Noch vor dem Frühstück fragen wir per Mail beim Heeren House in Melaka an, ob die noch ein Bett für uns frei haben morgen nacht, dann tappsen wir zum “Frühstücksbuffet” des Hangout@ Mt. Emily, welches im Restaurant im EG aufgebaut ist. Das Buffet entpuppt sich als: Teebeutel und heisses Wasser, wahlweise Kaffee aus einem Nescafé-Automaten, Pseudo-Vollkorntoast samt Durchlaufgastrotoaster, eine Kreuzung aus Rührei und Omelette in einer Warmhalte, dito kleine gummiähnliche Würstchen, Saft- und Wasserkrüge (aromatisiertes Fruchtsaftzeugs, bis auf den Apfelsaft), eiskalte geschossähnliche Butterstücke, Erdnussbutter und eine rote Paste die an Tapetenkleister erinnert und Erdbeermarmelade darstellen soll.

Das Essen schmeckt grausig, der Kaffee geht gerade eben so durch, und nachdem wir unseren Flüssigkeitsbedarf mit etwas Apfelsaft vorsorglich gedeckt haben und uns freuen dass wir gestern das Frühstück verpennt haben, checken wir nochmal Mails – yippie, die Antwort von Bernard & Liz aus dem Heeren House ist da, wir können morgen bei ihnen schlafen, sie möchten nur gern dass wir vor 16 Uhr anreisen. Gut, unsere Busstrecke wollen wir heute ohnehin klären.

Wir machen uns auf den Weg zum Busdepot an der Lavender Street, von dem aus die Überlandbusse nach Malaysia, vor allem nach Melaka, fahren. Wir wollen nicht bloss sicherheitshalber unser Ticket für morgen buchen, sondern vor allem auch sehen wie lange wir vom Hotel dorthin brauchen.

In der Nacht hat es geregnet und die Luft ist wie warme Suppe, gestern war die Morgenluft angenehm, heute ist beinahe jeder Schritt und Atemzug eine Qual. Wir laufen bis zur MRT Little India, fahren dann eine Haltestelle weiter bis Farrer Park. Wir könnten das auch laufen, aber morgen mit Gepäck werden wir über jede Erleichterung froh sein, also simulieren wir die Strecke genau so.

Nach einer guten Stunde Fussweg, mit einem kleinen Kühlstopp in einem 7-11, stehen wir an der Lavender Street, einer langen geraden Hauptverkehrsstrasse. An dieser Ecke scheinen sich die (chinesischen) Begräbnisunternehmen der Stadt zu häufen. Das Busdepot entpuppt sich als ein grosser Parkplatz im Nichts, davor eine Reihe überdachte Sitzbänke, ein paar winzige Kartenverkäuferbuden und ein Klohäuschen. Das hatten wir uns etwas anders vorgestellt…

Alle Busunternehmen scheinen in Malaysia ansässig – wahrscheinlich ist die Busanmeldung da auch etwas günstiger, und fahren nach Johor Bahru und Melaka und noch einige andere Routen. Wir müssen noch ein wenig warten bis die Verkaufsbuden aufmachen, die ersten Busse fahren auch erst um 08:00 bis 08:30 Uhr ab.

Schliesslich machen die Verkäufer ihre Lädchen auf – wir entscheiden uns für Delima, die einen guten Ruf haben (und ausserdem schon da sind) – und stellen fest dass wir nicht mehr genug Bares haben um das Ticket zu bezahlen. Suuuuper Planung. Kartenzahlung ist hier natürlich nicht möglich. Wir erkundigen uns nach einem Geldautomaten (ATM, automated teller machine) und haben Glück: knapp 200 Meter entfernt ist eine Tankstelle, in der sich ein Geldautomat befindet.

Quer über die Wiese mit einem Trampelpfad – ich überlege kurz welche horrenden Strafen Singapur wohl für Jaywalking auf Grünflächen verhängen mag – marschieren wir zur Tanke und wieder zurück, bis wir schliesslich unsere Tickets für morgen 8:00 in der Hand halten. Dieser Abschnitt wäre geschafft… und um das Frühstück das wir verpassen werden ist es ohnehin nicht schade.

