zwischen 365 und 1410 Litern bei umgeklappten Rücksitzen. An die Sitze mussten wir uns erst gewöhnen, doch dann sind sie gemütlich und bieten genug Platz. Auch in der zweiten Reihe ist massig Platz, die Beinfreiheit reichte sogar für meine langen Beine. Sogar nach oben hatte ich jede Menge Platz, was bei mir immer etwas problematisch ist, obwohl ich ‘nur’ 1,90 m groß bin.

Obernburg, Parkplatz, Opel Signum

Das Tachofeld ist übersichtlich gestaltet und gut einsehbar. Die Bedienung der Standardfunktionen ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig. Fangen wir mit dem Licht an. Das Fahrzeug war mit einem Helligkeitssensor ausgestattet, damit müsste in den meisten Situationen die Einstellung “Auto” genügen. Wenn es dunkel ist, ist das Licht an, ansonsten aus. Gestört hat uns die Grenze zwischen hell und dunkel. Auf leicht düsteren Abschnitten im Wald wollte die Automatik das Licht nicht anschalten. Hier sollte die Automatik etwas empfindlicher reagieren. Ich bin aber sowieso der Meinung, dass es besser ist, wenn Motor an, dann Licht an. Doch das unterstützte die Automatik nicht.

Auch der Blinkerhebel ist ungewöhnlich (für mich als Fahrer eines 6 Jahre alten Autos). Er sieht normal aus, springt aber immer wieder in Normalstellung zurück. Kein Defekt, sondern so gewollt. Nach vorne drücken blendet auf, noch mal nach vorne drücken wieder ab. Noch oben oder unten blinkt drei mal – nach etwas Eingewöhnungszeit sehr praktisch beim Spurwechsel. Soll der Blinker länger an sein, muss der Hebel etwas länger gedrückt werden. Eben so verhält es sich beim Scheibenwischer. Hebel hoch = an, Hebel noch mal hoch = schneller, Hebel runter = langsamer, Hebel noch mal runter = aus, was auch mit einem Signalton bestätigt wird. Über ein kleines Drehrad am Wischerhebel lässt sich die Empfindlichkeit des Regensensors einstellen, der die Geschwindigkeit des Wischers automatisch steuert. Bei Schnee sollte er aber ausgeschaltet werden, Flocken scheinen ihn zu verwirren. Bei Regen funktionierte das aber problemlos.

Obernburg, Parkplatz, Opel Signum

Die vergleichsweise wuchtige Mittelkonsole beinhaltet das so genannte Infotainment System. Über ein recht großes Farbdisplay kann so Radio, CD- und MP3-Player, Telefon (soweit eingebaut), Navigationssystem und Bordcomputer gesteuert werden. Die Bedienung ist einfach und intuitiv über ein Drehrad zu bewerkstelligen. Einige andere Tasten vereinfachen das Ganze noch, so muss man sich nicht immer durch das Menü wühlen. Das Navigationssystem selbst ist schnell und durchdacht. Routenänderungen bekommt es sofort beim Verlassen der geplanten Route mit und berechnet eine neue, die wieder zurück oder auf einer alternativen Strecke zum Ziel führt. Lästige “Bitte Wenden”-Ansagen bleiben so erspart. Es ist mit TMC ausgestattet, so führt es den Fahrer auf Wunsch um Staus und Behinderungen herum. Ganz anders und bedeutend besser als das Navman, das wir vor einiger Zeit testeten.

Alles in allem ein schönes und gutes Auto, wenn auch mit einer Macke, die wir von unserem Astra kennen: die Bremsen. Funktionieren sie in normalem Betrieb tadellos, sollte das Fahrzeug nach einer Regenfahrt nicht auch noch eine Nacht im Freien stehen. An den Bremsscheiben bildet sich schnell Rost, der die Bremse schwergängig macht und irgendwann zu einem teuren Tausch der Bremsanlage führt.

Und ganz in der Tradition von Karl Otto Maue die letzte Frage: Was kostet der Spaß? Die Grundausstattung begann bei 25.646 Euro. Das Fahrzeug, das wir fahren/testen durften, lag bei einem Neupreis von 31.432 Euro. Gut erhaltene gebrauchte bekommt man inzwischen für 3.000 Euro.