An diesem Tag wollten wir ein ganzes Stück fahren. Wir verschwinden schon im Morgengrauen aus dem Hotel. Der nahe Interstate führt in unsere Richtung und so entern wir die Fahrbahn in Richtung Norden. Es dauert nicht lange und wir landen kurz bevor wir Downtown passieren in dichterem Verkehr. Einen richtigen Stau haben wir nicht und nach einem Spurwechsel sind wir aus dem Gewühl heraus und auf dem Weg nach Norden. Die Interstate ist recht voll, aber der Verkehr fliesst. Unter anderem könnte das daran liegen, dass es hier keine wilden Spurwechsler gibt, was sogar verboten wäre. Jeder bleibt auf seiner Spur, rechts überholen ist erlaubt.

Wir haben Las Vegas hinter uns gelassen und auch das dazugehörige Ballungsgebiet liegt hinter uns und plötzlich ist die Strasse praktisch leer. Mehr Trucks als normale Autos, aber gefühlt ist es leer. Gut hundert Meilen weiter haben wir uns den ersten Geocache vorgenommen. Wir fahren ab. Die winzige Abfahrt endet direkt neben der Interstate an einer Schotterpiste mit großen Löchern. Hier testen wir gleich mal die Off-Road-Möglichkeiten unseres Jeeps. Er schlägt sich gut. Nach zweihundert Metern geht die Piste auf eine alte Straße über, die wohl früher, vor dem Interstate, der Highway war. Asphalt und Schotter lösen sich ab. Wir kommen erstaunlich gut vorwärts. Den Geocache finden wir. Der Ausflug in die Pampa trug zur Abwechslung bei, denn die Landschaft ist eintönig. Spärlich bewachsene Wüste. Doch die Weite in der Ebene hier ist unglaublich.

Haben wir uns eben noch über die Weite der eintönigen Landschaft ausgelassen werden wir bald eines besseren belehrt. Auch hier gibt es Abwechslung. Die vor kurzem noch in weiter Ferne erscheinenden Berge kommen immer schneller auf uns zu und schon bald erstrecken sich Felswände vor uns. Wir fahren direkt darauf zu und fragen uns ob die Strasse endet oder wie sie da durch führen soll. Plötzlich wird es kurviger, Geschwindigkeitsbegrenzungen weit unter den normal erlaubten 75 Meilen pro Stunde und wir verstehen. Ein Tal, eingeschnitten vom Virgin River. Hier schlängelt sich die Straße nicht nur durch die Berge sondern auch hinauf. Auch Frau Casalinga war hier unterwegs.

Am Earthcache „Virgin River Gorge“ machen wir Pause. Ein Picknick-Platz mit Parkplätzen, Tischen, Bänken und sogar fest montierten Grills lädt ein. Sogar eine Toilettenanlage gibt es. Per Self Service soll man an der Einfahrt zwei Dollar zahlen. Wir überlegen kurz, der Platz ist schon im Winterbetrieb, kein Mensch da und wir wollen ja nur mal kurz gucken, also lassen wir es. Wir waren gerade mit dem „kurz gucken“ fertig, da fährt die Highway Patrol auf den Parkplatz. Die „mussten wohl nur mal aufs Klo“, doch wir packen lieber und fahren weiter.

Über eine lange Ebene, nach den ganzen Höhenmetern, kommen wir zum nächsten schlängelnden Stück. Wir dachten schon wir wären oben, doch wir täuschen uns. Mitten auf der sich windenden Strecken verpassen wir fast einen Aussichtspunkt. Wir halten auf dem Seitenstreifen und starren in die Ferne. Dann schlängeln wir uns weiter und kommen früher als gedacht in Jacob Lake an.

In Jacob Lake wollten wir übernachten und uns am nächsten Morgen den Grand Canyon North Rim ansehen. Doch da wir so früh sind beschliessen wir, gleich hin zu fahren. Vierzig Meilen sind es noch. Völlig unerwartet fahren wir durch einen bewaldete Hochebene mit wenigen Hügeln. Hier und da sind die Bäume komplett abgebrannt, an anderen Ecken leuchten goldene Eschen wie Gold in der Sonne. Nach etwa 25 Meilen erreichen wir den Eingang zum Park. Bei einem netten alten Ranger von dem wir vermuten, er bessert hier seine Rente auf, kaufen wir einen Jahrespass für die Nationalparks. „America the beautiful“ nennt er sich, gilt zwölf Monate und kostet 80 Dollar. Wir haben uns durchgerechnet, dass es so billiger ist als wenn wir in allen Parks einzeln Eintritt zahlen würden. Hier hätte es regulär 25 Dollar gekostet. Der Ranger gibt uns noch eine Karte und den Tipp langsam zu fahren mit auf den Weg. Es hätte einen fürchterlichen Unfall gegeben.

Noch gut 15 Meilen sind es und wir fahren in der Tat etwas langsamer. Die Strecke ist kurvig, es geht bergab und von einem Canyon sind nicht mal Ansätze zu sehen. Wir denken schon, da kommt nix mehr, doch dann wildes Warnlichtblinken. Ein Fahrzeug hat es die Böschung hinunter getrieben und um die Bäume gewickelt. Es sieht böse aus. Bald sind wir dann auch am Großparkplatz angekommen. Wir bekommen einen Platz und laufen erst mal auf die Grand Canyon Lodge zu, wo auch das Visitor Center ist. Hier stellen wir fest, dass die Nationalparks nicht nur gut ausgebaute und saubere Toiletten haben, sondern auch Trinkwasserspender. Überall kann man lesen „Du bist in der Wüste, Du musst viel trinken“. Sie helfen dabei. Nicht nur einfach Wasserspender sind hier zu finden, sondern auch Hähne, an denen man leere Flaschen auffüllen kann. Sogar Eiswürfelmaschinen stehen bereit.

Wir folgen dem Pfad bis zum Bright Angel Trail. Hier laufen wir über betonierte an zerklüfteten Felsen vorbei bis zum Bright Angel Point. Genauer: wir fotografieren uns Meter für Meter vor. Der Blick ist atemberaubend, die Weite unglaublich. Weder Worte noch Bilder mögen den echten Eindruck beschreiben.

Entlang des Rims wandern wir zurück bis zum Aussichtspunkt unter der Lodge. Dann geht es zurück zum Auto. Vor der Lodge hält gerade ein Ranger einen Vortrag über Wildvögel am Grand Canyon. Wir hören uns den Teil über die wieder angesiedelten Condore an und fahren dann zurück. Die Unfallstelle ist noch nicht groß aufgeräumt, doch es stehen inzwischen Koffer auf der Strasse. „Urlaub beendet“ sagen wir uns und vermuten überhöhte Geschwindigkeit.

Wir fahren bis nach Jacob Lake. Im Jacob Lake Inn haben wir ein Zimmer gebucht. Doch auch das Jacob Lake ist eine Lodge und wir erhalten unsere eigene Holzhütte. Sie ist spärlich eingerichtet, doch dicker Teppich versucht das wieder wett zu machen. Auch eine dicke Decke über dem Bett lässt uns vermuten, dass die Heizung nicht sehr effizient sein wird. In der Tat ist die Nacht eisekalt. Doch es ist ja nur für diese eine Nacht.