Wir laufen die Lavender Street hinab bis zur MRT-Station mit demselben Namen, eine Strecke die sich zieht. Kommen am Transstar-Busdepot nur wenige hundert Meter die Strasse hinab vorbei, dann haben wir endlich die MRT erreicht.

In der relativen Kühle der klimatisierten Schnellbahn entspannen wir das erste Mal heute wieder. Nächster Stop: Sentosa Island. Naja, fast.

Wir fahren die MRT bis zur Endhaltestelle am Hafen und suchen zunächst noch einen Cache, einen Railroad Steam Crane, also einen alten dampfbetriebenen Kran, der gut versteckt hinter einem riesigen Gebäude steht.

Railroad Steam Crane

Der “Harbor View” an der Station Harbour Front ist heute sehr hypothetisch, denn zwischen uns und Sentosa Island liegt ein monströses Kreuzfahrschiff, das alles verdeckt.

Nachdem wir den Cache gehoben haben, begeben wir uns in die Mall, in der auch der Zugang zur Monorail nach Sentosa versteckt sein soll. Versteckt ist der richtige Ausdruck… das riesige Shoppingcenter, das sich hier am Hafen entlangwuchert (und offenbar auf reiche Kreuzfahrtouristen ausgelegt ist, einschliesslich “Zollterminal” und Gates für die Kreuzfahrer) ist wahnsinnig unübersichtlich und es ist so ziemlich alles ausgeschildert, nur Sentosa nicht.

Wir suchen uns Stockwerk für Stockwerk durch und sind bereits wieder unten an der MRT angekommen, bis wir einen Hinweis finden und nach 3 Umwegen doch noch am Schalter für die Monorail stehen. 3 Singapur-Dollar pro Nase sind fällig, die Karte gilt für Hin- und Rückfahrt und als Eintritt in das Freizeitparadies.

Die kleine Bahn mit zwei Waggons bringt uns über den Hafen hinüber nach Sentosa, eine mögliche weitere Haltestelle ist ganz am Anfang vorgesehen, hier entsteht eine gigantische Mall mit Nobelresort, in dem wohl auch irgendwann Gordon Ramsay ein Restaurant aufmachen wird – momentan ist es aber nur eine Baugrube von gargantuanischen Ausmassen aus der überall Pfeiler, Verschalungen und Verstrebungen ragen soweit das Auge reicht. Ich weiss ehrlich gesagt nicht wer das alles füllen soll, die Mall aus der wir gerade kommen wirkt eher wie ein Millionengrab – aber das soll nicht meine Sorge sein.

Wir haben einen guten Blick auf die Seilbahn vom Mt. Farber, die wir dann nun doch ausgelassen haben, und beschliessen spontan erst mal bis zur Endhaltestelle, “Beach”, zu fahren. Meerluft, Strand – genau das was wir jetzt brauchen.

Sentosa

Der Strand hier ist künstlich aufgeschüttet, das tut der Freude darüber, die Füsse ins laue Wasser des Indischen Ozeans stecken zu können und nach zwei Tagen Anreise und einem Tag Sightseeing im Asphaltdschungel mal so richtig entspannt durchzuatmen, keinen Abbruch. Die Palmen rauschen, die Sonne scheint, der Himmel ist fast blau, was will man mehr?

Der Blick hinaus auf die Strasse von Malacca und die Industrieinseln Singapurs hat etwas unwirkliches.

Untitled

Wir besteigen einen der hölzernen Aussichtstürme und blicken gen Westen.

Sentosa, Lookout

Schiff an Schiff reiht sich hier in den Stau der wohl am dichtesten befahrenen natürlichen Seestrasse der Welt.

