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Kurz vor 10 kommen wir am Busdepot von Melaka an, um 10 fährt ein Linienbus von Delima nach Kuala Lumpur, den wir auch noch erwischen. Und weiter geht’s. Alles ganz kurzfristig, weil es so gut passt.

Und es geht auch gut los. Der Bus schlängelt sich aus Melaka raus auf die Autobahn. Ungefähr halb voll, viele Einheimische, dazu ein amerikanisches Paar. Das Innendesign des Busses ist fragwürdig. Viel violett mit Mustern. Aber wir müssen uns das ja nur eineinhalb Stunden ansehen.

Nach gut einer Stunde zeigt sich, dass wir mit dem Busunternehmer wohl doch nicht die richtige Wahl getroffen hatten. An einem Anstieg auf der Autobahn hören wir aus dem Cockpit ein bing-bing-bing-bing. Doch der Fahrer fährt weiter. Das Bingen hört nicht auf, und keine fünf Minuten später, noch immer an der Steigung, werden wir langsamer. Und langsamer. Und langsamer. Und wir bleiben auf dem Seitenstreifen stehen.

Der Fahrer steigt aus, sieht sich den Bus und den Motor an, steigt ein, lässt den Bus an. Bing-bing-bing-bing… Der Fahrer steigt aus, sieht sich den Bus und den Motor an, steigt ein, lässt den Bus an. Bing-bing-bing-bing… und so weiter und so fort.

Unterdessen, die Klimaanlage ist inzwischen aus, weil der Motor aus ist, und es wird wärmer, telefoniert der Amerikaner mit seinem Blackberry in seine Heimat und unterhält sich über die bevorstehenden Wahlen. Plötzlich scheint ihn sein Gesprächspartner zu fragen, wo er steckt. Seine Antwort: „Kuala Lumpur“ – kurze Pause – „It’s a city – in Malaysia“. Ich schätze, in sein Ohr klang nur ein „Häh?“ oder ein „Where?“ – Amerikaner.

Draussen ist inzwischen ein Techniker angekommen. Jedenfalls scheint es so. Ein Mofa kam gegen die Fahrtrichtung auf der Autobahn. Der Fahrer macht sich aber nicht die Mühe, abzusteigen. Er besieht sich den Bus von seinem Sitz aus und beschliesst, bald weiterzufahren. Inzwischen wissen wir sicher, dass der Kühlkreislauf überhitzt ist und die Hydraulik aufgegeben hat.

Dann die Rettung: Ein anderer Bus hält. Der Fahrer klärt kurz, wo wir hin wollen. Und er nimmt uns mit. Der neue Bus ist jetzt bis auf den letzten Platz gefüllt und wir kommen nach gut einer Stunde Stillstand wieder unserem Ziel entgegen. Mit neuen psychedelischen Mustern in rot und gelb als Dekoration im neuen Bus. Auch der Amerikaner ist von Innendesign, das an einen bekifften Hippietraum erinnert, begeistert und macht ein paar Fotos.

Bald erreichen wir dann auch die Randgebiete von Kuala Lumpur. Schon hier sind wir nicht so ganz begeistert, was auf die Hässlichkeit der Stadt zurückzuführen ist. In der Ferne sind die Petronas Towers und andere Hochhäuser zu sehen.

Nachdem wir eine Weile durch die Stadt gekurvt sind, setzt uns der Fahrer an der Puduraya Bus Station ab. Doch statt eines modernen oder auch nur großen Busterminals klafft hier eine große Baulücke mit einer hohen Wand, aus der ohrenbetäubende Baugeräusche dringen. Davor scheinen sich stinkende dröhnende uralte Busse auf der Strasse nur so zu stapeln, Lärm und Chaos sind schier unbeschreiblich. Der perfekte Empfang.

Immerhin ist es laut Karte nicht weit in die Petaling Road in Chinatown. Dort soll unser Hotel, das Replica Inn liegen. Und es ist wirklich nicht weit. Wenn nicht so viele Leute auf der Straße wären, wenn nicht alle Verkaufsstände in Chinatown auf wären, und der Verkehr sich nicht laut hupend im Stop&Go durch die Straßen quälen würde.

