Wie schon im Artikel zu Kuala Lumpur geschrieben, wir hatten genug vom Busfahren. Ein A320 von Air Asia brachte uns vom Flughafen in Kuala Lumpur nach Penang. Hier liegt der Bayan Lepas International Airport auf der südöstlichen Seite der Insel und ist einer der größten Frachtflughäfen Malaysias. Man will es nur nicht denken, wenn man hier landet und neben der Bahn vier Fracht-747 nebst einem kleinen Fracht-Gebäude stehen sieht.

Nach der Landung folgt das Übliche. Wir steigen aus, gehen zum Gepäckband, warten, nehmen unsere Tasche und suchen den Ausgang. Auf Penang entdecken wir zum ersten mal einen Taxi-Counter, von denen wir schon viel gelesen haben. Das Prinzip ist einfach. Hingehen, das Ziel nennen, und einen Voucher bekommen. Damit fährt der Fahrer dann direkt in den gewünschten Ort zum gewünschten Ziel. Ohne große Probleme und vor allem immer zum gleichen Preis. So ist der Touriabzocke ein Riegel vorgeschoben.

Auf der Straße vom Flughafen weg verstehen wir dann die große Bedeutung Penangs als Frachtflughafen. Hier haben sich fast alle Firmen angesiedelt, die Rang und Namen haben. Unter anderem auch Bosch, Siemens, Osram usw. Wir hätten das auf einer der Haupt-Touristen-Inseln Malaysias nicht erwartet. Gut dreissig Minuten werden wir an der Ostseite der Insel entlang in den Norden nach George Town gefahren. Wir nutzen die Zeit um einen ersten Eindruck zu bekommen. Bis auf ein paar Ausnahmen ist das meiste nicht wirklich hübsch.

Das Taxi fährt uns bis vor die Tür im Hof unseres Hotels. Wir sind begeistert. Nicht von der Fahrt, vom Gebäude. Das Cheong Fatt Tze ist ein altes chinesisches Herrenhaus, komplett in blau, Hotel und Museum in einem.

Penang Aug 08 - 34 Cheong Fatt Tze Mansion

Bild: Suanie

Und seit 2000 Weltkulturerbe der UNESCO. Liebevoll sind die vielen Details an der Fassade wiederhergestellt. Interessanterweise ist es auch gleich der Startpunkt eines Geocaches. Dazu aber später.

Wir treten ein und werden von einer älteren chinesischen Frau begrüßt. An einem antiken Schreibtisch im Eingangsbereich nehmen wir Platz und füllen die nötigen Formulare für unseren Besuch aus, danach erhalten wir unseren Zimmerschlüssel. Dann führt sie uns halb durch das Haus, erklärt ein bisschen was und zeigt uns unser Zimmer mit dem Namen „Batavia“. Es ist riesig.

Alleine der Schlaf- und Wohnraum hat gut 20 bis 25 Quadratmeter, ein großes Bett, ein Fenster zum Innenhof und zwei in die Wand eingelassene Vitrinen mit altem chinesischem Porzellan. Vor dem Fenster steht ein Tisch mit zwei Stühlen, in der Ecke ein großer alter Holzschrank und an der Decke hängt ein großer Ventilator. Ein Fernseher fehlt, was aber nicht stört. Der Boden ist mit Terrakotta-Fliesen ausgelegt, die für eine angenehme Kühle sorgen.

Doch damit nicht genug. Eine Tür führt in einen Nebenraum, der mit Kühlschrank und Sekretär ausgestattet ist. Von hier öffnet sich ein Fenster zur Rückseite des Gebäudes, das von einem Grünstreifen umrundet wird, der an einer Mauer endet. Geschätzte drei Quadratmeter hat dieser kleine Raum vor der Tür zum Bad, das auch recht groß ist. Die Ausstattung ist schön, mit Wanne, Dusche, das übliche eben. Aber geräumig. Das ist der Ausgleich für KL 🙂

Wir ruhen uns einen Moment aus, aber knurrende Mägen treiben uns dazu, die Stadt zu erkunden. Direkt vor dem Hotel liegt, wie schon erwähnt, der Startpunkt für einen Geocache. Chinese Houses in Georgetown heisst er und führt als Multi durch die Stadt und zeigt einige der alten chinesischen Häuser. Doch wir erledigen hier nur die erste Aufgabe. Die Koordinaten für die zweite Station speichern wir im GPS und es geht in Richtung Meer.

