Die lang ersehnte Reise, endlich geht es los.

Wie immer sind wir dank guter Busanbindung nach Fuhlsbüttel und Paranoia-Modus frühzeitig am Flughafen, wie auch schon bei unserem letzten Flug mit Emirates werden wir als Online-Checkin-Benutzer am Business-Schalter schnell und freundlich abgefertigt.

Schnell aber unfreundlich dagegen der Security-Check des Flughafens. Warum man um Himmels willen in D unwillig ist, einen Laptop einfach im Handgepäck mit durchzuscannen, wird sich mir nie erschliessen, ebenso nicht, warum Pampigkeit eine der Grundvoraussetzungen für den Job am Checkin zu sein scheint.

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Dann warten wir, nicht allzu lange, denn wir haben schon vorhin unserer Maschine beim (pünktlichen) Landen zugesehen, ehe es auf die bekannte Strecke Hamburg-Dubai geht, auf der wir die immer noch recht gute Bordverpflegung geniessen und ausserdem Wall-E (auf Englisch) und Kung Fu Panda (auf Deutsch) ansehen – so vergehen die knapp 5 1/2 Stunden bis an den Golf im Wortsinne im Fluge.

Ganz toll ist der Überflug über den Iran bei aufgehendem Mond, unter uns glitzern in der trockenen glasklaren Luft die Lichter der iranischen Städte wie Kristalle – sonst gibt es, da wir Richtung Dunkelheit fliegen, wenig zu sehen, nur das Leuchten von Gasflammen auf einigen Ölfeldern nahe Dubai ist noch erwähnenswert.

EK T7, night design

Boeing 777, Night Design

Wir landen am äussersten Ende von DXB – am _ganz_ anderen Ende, um genau zu sein, und gurken noch fast eine halbe Stunde über den immer riesiger werdenden Flughafen, ehe wir endlich an den Terminals ankommen. Nunja. Zeit haben wir mehr als genug.

Schon vor zwei Jahren auf dem Weg nach Bangkok (und weiter nach Ko Chang) hatten wir den Stopp in Dubai erlebt – damals allerdings lagen zwischen Ankunft und Weiterflug knapp 4 Stunden, von denen wir einen nicht unbeträchtlichen Teil mit Sicherheitschecks und Schlangestehen verbrachten, ehe wir dann kurz Wasser kauften und schliesslich vor dem Gate auf den Checkin warteten. Dieses Mal jedoch liegen geschlagene 10 Stunden, eher 11, zwischen dem Verlassen und erneuten Betreten einer Boeing 777. Theoretisch könnten wir die Zeit für einen Kurztrip in die Stadt am Golf nutzen. Praktisch sind wir bei finsterer Nacht angekommen, circa um 8 wird es wieder hell, um 9 wird das Gate geöffnet – und selbst wenn uns Dubai bei Nacht gereizt hätte (was es nicht tut), stehen demgegenüber aktuell heftige 31 Grad Nachttemperatur. Nach 6 Stunden im Flieger ist die Hitze wie ein Schlag mit der Keule.

Theoretisch stünde Passagieren von Emirates auch ein Zimmer im Transithotel in DXB zu, so sie mehr als 8 Stunden Aufenthalt haben – und eine ruhige Ecke zum Hinlegen und Augen schliessen wäre sehr schön. Praktisch ist das Ding stets mehrfach überbucht, und die Aussicht, ein Zimmerchen zu ergattern, ist nur in Minuszahlen auszudrücken. Immerhin spendiert EK aber auch allen Passagieren, die mehr als 4 h warten müssen, ein Essen für lau, sofern sie nicht gerade nach 3 Uhr nachts was essen wollen. Mit Bordkarte des ersten und zweiten Fluges wird man in ein Buffetrestaurant geführt. Als wir beschliessen, das Angebot tatsächlich zu nutzen ist es 1 Uhr nachts, und es gibt ein Buffet mit einer kleinen Salat- und Dessertecke, etwas Brot, weissem und buntem Reis, Kartoffelbrei, Gulasch, Pasta mit Sauce, Lammtopf mit Bohnen und einer Handvoll Currygerichte in der Warmhalte. Ich entscheide mich für Reis, Aloo Bhindi und etwas Saag Gosht, Torsten probiert Lamm mit Bohnen. Das Spinat-Lammcurry ist extrem lecker, das Kartoffel-Okra-Curry ebenfalls gut, ein herumlaufender Kellner hat ungefragt Apfelsaft, Wasser und Osaft ausgeteilt – wer sich nicht meldet bekommt automatisch Osaft.

Aber für mehr als eine Stunde ist auch dieser Stop nicht gut, so gemütlich ist es dann auch nicht, und so tappen wir des Nachts durch den Airport, um uns ein ruhiges Plätzchen zu suchen. In der Haupthalle liegen überall schlafende Menschen, auf, neben, hinter, unter, vor Sitzgruppen, die Inder oft in Gruppen nebeneinander aufgereiht, Kopf unter den Sesseln, in bunte Tücher oder Decken bis über den Kopf gehüllt, was dem ganzen bisweilen einen morbiden Beiklang von aufgereihten Leichen verleiht. Aber auch auf (viel zu kurzen und viel zu selten vorhandenen) Liegesesseln, quer oder verkrümmt in Sitzen mit Armlehnen zu beiden Seiten liegend und in manch anderen furchtbar unbequemen Haltungen kann man Menschen dösen oder gar schlafen sehen.

