Die ersten beiden Tage verbrachten wir recht ereignislos. Familiäre Pflichten waren zu erledigen. Und der dritte Tag, mit dem der Urlaub erst richtig beginnen sollte, brachte dann auch noch eine Überraschung mit sich.

„Motorstörung“ leuchtete es im Display des Passat auf. Da aber alles lief und ein schneller Blick unter die Haube kein Problem zeigte, beschlossen wir erst mal los zu fahren. Wir vermuteten, ein Marder hatte ein Kabel zu einem Sensor durchgebissen. Wir legten die Navi-CD ein, die zufälligerweise auch nur VW-Werkstätten kannte. Die nächste hatte noch geschlossen, wir waren früh los, doch die übernächste hatte auf.

Der Meister dort steckte den Diagnosecomputer an, hob das Auto auf die Bühne und schraubte die Abdeckung unter dem Motor ab und siehe da, das Kabel des Sensors am Dieselpartikelfilter war durch. Ein Ersatzteil war leider nicht vorrätig und so fragten wir, ob das zu flicken sei. „Ja, schon“ sagte man uns und macht sich an die Arbeit, nicht ohne mehrfach darauf hinzuweisen, dass es aber sicherer sei, bei nächstmöglicher Gelegenheit das Kabel zu erneuern.

Wir waren erst ein mal dankbar, dass es weitergehen konnte. Vor allem waren wir aber auch dem Autohaus Thierolf in Höchst im Odenwald dankbar, wo nicht nur schnell und unkompliziert das Kabel geflickt, sondern nicht ein mal etwas dafür berechnet wurde. Und das für einen unbekannten Kunden aus dem fernen Hamburg, der nicht mal Stammgast werden wird. Das ist wirklicher Service. Vielen Dank von hier aus noch ein mal.

Unsere Fahrt konnte weitergehen, doch wir hatten Zeit verloren. Wir wollten unbedingt noch zur Eisriesenwelt in Werfen, der größten Eishöhle der Welt, die aber leider nur mit Führer und zum letzten mal des Tages um 15:30 betreten werden konnte. Unsere Deutschland-Navi-CD kannte zum Glück auch Westeuropa und so ließen wir uns von ihr führen. Nicht weil wir den Weg nicht auch so gefunden hätten, sondern weil sie uns eine voraussichtliche Ankunftszeit anzeigte. 13:20 Uhr sollte das sein.

Danke der Baustellen und diversen eingeflossenen Verkehrsstörungen stieg diese immer weiter an. Trotz allem hatten wir nur einen richtigen, aber kleinen Stau hinter München und so kamen wir eine Stunde später, als das Navi vorhergesagt hatte, in Werfen an. Wir bezogen schnell unser Hotelzimmer und machten uns auf den Weg zur Eisriesenwelt.

Von Werfen aus sind es noch ca. fünf Kilometer kurvige steile Bergstrecke. Damit begann dann auch der Krimi um das Erreichen des letzten Führungstermins. 14:43 waren wir aus der Verkaufsstelle der Tickets heraus. Von hier aus muss man noch ein mal ca. zwanzig Minuten eine steile Strecke zur Seilbahn laufen. An der Kasse sagte man uns noch, dass wir die Seilbahn um 15:00 noch schaffen würden und wir hatten Hoffnung, dass die Gehzeit von zwanzig Minuten optimistisch angegeben war. War sie auch, aber leider nur für fitte. Wir waren um 15:03 an der Seilbahnstation und ein Mann kehrte nicht nur in aller Seelenruhe den Müll zusammen, nein, er schaltete auch noch die Anzeige zur nächsten Abfahrt um auf 15:30.

Der Verzweiflung nahe, wir hatten uns so abgekämpft, waren wir kurz davor, umzukehren und unser Geld zurück zu verlangen. Da aber keiner Anstalten machte, uns zu sagen, dass wir die Tour leider verpasst hatten, wollten wir zumindest die fast fünfhundert Meter mit der Seilbahn überwinden und den Blick von oben genießen. Punkt 15:30, es hatten sich noch drei anderen Besichtigungswillige eingefunden, fuhr uns die Bahn nach oben. Hier wurden wir überrascht von einem Schild, das die Uhrzeit der letzten Führung mit 15:45 angab, die Laufstrecke zur Höhle mit fünfzehn Minuten. Es war 15:33.

