Von Hamburg bis Hawaii

Unterwegs in aller Welt

Tag 5 – Friedrichshafen – Feldkirch

Der Tag beginnt, wo der Vortag geendet hat – im Restaurant des Hotels Goldenes Rad in Friedrichshafen. Ein kleines aber feines Frühstücksbuffet steht bereit, und ausgesprochen wohlschmeckender Kaffee, grossartige frische Croissants locken, dazu Butter (salzig und süss) und Marmelade, anscheinend von Darbo oder in ähnlich guter Qualität. Wir kosten Schwarzkirschkonfitüre, Erdbeer und Himbeer, alle sind superfruchtig lecker, das Frühstücksei ist gerade noch flüssig wie ich das liebe… ein super Start in den Tag. Nur bei den Säften dürfte die Auswahl durchaus noch etwas mehr regional und bio sein als der Orangensaft aus Konzentrat und der klare Apfelsaft sowie Grapefruitsaft aus der Flasche.

Dann checken wir aus, tragen unsere Tasche zum Parkhaus, verstauen alles, und gehen ins Zeppelinmuseum. Die Kamera haben wir bewusst nicht mitgenommen, dafür lassen wir die Exponate auf uns wirken.

Das Herz des Ganzen ist ein originalgetreuer Nachbau eines winzigen Anschnitts aus der LZ 129 Graf Hindenburg. Hier versteht man warum das Ding Luftschiff hiess – die Maße ähneln denen der Titanic. Viele Exponate rund um die Entwicklung der Zeppeline führen durch die Geschichte des Luftschiffbaus nebst ihrer Verzahnung mit den Größen (nicht nur) der deutschen Politik, Technik und Wissenschaft – Linde, Maybach, Dornier, Daimler, um nur ein paar zu nennen – bis hin zu Arthur Eichengrün.

Sonderlich gross ist das Museum allerdings nicht, und eine technische Sonderausstellung ist gerade wegen Umbaus geschlossen. Blöd für uns. So machen wir uns am späten Vormittag auf den Weg nach Österreich, und da wir nicht noch ein Bapperl kaufen wollen für die paar Kilometer in den Vorarlberg, fahren wir Bundesstrasse.

Unterwegs stoppen wir an einem Flugplatz und in Hohenems, um Caches zu suchen. Burg Alt-Ems entpuppt sich dabei als historisches Kleinod, eine der grössten Wehranlagen des Mittelalters.

Dann fahren wir weiter bis nach Feldkirch, wo wir uns am frühen Morgen per eMail ein Hotelzimmer für zwei Nächte reserviert haben, im Hotel Weisses Kreuz, das hauptsächlich Bustouristen versorgt und sehr verkehrsgünstig an der Autobahn und zwischen Bodensee, Großem Walsertal, Liechtenstein (und der Schweiz) liegt – auch für uns der Grund hier zu stoppen.

Das Hotel kann mit dem in Friedrichshafen leider nicht mithalten – aber für zwei Nächte zum Schlafen wird es gehen, und auch hier gibt’s WLAN. Allerdings nur für Geräte, auf denen der Browser ein Pop-Up zulässt.

Wir werfen einen Blick auf geocaching.com, auf die Karte – ein Pocket Query der Umgebung hatten wir uns schon heute morgen gezogen, zusätzlich packen wir noch zwei Multis aufs GPS und fahren erst mal los die nähere Umgebung unsicher machen und den lokalen grossen Interspar analysieren.

Schliesslich landen wir in Rankweil, wo wir nach einem Blick auf die Karte zweier arg geschlossen wirkender gastronomischer Betriebe (eine Brauereigaststätte, die wirklich zu hat, und der Gasthof Zur Taube mit Preisen wie das Goldene Rad und brauchbar klingendem Angebot), den Tradi Josef Sigmund Nachbauer – Denkmal heben, der weniger wegen der namensgebenden Statue als wegen des daneben stehenden Mammutbaums sehenswert ist.

Als nächstes wandern wir im Sonnenschein den Multi rund um die Basilika Rankweil ab. Eine hübsche Runde an einem interessanten Ort.

Unterhalb der Basilika gibt es auch ein Café mit Namen Burgberg, aber das Angebot lockt ebensowenig wie das Ambiente und die Gäste. Stattdessen beschliessen wir, in Feldkirch noch ein paar Tradis zu suchen und dabei in der Innenstadt nach einem Gasthof Ausschau zu halten, in dem wir ein spätes Mittag- oder frühes Abendessen einnehmen können.

Eine blöde Idee.

Feldkirch hat nicht nur eine abartige Verkehrsführung und Durchgangsverkehr wie eine Großstadt, nein der Ort der die Wirtschaftskammer Vorarlberg, die Arbeiterkammer Vorarlberg, das größte Landeskrankenhaus Vorarlbergs, das Vorarlberger Landeskonservatorium und das Landesvermessungsamt beherbergt, hat ausserdem ganze 30.000 Einwohner und anscheinend kein wirkliches Leben. Trotz wunderbaren Wetters sind gastronomische Betriebe, so sie denn vorhanden sind, leer und/oder geschlossen, Freiterrassen mit Cafébestuhlung ungenutzt, die Innenstadt hat mehr Strumpfgeschäfte und Juweliere als Hotels, Dönerbuden und Eisdielen und Kettenbäcker bestimmen das Speisenangebot, und ansonsten prangen unter wunderschönen alten Fassaden auf denen zahlreiche Traditionsgasthäuser angeschrieben stehen die ewiggleichen Shoppingketten – Gasthof, oder auch nur schönes Kaffeehaus: Fehlanzeige.

Immerhin finden wir einen Metzger mit warmer Theke, der guten selbstgemachten Leberkäs auf Semmeln anbietet, und stillen erst einmal unseren Hunger. Wir tappen weiter durch die Fussgängerzone, die seltsam leer und tot und mit sinnlosen Souvenirshops zugepropft ist. Feldkirch ist ganz offensichtlich komplett auf (Tages-) Bustourismus ausgelegt der wenn dann woanders isst. Nicht zum ersten Mal in meinem Leben erwischt mich das kalte Gruseln angesichts lebloser österreichischer Orte. Diese Stadt hat soviel Flair wie eine Discount-Beerdigung.

Wir beschliessen, das Essen abzuhaken, und gehen stattdessen im Intersparmarkt an der Tiefgarage (beim Holiday Inn) plündern, in der unser Auto steht, kaufen uns eine Flasche österreichischen Wein, ein paar Brötchen, ein Dreierangebot Wammerl, Karreespeck und noch ein Geräuchertes, und fahren zurück in unser Hotel, wo wir uns ein frugales aber leckeres Mahl bereiten. Irgendwie habe ich mit Österreich und Küche nur selten Glück

Bei etwas Fernsehen und Chatten mit Freunden suchen wir uns Caches für den morgigen Tag raus und gehen dann früh schlafen.

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1 Comment

  1. Geh zur Zeit mal nach Kitzbühel und Umgebung – lauter hochgeklappte Gehsteige, überall tote Hose 😉

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