Endlich wieder Seeluft nach drei Tagen KL, wie gut das tut. Wir sehen uns in einem Hawker Center am Meer um, doch die Läden, die geöffnet haben, springen uns nicht an. So begnügen wir uns mit dem – leider warmen – Saft einer frischen Kokosnuss. Das rausgekratzte Fruchtfleich dämpft den ersten Hunger.

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Wir ziehen weiter. An der Strandpromenade entlang bis zu Fort Cornwallis. Wir verkneifen uns, Eintritt zu zahlen und folgen den Sträßchen zum Pier. Später finden wir noch heraus, dass wir im Fort nicht all zu viel verpasst haben. Das Church Street Pier ist nicht wirklich mehr Schiffsanlegestelle. Hier ist praktisch nur noch Gastronomie zu finden. Die Schiffe liegen daneben und etwas weiter ist eine modernes Pier für die Fähre vom Festland gegenüber. Und hier liegt ein Cache. Nachdem wir mehrere Taxifahrer, die uns helfen wollte, abgeschüttelt hatten, halten wir schliesslich das Döschen in Händen. Schnell geloggt, ein paar Fotos vom Pier und weiter.

Church street Pier, 2008

George Town, Pier

Auf der Suche nach etwas zu Essen laufen wir die zweite Station des Chinesischen-Häuser-Multis an, die wir schnell und den Hinweis auf Station drei etwas langsamer finden. Die Koordinaten ins GPS und weiter geht es. Auf dem Weg zu Station drei stehen wir vor einem Tandoori-Restaurant mit Namen Kassim Mustafa, das offen hat. Wir sind begeistert. Essen, das gut aussieht und verfügbar ist. Wir schlürfen Eistee und genehmigen uns köstliches Tandoori Chicken. Nach ein paar misslungenen Versuchen schaffen wir es sogar wie die Inder nur mit der rechten Hand zu essen. Das Essen ist lecker und so können wir mit einem weiteren Beutel Eistee zur dritten und letzten Station unseres Caches gehen.

In einem Hinterhof finden wir dann auch das erwähnte Gebäude. Ein alter roter chinesischer Tempel. Jetzt geht es ans Rechnen. Und kurz darauf stehen wir nicht weit weg vor dem Final. Wir bergen die kleine Dose, tragen uns auf dem Logzettel ein und sind zufrieden. Nach den Problemen in KL haben wir gleich zwei Caches an einem Tag gefunden.

Dummerweise wissen wir durch das viele hin und her Gelaufe nicht so ganz, in welche Richtung es zurück zum Hotel geht. Aber dank GPS finden wir das auch. Im erfrischenden Luftzug des Ventilators ruhen wir uns erst ein mal aus.

Nach dem anstrengenden Tag haben wir abends keine große Lust mehr weit zu gehen. Direkt neben an ist ein Hawker Center und wir essen hier. An einem Stand mit vielen kleinen Spiesschen stellen wir uns zwei Teller zusammen. Nicht ganz günstig, weil auch exotische Sachen dabei sind. Aber das meiste ist lecker. Dabei helfen wir noch der kleinen Tochter des Inhabers beim (Englisch) Zählen lernen – sie bringt das Essen und kassiert 🙂 Danach fallen wir müde in unser Bett.

Der nächste Tag bringt einige Überraschungen mit sich. Zuerst das Frühstück. Es gibt vernünftigen Kaffee aus dem Vollautomaten dazu. Wir haben die Wahl zwischen mehreren Eiervariationen, Toast, French Toast und mehr. Es ist reichhaltig und macht erst mal satt.

Die zweite Überraschung, Penang scheint ein modernes Busliniensystem mit Fahrplänen zu haben. Wir machen einen kleinen Rundgang durch den näheren Bereich des Hotels bevor wir weiter weg wollen. Dabei entdecken wir ein paar schöne alte Häuser, die aber leider dem Verfall überlassen sind. Unser eigentlicher Plan für den Tag führt uns zum KOMTAR, einer Mischung aus Mall und Busbahnhof. Die Mall ist überschaubar, die meisten Läden haben zu und die Auswahl ist gering.

