Von Hamburg bis Hawaii

Unterwegs in aller Welt

USA2012 – Tag 17-20 – San Francisco

Am Vorabend, also dem Tag nach dem PIMA-Besuch, haben wir uns recht schnell ins Hotel begeben. Der Flughafen von Tucson ist relativ nah am Museum, das Hotel haben wir uns nah am Flughafen ausgesucht, ähnlich wie Herr Kescherbande, und das Auto konnten wir am Flughafen bei Alamo abgeben. Nach einem kurzen Einkauf und nachdem wir unser Gepäck im Hotel abgeladen haben, gaben wir das Auto ab. Das war unkompliziert. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Angestellten von Alamo über die Sunset Station in Las Vegas gab er uns unsere Quittung (auf deutsch) und führte uns sogar noch zum Parkhausausgang, um uns den Weg zum Hotel zu zeigen. Das waren dann nur noch zehn Minuten zu Fuß.

Am nächsten Morgen, nach einem Hotelfrühstück mit mehr Air Force und Luftwaffenangehörigen als auf einer Basis, ging es den Weg retour zum Flughafen. Unser Flug führte uns mit US Airways erst nach Phoenix zum Umsteigen und dann weiter nach San Francisco. Nach den beiden recht angenehmen Flügen brachte uns die BART in die Innenstadt und zu unserem Hotel um die Ecke von Union Square. Das Park Hotel stellt sich als altes Haus heraus, das wohl früher als Wohnhaus diente. Ein alter Aufzug, noch mit den zusammenklappenden Schiebetüren bringt uns in die zweite Etage in den Blauen Salon. Genauer unser recht übersichtliches Hotelzimmer. Dafür ist die Lage mitten im Finanzdistrikt und neben Chinatown ideal.

Zum Abendessen zieht es uns dann auch nach Chinatown. Am Chinatown Gate, wirklich dem Tor nach Chinatown rein, sehen wir falsche Cable Cars, die auf normalen Bus-Fahrgestellen fahren. Hier sehen wir auch die ersten steilen Strassen, die im Fernsehen immer so unglaublich aussehen. Sie sind wirklich so. Auch das erste richtige Cable Car rattert durch Chinatown, und wir fühlen uns recht wohl hier. Nachdem wir eine ganze Zeit herumgestromert sind finden wir etwas zu essen das uns zusagt Die Auswahl ist hier sehr umfangreich und die Entscheidung fällt schwer. Im House of Nanking landen wir, einem kleinen vollen chinesischen Restaurant. Erst später stellen wir fest, dass dieser kleine, recht billige Laden zu den besten chinesischen Restaurants der Stadt gehört. Selbst im Dunkeln finden wir zurück zum Hotel und fallen müde ins Bett.

Am nächsten Morgen wollen wir nach Alcatraz. Das Wetter ist gut. Es ist zwar kalt, aber die Sonne scheint. Wir fahren mit der historischen Strassenbahn, der F-Line bis an Pier 33. Im Internet haben wir gelesen, dass man im Voraus buchen soll. Wir sind mit der Hoffnung hin, am nächsten Tag vielleicht ein Ticket zu bekommen. Und in der Tat, am Eingang steht schon ein Schild, dass ankündigt, für den nächsten Tag gäbe es noch Tickets. Wir gehen also zur Kasse und fragen. Als Antwort kommt wir die Gegenfrage „Jetzt gleich die erste Fahrt?“. Und schon haben wir für eine halbe Stunde später Tickets.

Schnell holen wir uns noch im angrenzenden Cafe einen Kaffee und ein paar Donuts. Das war hier zwar nicht günstig, aber verfügbar. Eine halbe Stunde später bringt uns die Fähre zu „The Rock“. Der Eintritt auf Alcatraz, was zum National Park Service gehört, ist frei, allerdings muss man hin kommen. Das macht die Fähre, es gibt nur da ein Unternehmen, das eine Lizenz hat, und der Trip kostet bei unserem Besucht 28 Euro. Auf der Insel angekommen, bestaunen wir zu erst den Oldtimer, den ein Ranger hier vor und zurück fährt. Dann  dürfen wir uns den obligatorischen Verhaltensregel-Vortrag anhören. Unser „Guide“ ist hier ehrenamtlich und scheint abends als Comedian zu arbeiten. Sein Vortrag ist kurzweilig und damit erträglich. Dann dürfen wir losstapfen.

Wir folgen nicht der Masse zu dem Museum hoch, sondern laufen den weiteren Aloe Trail. In der Ferne schält sich die Golden Gate aus dem Nebel. Oben angekommen stehen wir auf dem Exerzierplatz, der weite Teile des Jahres (abgesperrtes) Brutgelände der Seevögel ist und auch entsprechend aussieht und riecht. Von hier gehen wir erst zum Museum. Durch den Zellentrakt und die Verwaltung verlassen wir wieder das in den 1960ern aufgegebene Gefängnis. Im Gegensatz zu den Besuchermassen gehen wir wieder durch den Gefängnistrakt auf den Innenhof und steigen von da die Treppen hinunter. Wir sehen die Gärten, die hier nach altem Vorbild neu angelegt wurden. Viele Besucher wissen nach dem Besuch wohl nicht mal, dass es die gibt.

