Wir verabschieden uns früh von der Globetrotter Lodge in Holbrook und nehmen gleich die nächste Auffahrt auf die Interstate 40. Nach Flagstaff gibt es hier keine andere Wahl. Früher führte hier die Route 66 lang, doch die ist unter dem Asphalt der Interstate begraben. Asphalt ist ein gutes Stichwort: Die Autobahnen hier bestehen immer aus Asphalt und nicht wie bei uns aus Beton. Entsprechend gibt es auch keine Röddel-Stellen, sondern eine ebene Fahrbahn.

Die erste Abfahrt, die lohnenswert erscheint, ist Winslow. Vorher gibt es an der Interstate zwar immer wieder kleine Siedlungen mit Abfahrten, Alternativrouten sind aber nur Service Roads, die mal besser, mal schlechter ausgebaut sind. Nördlich liegt der Homolovi Ruins State Park mit dem üblichen Visitor Center und Campground. Dazu gibt es noch über 300 archäologische Stätten der Anasazi. Doch wir fahren die südliche Route.

Biegt man nach der Abfahrt links in die Sackgasse ab, kommt man zum Minetonka Trading Post. Eigentlich ist das nicht spannend. Der Trading Post hat geschlossen, und vom ehemaligen Post Office, der Tankstelle, dem Laden usw. ist nicht mehr viel zu sehen. Interessant ist die Front, deren Eingangsbereich komplett mit versteinertem Holz verkleidet ist. Wer möchte, kann den Laden für 100.000 Dollar kaufen. Interessant daran ist dann allerdings nicht der Laden, sondern die Werbefläche, die dahinter steht und zum Grundstück gehört, und die Liquor license, die zum Alkoholausschank berechtigt.

Ansonsten ist Winslow nicht das, was man davon hält. Es gibt einen großen Hype um „Standin‘ On The Corner“, einem kleinen „Park“ in der Stadtmitte, weil im Song „Take It Easy“ von den Eagles eine Songzeile lautet „Standin‘ on the corner in Winslow, Arizona“. Hier gibt es ein Wandgemälde, eine Statue und ein paar Plaketten. Das war’s. Aus unserer Sicht ist das schon die einzige Sehenswürdigkeit in Winslow, und deren Bedeutung lässt sich unter anderem daran bemessen, dass der Coffee Shop direkt gegenüber Pleite gemacht hat. Es gibt noch ein nettes Visitor Center, etwa eine Meile weg, wo die Angestellten freundlich und hilfreich sind und darauf versessen, mehrfach auf „Standin‘ On The Corner“ hinzuweisen. Man hat ja sonst nicht viel an dem man sich festhalten kann. In Richtung der Santa Fé Railroad wurde versucht, einen Historic Walk anzulegen. Das ist ganz gut gelungen, aber sicher kein Grund nach Winslow zu fahren. Ach ja, und das La Posada Hotel, sich selbst bezeichnend als „The Last Great Railroad Hotel“, gebaut 1930, steht noch in Winslow. 1957 geschlossen, wurde es später renoviert und wieder eröffnet. Zum Hotel bzw. zur nahen Amtrak-Station und der Bedeutung Winslows gibt es noch einen schönen Ausschnitt aus der Wikipedia:

Of the eight Arizona stations served by Amtrak, Winslow was the sixth busiest in Fiscal Year 2010 (FY10), boarding or detraining an average of 14 passengers daily.

Wir fahren lieber mal wieder auf die Interstate, denn wir haben hier genug gesehen. Bis zum Exit 233 bleiben wir auf der Interstate, wer noch ein Stück Old US 66 fahren möchte hat hier die Chance. Wir folgen der Meteor Crater Road. Diese führt, wie nicht anders zu erwarten, zum Meteor Crater. Dieser Meteoritenkrater, der vor etwa 50.000 Jahre durch den Einschlag eines etwa 50 Meter großen Eisenmeteoriten entstanden ist, kann hier besichtigt werden.

