Dank des Jetlags waren wir am ersten Tag schon früh wach. Und was tut man, wenn man am ersten Tag früh wach ist? Richtig, man geht da hin, wo schon auf ist. In Las Vegas kein Problem. Doch uns zog es nicht ins Casino, das hatten wir im Erdgeschoss des Hotels schon. Wir fuhren um die Ecke zu Walmart.

Von den Angestellten, die Waren einräumten, wurden wir misstrauisch beäugt. Da dieser Walmart, wie so ziemlich alles in USA, so richtig groß war, konnte ich nicht sagen ob wir den Markt für uns alleine hatten, aber es hatte den Anschein. Erschreckt stellten wir fest, dass es zwar ein große Auswahl gab, diese aber durchweg schlecht war. Ein Großteil war auf Fertiggericht oder sonstige Fertigprodukte ausgelegt und teuer. Von Wurst brauchen wir erst gar nicht zu sprechen, die bestand in der Regel zu 20% aus Wasser. Jedenfalls teurer als bei uns. Einzig die Bananen blieben mit in Erinnerung mit guten Preisen.Wir hatten Mühe etwas zu finden, das uns die nächsten Tage auf der Tour versorgen sollte, und kauften einen 32er-Pack 0,5 Liter-Flaschen Wasser, der hinten ins Auto gestellt wurde. Ein guter Tipp, den ich jedem geben kann, der länger mit dem Auto unterwegs ist. So hat man immer was zu trinken dabei und kann auch mal unterwegs einfach anhalten.

Da wir in Henderson übernachteten, war es ein Katzensprung auf die Interstate. Wir wendeten uns Richtung Süden. Auf der I515 fuhren wir bis Boulder City. Hier fanden wir einen Starbucks, zahlten den Preis für einen Kaffee und den Aufschlag für den Namen, nutzen das WLAN, und weiter ging es. Vor Boulder City geht die Interstate in den Highway 93 über. Dieser, auch Great Basin Highway genannt, führte uns direkt zum Hoover Dam. Und daran vorbei.

Wir überquerten auf der Brücke den Colorado und folgten dem Highway noch ein Stück. Hier war es schon ganz schön bergig und es ging abseits der Strasse teilweise steil auf und ab. Ein kleiner Parkplatz am Beginn eines Wanderweges war unser erster Stopp. Doch wir wollten nicht wandern sondern uns nur eine alte Brücke ansehen. Die steht hier noch von ehemals anderer Verkehrsführung neben dem Highway und ist ganz hübsch anzusehen.

Die wenigen Meilen zurück zum Hoover Dam waren dann noch ein Katzensprung. Wir folgten der Beschilderung, hätten aber auch schon früher abbiegen und uns von der anderen Seite nähern können. Wer den Schildern folgt, der landet erst am Besucherzentrum. Hier gibt es sogar ein Parkhaus und wer hier parkt, der darf richtig zahlen. Wir empfehlen den Damm zu überfahren und auch den nächsten Parkplatz, der dann nur noch sieben Dollar kostet, zu ignorieren. Nur ein paar Kurven weiter oben sind die Parkplätze kostenlos, der Mehraufwand an Wegstrecke über eine Treppe bedeutungslos.

Von hier aus lässt sich dann wunderbar über den Hoover Dam bis hinüber zum Besucherzentrum spazieren. Unterwegs vertrieben wir uns die Zeit mit dem Begutachten der vielen Plaketten, die hier verstreut sind. Ein Großteil der architektonischen und künstlerischen Meisterleistungen befindet sich in den Räumen, die im Damm stecken, doch hier kommt kein Tourist seit 2001 mehr hin. Zu groß ist die Angst vor einem Anschlag. Deswegen gibt es auch auf der Zufahrt eine Kontrollstation.

Witzig sind die beiden Uhrentürme. Im Sommer zeigen sie die gleiche Zeit, im Winter unterscheiden sie sich um eine Stunde. Das liegt an der Grenze zwischen Nevada und Arizona, die direkt in der Mitte der Staumauer verläuft. Nevada unterscheidet nach Sommer- und Winterzeit, Arizona nicht. Auf der Nevada-Seite, wo auch das Besucherzentrum steht, gibt es einige Statuen, die an den Bau erinnern, und eine Nachricht an Aliens oder andere zukünftige Besucher. Sie ist mit Planeten- und Sternenmodellen in den Boden eingelassen und soll so potenziellen Besuchern auf der Erde etwas Wissen näher bringen.

Ein weiterer Spaziergang zurück über dieses beeindruckende Bauwerk, welches als eines der Weltwunder bezeichnet wird, ein Begriff der gerne inflationär benutzt wird, und wir sind wieder beim Auto. Wir fahren ein Stück die Strasse zurück und kommen an einen Aussichtspunkt. Von hier ist noch ein Tunnel der alten Versorgungsbahn zu sehen. Die Schienen sind längst verschwunden und die ehemalige Bahnstrecke bietet nun Platz für viele Freizeitbeschäftigungen wie Joggen und Radfahren. Auch einen weiten Blick über Lake Mead kann man hier werfen.