In der Petaling Road laufen wir natürlich erst mal in die falsche Richtung. Hausnummern gibt es nur vereinzelt, und wenn sind sie von Verkaufsständen verdeckt. Wieder durch die Massen zurück entdecken wir am anderen Ende der Straße das Replica Inn.

Die Rezeption ist noch ganz ok, wenn auch nicht überfreundlich. Wir erledigen den Papierkram und bekommen den Schlüssel. Frühstück gibt’s nicht, war auch nicht mitgebucht, hätte es auch nicht gegeben und braucht man in Chinatown auch nicht wirklich. Das Zimmer ist auf den ersten Blick nicht so schlimm – und wären wir jetzt wieder gegangen, wäre die Zusammenfassung bei „ok, iss eben billig“ geblieben. Sind wir aber nicht.

Über das Farbdesign könnte man sich streiten. Das wichtigste ist soweit ok: Bett einigermassen bequem, WLAN und Klimaanlage vorhanden und funktionsfähig. Der Rest: Das Zimmer deutlich abgenutzt, das Bad in einem Zustand, der miserabel nicht mehr verdient. Wir überlegen, das Zimmer zu wechseln, doch wir lesen erst im Internet nach und beschliessen, dass es schlimmer werden könnte. Hätten wir das nur mal früher gemacht. Aufgrund des (nicht nur) muslimischen Wochenendes geben uns die Reservierungssysteme anderer Hotels alle die gleich Auskunft: ausgebucht. Wir bleiben, ist ja nur zum Schlafen, und beschliessen nach dem Bus- und Hotel-Fiasko, dass wir so schnell wie möglich wieder weg wollen. Und nach dem Busdrama haben wir irgendwie noch viel weniger Lust uns 5 oder mehr Stunden Busfahrt von KL nach George Town anzutun.

Auf der Website von Air Asia finden wir für drei Tage später einen billigen Flug nach Penang. Vom Datum passend. Aber leider akzeptiert Air Asia über das Online-Buchungssystem unsere Kreditkarte nicht, wie wir ja kürzlich schon festgestellt hatten. Wir entdecken, dass es an der KL Sentral, praktisch dem Hauptbahnhof, eine Verkaufsstelle von Air Asia gibt, und nehmen sofort die nächste Bahn dahin. Zur nächsten Station sind es nur fünf Minuten zu Fuß, praktisch um die Ecke, und von da nur eine Station bis KL Sentral.

Dort angekommen suchen wir Air Asia. Schwer zu finden ist es nicht, man muss nur der richtigen Menschenmasse in den Menschenmassen folgen. Es gibt ein Nummernsystem – ziehen und warten. Wir ziehen unsere Nummer und stellen fest, dass noch über hundert vor uns sind. Also machen wir einen Rundgang durch den Bahnhof und ruhen uns in der einzigen Oase der Ruhe – Starbucks im Arrivalbereich des KLIA Ekspres – aus.

Nach einer Stunde warten wir erneut am Air Asia Schalter. Die Zahlen sind nach vorne gerückt, aber wir stehen noch immer gut eine halbe Stunde bis wir dran sind. Viele haben auch schon aufgegeben, uns wurde sogar von einer englischsprachigen Touristin eine Nummer angeboten, sie war aber höher als unsere.

Weitere zehn Minuten später ist alles geklärt. Wir haben zwei Tickets zum Internetpreis ergattert, und unsere Kreditkarte hat AirAsia ohne Zicken akzeptiert. Uns treibt es erst mal in das Hotel des Grauens zurück, aber hier hält es uns nicht lange. Wir beschliessen in den Bukit Nanas Forest Reserve zu gehen. Ein großer grüner Park mitten in der Stadt.

Wir fahren zurück zum KL Sentral und suchen dort den Übergang zur Monorail. Es dauert eine Weile bis wir kapiert haben, dass wir aus Sentral raus müssen, über die Straße, über einen großen Parkplatz und noch mal über die Straße um am Eingang zur Monorail-Station zu stehen. Kleine Stände neben dem Hauptfussweg verkaufen indische Süssigkeiten, passend zu Deepavali.

