Kurz vor 10 Ortszeit (abends) sind wir also in Singapur angekommen. Recht spät, es war schon dunkel, und nach der langen Anreise wollten wir uns keinen Stress machen. Schnell noch Geld gewechselt, dann raus aus dem Airport. Am Ausgang des Terminals haben wir uns einen Mini-Bus gebucht, der uns zum Hotel bringen sollte. Für gerade mal knapp fünf Euro pro Person kein schlechter Deal. Wir mussten nur eine knappe Viertelstunde warten bis der Bus kam, um uns zum Hangout@Mt.Emily zu bringen. So bekamen wir noch eine kleine Singapore at Night Tour, und wurden dann direkt vor der Tür abgesetzt. Laue Luft umfing uns.

Im Hangout wurden wir freundlich begrüßt. Neben den normalen Doppelzimmern dient das Haus auch noch als Jugendherberge mit Schlafräumen. Wir bezogen unser Doppelzimmer im fünften Stock. Einfach eingerichtet mit Bett, Tisch, kleinem Schränkchen und einem Bad mit Wanne/Dusche. Nichts besonderes, aber ausreichend. Die Dusche allerdings spuckte nur kaltes Wasser aus. Nach 36 Stunden unterwegs war aber auch das egal. Endlich sauber, Schweiss und Dreck von der Haut haben.

Von der Anreise so geschafft haben wir prompt heute das Frühstück verpennt. Es kann nur besser werden. Wir machen uns auf den Weg durch den Mt. Emily Park, der direkt an das Hangout angrenzt. Insekten geben laut sirrende Geräusche in den Bäumen von sich, die wie Elektrosummen klingen, ein älterer Chinese absolviert morgendliche Walking-Runden durch den angenehm schattigen Park. Hier wartet auch der Cache Emily Rose auf uns. Torsten hat noch etwas Bedenken, in das Buschwerk an einem tropischen Baum zu greifen, wer weiss was da alles krabbeln und beissen könnte… aber wenig später ist der Cache gehoben und auch der reisende Schotte auf den Weg gebracht. Ein guter Start.

Nach etwa 10 Minuten Fussweg kommen wir an der nahen MRT-Station Little India an, und fahren nach Chinatown, nachdem wir das halbwegs intuitive System des Ticketziehens durchschaut haben. Die MRT fährt natürlich im Linksverkehr, an den Stationen sind Schiebetüren und Trennwände die die Schienen von der Station abschirmen. In den einzelnen Stationen weisen Kunstwerke auf die lokale Tradition hin – in Little India sind es traditionelle indische Motive, die ein lokaler Künstler modernisiert und auf die Wände aufgebracht hat, in Chinatown auf die Kachelfussböden gedruckte Kalligraphien eines Kalligraphie-Meisters, die eine Phoenix-Geschichte erzählen.

Untitled

Hier lassen wir uns dann, als wir aus der Station raus sind (und unsere Plastikkarten-Tickets wieder gegen den Deposit von 1 Singapur-Dollar rückgegeben haben), einfach vom Instinkt führen und sehen uns mit großen Augen um, nach einer Fussgänger-Einkaufsstrasse die gerade erwacht folgen chinesische und auch hinduistische Tempel, und nach ein paar Ecken nebst dringend benötigtem Grüntee-Stop bei 7-Eleven landen wir quasi zufällig im Maxwell Road Food Court.

Maxwell Rd

Untitled

Einen Block weiter in einem anderen kleinen Park verbirgt sich dann der Cache, Telok Ayer. Und wieder sind wir erfolgreich.

Von dort aus sind es quasi nur ein paar Schritte ins Bankenviertel, da wo Singapur tatsächlich wie die Metropole aussieht die wir erwartet hatten, und auch nicht weit zum Lau Pa Sat, einem bekannten Food Centre in einer alten viktorianischen Halle.

Untitled

Singapur ist eine Stadt die uns immer wieder überrascht. Wo manche Grossstädte einen erschlagen mit Wolkenkratzern, ist hier selbst im dichtesten Gedränge des Business District immer noch Luft und Platz zwischen den riesigen Bankgebäuden, für breite Fussgängerbereiche und Parkanlagen, in denen Kultur läuft oder an denen der neueste Getränke-Hype, ein Kollagenwasser, angepriesen wird, überall hat man genug Raum und Luft zum atmen, sehr angenehm. Lau Pa Sat ist uns zu touristisch – das mag auch an der Lage liegen – recht steril und einheitlich, umringt von Bürogebäuden und breiten Verkehrsstrassen, aber wir kaufen einen Eiskaffee, Kopi Ais, starken gesüssten Instantkaffee mit viel Eiswürfeln, und tapsen dann weiter.

Singapore

Gemütlich und eher ziellos schlendern wir zwischen den Hochhäusern hindurch, machen auch schon mal Halt in einem Food Court im Tiefgeschoss unter den Business-Blocks, um den Luxus der klimatisierten blitzsauberen Toiletten zu geniessen und mal aufs Angebot zu schauen, dann gehen wir weiter und stehen unvermittelt am Boat Quay, Singapurs grosser Touri-Meile.