Wir, für solch steile Bergwege in so kurzer Zeit wirklich nicht fit, machten uns auf den Weg und erklommen die letzten geschätzt tausend Höhenmeter. In Wirklichkeit waren es wohl um die fünfzig. Als wir dann nach zwanzig Minuten oben ankam erwartete uns schon der Führer und eine Frau aus einer italienischen Gruppe begrüßte uns schon mit „We waited for you“.

Da wir vorgewarnt waren, hatten wir bei fast dreissig Grad unsere Winterjacken auf den Berg geschleppt und diese zogen wir jetzt an. Vom Führer erhielt jeder zweite eine Karbid-Lampe, damit wir in der dunklen Höhle etwas Licht hatten. Als er den Eingang öffnete, schob sich uns kalte Luft entgegen, wir fühlten uns wie in einem Sturm. Er erklärte, der Kamineffekt der Höhle, die von diesem Punkt noch etwa 150 Meter nach oben führte, lies die warme Luft nach oben ziehen und die kalte Luft unten herausdrücken. An richtig heißen Tagen mit bis zu 90 km/h.

Drinnen entzündete der Höhlenführer dann unsere Lampen, die nur schummeriges gelbes Licht gaben. Er selbst hatte noch einen Magnesiumfaden mit dem er gelegentlich helleres Licht erzeugte. Etwa 1400 Stufen, davon die Hälfte nach oben und die andere Hälfte nach unten, führen durch die Höhle. Größtenteils aus mit Geländer. Uns erschloss sich eine beeindruckende unterirdische Eiswelt in der wir bis zu einen Kilometer in die Höhle vordrangen. Erzeugt wurde und wird die Eiswelt der Höhle, sie wächst immer noch weiter, von Schmelzwasser, das durch Ritzen im Gestein, teilweise 400 Meter dick über der Höhle, nach innen sickert und durch die eisigen Temperaturen sofort gefriert.

Riesige Stalagmiten aus Eis wachen von unten nach oben in der Höhle, eine siebzig Grad steile Eiswand bedeckt einen Teil der Höhle, die jetzt mit einer 45° steilen Treppe überwunden wird. Eisfiguren, die teilweise an Eisbären erinnern und Eismonumente, wie es der Führer nannte, werden während der Führung mit Licht hinterleuchtet, so das sich wunderschöne Lichtbrechungen, überzogen mit Glitzereffekten einstellen. Vorbei am Grab vom Alexander von Mörk, einem der Erforscher der Höhle, der hier bestattet werden wollte, geht es an das Ende der Eishöhle, hinter dem das Rauschen von Wasser zu hören ist. Uns wurde erklärt, dass hier durch die aufsteigende warme Luft, nicht mehr genug Kühlung vorhanden ist, dass ab diesem Punkt kein weiteres Eis entstehen kann.

Zurück ging es durch einen Eiskanal oder auch Tunnel, der an die Rutschszene aus Ice Age erinnerte, in der Manny durch den Eiskanal rutscht. Dann nur noch die restlichen unzähligen Stufen hinunter und wir wurden wieder vom Luftstrom durch den Ausgang geblasen.

Leider können wir keine Bilder vom Höhleninneren liefern. In der Höhle herrscht absolutes Film- und Fotografierverbot. Das hat zwei Gründe: Zum einen würden die Blitze der Kameras mehr Licht in die Höhle bringen und damit wohl das optische Schauspiel zerstören, zum anderen müsste der Führer wohl noch öfters seine Schäfchen zusammentreiben.

Belohnt wird man von hier oben auch noch mit einer grandiosen Aussicht.

Zu der Eisriesenwelt Werfen gibt es auch einen Earthcache, den wir hiermit auch noch ausdrücklich empfehlen wollen.

Absolut geschafft ging es zurück in den Werfener Hof. Wir freuten uns auf die beworbene hausgemachte Salzburger Küche, wurden allerdings von Tüteneinsatz enttäuscht, doch dazu mehr in einem anderen Artikel.