Auf dem Weg zur Station „Bukit Nanas“ stellen wir fest, dass die Bahn praktisch um den Stadtkern herumfährt. Man hat teilweise einen traumhaften Blick auf die schönere wie auf die (überwiegend) scheussliche Architekur der Stadt. Die Kurven fühlen sich abenteuerlich ob der starken Neigung an. An der Station Bukit Bintang erkennen wir durch das Fenster ein Werbeschild an einem Einkaufszentrum. „Isetan“ steht dran, ein großes japanisches Kaufhaus, schon 2006 waren wir in Bangkok bei Isetan, da wollen wir unbedingt noch hin. Wir memorieren das.

An der Haltestelle „Bukit Nanas“ steigen wir aus.

Das Wetter hat umgeschlagen und es tröpfelt leicht. Wir folgen dem Schild, das zum Eingang des Parkes zeigt. Doch irgendwie müssen wir  diesen übersehen haben. Wir folgen der Aussenmauer, das Tröpfeln hat sich in strömenden Regen verwandelt. Als wir am Ende der überdachten Strecke ankommen geben wir auf. Kein Eingang in Sicht, dafür Land unter. Wir kämpfen uns in den Wassermassen zurück. Immer schleppender wegen der immer größer werdenden Pfützen. Auch eine Möglichkeit, die Zeit totzuschlagen.

Als wir endlich wieder an der Monorail-Station Bukit Nanas angekommen sind, haben wir wohl die Rush-Hour erwischt. Die Schlangen an den Kassen sind lang und die Züge immer noch so kurz wie bisher. Ein Punkt, den ich nicht verstehe. In dieser riesigen Stadt fahren immer nur Züge, die extrem kurz sind – zwei Wagen, vielleicht 100? Plätze pro Zug. Planerisch ein Disaster. Das Einsteigen wird schwierig, und beim zweiten Zug bekommen wir auch einen Platz drinnen. Wächter an den Türen passen auf, dass erst die Leute aussteigen und nicht zu viele den Zug überbelegen.

An der Station Bukit Bintang ist es dann allerdings aus. Die Wächter haben keine Chance, und nur durch lautes Geschrei schaffen wir es, uns gegen die einströmenden Menschenmassen aus dem Zug zu drängen. Ein einziges Chaos. Die Ausgänge sind unübersichtlich angelegt, direkte Übergänge aus der Bahn in Einkaufscenter, wie wir das aus Singapur oder Bangkok kennen, sind Fehlanzeige, statt dessen mäandern wir über ein Gewirr von Treppen und Brücken, bis wir endlich vor dem Eingang der Mall stehen.

Isetan, das japanische Kaufhaus, ist eine Oase der Ruhe. In der obersten Etage finden wir ein paar Bentos. Schade, dass wir nichts mitnehmen können. In der untersten Etage, den Supermarkt, decken wir uns mit exotischen Nahrungsmitteln ein. Japanische Reiskuchen mit Sesam, Kalamansi-Zitrussaft, und malaysisches Currypulver einer Sorte, die wir schon einmal von einem guten Freund aus Malaysia mitgebracht bekommen haben – sehr unjapanisch, aber auf unserer Reisemitbringselliste ganz oben.

Bis wir durch das Rush-Hour-Chaos zurück gefunden haben, ist es spät, wir essen in einem Hawker Center in Chinatown, stöbern noch durch einen chinesischen Buchladen, und fallen schliesslich erschöpft ins Bett. Wie ein Wunder können wir trotz den turbulenten Treibens draussen einschlafen. Wenn auch mit Unterbrechungen.

Für den nächsten, den siebten Tag haben wir uns vorgenommen, die Petronas Towers zu besichtigen. Kein Stop in KL wäre vollständig ohne diese Türme, die ein Musterbeispiel moderner muslimischer Architektur sind.

Nach einem Nudel-Frühstück in Chinatown nehmen wir die Bahn zum KLCC. Die Station liegt praktisch im Keller des Suria KLCC, einem riesigen Shopping Center. Doch wo sind die Petronas Towers? Wir wandern erst mal durch das Shopping Center, das noch recht ruhig ist. Wir sind für unsere Verhältnisse recht spät dran, es ist 9 Uhr, aber die Läden machen bis auf wenige Kioske erst um zehn auf. Ishtar kauft ein „Flavors“-Magazin in einem Zeitschriftenladen.