1871 haben Kartographen der US Army den Krater entdeckt. Daniel Moreau Barringer, nach dem auch der Krater benannt ist, betrieb in der Nähe eine Silbermine. Als er 1902 von der Meteoritentheorie erfuhr, sicherte er sich einen Claim. Allzu erfolgreich war er damit nicht. 27 Jahre seines Lebens verbrachte er damit, im Inneren des Kraters nach dem Eisenmeteoriten zu suchen. Was er nicht wusste: der Meteorit ist bei dem Einschlag fast vollständig verdampft. Auf den Ebenen um den Krater fanden europäische Siedler jedoch 30 Tonnen meteoritisches Eisen. Heute ist der Krater in Privatbesitz und eine Touristenattraktion. Leider auch eine teure. 18 Dollar Eintritt pro Person muss man einrechnen. Dafür bekommt man ein kleines, aber ganz spannendes Museum geboten. Von dem kleinen Park vor dem Museum bietet ein Fenster einen Blick auf die Ebene. Und natürlich die Aussicht vom Kraterrand in den Krater hinein. Ob es den Preis wert ist, das mag jeder selbst entscheiden. Wir fanden es etwas pricy.

Ein ganzes Stück weiter auf der Interstate 40 treffen wir wir wieder auf die Route 66. An Exit 204 geht es nördlich auf die historische Route. Doch wir wenden uns erst nach Süden. Hier führt die Walnut Canyon Road nach Süden zum gleichnamigen Walnut Canyon. Es ist ein National Monument, und wir können mit unserem National Park Pass rein ohne den obligatorischen Eintritt zu bezahlen. Jedenfalls theoretisch, denn praktisch ist der Strom ausgefallen und umgebaut wird auch. Da drücken die Ranger auch mal ein Auge zu und lassen alle so rein. Nicht nur ein tiefer Canyon wartet hier auf die Besucher, sondern auch alte Ruinen in den Felsspalten. Diese stammen von den Sinagua, die hier von 1100 bis 1250 lebten. Zwei Trails, einer auf dem Rim und einen steilen in den Canyon hinein, laden die Wanderer ein. Da der Besuch hier von uns nicht geplant war und wir hier nur gestoppt haben, weil es an der Strecke liegt, begnügen wir uns mit dem Ausblick von oben.

Vom Walnut Canyon weg nach Norden fahren wir auf der Route 66 weiter nach Flagstaff. Diese ist hier sehr gut ausgeschildert und führt erst an East Flagstaff, hauptsächlich Wohn- und Einkaufsstadtteil, vorbei und gleich mitten nach Flagstaff hinein. Für die Übernachtung haben wir uns für das Howard Johnson Inn entschieden. Als wir ankommen, stellen wir fest, dass es mehrere gibt und wir im falschen sind. Das ist an sich nicht schlimm, denn der Receptionist, geschätzt um die 60, ist sowieso eher grantig. Unser richtiges liegt wieder nahe an der I40, und hier ist alles etwas freundlicher.

Wir sehen uns noch gegen Abend bei einem kleinen Schaufensterbummel die Innenstadt von Flagstaff an. Mit seinen 70.000 Einwohnern ist es hier richtig lebhaft. Alte Gebäude stehen in der Innenstadt um die Amtrak-Station. Es gibt kleine lokale Brauereien und Coffee-Shops, Outdoor-Läden und erstaunlich wenig Ketten. Man merkt, dass es hier eine Universität gibt. Flagstaff gibt sich wie eine kleine lebendige Studentenstadt. Zum Abendessen haben wir uns die Beaver Brewery ausgesucht. Gemütlich ist es hier, und die Braukessel stehen direkt neben dem Gastraum. Lediglich beim Essen sollte man aufpassen, denn hier ist das urige besser als das typisch amerikanische Essen. Zu empfehlen wären die Würstchen mit Sauerkraut, sogar der Senf auf dem Teller ist hier hausgemacht.

Flagstaff ist bis jetzt die erste Stadt auf unserer Reise, in der wir auch ein paar Tage länger verbringen könnten. Mit dieser Erkenntnis schlafen wir trotz der nahen Interstate in unserem Motel ein.