Am Busbahnhof dann die Ernüchterung bzw. das Erwartete. Das Busliniensystem hat Fahrpläne und es fahren auch Busse. Allerdings nicht da hin wo wir wollen. Wir wissen auch nicht wann, denn die Fahrpläne hängen nicht aus. An den Bussen stehen Fahrziele – neben Fahrzielen neben Fahrzielen neben Fahrzielen… absolut undurchsichtig. Wir geben erst mal auf und machen uns zu Fuß weiter auf, um George Town zu erkunden.

Und wir stellen fest, das George Town – abgesehen vom historischen Kern – entsetzlich hässlich ist. Der Teil, der erhalten und saniert ist und nach original-Kolonialbauten aussieht, ist hübsch. Genauso Chinatown mit den alten chinesischen Häuschen und Tempeln. Aber die restlichen dazu geklotzten Hotelbauten nicht. Da macht wieder nur das koloniale Eastern & Oriental eine Ausnahme.

Der Rest des ersten vollen Tages ist wenig spektakulär. Wir sitzen an der Hafenmauer und lassen es uns in der Meerluft gut gehen, es ist schön tief durchatmen zu können ohne glühenden Smog zu atmen, und im Schatten mit Meeresbrise lässt sich sogar die Mittagshitze gut ertragen – was auch viele malaysische Senioren augenscheinlich zu schätzen wisen, die hier im Schatten dösen oder vorgeblich angeln oder Zeitung lesen. Es gibt frisches Obst zum Mittag, und abends essen wir in einem anderen Tandoori-Restaurant mit Namen Restoran Kapitan.

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An unserem zweiten vollen Tag auf Penang wollen wir uns ausruhen. Der Tag hat mit einem Regenschauer begonnen und wir haben im Innenhof bei tröpfelndem Regen gefrühstückt, ein sehr eigenartiges Erlebnis aber schön, wenn die Regentropfen die Grünpflanzen in den courtyards wässern, das leise Prasseln der Regentropfen, dazu eine frische Tasse Tee…

The Blue Mansion

Bild: Des

Durch den Regen ist es schwülheiß geworden, und in der knallenden Sonne ist die Temperatur für uns europäische Weicheier kaum auszuhalten. Wir beschliessen, es nicht noch ein mal mit dem Bussystem zu versuchen, und lassen einen geplanten Ausflug zu den Botanischen Gärten mit „einfachen Bergstrecken“ aus. Statt dessen gehen wir ins Staatsmuseum von Penang. Es ist nicht weit weg vom Hotel und auch nahe beim Meer gelegen.

Der Eintritt ist lächerlich. Einen Ringit, gerade mal 20 Cent. Allerdings auch sehr freundlich für die Bevölkerung, für die das Angebot eigentlich auch gedacht ist. Im Museum wird an vielen in Szene gesetzten Ausstellungsstücken die Geschichte von Penang im ganzen und Georgetown im speziellen erzählt. Sehr interessant gemacht, und vor allem angenehm kühl.

Zum Mittagessen, weil es so gut war, geht es zum Kapitan. Wir essen Chicken 65. Knusprig gebackenes Huhn in einer Sosse mit Gewürzmischung. Sehr lecker und unbedingt zu empfehlen.

Der Mittagshitze entgehen wir im Hotel mit Lesen und Faulenzen. Ein paar kleine Berichte werden auf dem Laptop getippt und wir sehen der Hausführung zu, die sich täglich durch den Museumsteil des Hotels windet. Wir haben selbst als Hausgäste das Angebot, kostenlos daran teilzunehmen, was wir aber nicht annehmen. Einziger Haken: Fotografieren ist verboten, was ich bei einem Museum aber noch verstehen kann. Die Leute sollen ja kommen und es sich ansehen. Wir geniessen dafür das unschlagbare Ambiente und die entspannende Stille in den lauschigen Innenhöfen – schöner und stilvoller kann man kaum einen Nachmittag verfaulenzen.

Der Rest des Tages vergeht eher routiniert. Ein letztes Mal gehen wir zum Kapitan essen – das Essen aus dem Tandoor ist dort einfach zu gut, und der Eistee mit Kalamansi-Limette ist köstlich. Dann verkriechen wir uns ins Bett.

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Am letzten Morgen frühstücken wir in Ruhe, packen, und rufen uns ein Taxi zum Flughafen. Firefly wartet mit einem Flug nach Langkawi.