Ein Teil der Food-Ecke (ein Kopitiam ganz oben) hat schon auf. Wir kaufen uns einen starken Kaffee und verschiedene Gebäckstücke, die teils mit Pandan, teils mit Kokos und mit süss-scharfem Hühner-Curry gefüllt sind, ein Mini-Murtabak und allerlei anderen Kleinkram. Nach diesem zweiten Frühstück streifen wir weiter.

Tatsächlich, wir finden einen richtigen Ausgang nach draussen, nicht nur in irgendwelche anderen Komplexe, und stehen unvermittelt direkt vor einen Park hinter dem Shopping Center – dem KLCC Park, wie wir wenig später herausfinden. Doch auch hier, keine Petronas-Türme. Wir spazieren ein paar Minuten am Rand des Teiches lang, drehen uns um und: schau an. Die Petronas-Towers wachsen praktisch direkt aus dem Shopping Center. Wir waren die ganzen Zeit direkt darunter und haben es nicht gemerkt.

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Die Petronas-Towers sind, im völligen Kontrast zur sie umgebenden Stadt, wunderschön. Nicht nur atemberaubend hoch für unsere Verhältnisse, sondern wirklich und ehrlich ein architektonisches Juwel. Man kann kaum aufhören sie anzuschauen.

Wir streifen weiter durch den Park auf der Suche nach einem Geocache. Zu den Parkanlagen gehört ein kostenfreies Kinder-Planschbecken mit Fontänen, hier herrscht ein fröhliches Tohuwabohu, aber es gibt auch viele ruhige und schattige Ecken, eine Oase hier mitten in der Stadt.

Nur der Cache will sich einfach nicht zeigen – erst später finden wir heraus, dass er in einen Virtual umgewandelt wurde. (Und wir konnten ihn bisher immer noch nicht loggen, weil uns noch ein paar wichtige Informationen fehlen). Die Mittagshitze treibt uns zurück ins Suria KLCC Shopping Center. Inzwischen haben die Läden geöffnet, und wir verbringen einige Zeit bei Kinokuniya, einem riesigen Buchladen (einer japanischen Kette, die wir ebenfalls aus BKK kennen). Das Sortiment ist atemberaubend. Selbst ich als Deutsch-Leser hätte hier unter den vielen englischsprachigen Büchern was gefunden. Ishtar erst recht. Wir kaufen einen Penang Food Guide mit typischen Rezepten der Insel, und halten uns ansonsten mühsam zurück.

Das Mittagessen gibt es nach Beäugen der Angebote im centereigenen Food-Areal bei Sushi-King, einer Laufband-Sushi-Kette. Neben normalen Makis sind hier ein paar für uns sonderbare Kreationen auf dem Band, die wir probieren müssen. Ziemlich lecker sind kleine marinierte gebratene Oktopusse.

Nach dem Mittag trauen wir uns auf der anderen Seite des KLCC-Centers auf die Straße. Weil wir nichts weiter vor haben, und auch nicht wirklich Lust, zurück ins Hotel zu fahren, laufen wir einfach eine Straße lang. Nach einigen Kreuzungen entdecken wir, dass wir direkt auf den Bukit Nanas zu marschieren. Unterwegs legen wir eine kleine Pause im „The Weld“, einem kleineren Einkaufscenter, zum Abkühlen ein. In der unteren Etage beobachten wir, wie ein indisches Paar Deepavali-Dekorationen auslegt.

Diwali decorations

Schliesslich haben wir es doch geschafft, vor dem Eingang zum Bukit Nanas Forest Park zu stehen. Wir erklimmen die lange, steil bergauf führende Strasse und die Treppen auf den Berg hinauf zum Fernsehturm.
Menara KL

Da uns das Ticket auf den Turm hinauf für die Gegend zu teuer und der Turm zu voll von Ausflugstruppen in Form ganzer Schulklassen sind, lassen wir die Aussichtsplattform aus. Stattdessen folgen wir dem GPS zum nächsten Cache. Und wir sind praktisch direkt dran, als ein Sicherheitsmann des Weges kommt und uns fragt, was wir suchen, und ob er uns helfen könne. Wir verneinen und erklären, wir sähen uns nur um. Und was tut er? Er machte Pause, zündet sich eine Zigarette an und setze sich genau auf den Baumstumpf, unter dem wir den Cache vermuten. Da wir bald alle Schilder mehrfach gelesen haben, unser Wasservorrat sich in der Nachmittagsglut der Neige nähert, und er wohl inzwischen seine dritte Zigarette raucht, verziehen wir uns auf eine Bank an eine Bushaltestelle etwas weiter. Hier fährt auch der KL Hop-On-Hop-Off-Bus.