Hier reihen sich in alten Häuschen entlang der Wasserlinie (teure) Restaurants aneinander. Nach einer kleinen Pause am Ufer des Singapore River, im Schatten der Banken, machen wir die Runde über die Brücke, entlang an Parlament, Supreme Court und einem grossen Museum. Nun passiert es uns das erste mal dass die Restaurantbetreiber nicht die anscheinend weit verbreitete singapureanische Zurückhaltung an den Tag legen sondern versuchen uns aggressiv als Kunden anzuwerben. Selbst wenn wir Hunger hätten, wäre das die beste Methode uns zu vertreiben…

Es ist heiss und wir stellen bei einem Halt im Schatten eines Baumes fest dass wir es bis zur besten Mittagsglut geschafft haben. Vor uns liegt ein spacig aussehendes Gebäude – was das wohl ist?

Esplanade

Auf der Wiese des Museums treibt eine Schulklasse Sport. Schwer vorstellbar dass bei uns eine Schule auf einer öffentlichen Grünfläche Sportunterricht abhalten dürfte. Schräg gegenüber erheben sich die prachtvollen Gemäuer des Fullerton Hotel in all ihrer Kolonialpracht. Wir gehen durch eine Unterführung unter einer Hauptverkehrsstrasse zu dem Gebäude, das sich als The Esplanade entpuppt, und spazieren um die Konzerthalle herum. Auf einer Open-Air-Konzertfläche legen wir ein Päuschen ein, schiessen einige Fotos, unter anderem vom wasserspeienden Löwen, dem Wahrzeichen der Stadt.

Untitled

Dann laufen wir weiter, über breite Strassen, mit dem Ziel Raffles Hotel vor Augen, doch zuerst durchqueren wir eine grosse unterirdische Mall, die sich bis zur Raffles Place MRT Station zieht. Hier verfranzen wir uns zunächst. In einem japanischen Restaurant gibt es Yuzi-Icecream, ich nehme an Yuzu, aber ich probiere sie dann (leider) doch nicht.

Bei 7-Eleven füllen wir unsere Getränkevorräte auf, dann gehen wir weiter, spazieren durch die Stadt, natürlich auch am legendären Raffles Hotel vorbei, kommen ein ganzes Stück später – nachdem wir die Maut-Verkehrsschildbrücken auf den Hauptstrassen gen CBD beäugt haben –  zur MRT Station Bugis Junction. In einem der grossen Kaufhäuser, BGH, geht es erneut in die Food Mall. Hier gibt es neben vielen anderen Kleinigkeiten auch einen japanischen Takoyaki-Stand, nach Butter duftendes Gebäck, einen Süsskramladen der auf Japanisches spezialisiert ist…

Langsam schmerzen die Füsse. Aber vor uns liegt noch ein Geocache am Parkview Square, einem Gebäude, das Petra gestern aus dem Taxi schon mit “das sieht aus wie aus Ghostbusters” kommentiert hat – es ist ein monströses aber elegates Neo-Art-Deco Gebäude, das sich an Vorlagen aus NYC orientiert und einen kleinen Kunstpark sein eigen nennt.

Untitled

Untitled

Nach einer kurzen Verschnaufpause und dem Heben des Caches spazieren wir langsam weiter, an alten chinesischen und hochmodernen Glas-Stahl-Gebäuden vorbei, kaufen unterwegs noch einen Adapter für unsere Elektrogeräte, und kommen schliesslich am späten Nachmittag in Little India an. Hier ist alles fröhlich bunt für Deepavali dekoriert, und in den winzigen Marktsträsschen pulsiert das Leben laut und in Technicolor – zu laut, zu intensiv für unseren momentanen Geschmack. Obwohl hungrig, beschliessen wir, ins Hotel zurückzugehen und erst mal zu duschen.

Das GPS wirft eine gelaufene Strecke von 25 km aus, kaum zu glauben dass wir bei den tropischen Temperaturen so einen Gewaltmarsch gemacht haben, das kam uns gar nicht so weit vor.

Als wir bei Dunkelheit aus dem Hangout kommen, hat es draussen geregnet, die Luft macht auf türkisches Badehaus. Wir nehmen den anderen Weg den Mount Emily hinab, in Richtung Orchard Road, und kommen an einigen recht toten bzw. im Umbau befindlichen Bürokomplexen vorbei, kaufen bei einem Watsons noch schnell Sonnenmilch, beäugen im Dunkeln die titanischen Dimensionen der Baugrube für das neue Gebäude der Singapore School of Arts (SOTA), und stoppen schliesslich an einem Kopitiam an einer Strassenecke, eine dieser typischen Essecken der Stadt, wo wir unser frugales Abendessen einnehmen.

Auf dem Rückweg halten wir an einem 7/11 um Getränke zu kaufen und entdecken dabei im Gebäude dahinter einen grossen Cold Storage Supermarkt, bei dem wir uns eindecken, ehe wir langsam wieder den Mt. Emily erklimmen.

Nach etwas Chatten mit Freunden in Europa, die gerade von der Arbeit nach Hause kommen, fallen wir in tiefen festen Schlaf.

Einen Bericht der kulinarischen Abenteuer des Tages gibt es hier bei Foodfreak zu lesen.