Am fünften Tag sah es schon viel besser aus. Wir waren ein weiteres Mal früh wach und genehmigten uns ein knappes ungesundes Hotelfrühstück. Dann ging es wieder auf die Straße. Uns stand die längste Tour unserer kleinen Rundreise bevor. Deswegen fuhren wir auch keine Seitenstraßen.

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Auf der Autobahn machten wir erst mal Strecke um einen ersten Earthcache zu besuchen. Vor Ort standen wir in einer großen Ebene, in der nicht groß etwas Geologisches zu erkennen war. Hier machten wir auch Bekanntschaft mit unserem ersten kanadischem Zug.

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Nach einer schnell erledigten Aufgabe ging es weiter nach Rock Glen bei Arkona.

Auch hier sollten wir drei schnelle Punkte machen, denn drei Earthcaches reihten sich um die Schlucht und den Wasserfall, den es hier gibt. Die Gegend ist sehr schön mit einem Trail über Holzstege und -treppen ausgebaut, und unter dem Wasserfall können sogar Fossilien gefunden werden. Unser Fossil haben wir aber dort liegen lassen, es hätte unser Fluggepäck unnötig erschwert.

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Hier machten wir auch das erste Mal Bekanntschaft mit einer typisch kanadischen Eigenheit, die uns noch öfters begegnen sollte: Selbstabfertigung. In vielen kanadischen Naturschutzparks muss man Eintritt bzw. Parkgebühren bezahlen. Nicht selten bedeutet das, es gibt keinen Parkwächter und keine Zugangsbeschränkung – man wirft die geforderte Summe in eine Box, nimmt sich einen Beleg und füllt den mit Kennzeichen und Datum aus, und legt den ins Auto. Nun begab es sich aber dass uns just an diesem Tag das Bargeld ausgegangen war und wir an keinem ATM vorbei kamen… was tun? Wir entschieden uns für ‚Schwarz Parken‘ und als jemand von der Parkverwaltung umherlief, fragten wir den, ob er unsere VISA-Card im (vorhandenen) Kassenhäuschen am Parkzugang belasten könne. Die Gelassenheit mit der er das tat, ließ uns vermuten, dass wir in der Vorsaison auch gern hätten schwarz parken dürfen. Aber schließlich fanden wir das Gelände rund um die Rock Glen Falls ja wunderschön, erhaltenswert und wollten gern dazu beitragen.

Die Fahrt führte dann weiter durch das Landesinnere in Richtung Lake Huron.

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Wieder waren es zwei Earthcaches, die in dieser wunderschönen Seenlandschaft lagen. Uns strahlte türkisblaues Wasser an, wie wir es bisher nur vom Meer in Asien kannten. Die Sonne schien und vor uns wuchsen Steine aus dem Boden. Ja, Ihr habt richtig gelesen. Der erste Earthcache hier heißt nicht ohne Grund ‚Rocks that grew‚. Fast kugelrunde Steine, teils bis zu 1,5m im Durchmesser schälen sich hier aus Schieferschichten. Der Anblick ist einfach beeindruckend. So etwas hatten wir noch nie vorher gesehen.

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Der zweite Earthcache einige Kilometer weiter widmete sich den Sanddünen die sich hier an einem feinen Sandstrand entlang schmiegen. Auch hier kann man beim Anblick des Ganzen nicht glauben, dass man sich an einem See in Nordamerika befindet. Es fehlten nur noch die Palmen und höhere Temperaturen und der Ort wäre auch als Karibik oder Asien durchgegangen.

Ipperwash Beach, Lake Huron

Um weiter für Verwirrung zu sorgen, fuhren wir nach Zurich, einem kleinen Ort etwas weiter im Landesinneren. Im Ort sieht man schon, dass die Leute hier sich ihrer Herkunft bewusst sind und auch stolz darauf sind, alte Traditionen aufrecht zu erhalten.

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Etwas anderes Aufrechtes sind die „Ripples of Zurich„, Hinterlassenschaften von Gletschern, die sich hier besonders deutlich zeigen.