Hier wird auch klar warum wir solche Probleme hatten den Zugang zum Turm und dem Cache finden. Es gibt einen Zugang für Jungle Trekking Tours, der momentan wegen Baustelle verrammelt und geschlossen ist, aber eigentlich gibt es nur einen einzigen Weg hierher, den über die Strasse die wir gekommen sind. Der Bukit Nanas Forest ist ein abgeschlossenes Naturschutzgebiet, kein Park durch den man hindurchgehen kann, wie es die meisten Stadtpläne suggerieren. Einige bezahlte Touren mit Guide führen auf gekennzeichneten und mit Drahtzäunen abgetrennten Fusspfaden durch das Gelände, in dem wilde Auffen hausen und auch sonst allerlei Getier unter Naturschutz steht – ein Naturpark und Wildschutzgebiet in der Mitte einer Millionenstadt.

Eine ganze Weile später sitzt der Sicherheitsmann immer noch. Es ist zum verrückt werden. Wir geben auf und folgen dem Weg den Berg hinunter. Unten orientieren wir uns kurz und wandern dann durch ein paar Straßen in Richtung Bukit Bintang, der Station mit dem Isetan vom Vortag. Auf dem Weg zeigt sich Kuala Lumpur mal wieder von seiner häßlichen Seite. Betonklötze, heruntergekommene Plätze, Verkehr…

Wir belassen es dabei, fahren zurück zum KL Sentral. Natürlich erwischen wir mal wieder die Rush Hour mit Menschengedränge. Im KL Sentral freuen wir uns wieder über die Ruhe bei Starbucks. Es gibt eine Steckdose, wir klappen den Laptop auf, chatten mit Europa, geniessen die Kühle und die entspannte Atmosphäre. Auf dem Rückweg zum Hotel beobachten wir Warteschlangen für Busse von rund 500 Metern Länge. KL und ÖPNV? Das Grauen.

Wir gönnen uns ein weiteres Abendessen in Chinatown, dann sind wir geschafft genug für’s Bett.

dry curry mee

Nach einer ebenso unruhigen Nacht wie schon 24 Stunden zuvor haben wir uns für den zweiten vollen Tag einen Park vorgenommen, in der Hoffnung dass Grün auch ruhig und schattig bedeutet – die Kuala Lumpur Lake Gardens, einen 92 Hektar grossen Park mit einem Schmetterlingspark, einem Botanischen Garten, Orchideen- und Hibiskusgärten, Statuen, Seen zum drauf Paddeln – und dem Planetarium.

Auf dem Weg zur Bahnstation entdecken wir durch Zufall zwischen den morgens geschlossenen Verkaufsständen einen gut verborgenen Zugang zu einem Markt, der wohl nur in den Morgenstunden in Betrieb war – ein echter wet market ,auf dem Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch verkauft werden, und an dessen Rändern natürlich Essensstände für das leibliche Wohl sorgen. Wir schlendern durch den Markt von Chinatown, der nur von Einheimischen frequentiert wird, und bestaunen das Angebot an Lebensmitteln, vor allem der frische Fisch sieht toll aus. Direkt angehängt ist an diesem Sonntag eine Art Flohmarkt, durch den wir uns auch noch durchschieben. Danach geht es weiter.

