Aus einer Vielzahl von Gründen, von denen hier noch zu berichten sein wird, sind der Liebste und ich auf der Suche nach einem (bzw. zwei, durchaus auch verschiedenen) Backpack(s).

Nun geht man als Späteinsteiger in die Thematik so etwas naturgemäß anders an als Twentysomethings, die ohne viel Planung losziehen, um in Ko Phangan Full Moon Party zu feiern oder auf Goa zu clubben, das beginnt bei den eigenen Anforderungen an ein Backpack (man wird ja nicht jünger), und endet nicht in ausgedehntem Foren- und Rezensionen lesen. Um eins kommt man allerdings auf keinen Fall drum herum, und das ist, einen Rucksack anzuprobieren, am besten im Fachhandel, wo man auch gute Beratung bekommt – wie hier in Hamburg bei Globetrotter.

Also zog ich los, machte erste Erfahrungen, und las dann wieder Rezensionen, und beschloss zu guter Letzt, mir den Osprey Exos 46 L (in Orange/Grau) zum Testen zu bestellen, da der Outdooroutfitter der Wahl den nicht im Programm hatte. Vom Testen wusste ich schon mal, dass ich die Rückenlänge L brauche. Die Osprey-Packs gibt es nämlich in 3 Varianten, S, M und L, mit auch geringfügig abweichendem Inhalt (und ausserdem gibt es die Exos-Serie noch in 34, 46 und 58 Litern, aber das ist eine andere Geschichte).

Warum der Osprey Exos 46?

Im wesentlichen: weil er superleicht ist. Mit 1100 Gramm für einen Rucksack mit Tragesystem ist er kaum zu unterbieten, es sei denn man verzichtet auf eben dieses, was ich aus Komfortgründen nicht für sinnvoll halte. 46, bzw. in der L-Variante sogar 49 Liter Packinhalt, das ist spitze für einen so leichten Rucksack. Egal ob man nun drei Tage durch die norwegische Pampa zu stapfen gedenkt oder mehrere Monate durch Südamerika touren will, da kommt einiges an Zeugs zusammen das geschleppt werden muss, und da freut man sich über jedes Gramm das man anderweitig sparen kann.

Gefallen hat mir am Exos auch das Netz im Rücken, das für Luftzirkulation sorgt und verhindert, dass man sich unter dem eng anliegenden Backpack nass schwitzt – das finde ich ein sehr angenehmes Feature. (Auch wenn die Verkäuferin bei Globetrotter meinte, dass man mit Mesh zu viel kostbares Volumen verliert – Osprey beweist, dass dem nicht so sein muss).

Der dritte Grund liegt in der Fast-Stow-Schlaufe, die das Benutzen und beim Gehen auch wieder Verstauen von Trekkingstöcken vereinfachen soll – als jemand mit einem Knieschaden ist das ein Detail, das ich zu schätzen weiss.

Das offizielle Video zum Osprey Exos 46:

Neverending Footsteps, eine Globetrotterin, in Erinnerung, die im Bild zeigt was sie alles in ihrem Exos 46 unterbringt – das ist sehr beachtlich. Und natürlich der Filmemacher, der den Arizona Trail komplett gelaufen ist, mit einem Osprey Exos 46 als Ausrüstung (den er allerdings noch zusätzlich leichter gemacht hat).

Als der Rucksack dann kam, habe ich ihn anprobiert, war begeistert, wie unglaublich leicht das Teil ist, und belud ihn gleich mal kräftig, mit runden 11 Kilo Zeugs. Und was soll ich sagen: die trugen sich ausgesprochen angenehm und komfortabel, auch längere Zeit, die Beweglichkeit und Lastverteilung gefielen mir ausgezeichnet.

Hier und da kann man lesen, der Hüftgurt sei für breite Hüften (über 32 inch Umfang) ungeeignet – das kann ich nicht bestätigen, und ich bin nicht eben schlank. (Ein Bierbauch könnte allerdings problematisch werden). Alles in allem saß der Exos gut, und ich mochte den Rucksack.

Dennoch ist er es nicht geworden, ich habe schweren Herzens das Backpack wieder zurück geschickt. Die Größe hätte mir sehr zugesagt.

Warum nicht der Osprey Exos 46?