Sonst ist heute hier (noch) nicht viel los, was uns ganz recht ist. Wir erledigen noch den Cache am Southernmost Tip of Asia (ob Singapur nun wirklich der südlichste Punkt von Festlandasien ist könnte man bestreiten, aber sei’s drum), dann spazieren wir den Strand wieder hinauf und erwischen eine der dieselbetriebenen Touribummelbahnen, die in zwei Routen die Strände abfahren, und an der Beach-Haltestelle steigen wir um, denn wir wollen zu unserem eigentlichen Ziel – der Underwater Seaworld.

Southernmost Tip of Asia

Das ist so ziemlich der einzige Pflichtpunkt auf dem heutigen Programm, seit ich das erste Mal davon las wollte ich in dieses Aquarium, das einen 83 Meter langen Tunnel sein eigen nennt, in welchem man durch die Unterwasserwelt läuft.

Mittlerweile ist die Mittagszeit wieder einmal durch, und trotz schwüler Hitze meldet sich so langsam der Magen. Aber alles was es gibt ist überteuertes Fast Food, und so essen wir einfach nur ein Eis, Grünteeeis mit roten Bohnen, sehr schräg und asiatisch, ehe wir uns in das Aquarium begeben.

matcha ice cream and red beans

Die etwa 12 Euro Eintritt sind für asiatische Verhältnisse ganz schön teuer, aber schon bald wissen wir, dass sich jeder Cent für den Eintritt für uns gelohnt hat…

Es beginnt mit einem Streichelzoo für Fische direkt am Eingang. Kein Scherz! Ein auf Kleinkinderhöhe abgestimmtes Becken mit zahmen Fischen, Hinweis: bitte nicht zu ruckartig berühren die Viecher erschrecken sich sonst, befindet sich direkt hinter dem Eingang – hier kann man wirklich Fische streicheln und die versammelten Spezies lassen sich das auch gleichmütig gefallen.

Direkt dahinter befindet sich ein nicht viel höheres Becken voller kleiner Rochen, die man füttern kann, und die mit eleganten Manövern und viel Wassergespritze durch das Becken segeln und gleiten, dass es eine Freude ist, nicht selten mit den Seitenkanten an der Scheibe entlangflappend. Die anwesenden Familien haben einen Riesenspass, wir betrachten uns die Rochen vor allem aus der Unterwasserperspektive.

In kleineren Aquarien am Eingang kann man kanariengelbe Seepferdchen beäugen, und Weedy Sea Dragons, eine Seepferdart die wie eine Pflanze aussieht.

Wir sehen Seesterne und Seeigel, dann folgen zwei riesige Becken mit noch viel riesigeren Fischen.

arapaima

Es sind Süsswasserfische aus dem Amazonas, die eine Sorte sieht aus wie ein dicker Hecht, sicher 2 Meter lang, ein Arapaima, die andere wie aufgepustete Doraden oder Piranhas in Reifengrösse. Ausserdem gibt es Becken mit Nautilusschnecken und viele verschiedene Krebsarten zu bewundern.

Und nun geht es die Treppe hinab in das was die Underwater World ausmacht: Den Tunnel.

In der Mitte läuft ein Förderband auf das man sich stellen kann und treiben lassen, das ist aber nicht wirklich zu empfehlen, da man schnell schwindlig wird vom Gucken, der Lichtbrechung im Tunnel und der Bewegung, vor allem aber hat man dann nicht genug Zeit die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen.
Viele verschiedene Fische bevölkern das Becken, darunter diverse Haifischarten die einen auch schon mal anglubschen – und Rochen. Blaupunktrochen, Stachelrochen, riesige Adlerrochen, kleine engelhaft wirkende Rochen mit ausgeprägten Gesichtern… die Rochen scheinen die Strömungsverhältnisse auf der Tunnelrundung zu mögen.

shark

Immer wieder gleiten sie über uns hinweg, wie gigantische Fensterleder die die Wölbung abwischen, und ich kann mich gar nicht satt sehen an diesen wunderschönen Geschöpfen, stehe mit grossen weit aufgerissenen Kinderaugen und einem blöde glücklichen Lächeln in diesem Tunnel und staune und sehe und staune. Wenn ich jetzt noch überlege dass laut Aquarienbeschreibung die Fische kleiner wirken als sie sind, weil das Glas gekrümmt ist… wow. Grossartig.

