Im Mission District von San Francisco ist die San Francisco Armory, auch „San Francisco National Guard Armory and Arsenal“ oder einfach „The Armory“ zu finden.

Wie eine Burg wurde das Gebäude von 1912 bis 1914 auf dem Gelände gebaut, auf dem bis 1891 die Woodward Gardens waren. Hier gab es einen Zoo, ein Aquarium, ein Kunstmuseum und einen Freizeitpark. Schon 1879, nach dem Tod von Woodward, verlor das Gelände an Attraktivität. Nach der Schliessung blieb es unberührt und nach dem großen Erdbeben 1906 sucht es sich die National Guard als neues Gelände und als neues Heim.

Doch das Gebäude diente nicht nur der National Guard. 1920 bis 1940 stellten sie es für Sportveranstaltungen zur Verfügung. So gab es fast jede Woche zwei Boxkämpfe und schnell hatte es die Bezeichnung „Madison Square Garden of the West“ weg. Unter dem Gebäude fliesst der Mission Creek, ein Fluss  der hier schon in den 1800ern unterirdisch umgeleitet wurde. Nur im Keller der Armory kommt er noch ein mal aus seinem Tunnelsystem heraus.

1976 gab die National Guard das Gebäude dann auf. 1978 wurde es in das National Register of Historic Places eingetragen und stand damit unter Schutz. Im Laufe der Zeit versuchten sich einige Unternehmen hier. Self-Storage-Einheiten, ein Dot.com Bürogebäude, Fitnessstudio, eine Rehabilitationsklinik, Luxus- und auch Billig-Wohnraum. Doch aus allem wurde nichts.

Heute kann man Führungen durch das Gebäude buchen. Dabei wird man durch die Räume, den interessanten Keller mit den Schiessständen und dem Mission Creek und durch den alten Exerzierplatz mit der größten freihängenden Decke San Franciscos geführt. Doch die Führung ist etwas anders, als man sie sich nach dieser Beschreibung vorstellen mag. Sie wird vom neuen Eigentümer durchgeführt.

2006 wurde die Armory für 14,5 Mio. Dollar an kink.com verkauft. Kink.com ist eines der größten Unternehmen der Pornobranche. Sie haben das Gebäude weitestgehend wieder hergerichtet und hier ihre Büros und Studios untergebracht. Natürlich besteht ein Hauptteil der Führung aus den Studios und dem Schaffen des Unternehmens. Doch auch das historische bleibt nicht zu kurz. Wer die Führung bucht, und das ist nur auf der Website von kink.com möglich, sollte sich hier darauf einstellen, mehr zu sehen, als nur altes Gemäuer.

Natürlich ging ein Aufschrei durch die Nachbarschaft, als bekannt wurde, wer sich hier in dem alten Gebäude breit macht. Es gab Proteste, unter anderem zog ein Frauenhaus aus der Gegend weg. Doch heute hat sich das Unternehmen integriert. Der ehemalige Exerzierplatz steht der Gemeinschaft als Veranstaltungsfläche zur Verfügung und auch sonst tut man einiges, um die Nachbarschaft aufzuwerten.

Wer nicht gerade eine Abneigung gegen BDSM und Fetish-Pornos hat, der sollte hier die Führung buchen. Denn man erfährt so einiges über die Hintergründe der Branche und des Gebäudes.

Bilder gibt es in diesem Artikel leider keine, die sind alle unscharf geworden. Doch bei Flickr lässt sich so einiges finden.