Als wir am Fähranleger ankommen, kommt auch gerade eine Fähre. Als wir die nicht enden wollenden Menschenmassen sehen, wissen wir, dass es eine gute Entscheidung war, gleich das erste Schiff zu nehmen. Wir fahren zurück und werfen noch einen letzten Blick zurück auf den in der Sonne liegenden Felsen. Wir sind von Alcatraz entkommen. Am Ferry Building machen wir einen Stopp um uns ein Mittagessen zu suchen. Es ist so etwas wie eine Delikatessen-Halle. Wir finden das Boccalone, hier gibt es so ziemlich alles, was man vom Schwein machen kann, bevorzugterweise als Wurst. Es gehört einem gewissen Koch namens Chris Cosentino, auf dessen kulinarischen Künste wir später noch ein mal treffen sollen. Die Sandwiches hier sind zwar nicht ganz günstig, dafür aber besonders lecker. Wir setzen uns draussen an das Pier in die Sonne, schauen den Schiffen zu und geniessen unser Sandwich.

Unser nächstes Ziel ist so touristisch, dass wir erst überlegen, ob wir es nicht lassen sollen: Fishermans Warf. Doch dann beschliessen wir doch durch das Touristenpier zu gehen. Erstaunlicherweise ist es dort hübscher als gedacht. Mit einem Kaffee in der Hand laufen wir am Pier entlang und geniessen die Sonne. Ein Sammlerladen hat interessante Bilderrahmen mit Postern, LPs und Memorabilia. Wir hätten auch das eine oder andere gefunden, doch zum Transportproblem kommt das Geldproblem. Eine signierte The Wall von Pink Floyd liegt bei gut 5.000 Dollar.

Natürlich betrachten wir auch noch eine Weile die Seelöwen, die sich hier an Pier 39 in der Sonne aalen. Nach einem Erdbeben am 17.10.1989 und der danach bootsfreien Zeit wegen Reparaturarbeiten siedelten sich hier die Seelöwen an. In der geschützten Bucht hatten sie weniger Feinde wie Haie und Orcas, und die Fischgründe in der Nähe sind noch üppig bestückt. Ende des Jahres waren es dann sechs bis zehn Tiere und wenige Monate später über 400. Nach Beschwerden von Bootsbesitzern, die hier ihre Boote liegen hatten, wurde das Dock für den öffentlichen Bootsverkehr gesperrt und die Anlage den Seelöwen überlassen. Zeitweise gab es hier bis zu tausend Tiere.

Weiter geht es zu Fuß bis zur USS Pampanito, einem alten U-Boot, das hier im Hafen liegt. Jedoch sind wir nicht wegen dem Boot hier, sondern wegen dem Musée Mécanique. Massenweise alte Spielautomaten stehen hier. Teils sind sie über hundert Jahre alt, teils neuere Flipper und modernere Rennspielmaschinen. Der Eintritt ist frei, wer möchte kann so viel mit den Maschinen spielen wie er will, das kostet dann einen Quarter. So finanziert sich  auch das Museum.

Wir wollen mit dem Cable Car zurück zum Union Square fahren. Doch aus irgendeinem Grund, der sich uns nicht erschliesst, fährt hier nichts. Nach einer Weile gehen wir wieder zurück zur Strassenbahn und fahren mit der historischen F-Line bis in den Finanzdistrikt.

Für den Abend haben wir einen Tisch im Incanto reserviert. Das Restaurant des aus Top Chef Masters bekannten Chris Cosentino hat italienische Küche mit der Besonderheit einiges an Innereien zu benutzen. Wir fahren früher los, um uns noch ein bisschen die Umgebung um die Church Street anzusehen. Wegen irgend eines Defekte benötigt unsere Bahn aber bedeutend länger, und so kommen wir genau zur reservierten Zeit an. Über das Abendessen zu berichten würde jetzt zu weit führen, das rechtfertig einen eigenen Artikel. Wohlgesättigt fallen wir jedenfalls abends in Bett.

Am nächsten Morgen zeigt sich die Stadt nicht mehr ganz so schön. Es ist grau und trübe. Wir wollen zur Golden Gate Bridge. Um die Ecke vom Hotel erwischen wir nach einiger Wartezeit ein Cable Car und kommen endlich in den Genuss, mit einem historischen Fahrzeug durch die steilen Strassen zu fahren. Nach einigem rauf und runter kommen wir an der Endhaltestelle Hyde Street an. Wir laufen in Nieselregen bis zum Ghiradelli Square und verziehen uns zum Frühstück in das einzige schon geöffnete Café, das zufällig auch Ghiradelli gehört. Zum gekauften sehr leckeren Croissant mit Schokolade drüber gibts den Kaffee umsonst. Nachdem wir uns eine Weile herumgedrückt haben und genug Schokoladenproben der neuen Saisonsorte Pumpkin Spice abgegriffen haben, gehen wir weiter.