In Boulder City machen wir noch einen kurzen Stopp. Hier gibt es ein Bahnmuseum, doch das hat nur am Wochenende auf. Ein Teil der Züge steht offen da und kann besichtigt werden. Am Wochenende fahren sie sogar und man kann Tickets kaufen. Viele Züge sind es nicht, doch sie sind schön anzusehen. Für Eisenbahnfans lohnt sich ein Stopp alle mal, doch sie sollten darauf achten, am Wochenende zu kommen um das volle Erlebnis zu haben.

Es geht zurück nach Las Vegas. Nach einer kurzen Pause im Hotel machen wir uns zum Strip auf. Die Attraktion von Las Vegas mit alle ihren Hotels und Casinos wie man sie von über all her kennt. Der Strip, das ist eine große mehrspurige Strasse die, ganz anders als sonst in Amerika, mit Fußgängerwegen und sogar Einschienenbahnen für alle vernünftig nutzbar ist. Im südlichen Bereich, vom Mandalay Bay über das Luxor bis zum New York ist diese Bahn sogar kostenlos. Doch wir kommen mit dem Auto und brauchen erst mal einen Parkplatz. Auch das kein Problem. Jedes Casino hat, wenn auch in zweiter Reihe, ein großes Parkhaus. Hier kann man in der Regel kostenlos parken. Besucher sollen ja angelockt werden. Wer keine Lust auf Parkplatzsuche hat, der fährt beim Valet-Parking vor und gibt sein Auto ab. Zum guten Ton gehört hier aber, dem Fahrer, der später das Auto wieder zurück bringt, ein paar Dollar Trinkgeld in die Hand zu drücken.

Wir parken hinter dem Luxor und gehen mitten durch die Pyramide. Man stelle sich ein mal vor, ein Gebäude, in Pyramidenform, in der Mitte ohne Stütze und in den schrägen Wänden nach oben sind jede Menge Hotelzimmer untergebracht. Darunter, in der offenen Innenhalle, das Casino, welches natürlich nicht fehlen darf. Beeindruckend ist das schon. Eine Kunstwelt, riesig, innen übergroße ägyptische Statuen, draussen eine Sphinx als Dach über dem Eingangsbereich. Die Kunstwelt geht so weiter über das Excalibur mit seinen Türmchen, dem New York New York, welches versucht so viel von der New Yorker Stadtansicht in seine Fassade zu übernehmen über das MGM Grand mit dem berühmten Löwen vor der Tür bis zum Paris mit seinem Eiffelturm.

Erst gegenüber dem Paris, hinter dem großen Teich, der auch gerne Lake Vegas genannt wird und auf dem ab 15 Uhr Wasserspiele, abends und nachts auch hübsch beleuchtet, zu sehen sind, steht immerhin etwas mit Stil. Das Bellagio. Wir spazierten den Teich entlang zum Eingang hin, und aus Lautsprechern, die rings herum angebracht waren, erklangen Hits von Frank Sinatra. Ein klein bisschen fühlten wir uns wie in einem früheren Las Vegas. Zudem war es hier ruhiger und entspannter als an und in den restlichen Spielhöllen. Uns gefiel das Gebäude und das Drumherum mit Abstand am Besten. Ob das nun an der weniger künstlichen Umgebung lag vermag ich nicht zu sagen.

Insgesamt kann man Las Vegas gut und gerne als „den großen Fake“ bezeichnen. Es ist eine Kunstwelt, mit der man sich abfinden muss. Es ist groß und gruselig. Aber man muss es gesehen haben. Allerdings von aussen, denn wer nur innen durch die Casinos läuft, der sieht überall das gleiche. Die Optik scheint es im Baukasten zu geben. Wir flüchten nach einiger Zeit und schlagen uns hier nicht die Nacht um die Ohren. Zum einen aus genannten Gründen, zum anderen haben wir am nächsten Tag eine lange Strecke vor uns. Und wir stecken nicht, wie gewollt, einen Quarter in eine Slot-Machine. Das, das einzige, worauf ich mich gefreut hätte, das, was man im Fernsehen immer gesehen hat, das geht nicht mehr. Auch in Las Vegas hat die Digitaltechnik Einzug gehalten. Die Spielgeräte sind digital, Displays, Kartenschlitze. Keine Münzen, kein Münzrattern. Doch wir sind nicht enttäuscht. Dazu sind die Eindrücke zu vielfältig.

Für Vergnügungssüchtige ist Las Vegas das richtige. Uns zieht es ins Bett. Und auf die Straße.