Durch einen unglücklichen Umstand hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, einen Toyota Prius zu fahren. Dabei handelt es sich um ein Hybridfahrzeug mit einem Benzin- und einem Elektromotor. Viele dürften schon einen gesehen haben, denn in vielen amerikanischen Serien wird er inzwischen gerne für den Guten als Saubermannimage verwendet. In wie weit die Herstellung der Batterien die Spriteinsparung rechtfertigt darf jeder für sich selbst überlegen.

Ich schreibe extra dazu, dass es einer aus dem Baujahr 2005 ist, auch intern NHW20 genannt. Seit 2009 gibt es eine neue Version, die wohl um einiges verbessert wurde. Ob dies so ist und was sich im Vergleich zu diesem Bericht geändert hat, das kann ich aufgrund eines fehlenden Testfahrzeuges nicht sagen. Sollte Toyota mich von dem neuen Modell überzeugen wollen, habe ich allerdings kein Problem damit, wenn sie sich bei mir melden.

Ausgeführt ist das Fahrzeug als Schrägheck-Limousine mit 5 Türen. Das Heck mit der Ladeklappe ist ziemlich weit hoch gezogen. Ein zweites Fenster soll hier die Sicht noch mal verbessern, aber trotzdem ist ein Holm dazwischen. Geschuldet ist dies dem höhergelegten Laderaum, in dem die Batterien gelagert sind. Von außen erwartet man hier eine richtig große Ladefläche im Vergleich zu der Größe des Fahrzeuges. Dem ist leider nicht so. Zwei bis drei Klappkisten und das Auto ist voll.

Steigt man ein, was ganz bequem geht, sitzt man erst mal wie im Sofa. Ich finde die Sitze ungewohnt weich und dabei nicht sonderlich bequem. Für Kurzstrecken mag das gehen, auf der Langstrecke, eine hatte ich bereits damit, ermüde ich schon nicht, weil ich dauernd auf dem Sitz herumrutsche, um eine bessere Sitzposition zu finden. Jedenfalls tut der Hintern recht bald weh.

Auch die Übersicht ist gewöhnungsbedürftig. Nach hinten raus, wie schon beschrieben, ist die Scheibe dank des hohen Heckabschlusses zweigeteilt, ein Holm ragt quer durch die Sicht. Immerhin sieht man so sofort, wo das Fahrzeug endet. Seitlich nach hinten ist eine breite C-Säule im Blick. Hier kann man sich nur auf den Spiegel verlassen. Ein großer Bereich ist aus dem Blickfeld ausgesperrt. Zur Seite geht es dann wieder und nach vorne muss man wissen, wie lang sein Fahrzeug ist, denn die stark abfallende Motorhaube verschwindet einfach aus der Sicht.

Als erstes fällt eine große, hochgezogene Mittelkonsole auf. Es gibt keinen klassischen Schalthebel mehr. Das Fahrzeug ist in Serie mit einem Automatik-Getriebe ausgestattet. Es gibt auch auf Wunsch keine Handschaltung, sie wird einfach nicht angeboten. Der Hebel, mit dem die Automatik bedient wird, ist nicht da, wo man ihn erwartet. Ein kleiner Hebel links vom Radio neben dem Schlüssel dient der Bedienung. Er ist nicht nur unhandlich, er lässt sich auch nur schwer bedienen. Wäre er an prominenter Stelle und griffiger wäre das kein Problem.

Stattdessen Ablagefächer ohne Ende. Immerhin hat das etwas Gutes. Man bekommt sein Geraffel unter. Auch die üblichen Zeiger im Armaturenbrett fehlen. Keine Rundinstrumente, nichts. Stattdessen fällt ein großes Display in den Blick. Es dominiert die Mittelkonsole auf Augenhöhe. Wer erwartet, dass hier alles Wichtige an Fahrinformationen angezeigt wird, der liegt falsch. Als wichtige Fahrinformationen erachtet Toyota die Geschwindigkeit, die gefahrenen Kilometer und den Tankinhalt. Das zeigt ein weiteres Display unter der weit nach vorne gezogenen Scheibe an. Allerdings auch dies nicht direkt, sondern über einen Spiegel. Man kann es so beschreiben: Ein horizontal verbautes Display wird in einem vertikalen Spiegel gespiegelt und dadurch.. naja, man sieht, was man braucht.

Die Bedienung des Fahrzeuges empfand ich als äußerst umständlich. Dazu muss ich sagen, dass ein älterer Mann das Fahrzeug vorher gefahren hat. Ich kann mir nicht vorstellen, wie er damit klar kam. Für sämtliche gewohnten Funktionen, ob Belüftung oder Klimaanlage, gibt es keine Bedienelemente. Einzig und alleine vier große Knöpfe um das Display, welches als Touchscreen ausgeführt ist, aktivieren auf jenem das passende Bild. Drücke ich also auf „Clima“ erscheint die Einstellung der Klimaanlage. Toyota hat auch alle anderen Funktionen der Belüftung hier untergebracht. Die weitere Steuerung erfolgt dann über den Touchscreen mehr oder weniger intuitiv. So ist das auch beim Radio, welches selbst nur wenige Bedienelemente ausserhalb des Touchscreens hat. Selbst ich, der sehr offen für solche Systeme ist, brauchte eine Weile bis ich alles verstanden habe.