Dabei erweist sich das mit dem Schlaf als ein ziemliches Unterfangen. Endlich haben wir im Nebentrakt einen halbwegs ruhigen Ort gefunden, als sich ein Trupp junger Araber bewaffnet mit McDonalds-Tüten neben uns niederlässt und trotz nachtschlafender Stunde laut palavert. Wir ziehen etwas weiter, an ein Gate, an dem zwei Flüge nach Japan in Kürze abgehen sollen. Dachten wir. Lektion des Tages: zumindest in Dubai kommen Japaner auch in Gruppen noch ganz selbstverständlich 10-20 Minuten nach Schliessen des Gates angetapert und werden an Bord gelassen. Da macht man dann noch fix ein Foto von sich vor dem Counter, oder erklärt der Stewardess, dass man ja schon nach Osaka mitfliegen wolle (das Gate ist zu diesem Zeitpunkt schon 15 Minuten dicht), aber noch auf jemanden warte, da fragen Flight Attendants mehrfach dösende Passagiere, die vor dem Gate herumhängen, ob sie mitwollen, ehe diese sich 25 Minuten nach geschlossenem Gate bequemen, doch mal einzusteigen… sowas habe ich noch nicht erlebt.

Ein Security-Fritze des Airports am Gate nach Nagoya wiederum hat Basarlautstärke drauf und meint dem Kollegen irgendwas Prahlerisches über die Technik der Triple-7 erklären zu müssen und stört sich auch nicht daran, dass diverse Leute in einer Ruhezone mit Liegesitzen direkt vor seiner Nase zu schlafen versuchen. Den Vogel schiessen dann drei verschleierte Frauen irgendwo aus dem Emiraten nebst Kinderwagen ab, die um 3:35 Uhr eine fröhlich laute Tratschrunde auf den Liegesesseln aufmachen. Erneut ergreifen wir die Flucht.

Schliesslich haben wir vor Gate 144 eine ruhige Zone gefunden, in der Sitzbänke ohne unterteilende Armlehnen stehen, die so gut wie unbelegt sind. Es ist zwar relativ kalt, und am Nachbargate hat die Security die Funke auf Maximum gestellt, was Schlafen effektiv verhindert, aber wenigstens brüllen nicht direkt über uns Lautsprecher die Flugansagen raus, und der Durchgangsverkehr hält sich nach dem Abflug der Frühmaschine nach Mumbai in Grenzen. Wir nicken ab und zu weg, soweit das die schmerzenden Halsmuskeln und die schwarzafrikanische Betreiberin des Coffeeshops auf der anderen Seite zulassen, die sich auch schon mal 25 Meter durch den Raum mit einem anderen Afrikaner unterhält. Punkt 5 Uhr leiert dann das Morgengebet als Singsang aus den Lautsprechern…

Ohne wirklich viel Schlaf tappsen wir weiter. Dabei sehen wir uns das neue Terminal in Dubai an, an welchem auch der A380 andockt. Leider kann man durch die dekorativ mit Mustern versehenen Scheiben so gut wie nichts von der Aussenwelt erkennen – der innere Aufbau erinnert uns stark an den neuen Flughafen in Bangkok. Hier entdecken wir dann auch eine Infotafel, die nicht nur die Flüge einer bestimmten Gate-Reihe oder der nächsten zwei Stunden anzeigt, wie die anderen Infotafeln im Airport, sondern tatsächlich alle Flüge und alle Gates der nächsten 5 Stunden. Wir erfahren, dass unserer an Gate 140 abgehen soll. Also wieder den ganzen Weg zurück.

Der Magen knurrt nun deutlich, aber mit Ausnahme des Duty Free Shops nimmt keiner der Essensstände im Airport Kreditkarte, nicht mal Starbucks. Irgendwie finde ich das paradox. Ich hätte natürlich 10 Euro bar in Dirham tauschen können für den Stop, aber irgendwie ist mir das zu blöde. Also warten wir auf die Flugzeugnahrung und essen die aufgesparten Cracker vom Herflug.

Während wir an Gate 140 warten, wird der Flug für 8:05 nach Mailand angeschrieben. Eine Frau die neben uns sitzt und mitbekommen hat, dass wir Deutsch sprechen, nutzt die Gelegenheit zu fragen, ob wir auch nach Singapur wollen und der doch erst um 9:40 dran sei. Wir bestätigen das und verziehen uns unauffällig in die Ecke, in der die Passagiere für Auckland warten. Im Abstand von 5 Minuten schickt Emirates allen Ernstes zwei Flüge nach Auckland (vermutlich über unterschiedliche Routen), knapp 120 Minuten darauf geht ein weiterer… alles rappelvoll.

Als es dann endlich soweit ist und wir in das Gate dürfen, haben wir durch die Scheiben des alten Terminals einen Panoramablick auf den Anfang der Startbahn. Unentwegt rollen Flugzeuge vor uns, drehen vor unserer Nase um 180 Grad und starten. Wieder ein mal müssen wir den Weg zum Flugzeug mit Bussen und über Treppen antreten.

Nach einem unspektakulären Flug mit einer weiteren Boeing 777-300 ER landen wir endlich um 21:25 Uhr Ortszeit in Singapur. So ergibt es sich dann auch, dass wir über 10.000 km von zu Hause unseren ersten A380 vor die Augen bekommen.