Im Lake Garden liegt ein Cache, der „Stonehenge and the Planetarium“ heisst, und der laut der rudimentären Malaysia-Karte von Google-Maps recht nah am Anfang des Parks zu finden ist. Dummerweise ist es alles andere als einfach, überhaupt an diesen Eingang zu kommen. Unser Lonely Planet empfiehlt, zum KL Sentral zu fahren, den Ausgang zum Hilton zu nehmen und der Straße zu folgen. Ein einfacher, nicht gekennzeichneter Fußweg würde hin führen. So ist es dann auch, vorausgesetzt man hat überhaupt erst mal in dem Chaos von KL Sentral den Ausgang zum Hilton gefunden. Der Pfad ist einfach, nicht gekennzeichnet, und führt in der schon morgendlichen Hitze direkt am dichten Verkehr vorbei. Am KL Sentral Ausgang rechts zwischen Sentral und Hilton vorbei durch den noch wärmeren Luftstrahl, der aus dem Maschinenhaus der Hotelbelüftung kommt. Dann der Straßenbiegung folgen, hier über die Straße, dort drüber. Und nach einer viertel Stunde stehen wir an einer Treppe, die von der einen Straße oben zu der anderen unten führt, ein Spaghettiknoten von Beton, Asphalt und Hochstrassenüber- und -unterführung. Wieder einmal zeigt sich wie auch schon in der vergangenen Tagen, dass Kuala Lumpur rein auf Autoverkehr ausgelegt ist – paradox in einer Stadt und einem Land, in dem sich wohl nur die wenigsten ein Auto leisten können. ÖPNV und Fussgänger sind einfach nicht einkalkuliert. Nicht mal eine vernünftig erreichbare öffentliche Buslinie führt zu einem der grössten Freizeitareale der Hauptstadt Malaysias.

Am Rand unten allerdings ist es schon viel grüner. Wir folgen dem Trampelpfad neben der Straße, und kommen an einem Ort an, den wir als Eingang wahr nehmen.

Leider ist es nur der Eingang zum National Museum. Wir kämpfen uns die Auffahrt hoch und werden oben dann immerhin mit ein paar frei stehenden Exponaten alter Autos, darunter ein altes Feuerwehrauto, der erste Proton und drei Loks, belohnt.

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Nur der Eingang zum Park ist es immer noch nicht. Der will erst erklommen werden. Eine steile Treppe mit – natürlich – abgeschalteten Rolltreppen bringt uns auf eine Überführung, die über eine breite dicht befahrene vielspurige Strasse führt. Auf der anderen Seite, immerhin ist es grün, schattig und bewaldet, kommen wir tatsächlich schon auf wenige Meter an den Cache heran. Und da er Planetarium im Namen hat, und wir keine Karte zur Hand haben, folgen wir der Beschilderung zum Planetarium. Wieder ein schweisstreibender Aufstieg, teils auf Steigungen, teils auf Treppen, der mehrfach von kreuzenden Wegen unterbrochen wird.

Abgekämpft stehen wir dann vor dem Planetarium. Und wissen nicht weiter. Wir würden gern die Toiletten benutzen aber dafür müssten wir Eintrittskarten lösen. Überhaupt sind Toiletten in diesem Park, wie wir feststellen, Mangelware. Und vor allem: der Cache ist weiter weg denn je. Wir umkreisen das Gebäude und wir finden das Polizeimuseum. Allerdings keinen Weg in den Lake Garden Park – oder zum Cache. Um uns die Treppen zu ersparen, folgen wir der Auffahrt zum Planetarium wieder abwärts, und landen vor der Malaysischen Raumfahrtorganisation mit einem Denkmal.

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Von hier führt dann auch ein anderer Weg abwärts. Durch den Wald, im Schatten, mehr braucht es nicht, um uns zu überzeugen. Und plötzlich stehen wir vor Stonehenge.

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Einem Modell natürlich, aber schon recht groß, dass man darin herumlaufen konnte. Rund herum sind noch einige andere Modelle alter astronomischer Einrichtungen aufgebaut.

Von Stonehenge gibt es nur einen anderen Weg weg, und der führt Richtung Cache. Wieder eine Straße, dieses Mal nicht so dicht befahren. Wir stehen laut GPS exakt an der Stelle, an der der Cache liegen soll. Mitten auf dem Gehweg, keine Anzeichen für irgend ein Versteck. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich ein Wärterhäuschen, vor dem ein grimmig schauender Security Guard auf einem Plastikstuhl sitzt, mit dem Kollegen im Häusschen scherzt, und uns dabei skeptisch beobachtet. Auch nach längerer Zeit lässt er den Blick nicht von uns. Wir geben auf und vermuten leicht entnervt, bei den wenigen Geocaches in Malaysia müsse wohl für jeden ein Wächter abgestellt sein.

