Auch wenn nicht weit unseres Motels eine Bahnstrecke vorbeiführt haben wir recht gut geschlafen. Die regelmässigen Güterzüge im Format von vier Dieselloks und über 100 Wagen gingen irgendwann in den Umgebungsgeräuschen unter. Zum Frühstück lernen wir den Hausherren kennen, der etwas mehr über die Globetrotter Lodge und wie man als Tiroler dazu kommt erzählt. Ja, Frühstück ist hier inklusive. Die Auswahl ist die übliche: Toast, Bagels, Marmelade, Müsli… Trotzdem, besser als bei anderen Hotels.

Wir haben Holbrook als Übernachtungsort gewählt weil es von hier nicht weit zum nächsten Nationalpark ist. Painted Desert & Petrified Forest warten auf uns. Dieser Park hat hier auch seine eigene Interstate-Abfahrt. Eine andere Möglichkeit hin zu kommen ausser der Interstate 40 gibt es auch nicht. Früher wäre es direkt an der Route 66 gelegen. Ausserhalb der Einfahrt befindet sich das unvermeidliche Visitor Center. Auch hier kann man alles mögliche kaufen, was auch nur als Merchandising angeboten werden kann. Wir greifen sogar zu und kaufen uns einen Benchmark als Kühlschrankmagneten. Angeschlossen ist hier auch ein Diner. Das haben wir noch in keinem Park gesehen. Mit einem Kaffee aus dem Diner fahren wir zur Einfahrt.

Auch hier wäre 25 Dollar fällig gewesen, doch auch hier zücken wir den National Park Pass und sind drin. Knapp 30 Meilen führt die Strasse, die Park Road, von Norden nach Süden bis zum Highway 180, der zwar noch in Betrieb, aber genau so verlassen ist, wie die Route 66. Die Park Road führt in einem Bogen von der Einfach nördlich des Interstate bis zu einer Brücke auf der man ihn überquert. Von hier bietet sich der Ausblick auf die Painted Desert, die Wüstengegend, die nordwestlich von hier liegt.

Stark verwitterte Bergkuppen erheben sich hier in der Landschaft. Durch Erosion der vielen verschiedenen Gesteinsschichten bilden sich hier die bunten Streifen, die sich über die Hügel ziehen. Über 200 Millionen Jahre sind sie alt, die Schichten die hier abgelagert sind. Die Farben bilden viele metallische Zusätze und auch Vulkanasche. Vorwiegend rot und gelb gibt es hier, doch auch weisse und dunkle Schichten bis hin zu blau sind zu sehen. Am ersten Aussichtspunk kann das schon gut beobachtet werden.

Nicht weit dahinter liegt das Painted Desert Inn. Dies ist eine Lodge, die von 1937 bis 1940 vom Civilian Conservation Corps gebaut wurde. Im inneren gab es Gasträume und ein Diner, welches mit Wandmalereien eins Hopi-Künstlers geschmückt ist. Heute ist es eine Art Museum. Das Diner, der Gastraum und die Küche wurden originalgetreu wiederhergestellt und können betrachtet werden. Im Keller ist ein Teil der alten Bar enthalten. Natürlich gibt es auch hier noch einen Aussichtspunkt.

Am nächsten Aussichtspunkt hat man noch mal einen weiteren Blick über die Painted Desert. Viel mehr bunte Hügel sind hier zu sehen, weit bis zum Horizon hin. Atemberaubende Ansichten bieten sich hier.

Der letzte Haltepunkt vor der Brücke über den Interstate ist dann thematisch passend mit Route 66 benannt. An Stelle der alten Strecke wurde hier die Karosserie eines Oldtimers aufgestellt und das Logo in Beton geprägt. Das Auto ist in einem bedenklichen Zustand, es rostet stark trotz des trockenen Klimas. Schön ist, dass die Ranger hier an drei Punkten offizielle Geocaches gelegt haben.

Südlich des Interstates gilt es noch die Bahnlinie zu überqueren. Auch hier hilft eine Brücke. Nach einem kurzen Stopp an Indianerruinen ist der nächste Haltepunkt wieder interessant. Ein kleines Stück von der Park Road entfernt befindet sich Newspaper Rock. Hier sind Petroglyphen, in Stein gearbeitete Felsbilder zu finden. Geschätzt 2000 Jahre sind sie alt und mehr als 650 Zeichnungen sind hier zu finden. Einige davon können durch eine Fernrohr genauer betrachtet werden.

Weiter geht es zur Blue Mesa. Ein Abzweig führt zu dem Rundkurs auf der Mesa. Es gibt die üblichen Haltepunkte und auch einen Trail. Blau- und Weisstöne bestimmen hier da Bild der unwirtlichen Wüste, was auch dem Ort seinen Namen gibt. Wüsten wir es nicht besser würden wir glauben, auf dem Mond zu stehen. Auch die ersten versteinerten Baumstämme sind hier zu sehen. Wer mehr von den Farbtönen sehen will läuft den Trail hinunter ins Tal. Unglaubliche Gesteinsformationen sind hier zu finden. Zu beschreiben ist das ganze schwer.

Der nächste Punkt an dem wir gehalten haben nennt sich Crystal Forest. Nach ein paar Infotafeln führt hier ein gute eine Meile langer Trail recht kurvig und hügelig durch versteinerte Baumstämme.

Vor 225 Millionen Jahren war dieser Teil des Landes noch ein Teil des Superkontinents Pangaea. Er lag auf Höhe des Äquators und hatte subtropisches Klima. Wie die Bäume zu Stein wurden kann die Wikipedia besser erklären:

Umgestürzte Bäume wurden von Fluten unter Schlamm und Schlick begraben. Vergraben von weiteren Ablagerungen verlangsamte sich der natürliche Zerfall des Holzes aufgrund fehlenden Sauerstoffs. Unter der dicker werdenden Sedimentabdeckung sickerte kieselsäurehaltiges Grundwasser in die Baumstämme ein. Quarz und Chalcedon lagerten sich in den Hohlräumen der Stämme ein, ersetzten nach und nach das Zellgewebe und erhielten so die Holzstrukturen der Stämme in Stein.

Faszinierend sind nicht nur die Strukturen, die im Holz und teilweise auch noch an Rinde erhalten sind. Auch die vielen bunten Sprenkel und die Farbstrukturen in den Stämmen sind spannend. Hier konnten wir uns nicht satt sehen und die Kamera lief fast heiss. Leider wurden früher viele Holzstämme aus dem Park geschleppt und verkauft. So sind teilweise in den Stämmen nur noch Löcher zu erkennen, wo sich während der Versteinerung Edelsteine gebildet hatten. Ein Großteil der Stämme ist durch Erdbewegungen und Frostsprengung in Scheiben gespalten.

Am südlichen Parkzugang ist noch ein Long Logs Trail, den wir uns nicht angesehen haben, und das Rainbow Forest Museum. Hier gibt es noch ein mal zwei kurze Trails mit lokalen Pflanzen und einigen wirklich beeindruckenden Stämmen, teilweise noch mit Wurzelballen dran. Ausserdem haben die Ranger hier einen kleinen Garten angelegt, in dem sie versuchen die gleichen Pflanzen zu ziehen die auch die Ureinwohner anbauten. Teils sah das Ganze aber nicht wirklich erfolgreich aus.

Wir verliessen hier den Park, inzwischen war es Nachmittag geworden. Über die 180 fahren wir zurück nach Holbrook und gönnen uns erst ein mal einen leckeren Snickers-Sundae bei Dairy Queen. Nach einer längeren Abkühlphase raffen wir uns noch ein mal zu einem Abendessen bei Denny’s auf.