Nun müssen wir aber auch mal losfahren. Dafür ist es nötig, das Fahrzeug zu starten. Der Schlüssel ist kein richtiger Schlüssel, sondern einfach nur das Bedienteil der Funkfernbedienung mit der auch das Fahrzeug geöffnet wird. Damit man weiss, wo es ist, kann man es in eine Öffnung am Armaturenbrett, genau an der Stelle rechts des Lenkrades, an der sonst der Schlüssen steckt, einstecken. Es kann aber auch einfach in der Tasche bleiben, denn so lange es sich im Fahrzeug befindet, reicht ein Druck auf den Startknopf. Die Anzeigen leuchten auf, ein leises Surren ist zu hören. Mehr nicht. Der erste Versuch einen Gang einzulegen misslang natürlich. Der Hebel, rechts vom Lenkrad, gerade mal wenige Zentimeter groß und nur mit R, N, D (in dieser Reihenfolge) beschriftet, war nicht einfach zu finden. Alle drei Angaben befinden sich auf der linken Seite, der Hebel in einer Wartestellung rechts. Zuerst muss man ihn nach links drücken auf N und dann nach oben oder unten. Nach der Auswahl springt er wieder in seine Wartestellung rechts zurück. Wenn hier schon von der Standard-Automatikbedienung abgewichen wird, gehe ich davon aus, dass sie dann trotzdem logisch ist. Ich ziehe den Hebel nach links und nach unten um Rückwärts und nach oben um Vorwärts zu fahren. Beim Prius ist es genau anders herum. Absolut logisch…

Haben wir es geschafft, das Fahrzeug zu starten, fällt als aller erstes die Laufruhe auf. Das liegt einfach daran, dass der Elektromotor praktisch nicht zu hören ist. Doch sehr oft passiert es, dass dann doch der Benzinmotor anspringt, z.B. beim Anfahren, beim Beschleunigen, bei höheren Geschwindigkeiten und immer dann, wenn man es nicht erwartet. Oder einfach nur, um die Batterie aufzuladen. Läuft der Benzinmotor mit, wird es im Fahrzeug dann recht laut. Die Verteilung der Motorleistung und der Energiekreislauf kann, ebenso wie die aktuellen Verbrauchswerte, im Display angezeigt werden.

Die Umschaltung der Motoren kann zu kuriosen Effekten führen. So hatte ich den Fall, dass ich im Elektrobetrieb an eine Ampel heran rollte. Nebenbei gesagt, es empfiehlt sich die Bremse zu benutzen und das Fahrzeug nicht ausrollen zu lassen, durch die Bremsenergierückgewinnung wird die Batterie auch geladen. Ich rollte also mit dem Elektromotor an die Ampel. Als ich stand schaltete das Fahrzeug auf den Benzinmotor um, was deutlich zu hören war. Beim Anfahren griff es dann wieder auf den Elektromotor zurück. Ich dachte erst, es wollte nur die Batterie laden, konnte das aber nicht nachvollziehen, weil das Display sie als ziemlich voll anzeigte.

Über das Fahrverhalten kann oder muss ich leider sagen, dass so ein Fahrzeug nur für die Stadt und für Kurzstrecken geeignet ist. Hier spielt es seine Stärken mit dem Elektromotor aus: schnelle Beschleunigung bis 50/60 km/h, niedriger Sprittverbrauch dank Elektromotor. Doch auf der Autobahn fällt es negativ auf: laut, unbequem auf längeren Strecken, höherer Benzinverbrauch. Fährt man den Prius voll aus, schneller als 140 km/h habe ich nicht geschafft, ist man mit einem PS-starken BMW M3 besser dran. Selbst mit moderater Fahrweise habe ich es nur auf  einen Durchschnitt von 5,1 l/100km geschafft, die Werksangabe ist 4,3.

Ein Hybridantrieb hat auch sein Nachteile. (Nicht nur) im Winter sollte das Fahrzeug regelmäßig betrieben werden. Bei uns stand es eine Weile, weil wir keine Winterreifen dafür hatten und schon sprang es nicht mehr an. Die Batterie war leer. Nach einer Starthilfe brachte es auch noch regelmäßige Fehlermeldungen, denn auch die Hybridbatterie war leer. Erst nach etlichen Kilometern war wieder Ruhe. Jetzt ist Sommer, der Prius stand wieder eine Weile und er springt wieder nicht an. Wieder ein mal werden wir ihm Starthilfe geben müssen. Dann für seine letzte Fahrt zum Händler. Und ich muss sagen, ich bin froh, wenn er weg ist.