Der Nieselregen ist nur noch minimal spürbar und wir laufen bis Fort Mason. Dort führt uns ein Geocache in einen hübschen kleinen Community Garden. Wir wandern durch die Beete des 1975 gegründeten Gartens. Alle sind hübsch angelegt und viele nutzen es auch um Obst und Gemüse anzubauen. Am Eingang fällt uns die Warteliste auf. Der älteste der über einhundert Einträge ist von 2004.

Der Regen wird stärker und wir vergessen unseren Plan zur Golden Gate zu laufen. Statt dessen versuchen wir uns ein öffentliches Verkehrsmittel zu suchen. Einiges Strassen weiter finden wir eine Bushaltestelle und nachdem einige Busse vorbei gefahren sind kommt auch endlich die Linie, die hier hält. Wir fahren einfach mal und gucken wo wir rauskommen. Zum Glück fährt der Bus irgendwann nach Chinatown und wir steigen aus. Nach einem Spaziergang durch Chinatown, der Regen hat inzwischen nachgelassen, müssen wir erst ein mal Postkarten los werden. Das gestaltet sich nicht ganz einfach, denn alle Karten und auch eine Google-Anfrage behaupten, bei Macy’s am Union Square gibt es ein Post Office. Doch es ist nicht zu sehen. Nach einer ganzen Weile bekommen wir dann raus, dass es im Keller steckt. Und selbst dort ist es noch in der hintersten Ecke.

Wir trauen uns mit dem Bus nach Japantown zu fahren. Ohne eine Ahnung, wo wir aussteigen müssen, versuchen wir es einfach und wir kommen sogar an. Besonders ist das jetzt nicht. Eine Pagode und ein Einkaufszentrum mit viel Japangerödel. Eine japanische Nudelsuppe gibt es als Mittagessen. Immerhin vertreibt es die Zeit mit dem schlechten Wetter.

Auf der Rückfahrt bessert sich das Wetter und wir nehmen die Strassenbahn in den Mission District. Wir wollen zur Bi-rite Creamery wo es richtig gutes Eis geben soll. Als wir ankommen scheint die Sonne, das passt, und wir sitzen draussen an der Strasse und schlecken unser Eis. Wir gehen weiter bis zur Mission Street und biegen beim BART-Bahnhof Mission & 16th in Richtung Downtown ab. Dieser Bahnhof, also die Aussenseite davon, ist das bisher hässlichste, was wir gesehen haben. Nicht etwa wegen der Architektur sondern weil es einfach verwahrlost ist. An allen Ecken sitzen Penner und Fertige mit den vollgepackten Einkaufswagen wie man sie auch im Fernsehen kennt, einfach kein schöner Anblick.

An der 14th Street stossen wir auf ein interessantes Gebäude in der Optik einer Burg. Die Armory. Das Gebäude wurde 1912 bis 1914 von der Unites States National Guard gebaut. 1976 haben sie das Gebäude dann aufgegeben und sind umgezogen, 1978 wurde es zum National History Landmark ernannt. Seit dem stand es immer mal wieder leer. Dazwischen wurde es für verschiedene Zwecke genutzt. So hatte z.B. die San Francisco Opera hier Werkstätten und die Innenaufnahmen der Raumschiffe in Star Wars wurden hier gedreht. Weitere Pläne zur Verwendungen von Privatunternehmen gab es viele, doch keine konnte sich durchsetzen. 2006 wurde das Gebäude dann verkauft. An kink.com, einen der größten Internet-Porno-Produzenten. Die haben hier jetzt ihre Büros und Studios eingerichtet. Und noch etwas: Führungen durch das Gebäude.

Wir waren uns erst unschlüssig, trauten uns aber dann doch. So lernten wir nicht nur einiges über die Fetish- und Porno-Industrie mit teils humorvollen Ansichten sondern auch über das Gebäude. Als Beispiel, der Mission Creek, ein Fluss, der seit den 1800er Jahren kanalisiert und unterirdisch verläuft. Im Keller der Armory gibt es den einzigen Ort, an dem man den Fluss sehen kann, denn hier läuft er mitten durch. Die National Guard hat damals beim Bau eben praktisch gedacht. Wasser könnte man immer mal brauchen. Oder auch der Exerzierplatz, dessen Dach das größte freistehende Dach, also ohne Stützen, der Stadt ist. Völlig unerwartet war die Führung spannend und interessant. Und etwas anderes, was man so sonst im Urlaub eher nicht erlebt.

Der Tag war damit auch schon beendet. Und der Urlaub auch praktisch. Am nächsten Morgen ging es noch ein mal Souvenir-Shopping am Ferry Building und dann brachte uns die BART auch schon zum Flughafen. Mit British Airways ging es mit einiger Verspätung über London zurück nach Hamburg.

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