Immer noch ganz benommen kommen wir an den Becken mit Quallen vorbei, die wie Wesen aus einer anderen Welt wirken, lassen uns von ihren filigranen Körpern bezaubern, ehe wir dann noch Clownfische und Anemonen und Becken mit bunten Korallenfischen bestaunen.

nemo

Die Hauptattraktion allerdings ist der Tunnel, und das mit Recht. Gegen Abend wird der Tunnel auch bläulich beleuchtet, das muss dann wirklich wie im unterseeischen Wunderland aussehen.

Schade, viel zu schnell ist das Abenteuer Underwaterworld vorbei. Wir könnten noch versuchen in eine Delphinshow zu kommen, mit dem Ticket der UW gibts dafür Ermässigung, aber wir beschliessen, uns lieber auf die Suche nach etwas Essbarem zu machen.

Wir nehmen den gleichen Weg zurück wie her, mit der Inselbummelbahn bis Haltestelle Beach, in der wir auf einen Haufen amerikanischer Touristen im Rentenalter stossen, die ganz offensichtlich von dem grossen Kreuzfahrschiff kommen und sich theatralisch darüber auslassen wie schwer es doch sei die richtige Kleidung für so einen Ort wie Singapur zu finden, man wisse ja GAR nicht was man anziehen solle, aber zum Glück bleiben uns weitere Platitüden erspart als sie am nördlichen Strand aussteigen. Wir fahren mit der Monorail zurück bis Harbour Front und ab hier, nach einem Stop bei Cold Storage für kalten Tee, Richtung Orchard Road, wo ich in einen Daiso-Store möchte, nach Bentozeugs schauen.

Auch die Einkaufscenter an der Orchard Road haben den etwas chaotischen Basar-Stil der meisten Malls hier, aber wir finden uns schnell zurecht, nachdem wir die Rolltreppensystematik endlich kapiert haben. Daiso ist randvoll mit Weihnachtsramsch (und Menschen), die Bentoauswahl ist bescheiden, und so gehen wir nichts mehr einkaufen sondern suchen den lokalen Kopi Tiam für unser Nachmittagsmahl auf, crispy duck noodles.

Ab hier beschliessen wir wieder einmal zum Hotel zu laufen, obwohl die Füsse nach gestern und heute doch noch ganz schön weh tun. Es ist nicht wirklich weit bis zum Mount Emily, eine halbe Stunde später – mit erneutem Stop bei Cold Storage in der Nähe der SOTA-Baugrube – sind wir im Hotel und duschen, mailen dem Heeren House dass wir morgen nachmittag da sein werden. Relaxen etwas, bearbeiten Bilder, ich fange an einen Bericht für Foodfreak zu schreiben.

Zum Abendessen wünsche ich mir nochmal Chinatown. Bei tröpfelndem Regen laufen wir nach Little India, fahren MRT, tappsen bis zur Maxwell Road. Das Tian Tian hat soeben seine letzten Reste Chicken Rice abverkauft und macht zu. Gut, dann eben nicht, wir stoppen an einem Stand der Sweet Potato Dumplings verkauft, frittiertes aus Süsskartoffelteig, während Torsten Häppchen kauft hole ich frischen Zuckerrohrsaft, dann setzen wir uns für einen ersten Snack. Für den Anfang schon mal ok. Wir laufen weiter zum Chinatown Complex, wo wir uns für einen Nudelstand entscheiden – und damit das beste Essen unseres Singapur-Aufenthalts erwischen.

Chinatown Complex, 2008

Satt und zufrieden fahren wir zurück, fangen an zu packen. Morgen geht es weiter nach Malaysia. Aber wir sind sicher, Singapur hat uns nicht zum letzten Mal gesehen.