Noch immer tut sich keine Toilette auf, und die weitläufigen Wege des Parks lassen uns nur erahnen wie weit wir laufen müssen um einen Teil des Parks zu erreichen in dem sich so etwas findet, zusätzlich machen uns hier die aggressiven Moskitos erheblich zu schaffen.

Durch die Mittagsglut kämpfen wir uns deshalb stattdessen zurück zu KL Sentral. Auf dem Weg am National Museum vorbei nutzen wir noch die dort vorhandenen, wenn auch geruchstechnisch etwas lästigen öffentlichen Toiletten. Ishtar bleibt an einer Seitentür des National Museum kurz stehen und kühlt sich mit ausgestreckten Armen in der herausquellenden frischen Klimaanlagenluft, was einer Sicherheitsfrau in dunkler Uniform mit Kopftuch ein verständnisvolles Lächeln entlockt. Dann tapsen wir den Hochstrassenpfad zurück und tauchen am Bahnhof erst mal wieder bei Starbucks unter.

Lust- und ratlos beschliessen wir etwas später, wieder ins KLCC zu fahren und im zweiten Laufband-Sushi unser (Nach-)Mittagessen einzunehmen. Hier probieren wir dann marinierte Qualle. Interessant, aber mein Liebling wird es wohl nicht werden. Trotz allem ganz lecker. Bei Sakae Sushi gibt es an jedem Platz zusätzlich noch ein Zapfhahn für heisses Wasser. Praktisch eine Grüntee-Flat. Becher mit Teebeutel bestellen und immer wieder Wasser nachfüllen. Ausserdem haben sie ein spaciges Terminal-Bestellsystem für Extras mit einem Touchscreen an jedem Tisch. Leider kommt auf dem Laufband dafür nichts mit rohem Fisch, das muss alles extra geordert werden. das hält zwar die Ware frisch, macht aber das Laufband nur halb so attraktiv.

Wir sehen uns noch ein bisschen im Einkaufscenter um und fahren dann zurück nach Chinatown.  Unterwegs kann man den ehemaligen Bahnhof sehen. Ein sehr schönes Gebäude.
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Im ehemaligen Central Market Pasar Seni direkt gegenüber der Station gibt es einen Kunsthandwerkermarkt. Bis vor einigen Jahren diente das Art-Deco-Gebäude aus den Gründerjahren der Minenbaustadt Kuala Lumpur noch unter dem Namen Pasar besar (grosser Markt) als richtige Markthalle, mittlerweile hat ein Kulturverein das Baudenkmal vor dem Abriss gerettet und umgenutzt.

Die meisten Produkte an den Verkaufsständen in der alten Markthalle sind von malaysischen Kunsthandwerkern in Handarbeit hergestellt. Natürlich gibt es auch ein paar Touristen-Ramscher, aber die Zahl hält sich in Grenzen und sie fallen so gut auf, dass man ihnen aus dem Weg gehen kann. Ishtar verliebt sich in beinahe japanisch anmutende Keramik aus Sabah, die auch bezahlbar wäre, nur leider ist Keramik so ziemlich das Letzte, was sich gut im Flieger und auf unserer Tour mitnehmen lässt, und einen Webshop gibt es nicht.

PAsar Seni

Mit vielen Impressionen geht es weiter zum Abendessen. Vor einem chinesischen Buchladen entfaltet sich allabends eine Strassenküche. Wie immer einfach, lecker und billig. Zurück im Hotel bekommen wir dann auch endlich die Wäsche, die wir am Ankunftstag für die Wäscherei abgegeben hatten, zurück. Zähneknirschend zahlen wir dafür 50 Ringit, der Standardpreis bei den Wäschereien war 5 pro Kilo. Sicher hatten wir keine zehn Kilo. Aber was solls, man lernt daraus.