Das letzte Stück Weg brachte uns dann zu einem Bed & Breakfast in Mt. Forest, der Carousel Ranch. Wir hätten es uns schon etwas ranchiger vorgestellt, doch es gab nur das kleine Haus mit drei Gästezimmern, Grandpas Garage und ein paar Hühner. Sofort wurden wir soziophob, die Hausherrin versuchte uns gleich in ihr soziales Leben einzubinden. Wir wollten uns noch die Stadt ansehen und flüchteten. Nach einem Abendessen beim Nicht-Koreanischen Koreaner fielen wir erschöpft ins Bett.

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Am nächsten Tag erwartete uns bedeckter Himmel, doch es regnete nicht. Auch die Hausherren, heute mit Ehemann Bill, Country-Musiker, erwarteten uns zum Frühstück. Es gab Pancaces, dick und ordentlich mit Backtriebmittel aufgeflufft, dazu regional hergestellen Ahornsirup von „just around the corner“ und reichlich (hervorragenden!) Kaffee.

Wir zogen nach dem Frühstück bald los. Unseer Gastgeber luden uns ein, sie doch zu einem yard sale in town zu begleiten, aber wir hatten andere Pläne. Wir hatten uns vorgenommen, uns von Cache zu Cache vorzuarbeiten, dabei aber nicht jeden mitzunehmen. Ein ‚lost place‘ Cache führte uns zu nicht länger existenten Dörfern, und obwohl man hier immer noch, relativ gesehen, im dicht besiedeltsten Teil Kanadas ist, findet man überall noch (gemessen an Mitteleuropa) unglaublich viel wilde, ungezähmte Natur, selbst zwischen den Schachbrettern der Strassen und Felder.

Um so weiter wir nach Nordwesten kamen, um so mehr Straßen wurden zu Schotterpisten. Anfangs war uns das noch etwas unheimlich mit unserer normalen Miet-Limousine, doch nach einer Weile stellten wir fest, dass manch asphaltierte Straße holpriger war als die Schotterpisten. Unser Weg führte uns über Holstein und Paisley bis an die nördlichere Küste des Lake Huron bei Port Elgin und Southhampton.

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Der Rückweg zog sich ein Stück an der Küstenstraße um Grand Bend entlang, ein malerisches Örtchen mit Leuchttürmchen und Yachthafen und Fischern.

Dann ging es wieder ins Landesinnere nach Hanover, mit 7000 Einwohner nicht ganz so groß wie das Hannover, das wir kennen.

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Nach dem Stadtbummel nahmen wie etwas ausserhalb noch eine alte Eisenbahnbrücke unter die Lupe, dann fuhren wir nach Carlsruhe, um für eine Freundin ein Beweisbild zu machen. Man merkt schon, woher die Siedler hier kamen.

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Unterwegs sahen wir auch immer wieder mal Mennoniten mit ihren Kutschen, und auffällig ist auch, dass hier jedes Dorf unglaublich viele verschiedene Kirchen und Gemeinden hat; auf den Touren fielen uns Hinweise zu Gemeinden mitten in der Pampa auf, wo ein 400-Seelen-Kaff dann 3 Kirchen, nicht selten prachtvolle Gebäude, besaß. Unsere B&B-Gastgeber klärten uns auf, dass die Gegend als so etwas wie der ‚bible belt‘ Ontarios gilt. Das konnte man sehen. Lustig war auch, dass man auf den Nebenstrassen wirklich von jedermann freundlich und mit Winken gegrüßt wurde, als sein man ein guter Freund über dessen Ankunft man sich freut. Über solche Nebensträsschen gurkten wir dann auch wieder nach Mount Forest.

Dann war der Tag schon spät geworden, und nach einen typischen kanadischen Ketten-Burger vom Fast Food Restaurant ging es auch bald ins Bett. Zu erwähnen wäre noch, dass hier die schlechtesten Burger, die wir bisher probiert hatten, noch besser sind als bei uns beim Goldenen M oder der Königsbratstube.