    1. Es handelt sich um einen Toploader, das heisst alles, wirklich alles, muss von oben gepackt werden. Das ist allerdings etwas, das ich vorher wusste, und mit dem ich mich, wenn auch schweren Herzens, abgefunden hätte, wären die anderen Probleme nicht gewesen. Die meisten Trekkingrucksäcke erlauben heute den Zugriff auf den Rucksackinhalt von mehr als einer Stelle; aber wenn man Gewicht einspart, sind zusätzliche Reissverschlüsse und Nähte dafür natürlich etwas, das man gut weglassen kann. Das ist für eine Dreitagetrip vielleicht noch okay, aber auf mehreren Wochen unterwegs doch ganz schön lästig – schliesslich soll mir der Rucksack auch als Reisegepäck dienen.
    2. Der Exos hat keine integrierte Regenhülle. Da ich mich tendenziell in Gegenden rumtreibe, in denen (sehr viel) mehr Regen fällt als in den Wüsten Arizonas, ist das für mich unverzichtbar. Heisst hier, ich müsste eine Regenhülle dazu kaufen (macht nochmal 20 Euro, was okay wäre) und sie gesondert verstauen, weil es ein passendes vorgesehenes Fach dafür ja nicht gibt, das ist zumindest lästig.
    3. Mit nur sehr wenig Zeugs drin ist der Rucksack relativ unbequem und die Träger reiben. Das ist vielleicht eine etwas seltsame Beschwerde, aber man merkt dass das Backpack dafür gemacht ist, unter Last getragen zu werden. Das ist nicht unbedingt ein Kritikpunkt, aber es fiel mir halt beim Testen auf.
    4. Die Bänder, Gurte, Arretierungen, Verschlüsse sind dank des Versuchs, den Rucksack auf ultraleicht zu trimmen (Osprey empfiehlt ihn auch für Thruhiker, also Leute die den Appalachian oder Pacific Crest Trail wandern wollen) sehr schmall und wirken teilweise zerbrechlich. Ein paar Reviewer haben auch schon Clips zerbrochen. Zwar wirbt Osprey mit lebenslanger Garantie (in USA), aber lieber ist es einem doch, wenn man nicht irgendwo im Outback feststellt dass der wichtige Hüftgurtclip gebrochen ist… haptisch sind mir die Straps und Verschlüsse zu klein und dünn und sind streckenweise blöde zu bedienen. Etwas breiter, robuster und einfacher zu benutzen dient hier dem Komfort, dem ich gern ein paar Gramm opfere. Das kann man anders sehen – ist eine persönliche Präferenz.
    5. Die Seitentaschen, die Wasserflaschen halten sollten, wirken im Testbetrieb eher wie ein Device mit dem man seine Wasserflaschen effektiv verlieren kann.
    6. Der entscheidende Grund allerdings, den Osprey Exos 46 nicht zu behalten, sondern mich nochmal neu umzusehen, ist die Tatsache, dass ein flächiges hartes Aluteil vom Tragesystem mir in die Hüfte respektive das Sitzfleisch drückt. Das macht sich erst nach einer Weile bemerkbar, hier wäre aber absehbar, dass ich mich an so einer Stelle auf langen Strecken wund reibe, und das ist nun wirklich nicht im Sinne des Erfinders. Für meinen dicken Hintern kann Osprey nichts, aber das dennoch ist ein KO-Kriterium.

Fazit

Summa summarum; der Osprey Exos 46 L ist ein extrem leichter und durchaus komfortabler Trekkingrucksack, wenn man denn bereit ist mit einem Toploader mit effektiv nur einem großen Fach auszukommen. Er hat zwar noch ein paar Zusatztaschen, aber die reichen maximal für einen Pullover (oder Helm). Mir persönlich wäre ein Schmutz-/Nasswäschefach sehr angenehm, und auch andere Zugriffsmöglichkeiten. Angenehm ist, dass wirklich sehr viel reinpasst und man den Rucksack auch schwer beladen kann, ohne dass sich das negativ an den Schultern oder der Lastverteilung bemerkbar macht.

Wer eine ultraleichten Trekkingrucksack mit einem Tragesystem sucht, wird hier eventuell fündig. Für meine Zwecke ist er jedoch (vor allem wegen des zuletzt genannten Punkts) nicht geeignet. Schade.