roast pork

Wir krabbeln früh ins Bett weil wir wieder früh raus müssen. Und nach einer weiteren unruhigen Nacht weckte uns der iPod pünktlich um sechs Uhr. Wir haben schon am Vorabend gepackt, und so sind wir keine halbe Stunde später unterwegs auf den wie leer gefegten Strassen von Chinatown. Kuala Lumpur ist eindeutig keine Frühaufsteher Stadt. Mit der Bahn geht es wieder Mal nach KL Sentral, dort schnappen wir uns den ersten Shuttle-Bus von Air Asia und begeben uns auf die etwas über einstündige Fahrt zum Low Cost Terminal von KLIA, dem Internationalen Flughafen. Das Abrechnungsprinzip des Buses ist auch lustig. Einfach einsteigen, beim Aussteigen muss jeder zahlen.

Die Fahrt aus KL heraus ist wenig ereignisreich, bezeichnend ist auch hier dass Kuala Lumpur und seine Umgebung nicht angelegt und eigentlich auch nicht gewachsen sind, sondern gewuchert. Von KL bis weit nach Selangor hinein ist die Landschaft mit riesigen Wohnblocks und Reihenhaussiedungen mit 1000 mal demselben Haus nur so gepflastert, ÖPNV Fehlanzeige, absolut alles ist auf das Auto angelegt. Auch als erdölexportierender Staat sollte man vielleicht über etwas nachhaltigere Transportsysteme nachdenken. Die Landschaft oder was man davon sieht ist ebenso hässlich wie die Stadt, verbaut, mit wenig geplanten Verkehrsadern durchzogen.

Halb neun kommen wir dann auf dem Flughafen an und stärken uns mit einem Teh Tarik aus dem Convenience-Automaten im Kopitiam, der gar nicht so schlecht schmeckt. Unser Flug, eigentlich für 11:50 geplant, ist verschoben worden. Bis 13:50 müssen wir warten und sitzen lange Zeit lesend am Rand irgendwo auf dem Fussboden – das Terminal platzt aus allen Nähten und ist augenscheinlich nicht für grosse Mengen Menschen ausgerichtet.

Ishtar erlebt auf der Damentoilette, wie eine ältere Malaysierin von ihren Töchtern die Funktionsweise der modernen Toiletten erklärt bekommt – an den Kloschüsseln westlichen Zuschnitts gibt es für Nicht-Toilettenpapiernutzer einen Knopf den man drücken muss, dann sprüht ein Wasserstrahl zur Reinigung los, anstelle der in den meisten traditionellen Klos verwendeten Wasserschläuche. Der Vorführeffekt – niemand sitzt auf der Schüssel – spritzt Mutter und eine Tochter nass, Mama ist augenscheinlich wenig angetan von den Segnungen des technischen Fortschritts.

Fortschrittlich ist auch die Abfertigung – da AirAsia wie Ryan Air keine Sitzplatzreservierungen macht, gibt es anstelle einer Bordkarte einfach nur einen Bon aus einer Art Kassensystem mit Thermodruck und einem Barcode drauf.

Nachdem wir eingecheckt haben sitzen wir noch eine Weile im Terminal herum – und erleben etwas ,das man sich in Euroa auf einem internationalen Flughafen absolut nicht vorstellen kann: wir laufen bis zum Flieger. Kein Bus, kein Tunnel, kein Schlauch – nur ein überdachter Gang am Rand des Rollfeldes, und die Stewardessen weisen den Weg bis zur Rolltreppe der richtigen Maschine.

Leider erwischen wir nur einen normalen A320 und nicht den in Formel-1-Sonderlackierung, der kurz vor unserer Maschine vor das Terminal rollt.

Endlich, endlich dürfen wir abheben, fliegen – und fliehen, weiter nach George Town, Penang.

Das Fazit für KL: Petronas Towers, unbedingt. Alles andere: nice-to-have. Wenn wir noch mal wiederkommen sollten, steigen wir allerdings im Hilton an KL Sentral ab, und machen Sightseeing mit dem Hop-On-Hop-Off Bus, der einen an all die Sehenswürdigkeiten bringt die man ohne Taxi bzw. mit öffentlichen Verkehrsmitteln in KL quasi gar nicht erreicht. Das Starbucks im KLIA Ekspres Terminal an KL Sentral hat uns vor dem Wahnsinn bewahrt…