Wir wachen früh auf und es ist noch dunkel. Ein Glück, denn so können wir den filmreifen Sonnenaufgang noch erleben. Leider haben wir die Timelapse-Funktion an unserer Kamera erst später gefunden. Deswegen gibt es auch nur ein Bild. Als der erste Lichtstreifen am Horizont erscheint setzen wir uns auf den Balkon. Es ist kalt draussen, aber das macht uns nichts aus. Mit der ersten aufgehenden Sonne schälen sich die Felsen aus der Dunkelheit. Langsam werden sie heller und als die Sonne über den Horizont schwappt strahlen die Felsen zwischen golden und kupferrot. Der Blick ist atemberaubend. Wir können verstehen, warum John Wayne hier so gerne stand und auf das Valley blickte. 1939 wurde hier der Western Stagecoach gedreht, es sollten noch viele folgen. Somit hat das Monument Valley eine lange Filmtradition.

Die Fahrt dagegen ist relativ langweilig. Wir haben uns schon für eine Nebenstrecke, die Indian Route 59 entschieden. Doch auch die ist hauptsächlich ein geradeaus führender Highway. Ich bezweifle, dass die Route über die Highways 160 und 191, welche besser ausgebaut sein sollen, da anders ist. Nur kurz lenkt eine Bergkette ab, durch die wir hindurch müssen. Immer wieder tauchen am Strassenrand Ansiedlungen auf, die irgendwie verlassen aussehen. Doch da stehen Autos und es sind Rinder auf den Weiden. Trotzdem, in dieser Wüstengegend erscheint uns das alles trostlos.

Ein Truck überholt uns. Nun, vielleicht lässt es sich schlecht beschreiben, aber der Überholvorgang zieht sich über Meilen hinweg hin. Erst ist er nur ein kleiner schwarzer Punkt im Rückspiegel, nach einigen Meilen dann zu erkennen. Erst ein paar Meilen weiter ist er direkt hinter uns. Es kommt ein Gefühl auf, das sich am Besten mit dem Film Duell beschreiben lässt. Zumindest für jene, die ihn gesehen haben. Dann überholt er. Und auch danach, erst nach unzähligen Meilen ist er vor uns verschwunden. Alles ist hier eben etwas gemächlicher.

Wir stoppen am Canyon de Chelly, der mehr oder weniger am Wegesrand liegt. Auch hier, es ist wie das Navajo National Monument ein National Monument und liegt auf Navajo-Grund, ist der Eintritt frei. Seit 1931 untersteht es dem National Park Service und ist somit geschütztes Land. Nur Navajo die hier leben dürfen es nutzen. Seit 1970 ist der Canyon im National Register of Historic Places.

Aufgebaut ist er wie alle anderen Parks, in denen wir waren. Es gibt eine Strasse (South Rim) als reine Parkstrasse sowie ein normale Strasse (North Rim) mit Abzweigen. Diese führen zu den einzelnen Aussichtspunkten. Wir sehen uns am Ende der Parkstrasse Spider Rock, rechts im Bild, an, der mitten im Canyon gut 230 Meter steil nach oben steht. Und wir stehen knapp darüber. Oben auf der Spitze wachsen sogar Büsche. Der Aussichtspunkt und die Infotafel dazu sind knapp auf der Hälfte des dortigen Weges.

Es lohnt sich aber die hundert Meter bis zum Ende zu laufen. Hier hat man einen schönen Überblick über den Canyon. Unten sind in einer Ecke auch schon die ersten Siedlungen sichtbar. Diese stammen von den Anasazi und Navajo, die sich hier ab dem Jahre 300 angesiedelt hatten und etwa 1000 Jahre hier lebten.

Die Siedlungen, die kann man allerdings einen Aussichtspunkt früher besser sehen. Teilweise sind sie so weit oben im Felsen, dass man sich fragt, wie die Siedler damals hinauf kamen. Eventuell sind auch einfach nur Felsen abgebrochen, die damals eine Verbindung herstellten. Ab hier führt auch der White House Ruin Trail nach unten. Der einzige Trail und die einzige Tour, die ohne Erlaubnis und ohne Ranger gemacht werden darf. Die Ruinen, die am Ende des Trails liegen sind links auf dem Bild zu sehen. Doch dazu sollten die Hiker eine Menge Zeit, Kondition und Wasser mitbringen. Sie müssen 300 Meter nach unten und hinterher wieder nach oben. Die Gesamtstrecke sind drei Meilen. Wie ich so lese sollte man auch keine Höhenangst haben. Für uns ist das heute nichts, wir müssen weiter.

Wir halten unterwegs noch kurz an Hubbels Trading Post. Gebaut 1878 ist es ein National Historic Site. Früher war es ein Treffpunkt und Handelsplatz zwischen Siedlern und Navajos, heute gibt es ein Museum und Führungen. Nett ist das schon anzusehen, doch nichts für einen längeren Stopp. Weiter geht es nach Süden. Schnurgerade führt der Highway auf und ab über Hügel bis zur Interstate 15. Hier fahren wir bis Holbrook. Von der alten Route 66, die hier lang führte, ist nichts mehr zu sehen. Der Interstate hat sie platt gemacht.

An der ersten Abfahrt nach Holbrook fahren wir auch auf der Route 66. Sie führt direkt durch den Ort. Man merkt es, denn hier wird überall damit geworben, Fast Food Läden und Motels wechseln sich ab. Stilecht essen wir in einem Diner einen Burger, den bisher besten der Tour. Wir müssen allerdings zugeben, dass es sich um ein Kettendiner, ein Denny’s, handelt. Die haben zwar nicht den besten Ruf, das in Holbrook ist allerdings das Beste Denny’s der USA. Jedenfalls werben sie damit und wir sind zufrieden. Der Burger wurde frisch zubereitet und schmeckt.

Unsere Unterkunft, die Globetrotter Lodge, liegt am anderen Ende von Holbrook im West Hopi Drive. Natürlich mit einem dicken Route 66 Logo auf die auf die Mauer gemalt, so direkt an der Route 66. Gegenüber ist das Wigwam Motel mit jede Menge alter Autos vor den Tipi-Zimmern. Viele dürften es aus dem Animationsfilm Cars kennen. Vieles auf dieser Seite des Ortes sieht alt aus. Gegenüber auf der anderen Seite ist eine alte Autowerkstatt mit dem Namen „Volkswagenwerks“ und alten Bullis vor der Tür. Der Rest ist eine gute Mischung aus aufgehübscht und vergessen. Die Globetrotter Lodge sieht auch aus wie ein altes Motel, doch sie wurde in den letzten Jahren aufgehübscht. Beim Einchecken stellen wir fest, dass hier deutsch gesprochen wird. Kurz darauf finden wir heraus, dass die Besitzer aus Tirol stammen und vor drei Jahren das Motel gekauft haben. Zehn Zimmer sind schon fertig renoviert und entsprechen der Innenausstattung nach nicht dem üblichen Hotel-/Motel-Look. Das gefällt uns.