Vor dem USA-Trip stand ich vor dem Problem, dass ich dringlich ein paar neue Schuhe brauchte. Die viel geliebten und belaufenen Hanwags waren nicht nur zu schwer und zu warm, sondern das Fußbett ist auch runter, und die Aussicht auf steinige Trails und unebene Pfade liess mein kaputtes Knie und den Sportschaden im Sprunggelenk schon im Voraus ächzen. Etwas gut Gepolstertes mit ordentlich Grip musste her. Im Idealfall auch noch warmwettertauglich, für diesen wie den nächsten Trip, und luftig, um nicht zwei Paar Schuhe rumschleppen zu müssen wo eines reicht.

Also begaben wir uns – mal wieder – zum Outdoorausrüster unseres Vertrauens. Im Hausmagazin von Globetrotter waren gerade groß die Salomon Trailrunner getestet und beworben worden, auch der Trailrunner-Artikel online verwies darauf. Folgerichtig standen im Regal jede Menge ebendieser Schuhe; andere Marken suchte man eher vergebens. (Es gibt allerdings noch anscheinend ganz gute von Adidas). Beim ersten Testen fand ich das Laufgefühl aber total doof, vor allem weil da eine Polsterung an einer Stelle war, wo ich sie absolut nicht erwartet hätte.

Im zweiten Anlauf holte ich mir dann den Fachberater, der mir nach der Ansage „Arizona und Asien“ dringlich von den mit GORE-TEX® ausgestatteten Versionen abriet, sinngemäss: „die sind wasserfest, aber die Füße schwitzen zu sehr drin“. Belüftung fand ich einleuchtend, und probierte dann den oben abgebildeten Schuh, allerdings zunächst in der Herrenversion. – In den letzten 15 Jahren habe ich eigentlich ausschließlich Herrenschuhe bei Outdoorschuhen getragen, da ich einen hohen Spann und breiten Fuß habe.

Am linken Fuß den ohne, am rechten den mit Gore-Tex, machte ich die ersten Lauftests, und bemerkte, dass auch im Laden der rechte Fuß deutlich stickiger und wärmer war. Zum Test zog ich dann den Frauenschuh an, der erstaunlicherweise (allerdings zwei Größen über meiner normalen Schuhgröße) wie angegossen passte. Einziges Manko: es gab das gute Stück (zu diesem Zeitpunkt) nur in knallrot – waaaaah!

Beim Stehen auf den schrägen Steinen im Testareal zeigten die Schuhe extrem gutes Antirutschverhalten auf trockenem Grund. Und während sie sich auf dem flachen Boden immer noch seltsam anfühlten, war das Laufgefühl auf unebenem Terrain spitze, und mein Knie zuckte nicht mal kurz auf. Als Bonus: nie wieder offene Schnürsenkel!
Ich holte tief Luft, sagte mir, dass ich mich an das Rot schon gewöhnen würde, und kaufte den Schuh.

Fast Forward, 6 Wochen später.

Der Salomon XA Pro 3D Ultra 2 hat sich in den drei Wochen im Südwesten der USA bestens geschlagen; das Laufen auf felsigem, sandigem Untergrund, glattem Sandstein und Schrägen darauf, steinigen Pfaden, in Dünen, auf steilen Bergstrecken, Schotter und Trampelpfaden war ein Vergnügen. Müffelnde Füße gab es gar nicht, das Klima stimmte, ob bei -1°C oder bei 30°C in der Wüste. An mancher Stelle, bei der ich mit den Hanwags ins Rutschen gekommen wäre (auf trockenem Untergrund), konnte ich mit den Salomons noch sehr vergnügt und trittsicher herumturnen, und gerade diese Trittsicherheit ist für mich mit der Erfahrung eines instabilen Knies superwichtig.

Das An- und Ausziehen ist immer noch eine mittelprächtige Frickelei, da ich mit meinem hohen Spann wirklich gerade so eben hineinkomme; dafür sitzen die Trailrunner dann aber auch wie für den Fuß gemacht. Die Schnürbandzipper oder wie immer sich das fachsprachlich nennt sind (zugezippt) etwas länger geworden, d.h. der Schuh hat insgesamt wohl etwas nachgegeben und ist flexibler geworden, wenn es sich auch beim Anziehen nicht so anfühlt.

Bei wirklichem Regenwetter, insbesondere in kaltem Klima, wären die Schuhe ungeeignet, da das luftige Mesh an der Oberseite schnell zu nassen und dann halt kalten Füßen führen würde – auch Sand setzt das Material nicht viel entgegen, nach dem Begehen der Coral Pink Dunes konnte ich jeweils gut eine Tasse korallenrosa Sand aus den Schuhen schütten. Im Nieselregen in San Francisco reichte die Dichtigkeit locker aus; auf nassem Asphalt (für den sie ja auch nicht gemacht sind) kann es dann aber schon mal etwas glatt werden.

Ein zusätzlicher Bonuspunkt der Schuhe, der mir beim Kauf gar nicht bewusst war, sind die stabilen Gummikappen über den Zehen; dieser Zehenschutz hat mich auf steinigen Bergtrails so einige Male hörbar vor angeschlagenen Zehen bewahrt. Für Europa/Alpen/Skandinavien würde/werde ich mir noch die wasserdichte GTX-Version zulegen. Ach, und weder in Hamburg am Airport noch in London piepten sie beim Durchgang durch den Metalldetektor.

Den Unterschied in der (exzellenten) Trittdämpfung merke ich, die ich ja auch nicht gerade ein Leichtgewicht bin, an ausbleibenden Knie- und Rückenschmerzen gegenüber anderen Schuhen. Summa summarum, eine sehr lohnende Investition, die mich sicheren Fußes durch den USATrip gebracht hat. Und wie sich der Schuh dann in Südostasien schlägt (und Infos zur Langzeithaltbarkeit), das werde ich in ein paar Monaten nachreichen.

Daumen (bzw. Zehen) nach oben!